Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/autonomes-fahren-gm-kuendigt-lenkradloses-auto-fuer-2019-an-1801-132149.html    Veröffentlicht: 12.01.2018 15:50    Kurz-URL: https://glm.io/132149

Autonomes Fahren

GM kündigt lenkradloses Auto für 2019 an

Bestückt mit fünf Laserscannern, 16 Kameras und 21 Radaren: Der von GM produzierte autonome Chevy Bolt soll schon im kommenden Jahr ohne Lenkrad und Pedale unterwegs sein.

Der US-Autohersteller General Motors (GM) will bereits im kommenden Jahr autonome Autos ohne Lenkrad und Pedale auf den Markt bringen. Das habe das Unternehmen am Freitag anlässlich der Technikmesse CES in Las Vegas angekündigt, berichtete das Portal The Verge. Die GM-Tochterfirma Cruise Automation modifiziert dazu einen elektrischen Chevy Bolt, der für eine Serienproduktion als selbstfahrendes Auto entwickelt wurde. Die Fahrzeuge unter dem neuen Namen Cruise AV sollen für Taxidienste in verschiedenen Städten zum Einsatz kommen. Aus dem Text geht nicht hervor, wie viele Exemplare des Autos bis 2019 am Standort Orion im US-Bundesstaat Michigan produziert werden sollen.

In einem kurzen Video ist auch der Innenraum des lenkradlosen Autos der Stufe 5 zu sehen. Dabei nutzt GM jedoch kaum die Möglichkeiten, die andere Hersteller wie Mercedes mit dem F 015 oder Audi mit dem Aicon in Studienfahrzeugen bereits angedeutet haben. "Fahrer" und Beifahrer haben keinen eigenen Bildschirm vor sich, lediglich in der Mittelkonsole befindet sich ein kleiner Monitor mit einigen Bedienelementen für die Klimaanlage. In den Kopfstützen befinden sich Monitore für die Passagiere im Fond.

Bewegliche Sensoren am Außenspiegel

In einem erstmals veröffentlichen Sicherheitsbericht zu autonomen Autos nennt GM einige technische Details des neuen Fahrzeugs. Demnach verfügt der Cruise AV über fünf Laserscanner, 16 Kameras und 21 Radare. Die fünf Laserscanner und neun der Kameras finden sich in dem auffälligen Dachaufbau. Auffällig sind auch die beiden beweglichen Radare an den Außenspiegeln. Darüber hinaus gibt es einer Skizze zufolge zehn Nahbereichsradare, acht Fernbereichsradare und ein weiteres bewegliches Radar unter der Fronthaube.

Der Cruise AV ist nach Firmenangaben mit einem komplett neuen und fehlertoleranten System für Elektrik, Kommunikation und Aktuatorik ausgestattet. Dem Sicherheitsbericht zufolge sind sämtliche Systeme redundant ausgelegt. Dazu zählen nicht nur Lenkung und Bremsen, sondern auch der zentrale Fahrzeugcomputer. Bei einem Ausfall der Hochvoltbatterie gibt es Rückfallsysteme, um die Stromversorgung der Steuerung sicherzustellen.

Anspruchsvolle Tests in San Francisco

GM testet dem Bericht zufolge die dritte Generation des Fahrzeugs bereits in San Francisco und Phoenix (Arizona). Dabei seien die Tests in San Francisco deutlich anspruchsvoller als in Phoenix, wo GM ebenso wie die Google-Schwesterfirma Waymo eher in Vororten unterwegs sei. Demnach gibt es in San Francisco 32-mal so viele Interaktionen mit anderen Verkehrsteilnehmern wie in Arizona. Das Verhältnis bei Begegnungen mit Notfallfahrzeugen liege sogar bei fast 50 zu 1.

Dabei steht GM ebenso wie andere Anbieter vor dem Problem, dass es für den Einsatz selbstfahrender Autos in den USA noch keine gesetzliche Regelung gibt. Nach Angaben von The Verge strebt GM dabei keine Ausnahmeregelung von den derzeit geltenden Sicherheitsstandards an, sondern will die Auflagen auf andere Weise erfüllen. "Ein Auto ohne Lenkrad kann keinen Lenkradairbag haben", sagte GM-Präsident Dan Ammann. "Wir können auch den Beifahrerairbag auf diese Seite bringen. Damit erfüllten wir die Standards, aber auf eine andere Art und Weise als das, was genau vorgeschrieben ist. Und für einen solchen Antrag möchten wie die Genehmigung erhalten."

Das US-Repräsentantenhaus will mit dem sogenannten Self-Drive-Act die Zulassung hoch- und vollautomatisierter Autos in den USA erleichtern. Damit soll es jedem Autohersteller ermöglicht werden, in wenigen Jahren bis zu 100.000 selbstfahrende Autos jährlich auf die Straße zu bringen, ohne dass dazu sämtliche Sicherheitsanforderungen erfüllt werden müssen. Bislang lag das Limit für die Ausnahmegenehmigungen bei 2.500 Testautos. Nach Angaben von The Verge liegt der Gesetzgebungsprozess derzeit im US-Kongress auf Eis.  (fg)


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