Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/digitale-assistenten-hey-google-und-alexa-mischt-euch-nicht-ueberall-ein-1801-132138.html    Veröffentlicht: 13.01.2018 10:00    Kurz-URL: https://glm.io/132138

Digitale Assistenten

Hey, Google und Alexa, mischt euch nicht überall ein!

Digitale Assistenten waren eines der beherrschenden Themen auf der diesjährigen CES. Amazon und Google dringen immer stärker in Bereiche vor, die für Sprachsteuerung eher ungeeignet sind. Wer will schon unbedingt mit der Klospülung sprechen?

Die Sprachassistenten von Google und Amazon können einem daheim durchaus das Leben einfacher und komfortabler machen. Mal eben mit Alexa oder Google Assistant das Licht auf Zuruf ein- oder auszuschalten, ist nicht unverzichtbar, aber wer sich erstmal daran gewöhnt hat, will es nicht mehr missen. Wer in der Küche Teig knetet, ist froh, wenn er einen Timer einstellen oder die Musik einschalten kann, ohne sich erst die Hände waschen zu müssen.

Aber wenn es nach Amazon und Google geht, weichen uns die digitalen Assistenten bald gar nicht mehr von der Seite, wie sich auf der CES in Las Vegas zeigte. Beide Unternehmen setzen derzeit alles daran, ihre digitalen Assistenten auf so vielen Geräten wie möglich zu bringen. Ob das für die Kunden auch wirklich praktisch ist, scheint dabei selten ausschlaggebend zu sein.

Wenn in der S-Bahn alle Geräte anspringen

Google bringt seinen Assistant auf immer mehr Android-Smartphones, und auch Amazon sucht neue Partner, um Alexa auf das Smartphone zu bekommen. Kurz vor der CES hat Amazon neue Entwicklerwerkzeuge bereitgestellt, damit Alexa auch zusammen mit Kopfhörern, Fitnessarmbändern oder Smartwatches genutzt werden kann. Den Geräteherstellern will Amazon die Alexa-Integration besonders einfach machen. Auch das Zusammenspiel mit allen möglichen vernetzten Geräten spielt für die Unternehmen eine immer größere Rolle. So sollen auch Backöfen, Mikrowellen, Geschirrspüler und Waschmaschinen vernetzt werden.

Aber nicht immer bringt das den Kunden auch einen Komfortgewinn. Wer Alexa oder Google Assistant etwa in einer vollen S-Bahn mittels Headset, Smartwatch oder direkt am Smartphone aktiviert, kann durchaus auch Geräte von anderen Fahrgästen mit ansprechen, wenn dort die entsprechenden Assistenten ebenfalls aktiv sind. Das ist unerwünscht und behindert die Nutzung der Technik.

Google ermöglicht es immerhin, den Assistant nur mit der eigenen Stimme zu nutzen. Amazons deutscher Alexa-Version fehlt allerdings die Stimmenerkennung komplett, sodass hier noch mehr Probleme zu erwarten sind, wenn der Assistent in der Öffentlichkeit verwendet wird. Ganz abgesehen davon, dass sich Mitreisende von den Gesprächen mit der Technik gestört fühlen könnten.

Warum viel reden, wenn man einen Knopf drücken kann?

Auch bei Haushaltsgeräten wollen Amazon und Google den Kunden weismachen, dass eine Sprachsteuerung sinnvoll ist. Nach dem Willen der Hersteller sollen mehr Küchengeräte mit der Stimme bedient werden. Allerdings dürfte in den meisten Fällen eine Sprachsteuerung mehr Aufwand als Nutzen bedeuten.

Warum sollte man die Temperatur am Backofen mit der Stimme einstellen, wenn der Drehregler viel schneller betätigt ist? Zumal der Koch ohnehin vorm Backofen steht, er muss ja das Essen hineinschieben. Das nehmen ihm digitale Assistenten nämlich nicht ab. Die gleichen Einschränkungen sehen wir beim Einstellen des Mikrowellenprogramms per Sprache, das Alexa neuerdings beherrscht. Aber was soll damit gewonnen werden?

Mit dem Google Assistant lässt sich jetzt auch eine Geschirrspülmaschine mit der Sprache steuern, nur wozu? Wenn der Anwender die Maschine mit Geschirr befüllt hat, genügt meist ein Tastendruck und der Waschgang beginnt. Ein Zuruf bietet hier also keinen Komfortgewinn.

In der Küche hört das Ganze aber nicht auf.

Der mit dem Badezimmer spricht

In Las Vegas wurden auch Lösungen für das Badezimmer gezeigt. Ein Alexa-Lautsprecher im Badezimmerspiegel kann zwar nützlich sein, um etwa die Musik zu regulieren, wenn man nass unter der Dusche steht. Und wer mit eingeseiften Händen daruntersteht, schaltet auch diese lieber auf Zuruf ein, anstatt immer wieder mit den Händen am Thermostatdrehknopf abzurutschen. Ein Wasserhahn ist allerdings schneller mit der Hand aufgedreht als mit einem Sprachkommando, und auch auf die Möglichkeit mit der Klospülung zu reden, haben wir nicht gewartet.

Nicht nur dauern die Sprachbefehle länger, das Badezimmer muss auch noch mit einer entsprechenden Sonderausstattung versehen sein - und eine Toiletteninstallation lässt sich nicht einfach so austauschen. Hier haben smarte Lampen den Vorteil, dass sie unkomplizierter gegen klassische Leuchtmittel ersetzt werden können.

Überflüssig erscheint uns auch die von Google angebotene Sprachsteuerung für Waschmaschinen und Wäschetrockner. Nach dem Einlegen der Wäsche müssen meist nur ein paar Tasten betätigt werden, eine Sprachsteuerung bringt hier keine Erleichterung. Zumal zunächst die entsprechenden Geräte angeschafft werden müssten. Das ist immerhin einfacher zu bewerkstelligen, als die komplette Badezimmereinrichtung auszutauschen.

Digitale Assistenten versprechen mehr Sicherheit

Etwas anders sieht es beim Autofahren aus. Hier kann eine Sprachsteuerung nicht nur komfortabel sein, sondern auch die Sicherheit erhöhen. Autofahrer können Anweisungen geben und müssen dabei nicht die Augen von der Straße zu nehmen. Hier wetteifern Amazon und Google darum, ihre Assistenten durchzusetzen, damit diese fest in den Bordcomputern der Autos verbautwerden. Vielfach kommen die entsprechenden Autos aber erst noch auf den Markt.

Google, Apple und Microsoft haben ihre digitalen Assistenten zuerst auf Smartphones implementiert, der große Durchbruch bei der Nutzung blieb allerdings aus. Das hat sich erst mit Amazon und seinen Echo-Geräten geändert, die mit der Stimme etwa eine bequemere Steuerung smarter Lampen bietet, als immer in der Smartphone-App herumzutippen.

Im Bereich der smarten Lautsprecher ist auf der diesjährigen CES nur wenig vorgestellt worden, das für Nutzer den Komfort erhöht.

Digitale Assistenten mit Display kämpfen mit Beschränkungen

Einige Hersteller haben die Elektronikmesse genutzt, um weitere Alexa- und Google-Assistant-Lautsprecher vorzustellen. Anders als auf der Ifa fehlten aber wichtige Produktvorstellungen großer Hersteller aus der Hi-Fi-Branche, die dem Markt neue Impulse bringen. Überraschend ist hingegen Googles Entscheidung, keinen eigenen Echo-Show-Konkurrenten zu zeigen. Stattdessen hat das Unternehmen mit Partnern smarte Lautsprecher mit eingebautem Display vorgestellt. Beim Funktionsumfang sind die Google-Assistant-Geräte aber ähnlich eingeschränkt wie das Alexa-Vorbild. Beide Hersteller konzentrieren sich darauf, vor allem die eigenen Dienste zu verwenden.

Allen Displaygeräten fehlt der eigentlich dringend benötigte Browser. Das schränkt die Einsatzmöglichkeiten unnötig ein. Für den deutschen Markt ist noch gar nicht absehbar, ob die Google-Assistant-Lautsprecher mit Display noch in diesem Jahr kommen. Selbst US-Kunden müssen noch mindestens bis zum Sommer 2018 warten. Bis dahin könnten schon viele ganz andere Alexa-Konkurrenzgeräet erscheinen und den Markt schon wieder schneller verändern, als Google reagieren kann.

Alle neu vorgestellten Lautsprecher-Display-Geräte sehen Amazons Echo Show ungewöhnlich ähnlich. Nur das Lautsprechergitter ist an eine andere Stelle gewandert. Aber alle Geräte haben eine nicht schwenkbare Kamera, und das kann bei Videotelefonaten durchaus störend sein. Zumindest Lenovos Geräte können bei Bedarf auch im Hochformat verwendet werden, hier sind wir gespannt, wie viel das im Alltag tatsächlich bringt.

Derzeit gehen die Impulse bei neuen Gerätegattungen mit digitalen Assistenten eher von Amazon als von Google aus. Amazon bietet einen Echo-Lautsprecher mit eingebautem Smart-Home-Hub. Google hat dem nichts entgegenzusetzen. Und Anfang des Jahres kommt der Echo Spot nach Deutschland, die kleine Variante des Echo Show. Auch hier gibt es weder von Google noch von den Partnern ein Pendant dazu.

Apple und Microsoft sind abgeschlagen

Die CES zeigt deutlich, dass smarte Lautsprecher im weitesten Sinne und vor allem digitale Assistenten auch in diesem Jahr ein dominierendes Thema bleiben werden. Dabei spitzt sich der Zweikampf zwischen Amazon und Google weiter zu. Microsoft vermittelt den Eindruck, dass sie mit Cortana aufgegeben haben. Neue Cortana-Geräte wurden auf der CES nicht angekündigt. Dafür haben erste Gerätehersteller Windows-10-Computer in Aussicht gestellt, auf denen Alexa läuft und Amazons System parallel zu Cortana verwendet werden kann. Das alles passiert unabhängig von der geplanten Verzahnung zwischen Alexa und Cortana, die aber erstmal nicht pünktlich fertig geworden ist.

In diesem Jahr soll der Siri-Lautsprecher Homepod von Apple erscheinen - zumindest in den USA und in Großbritannien. Wann der Lautsprecher nach Deutschland kommt, ist weiterhin nicht bekannt. Bislang gibt es keine Hinweise darauf, dass Apple den Funktionsumfang und die Fähigkeiten von Siri bis dahin grundlegend erweitern wird; das Unternehmen würde damit abgeschlagen hinter Amazon und Google zurückbleiben.

Unterdessen wetteifern Amazon und Google weiter darum, ihren digitalen Assistenten immer neue Eigenschaften beizubringen und sie auf möglichst viele Geräte zu bringen, um sich die Vorherrschaft in diesem Segment zu sichern. Nutzer sollten sich von dem Hype nicht zu sehr mitreißen lassen. Sie sollten selbst überlegen, für welche Zwecke eine Sprachsteuerung wirklich nützlich ist, bevor sie Geld dafür ausgeben. Überall braucht man sie nun wirklich nicht - sorry, Alexa und Google Assistant!  (ip)


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