Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/linksys-velop-und-airport-apple-verkauft-neben-veralteten-geraeten-auch-fremdrouter-1801-132111.html    Veröffentlicht: 11.01.2018 13:00    Kurz-URL: https://glm.io/132111

Linksys Velop und Airport

Apple verkauft neben veralteten Geräten auch Fremdrouter

Apple hat angefangen, Router der Belkin-Tochter Linksys ins Programm zu nehmen, zunächst das Mesh-System. Damit sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Apples veraltete Airport-Router aktualisiert werden. Selbst das 802.11n-Gerät wird Kunden noch als aktuelle Ware angeboten.

Apple hat damit begonnen, WLAN-Router anderer Hersteller in sein Verkaufsprogramm aufzunehmen. Seit kurzem findet sich Linksys' Velop-System im Shop. Bemerkenswert ist die Entwicklung, weil Apple normalerweise sehr vorsichtig bei dem Angebot von Konkurrenzprodukten ist. So kann das Angebot als Eingeständnis gewertet werden, dass Apples Hardware für Kunden nicht mehr ausreicht. Apple behält allerdings seine Airport-Router im Programm, auch wenn die Produktkategorie wohl aufgegeben wurde. Der Webseite 9to5mac sagte Apple dazu, dass mit den Mesh-Einheiten nur eine zusätzliche Option auf den Markt komme. Die Gelegenheit, hier ein eindeutiges Statement zur Zukunft der Airport-Router abzugeben, ließ das oft schweigsame Unternehmen verstreichen.

Apple hat in den vergangenen Jahren viele Produkte aufgegeben oder vernachlässigt. Die Thunderbolt-Displays des Herstellers wurden abgeschafft, der Mac Mini wird immer noch als 2014er-Konfiguration verkauft und die Entwicklungszyklen anderer Hardware abseits der iPads und iPhones sind unangenehm lang geworden. Apple hat in so vielen Produktkategorien Aufholfbedarf, dass neue Router unwahrscheinlich sind. Zudem ist das Unternehmen erfolgreich mit dem Verkauf veralteter Hardware, die sich bei der Konkurrenz kaum noch finden lässt.

Apple-Router gehörten mal zu den besten

Dabei haben die Apple-Router einige Vorteile. Außer durch die einfache Bedienung und das schlichte Design zeichnen sie sich durch einen langen Support aus. So hat Apple kürzlich selbst seine zehn Jahre alten Router gegen den Krack-Angriff abgesichert. Derart vorbildliches Verhalten ist für Routerhersteller im Endkundengeschäft nicht normal und wir rechnen bei dem Linksys-Mesh-WLAN auch nicht mit langen Supportlaufzeiten.

Dass die Routersparte von Apple aufgegeben wurde, zeigt sich aber an anderen Stellen. So ist unseres Wissens nach die Management-App Airport Utility die einzige Apple-App, die nicht an das iPhone X angepasst wurde. Im Shop von Apple werden WLAN-Systemals aktuelle Ware für potenzielle Kunden angeboten, die zu den ältesten auf dem Markt gehören. Im Onlineshop wird etwa der Airport-Express-Router an erster Stelle beworben. Das Gerät beherrscht nur 802.11n (2,4 und 5 GHz), obwohl mittlerweile das restliche Apple-Portfolio längst auf 802.11ac umgestellt wurde. Kunden mit wenig Wissen um WLAN-Standards werden so dazu verleitet, völlig veraltete Hardware zu kaufen.

Wenn Router aus dem Jahr 2012 als bestes Angebot verkauft werden

Wer den Apple-Angaben vertraut, der bekommt mit dem 802.11n-Gerät einen WLAN-Router, der "die beste Verbindung für alle Deine Geräte" bietet, so der aktuelle Werbetext. Verantwortungsvoller wäre es, mindestens die Werbetexte abzuändern oder das Gerät aufgrund des Alters vom Markt zu nehmen. Der kompakte Router stammt aus dem Jahr 2012 und die Angaben seitens Apple stimmen natürlich nicht, da Apple selbst 802.11ac-Router anbietet.

Aber auch diese sind nach fünf Jahren veraltet. MU-MIMO kennen die Geräte nicht, die Bandbreiten sind vergleichsweise gering und Flexibilität bei der Kanalbreite gibt es verglichen zu heutigen Routern kaum. Zudem ist Apples offizielles Backup-System Time Capsule damit auch längst nicht mehr auf dem Stand der Zeit. Apple verkauft den Router mit 3,5-Zoll-Festplatte weiterhin für 330 Euro. Im Gerät stecken nur 2 TByte Speicher. Im Einzelhandel noch so eine Festplatte zu erwerben, ist ziemlich schwer. Für 3 TByte müssen Käufer noch einmal 100 Euro Aufpreis bezahlen.

Nicht einmal tauschbare Komponenten werden aktuell gehalten

Hier fragen wir uns, warum nicht wenigstens einfach die Festplatten aktualisiert werden. Apple könnte mittlerweile sogar auf umweltfreundlichere 2,5-Zoll-Festplatten wechseln. Die gibt es bereits mit 5 TByte. Prinzipiell lässt sich die Festplatte in Time Capsule austauschen und der Speicherplatz günstig um das Vier- bis Sechsfache steigern, doch iFixit warnt vor Verletzungen, und eine Kompatibilitätsliste, die einen Betrieb garantiert, gibt es nauch nicht.

Mit dem Velop-Angebot bessert sich die Lage für Apple-Kunden, die sich wenig informieren, damit nur geringfügig. Einen Ersatz für Time Capsule stellt das Linksys-System nicht dar. Zudem waren die Velop-Einheiten in unserem Mesh-Test äußerst kompliziert einzurichten, funktionieren dafür allerdings recht gut. Für Linksys und Belkin ist die Positionierung der Mesh-Router im Apple-Shop in jedem Fall etwas Gutes. Für viele Kunden ist das einzige aktuelle Angebot aber sehr teuer, da die Velop-Einheiten im Doppelpack für 300 Euro verkauft werden. Das lohnt sich nur, wenn wirklich Mesh benötigt wird. Wer nur einen normalen Router braucht, dem empfiehlt Apple weiter seine fünf bis sechs Jahre alten Geräte.  (ase)


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