Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/honor-9-lite-im-test-gutes-smartphone-mit-zwei-frontkameras-fuer-230-euro-1802-132585.html    Veröffentlicht: 06.02.2018 07:00    Kurz-URL: https://glm.io/132585

Honor 9 Lite im Test

Gutes Smartphone mit zwei Frontkameras für 230 Euro

Mit dem Honor 9 Lite hat Huawei einen eigenen Konkurrenten zu seinem guten Mittelklasse-Smartphone P Smart vorgestellt: Das Gerät kommt mit einem 2-zu-1-Display, einem Glasgehäuse und Dual-Kameras auf der Vorder- und der Rückseite. 230 Euro sind dafür ein guter Preis.

Huawei hat über sein Tochterunternehmen Honor das neue Smartphone 9 Lite vorgestellt. Das Gerät richtet sich an Nutzer im Mittelklassebereich und kostet 230 Euro. Golem.de konnte sich das Smartphone zum Verkaufsstart bereits anschauen - und feststellen, dass der angesetzte Preis von 230 Euro ein gutes Angebot ist.

Das Honor 9 Lite hat eine nahezu identische Ausstattung wie Huaweis kürzlich vorgestelltes P Smart: Das Display ist 5,65 Zoll groß, im Inneren arbeitet ein Kirin 659 als SoC, der Arbeitsspeicher ist 3 GByte groß. Das 9 Lite unterscheidet sich allerdings bei der Kameraausstattung und dem Gehäusematerial vom P Smart.

Der LC-Bildschirm des 9 Lite hat ein Format von 2:1, oder 18:9, wie es der Hersteller ausdrückt. Die Auflösung liegt bei 2.160 x 1.080 Pixeln, die Pixeldichte beträgt entsprechend 428 ppi. Das reicht problemlos aus, um Inhalte scharf anzuzeigen. Von der Qualität her können wir keine Unterschiede zum Bildschirm des P Smart ausmachen: Das 9 Lite ist ausreichend blickwinkelstabil, die Farben sind neutral - besonders für ein Gerät dieser Preisklasse können wir beim Display nichts beanstanden.

Gehäuse aus Glas ist gut verarbeitet, aber rutschig

Anders als das P Smart hat das Honor 9 Lite kein Gehäuse aus Metall. Der Rahmen ist aus Kunststoff, die Rückseite aus stark spiegelndem Glas. Das Smartphone kommt in Blau, Silber und Schwarz in den Handel. Unser blaues Testgerät schimmert zwar schön, allerdings sieht die Rückseite nicht so schön aus wie die des Honor 8.

Aufgrund der Glasrückseite ist das Honor 9 Lite ein ausgesprochenes Flutschi-Phone: Legen wir das Gerät auf einer auch nur minimal abschüssigen Fläche ab, rutscht es früher oder später herunter. Die Verarbeitung ist insgesamt allerdings sehr gut.

Kirin 659 mit acht Kernen

Der Kirin 659 im Inneren des Honor 9 Lite reicht sowohl für alltägliche Aufgaben als auch für nicht allzu komplexe Spiele aus. In den Benchmark-Tests erreicht das Smartphone mit dem P Smart vergleichbare Werte, was nicht verwunderlich ist, da es das gleiche SoC hat. Im Gerätetest Geekbench 4.1 erreicht das 9 Lite einen Single-Wert von 939 Punkten, was einen guten Mittelklassewert darstellt.

Im Icestorm-Unlimited-Test des 3DMark kommt das 9 Lite auf 12.339 Punkte - auch dieser Wert liegt auf dem gleichen Level wie beim P Smart. Zum Vergleich: Ein Topsmartphone wie das Oneplus 5T schafft fast 40.000 Zähler, ist aber natürlich auch wesentlich leistungsstärker ausgestattet. Im Grafiktest GFX Bench kommt das 9 Lite im Car-Chase-Test auf 3,2 fps, der gleiche Wert, wie ihn das P Smart erreicht. Grafisch sehr aufwendige Spiele sind nichts für das neue Honor-Smartphone, mit weniger komplexen Spielen hat das Gerät aber wenig Probleme.

Dual-Kamera auf Vorder- und Rückseite

Auf der Rückseite ist eine Dual-Kamera eingebaut, deren Hauptmodul wie beim P Smart 13 Megapixel hat. Die unterstützende zweite Kamera hat 2 Megapixel und dient ausschließlich dazu, Tiefeninformationen zu gewinnen. Eigene Aufnahmen wie bei Huaweis P10 oder Mate 10 Pro können wir mit der zweiten Kamera nicht machen.

Die Bildqualität entspricht der des P Smart: Bei Tageslicht stimmen Belichtung und Weißabgleich, die Schärfe ist ausreichend. Unter Vergrößerung können wir wie beim P Smart bereits Artefakte erkennen, die sich bei schwindender Beleuchtung verstärken. Für ein Smartphone dieser Preisklasse ist die Bildqualität insgesamt aber gut, auch wenn sie nicht mit der eines Topgerätes mithalten kann.

Porträtaufnahmen auch mit der Frontkamera

Das 9 Lite hat nicht nur Dual-Kameras auf der Rückseite, sondern auch auf der Vorderseite. Die Hauptkamera hat auch hier 13 Megapixel, die unterstützende Kamera 2 Megapixel. Dadurch können wir mit dem 9 Lite nicht nur mit der Hauptkamera Porträtaufnahmen mit unscharf maskiertem Hintergrund aufnehmen, sondern auch mit der Frontkamera.

Sowohl mit der Frontkamera als auch mit der rückseitigen Kamera sehen diese Porträts gut aus. Die Trennung zwischen Vorder- und Hintergrund ist gut, im Porträtmodus können wir noch eine Aufhübschung der Porträtierten aktivieren. Die Unschärfe des Hintergrundes können wir im Porträtmodus nicht beeinflussen, dies geht nur im Unschärfemodus, der für Objekte gedacht ist. Die Bildqualität der Frontkamera ist gut, besser als bei manch einem teureren Konkurrenten.

3 GByte RAM und zwei SIM-Steckplätze

Auch vom Speicher her ist das 9 Lite identisch mit dem P Smart: Der Arbeitsspeicher ist 3 GByte groß, der eingebaute Flash-Speicher 32 GByte. Ein Steckplatz für Micro-SD-Karten ist vorhanden. Das Smartphone unterstützt LTE sowie WLAN nach 802.11b/g/n - an dieser Stelle ist ersichtlich, wo Huawei beim Gerät gespart hat. Bluetooth läuft in der Version 4.2, ein GPS-Empfänger und ein NFC-Chip sind eingebaut.

Nutzer können mit dem Honor 9 Lite zwei SIM-Karten gleichzeitig verwenden. Die zweite Karte muss sich den Slot allerdings mit dem der Speicherkarte teilen, weshalb wir entweder zwei SIM-Karten gleichzeitig oder eine SIM-Karte und eine Micro-SD-Karte gleichzeitig verwenden können.

Durchschnittliche Akkulaufzeit

Ausgeliefert wird das 9 Lite mit Android 8.0 und der Huawei-Benutzeroberfläche Emotion UI 8.0. Der Akku hat eine Nennladung von 3.000 mAh. In unserem Videotest, bei dem wir ein Full-HD-Video bei voller Helligkeit schauen, hat das Honor 9 Lite sechs Stunden lang durchgehalten - ein durchschnittlicher Wert. Bei alltäglicher Nutzung hält das Smartphone problemlos einen Tag lang durch.

Geladen wird das Smartphone über einen Micro-USB-Anschluss, eine Schnellladefunktion gibt es nicht. Auf der Rückseite ist ein Fingerabdrucksensor eingebaut, der sich gut ertasten lässt und in unserem Test gut funktioniert.

Verfügbarkeit und Fazit

Das Honor 9 Lite kostet beim Hersteller 230 Euro. Käufer erhalten zum Smartphone eine Schutzhülle und eine 64 GByte große Micro-SD-Karte dazu.

Fazit

Das Honor 9 Lite ist ein gutes Mittelklasse-Smartphone, insbesondere für 230 Euro. Mit dem Gerät unterbietet Huawei sogar noch sein unter eigenem Namen vertriebenes P Smart, das nahezu identische Hardware besitzt.

Für eine Preisersparnis von 30 Euro müssen Käufer des Honor 9 Lite hinnehmen, dass das Gehäuse des Smartphones anders als das des P Smart nicht aus Metall ist. Bei der rutschigen Glasrückseite mussten wir im Test immer wieder aufpassen, dass uns das Gerät nicht herunterfällt.

Dafür erhalten Käufer eine Dual-Kamera auf der Rückseite, die das P Smart nicht hat. Wer häufig Selbstporträts aufnimmt, könnte dies interessant finden - zumal die Bildergebnisse durchaus überzeugen. Bei der Hauptkamera konnten wir hingegen keinen Unterschied zum P Smart ausmachen.

Löblich ist, dass auch das Honor 9 Lite mit der aktuellen Android-Hauptversion erscheint. Zusammen mit den 3 GByte RAM und dem Kirin-659-SoC lässt sich auf dem Smartphone gut arbeiten; alltägliche Herausforderungen wie Browsen, Videos schauen oder auch Spiele spielen sind für das Gerät kein Problem. Die Akkulaufzeit ist in Ordnung, ohne dass Huawei mit dem Honor 9 Lite auf diesem Gebiet glänzen kann.

Wer auf das Metallgehäuse verzichten kann, kann unserer Meinung nach statt zum Huawei P Smart auch zum Honor 9 Lite greifen. Dafür bekommen Käufer noch eine bessere Frontkamera. Was Huawei als Mutterkonzern mit der Strategie, in einem Monat zwei nahezu identische Smartphones auf den Markt zu bringen, erreichen will, ist uns nicht klar - den Käufern kann das im Augenblick aber wohl egal sein.  (tk)


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