Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/laurastar-smart-u-der-buegel-battle-faellt-leider-aus-1802-132530.html    Veröffentlicht: 13.02.2018 12:03    Kurz-URL: https://glm.io/132530

Hightech im Haushalt

Der Bügel-Battle fällt leider aus

Erhitzte meine Uroma noch einen Backstein im Ofen, um Falten aus Opas Hemd zu bekommen, glätten heute dynamische Endzwanziger ihr Business-Shirt mit Hightech - so die Vorstellung der Hersteller der Bügelstation Laurastar Smart U. Wir haben ausprobiert, ob ein App-gesteuertes Bügeleisen die Familie zu Bügelfans macht.

Auf der Ifa 2017 war es unübersehbar: Im höherpreisigen Haushaltsgeräte-Segment ist der Zugang per Funk und Smartphone-App mittlerweile fast schon Pflicht. Bei Waschmaschine und Herd ist das durchaus sinnvoll, wir wollen zur Überwachung schließlich nicht ständig neben den Geräten stehen müssen. Aber ist es auch bei einem Bügeleisen hilfreich, das wir naturgemäß selbst bedienen müssen?

Der Hersteller Laurastar verspricht uns bei seinem Topprodukt Gamification und einen Lernmodus dank Bluetooth Low Energy und App. Durch eine Teststellung erhalten wir die Gelegenheit, es auszuprobieren, und wollen herausfinden, ob es tatsächlich dazu taugt, die Bügelmuffel in der Familie zur Mitarbeit zu überreden.

PCs mit Bügeleisen

Unser Paketbote glaubt uns nicht, dass in dem knapp 2 m großen und schweren Paket nur ein Bügelbrett steckt. Tatsächlich ist das auch nicht ganz richtig: Das Laurastar Smart ist ein Dampfbügelsystem. Dabei ist das eigentliche Bügeleisen nur ein Anhängsel einer größeren Dampferzeuger- und Elektronik-Einheit am Bügelbrettgestell. Und das Brett ist eigentlich eine Gitterauflage mit einem großen, integrierten Lüfter, der wahlweise ansaugt oder bläst. Solche Merkmale sind nicht allein der Laurastar vorbehalten, Philips Wardrobecare GC9940 sieht sogar aus wie ein Desktop-PC mit angeflanschter Bügelauflage.

Beim ersten Blick in den offenen Karton bereiten wir uns innerlich auf eine Ikea-Bastelstunde vor. Doch nachdem wir die ganzen Verpackungsteile entfernt haben, erweisen sich Aufbau und Inbetriebnahme als recht einfach. Eine knappe, aber ausreichende Anleitung hilft dabei. Wer nicht lesen will, dem zeigt auch die zugehörige Laurastar-App für iOS und Android beim Start kurze Videosequenzen über den Aufbau.

Zeit für ein eigenes Bügelzimmer

So steht nach wenigen Minuten ein stabiles und schweres Bügelbrett vor uns, nichts am eleganten Design deutet auf Hightech hin. Die Fertigungsqualität ist exzellent, es klappert und wackelt nichts. Die Höhenverstellung ist unkompliziert. Im zusammengeklappten Zustand passt das System mit circa 30 cm Breite auch in einen schmaleren Besenschrank. Aufgrund der Größe und des Gewichts ist es aber beschwerlich, es aufzustellen und wieder zusammenzuklappen, vor allem für kleinere Menschen, auch wenn der eigentliche Klappmechanismus leichtgängig ist und das Brett Rollen hat.

Sofort wollen wir das Smarte am Bügeleisen testen und versuchen, unser Oneplus 3 (Android 8) mit dem System zu verbinden. Doch die App stürzt dabei reproduzierbar ab. Versuche mit anderen Android-Smartphones scheitern ebenfalls. Wir beschließen, es erst einmal auf dem traditionellen Weg zu versuchen, denn das Bügelsystem kann auch komplett offline bedient werden.

Glätten mit Dampf statt Hitze

Als eher traditionelle Bügler müssen wir uns dabei umgewöhnen. Normalerweise setzen wir auf ordentlich Hitze (bis 200 °C) und Druck sowie gelegentlich ein feuchtes Tuch für unsere verknitterten Baumwollhemden. Als Dampfbügler benutzt die Laurastar hingegen nur mäßig Hitze (ca. 100 °C) und Wasserdampf. Konsequent verzichtet das Gerät auch auf einen Temperaturregler und -anzeige, selbst in der App, wie wir später herausfinden. Das macht uns anfangs nervös, aber das gibt sich mit der Zeit und die Bügelergebnisse sind genauso gut und leichter erreichbar als mit unserer Brachialmethode.

Nachteilig an der Dampfmethode ist die recht lange Einschaltzeit, bis die Laurastar mit einem deutlich wahrnehmbaren Piepen ihre Funktions- und Dampfbereitschaft anzeigt. Das dauert rund drei Minuten, unser herkömmliches Bügeleisen benötigt gerade mal 30 Sekunden bis zur Betriebsbereitschaft.

Es bläst und saugt

Was wir am Bügeleisen steuern können, sind der Dampfausstoß und der Lüfter. Im Ansaugbetrieb hält der Lüfter das Wäschestück fest auf dem Brett, im Blasbetrieb verhindert er unfreiwillige Bügelfalten. Das ist praktisch und wir wollen es nicht mehr missen. Allerdings ist der Lüfter beim Bügeln ständig an, wir können lediglich die Strömungsrichtung beeinflussen. Das wäre kein Problem, wenn der Lüfter nicht relativ laut wäre, weitgehend unabhängig von der in vier Stufen wählbaren Saug-/Blasstärke. Wir können uns zwar normal beim Bügeln unterhalten, störend wirkt es aber trotzdem. Laut wird es auch bei der Dampferzeugung. Das ist allerdings kein spezifisches Problem der Laurastar. Zum Glück schaltet sich der Lüfter aber ab, wenn wir das Bügeleisen nicht weiter bewegen.

Das Smarte an der Laurastar Smart begegnet uns zum ersten Mal - auch ohne App - bei der Dampfnutzung. Bei klassischen Dampfbügeleisen müssen wir eine (mechanische) Taste drücken, um eine Dampfwolke zu produzieren. Diese hat die Laurastar ebenfalls, auch wenn es sich um eine elektronische Taste handelt. Interessant sind aber weitere Einstellungen, die allerdings in der Basisvariante fehlen. Per Tastendruck an der Steuerungseinheit können wir einen pulsierenden Dampfausstoß auswählen. Dann erfolgen kontinuierlich kurze Dampfstöße, während wir die Dampftaste am Bügeleisen gedrückt halten.

Bügeleisen erkennt unsere Bewegung

Einen weiteren Dampfmodus bezeichnet der Hersteller als Sensteam-Technologie: Er funktioniert wie der pulsierende Dampfausstoß, benötigt aber keinen expliziten Tastendruck. Bewegen wir das Bügeleisen nach vorn, wird kontinuierlich Dampf ausgegeben, bewegen wir es nach hinten, hingegen nicht. Die Funktion ist am Anfang gewöhnungsbedürftig, denn sie verlangt etwas Übung und Disziplin, erweist sich dann aber als praktisch. Diesen Modus gibt es aber nur in der teuersten Variante der Laurastar Smart.

Unabhängig vom Dampfmodus ist der Ausstoß stets konstant dosiert und das Bügeleisen spuckt nicht ein einziges Mal. Solche Schwächen sind bei niedrigpreisigen Dampfbügeleisen leider oft alltäglich.

Nachdem wir auf diese Weise ein Wochenende mit dem Offline-Bügeln von Hemden, Bettwäsche und Taschentüchern zugebracht und gute Ergebnisse erzielt haben, werden wir schließlich eines iPhone 8 habhaft. Damit klappt die Kopplung mit der Bügelstation sofort.

Die App als Steuerungszentrale

Damit wir die App nutzen können, sollen wir uns registrieren. Der Hersteller will einiges an Daten von uns haben. In der Übersicht der App erfahren wir, wie lange wir schon gebügelt haben, und erhalten Informationen über den Wasserstand und den Anti-Kalk-Filter. Außerdem bietet sie Buttons zum Dampfmodus und der Lüfterstärke, die direkt mit den Tasten an der Steuerungseinheit des Bügelsystems korrespondieren.

Uns werden ebenfalls drei Tutorial-Sektionen präsentiert. Bei der ersten handelt es sich um die oben bereits genannte Aufbau- und Wartungsanleitung, eine weitere soll die Bügelgrundlagen vermitteln, die dritte fortgeschrittene Kenntnisse.

Per App zum Meisterbügler?

Wir beginnen mit dem Grundkurs. Der fängt gut an: Ein kurzes Video zeigt uns, mit welcher Geschwindigkeit das Bügeleisen hin- und hergeschoben werden muss. Das sollen wir nachmachen, den Takt gibt uns die App vor. Unsere realen Bügelbewegungen werden dabei auch in der App per Animation angezeigt. Textanweisungen befehlen uns, schneller zu machen.

Natürlich klappt das nicht beim ersten Versuch. Wir wiederholen die Einheit und schließlich meldet uns die App ein "Perfekt". In der zweiten Lektion machen wir uns mit dem Lüfter des Bügelbretts vertraut. In der dritten Einheit der Lektion erfahren wir, wann wir die beiliegende Zusatzsohle nutzen müssen.

Nachdem wir diese Lektion durchlaufen haben, erhalten wir Punkte. Sie motivieren uns, weiterzumachen und in der fortgeschrittenen Lektion sollen wir tatsächlich bügeln lernen. Die verschiedenen Einheiten beschreiben zwar konkrete Aufgaben, wie zum Beispiel das klassische Hemdenbügeln. Allerdings handelt es sich um reine Videos. Interaktive Elemente im Zusammenspiel mit dem realen Bügeleisen fehlen hier völlig - obwohl die erste Einheit beweist, dass es möglich wäre.

Die App hilft uns kaum

Unabhängig davon stellt sich uns von der ersten Lektion an ein essenzielles Problem: wohin mit dem Smartphone? Wir brauchen schließlich beide Hände zum Bügeln. Wir legen es immer wieder auf das Bügelbrett, auch wenn uns die Nähe zum heißen Eisen nicht behagt. Warum der Hersteller einen Smartphone-Halter nicht einmal als kostenpflichtiges Zubehör für das Brett anbietet, ist uns zuerst ein Rätsel.

Doch im Bügelalltag spielt die Ablagefrage dann doch keine Rolle. Denn einen ernsthaften Grund, nebenbei ständig aufs Smartphone zu schauen, gibt es nicht. Wir erhalten nirgendwo mehr Punkte, für Statistikfans interessante Betriebsdaten wie Temperatur, aktuelle Bügeldauer oder zurückgelegte Bügelkilometer werden nicht angezeigt. Familieninterne Bügelwettbewerbe fallen damit aus.

Merkwürdigerweise verzichtet die App auch auf eine vergleichsweise einfache Funktion. Wir müssen selbst entscheiden, wie der Lüfter arbeiten soll und ob wir mit Dampf oder ohne arbeiten wollen. Wir würden die Parameter gerne per App anhand des Stoffs und des Wäschestücks automatisiert auswählen oder zumindest Nutzungsprofile mit diesen Parametern anlegen können.

Verfügbarkeit und Fazit

Die Laurastar Smart ist im einschlägigen Haushaltsgeräte-Fachhandel erhältlich. Je nach Variante empfiehlt der Hersteller einen Verkaufspreis zwischen 1.600 und 2.000 Euro. Die Dreierpackung Kalkschutzfilter kostet 45 Euro, ein Ersatzbügelbrettbezug zwischen 35 und 200 Euro. Das hört sich teuer an, die Preise sind in diesem Segment aber nicht ungewöhnlich.

Fazit

Für Bügelfans ist Laurastar ein unverzichtbarer Luxus - sie gehört in die gleiche Kategorie wie der Thermomix: Niemand braucht sie, aber wer sie einmal hat, will sie nicht wieder hergeben. Die Verarbeitung und Bedienung der Bügelstation ist untadelig. Die Bügelergebnisse können sich stets sehen lassen. Dabei spielt es keine Rolle, ob wir nur zwei, drei Hemden bügeln oder am Wochenende unseren halben Kleiderschrank am Stück verarbeiten.

Die Sensteam-Technik und die automatische Abschaltung bei Bewegungslosigkeit geben einen ersten Ausblick darauf, was smart bei einem Bügeleisen bedeuten kann.

Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir gescheitert sind, den Rest der Familie fürs Bügeln zu begeistern. Die App könnte Bügelmuffel anleiten, ihnen helfen und sie motivieren. Doch das bleibt in den Ansätzen stecken. Das Potenzial, was in der Kombination aus Hightech-Bügeleisen und App steckt, wird nicht ausgeschöpft.  (am)


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