Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/geforce-now-beta-im-test-es-laeuft-rund-und-streamt-huebsch-1802-132384.html    Veröffentlicht: 08.02.2018 09:15    Kurz-URL: https://glm.io/132384

Geforce Now (Beta) im Test

Es läuft rund und streamt hübsch

Nvidias Spielestreaming-Dienst Geforce Now unterstützt drei Plattformen und Hunderte von Titeln. Im Test haben uns auch Latenz und Bildqualität meistens überzeugt - Letztere aber wie erwartet nur mit einer recht schnellen Leitung.

Filme und Serien oder Musik über das Internet zu streamen, ist seit Jahren möglich und klappt zumeist auch einwandfrei. Frühere Spielestreaming-Anbieter wie Gaikai und Onlive hingegen mussten den Betrieb einstellen und sind längst Teil von Sonys Playstation Now, was auch gut funktioniert. Auf diversen Shield-Geräten von Nvidia gibt es zudem seit 2015 Geforce Now. Diesen Dienst hat der Hersteller nun als Beta für Mac und Windows-PC ausgeweitet. Er funktioniert anders als Playstation Now, dennoch sind wir angetan.

Geforce Now ist derzeit per Warteliste verfügbar. Neben einem Nvidia-Account, der auch für Geforce Experience gilt, muss ein Client heruntergeladen werden. Genau genommen ist Geforce Now kein Spielestreaming-Dienst, sondern gemietete Rechenleistung als virtuelle Maschine in Nvidias Serverfarmen. Wie hoch der Preis ausfällt, hat der Hersteller noch nicht verraten. Free-2-Play-Titel (F2P) wie Fortnite sind so gesehen auch nicht kostenlos, alle anderen Spiele müssen ohnehin gekauft werden oder im Besitz sein. Momentan unterscheidet Nvidia zwischen offiziell und inoffiziell unterstützten Titeln.

Der Dienst funktioniert mit der Blizzard-App (einst Battle.net), Steam sowie Uplay und integriert zudem diverse F2P-Titel wie Dota 2, League of Legends oder eben Fortnite. The Elder Scrolls Online gibt es auch, allerdings nur die Steam-Version und nicht die mit Bethesda-Launcher. Von Blizzard gibt es unter anderem Destiny 2, Diablo 3, Overwatch Starcraft 2 und World of Warcraft. Seitens Ubisoft sind etwa For Honor, Rainbox Six Siege, The Division und Watch Dogs 2 verfügbar. Deutlich größer ist das Angebot bei Steam.

Nvidia verwendet eine High-End-Grafikkarte

Über Valves Plattform haben Spieler momentan Zugriff auf alle Anwendungen und Titel, sofern sie F2P sind oder erworben wurden. Wer sich mit seinem Steam-Account anmeldet, kann sogar von der virtuellen Maschine aus im Store neue Spiele kaufen. Nvidia unterstützt bisher knapp 200 Titel. Diese liegen auf den Servern und starten in Sekunden. Nicht unterstützte Spiele müssen heruntergeladen und jedes Mal konfiguriert werden. Die Steam-Cloud für Savegames läuft. Da Nvidias Cluster schnell angebunden sind - wir haben bis zu 125 MByte/s gesehen -, dauert das Laden nur wenige Minuten. Nicht unterstützt werden US-Versionen von Call of Duty WW2 oder Wolfenstein 2 und auch VR-Spiele funktionieren mangels physischem Zugang nicht.

Weil jegliche Software per Steam nutzbar ist, können wir auch Futuremarks 3DMark installieren oder den SteamVR Performance Test starten. Wir können sogar die Hardware, auf der die virtuelle Maschine läuft, per EVGAs Precision X ein bisschen manipulieren. Nvidia verwendet pro Spieler eine Tesla P40, die einer heruntergetakteten Titan XP entspricht, mit einem 18-kernigen Broadwell-EP (einen Xeon E5-2697 v4, bei dem 8C/8T verfügbar sind) und 16 GByte RAM. Eine Limitierung beim Speicherplatz für Spiele in der VM gibt es offenbar nicht.

Wie gut Spiele auf der virtuellen Maschine laufen, hängt davon ab, welche Einstellungen in den Grafikoptionen und welchen der zwei Streaming-Modi wir verwenden. Wie das Spiel schlussendlich auf dem Monitor aussieht, wird maßgeblich von der Geschwindigkeit der Internetleitung bestimmt. Nvidia empfiehlt nicht umsonst mindestens 25 MBit/s Bandbreite.

Bildqualität und Latenz überzeugen

Grundsätzlich muss der als Streaming-Client verwendete Rechner in der Lage sein, das ankommende H.264-Video zu decodieren. Das funktioniert auf praktisch allen halbwegs aktuellen Grafikkarten und Prozessoren, selbst auf einem Atom-Chip. Wichtiger ist die Internetleitung, weil ansonsten die Bildqualität leidet: Im Büro mit 200 MBit/s und Gigabit-Ethernet bekommen wir 1.920 x 1.080 Pixel bei einer Bildrate von 60 fps und maximalen Details, was besser aussieht als das, was eine Playstation 4 oder eine Xbox One in Spielen wie Playerunknown's Battlegrounds abliefern. Im Vergleich zur lokal nativ gerenderten PC-Version müssen wir bei Geforce Now bewusst hinschauen, um die durch die Kompression hervorgerufenen Unterschiede zu erkennen.

Auch daheim mit 100 MBit/s und 5-GHz-ac-2x2-WLAN streamt Geforce Now die ganze Zeit in 1080p60. Bei der 64-MBit/s-Leitung des Nachbarn, was über den von Nvidia empfohlenen 50 MBit/s liegt, meinen wir eine etwas höhere Kompression zu sehen, Auflösung und Bildrate aber bleiben gleich. Erst bei unter 30 MBit/s drosselt Geforce Now auf optisch akzeptables 720p60, je nach Spiel sogar auf 540p60 oder 540p30. Letzteres ist dann arg hässlich. Unsere Messungen zeigen, dass alles über 45 MBit/s zumeist in 1080p60 resultiert. Unabhängig kann die Kompreession teils zu hässlichen Artefakten führen, etwa beim Himmel in Watch Dogs 2. Das trat bei unseren Tests aber selten auf.

Mehr als 1080p60 geht per Zusatzoption, Nvidia nennt sie Ultra Streaming Mode. Dabei werden automatisch im Spiel unterschiedliche Einstellungen reduziert, damit der Titel auf dem Server mit 120 fps oder mehr gerendert und an den Client geschickt wird. Was genau Nvidia ändert, ist uns unklar und erschloss sich auf Nachfrage ebenfalls nicht. 4K mit 30 fps oder gar 4K mit 60 fps wäre laut Nvidia machbar, ist aber für die meisten Internetleitungen nicht praktikabel. Ohne HEVC wäre wohl auch die Optik bedingt durch die Kompression wenig überzeugend, zumal ein 4K-Monitor vorhanden sein sollte.

Der Ultra Streaming Mode reduziert die Latenz

Um die Latenz bei Geforce Now möglichst niedrig zu halten, werden deutsche Nutzer mit der Serverfarm in Amsterdam, Frankfurt oder London verbunden. Wie erwartet laufen unsere Spiele immer auf den Render-Clustern in Frankfurt. Der Hintergedanke des Ultra Streaming Mode und dessen höhere Framerate ist der einer niedrigeren Latenz auf Kosten der Bildqualität. Nvidias Performance-Overlay via Strg+Alt+F6 hilft, die Verzögerung für die Verbindung zum Server inklusive Decoding und Rendering zu bestimmen.

Im normalem Modus mit 1080p60 bei 200 MBit/s erreichen wir in Counter-Strike Global Offensive eine durchschnittliche Latenz von 21 ms. Dazu kommen noch lokale Verzögerungen, etwa beim Monitor, die vom jeweiligen System abhängen. Mit dem Ultra Streaming Mode konnten wir diese auf 13 ms drücken, was zumindest in CSGO deutlich spürbar war. Ungeachtet dessen halten wir die Verzögerung für zu hoch, um (ernsthaft) kompetitiv zu spielen.

Anders sieht es bei Einzelspielertiteln aus. Hier ist je nach Spiel die Latenz völlig in Ordnung und Geforce Now erweist sich als ziemlich nützlich.

Nützlich für Singleplayer unterwegs

Der Autor dieser Zeilen etwa spielt sehr gerne Grim Dawn, den indirekten Nachfolger von Titan Quest. Das Action-RGP läuft auf dem genutzten Business-Ultrabook, einem Thinkpad X1 Carbon G4 mit integrierter Intel-Grafik, nur in 720p mit mittleren Details bei 30 bis 40 fps. Allerdings gibt es immer wieder Ruckler und Grafikfehler wie flimmernde Schatten oder Shader.

Geforce Now bildet - sofern schnelles Internet gegeben ist - mehr als nur eine Alternative: Grim Dawn läuft hier in 1080p mit 60 fps bei maximalen Details und per Ultra Streaming Mode ist die Latenz subjektiv sogar besser, als wenn lokal auf dem Thinkpad gespielt wird. Und der Kollege mit dem Macbook 12 freut sich, dass er Cities Skylines nicht nur auf dem heimischen Desktop zocken kann, da Geforce Now für Mac verfügbar ist.

Was bei der Betrachtung von Geforce Now fehlt, sind die Preise. Die Version etwa für das Shield TV kostet 10 Euro im Monat, hier handelt es sich um eine Mischung aus Abo und selbst zu kaufenden Spielen. Nvidia hatte im Januar 2017 von 1,25 US-Dollar pro Stunde bei der Leistung einer Geforce GTX 1060 und 2,5 US-Dollar je Stunde für die Geschwindigkeit einer Geforce GTX 1080 gesprochen. Dieses Modell wird aber so wohl nicht umgesetzt, zumindest wollte der Hersteller die Preisstruktur von Geforce Now nicht kommentieren.

Die Konkurrenz will 90 US-Cent pro Stunde

Sony verlangt für Playstation Now, das PS3- und PS4-Spiele streamt, 17 Euro pro Monat. Der Dienst ist für Windows-Systeme verfügbar, die Bildqualität ist mit 720p60 sowie Konsolendetails aber klar schlechter als bei Geforce Now. Das Prinzip gemietete Rechenleistung gibt es beispielsweise auch bei Paperspace, das hierzu mit Parsec kooperiert. Letzteres hat Server in Amsterdam stehen, wie Nvidia. Eine Maschine mit einer der Tesla P40 vergleichbaren Leistung - eine Quadro P6000 - kostet 90 US-Cent pro Stunde und zusätzlich 5 US-Dollar für Speicherplatz pro Monat. Allerdings schaltet Paperspace ein solches System erst frei, wenn wir erläutern, wofür wir den Rechner einsetzen wollen.

Unser Ersteindruck der Beta

Geforce Now funktioniert im aktuellen Zustand bereits gut. Die Auswahl an unterstützten Spielen ist vor allem unter Steam groß, bei Valves Onlinedistribution können wir sogar alle Titel grundsätzlich installieren. Die Bildqualität fällt mit 1080p bei 60 fps anständig aus, die Kompression stört selten und grobe Darstellungsfehler waren im Betatest die Ausnahme. Die Latenz reicht für Singleplayer-Gaming locker aus, im Ultra Streaming Mode mit 120 fps machen auch flottere (Offline-)Ego-Shooter durchaus Spaß.

Wichtig ist für Geforce Now eine schnelle Internetleitung, wir raten zu mindestens 40 MBit/s - Nvidia selbst nennt 50 MBit/s. Neben der Bandbreite stellt sich dann noch die Frage des Preises für die gemietete Rechenleistung, erst dann können wir final über Geforce Now urteilen.  (ms)


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