Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/zuma-start-erfolgreich-satellit-tot-1801-132061.html    Veröffentlicht: 09.01.2018 15:29    Kurz-URL: https://glm.io/132061

Zuma

Start erfolgreich, Satellit tot

Der letzte Start eines geheimen Militärsatelliten durch SpaceX soll nicht erfolgreich verlaufen sein. Klare Aussagen scheitern an der strengen Geheimhaltung. Golem.de trägt zusammen, was bisher bekannt ist.

Im vergangenen Jahr begann SpaceX, geheime Missionen für das US-Militär durchzuführen. Im Oktober 2017 erschien dann auf dem ohnehin überfüllten Flugplan von SpaceX plötzlich eine Nutzlast mit einem angekündigten Startfenster schon im November 2017. Die meisten Raketenstarts haben einen Vorlauf von über einem Jahr. Nutzlast und Orbit blieben geheim. Nur die Militärfirma Northrop Grumman wurde als Auftraggeber genannt sowie der Codename Zuma. Die Mission trägt damit den gleichen Namen wie ein Hotel in Miami und der unter Korruptionsverdacht stehende südafrikanische Präsident Jacob Zuma.

Der Satellit wurde nach mehreren Verzögerungen in der Nacht zum Montag gestartet. Seitdem gibt es mehrere Berichte, dass die Nutzlast funktionsunfähig oder gar nicht im Orbit sein soll. Bloomberg gibt dabei SpaceX die Schuld, die meisten Berichte belassen es bei neutraler Beobachtung. Über den Zweck der Nutzlast ist wegen der Geheimhaltung nichts zu erfahren gewesen. Zu erfahren war aber, dass der Auftraggeber Northrop Grumman einen eigenen Nutzlastadapter für die Mission benutzen wollte.

Üblich ist, dass der Raketenbetreiber den Adapter zur Verfügung stellt und der Kunde sich darauf einstellt. Die Spezifikationen dafür sind im User Guide der Falcon 9 öffentlich zugänglich. Nutzlast und Orbit waren zwar geheim, aber aus Sicherheitsgründen müssen für jeden Raketenstart Sperrgebiete ausgewiesen werden. Damit war zumindest klar, dass die Rakete in einen stark geneigten Orbit, ähnlich der Bahn der Raumstation ISS, fliegen würde.

Bilder zeigen die Rakete über Afrika

Nach dem Start von Zuma landete die erste Stufe erfolgreich. Wie bei Geheimmissionen üblich, wurde die Übertragung von Livebildern und Telemetrie nach der Abtrennung der zweiten Stufe eingestellt. Im weiteren Verlauf wurde eine erfolgreiche Abtrennung der Nutzlastverkleidung gemeldet, die auch im Livestream ansatzweise zu beobachten war. Aus anderen Missionen ist bekannt, dass SpaceX die Abtrennung mit Kameras an Bord der Rakete beobachtet und überprüft. Nach dem Start gab ein SpaceX-Mitarbeiter gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters bekannt, dass die Falcon 9 ihren Teil der Mission erfolgreich absolviert hat.

Es kamen aber nach dem Start widersprüchliche Meldungen auf, dass die Nutzlast verloren sei. Entweder soll Zuma ohne Funktion im Orbit oder zusammen mit der zweiten Stufe abgestürzt sein. Die Geheimhaltung der Mission verhindert aber klare Aussagen, so dass sich diverse Quellen auf Aussagen anonymer Personen beziehen. Beide Aussagen stehen auch nicht im Widerspruch. Ein Versagen der Nutzlastabtrennung wäre nicht die Schuld von SpaceX und ein plausibles Szenario.

Marco Langbroek, der als Amateur Satelliten beobachtet, veröffentlichte auf Twitter Bilder aus Afrika, die zum richtigen Zeitpunkt eine Spirale am Himmel zeigen, die offensichtlich von der Rakete stammen. Sie entsteht, wenn eine Raketenstufe oder ein Satellit in einer Drehbewegung Treibstoff im Weltraum ausstößt. Die zweite Stufe hat nach dem Start noch Treibstoff an Bord, zum einen als Leistungsreserve und zum anderen, um das Triebwerk erneut zu zünden und einen kontrollierten Absturz der Stufe in den Ozean einzuleiten. Die Stufe hat auch Ventile, die nach Missionsabschluss Treibstoff ablassen. Sonst kann der Druck im Inneren eines Tanks im Sonnenlicht unkontrolliert steigen, bis er im Orbit platzt und eine Trümmerwolke hinterlässt.

Northrop Grumman kann von schlechter PR für SpaceX profitieren

Eine fehlgeschlagene Abtrennung könnte auch die Treibstofftanks der Stufe oder der Nutzlast beschädigt haben. Die Tanks stehen zu dem Zeitpunkt unter Druck, ein Leck würde zum sofortigen Taumeln führen und auch die Spirale erklären. Genauso möglich ist es, dass die Steuerung des noch befestigten Satelliten versucht hat, mit dem eigenen Triebwerk die Lagekontrolle herzustellen. Dann würde die Lagesteuerung der Raketenstufe gegen den Satelliten arbeiten und so beide außer Kontrolle bringen.

Bisher wurde noch nicht einmal bestätigt, ob Zuma überhaupt im Orbit ist. Mit Sicherheit wissen Raumfahrtorganisationen wie die ESA durch Radarbeobachtungen, was mit dem Satelliten passierte. Von dort gibt es aber keine Aussage. Selbst wenn Zuma nie in einen Orbit gelangt ist, spricht das noch nicht notwendigerweise für einen Fehlschlag der Mission. Es ist unbekannt, was Zweck der Mission war. Es könnte sich beispielsweise um eine suborbitale Mission zum Test von Wiedereintrittsverfahren gehandelt haben.

Wegen ungünstiger Bedingungen ist der mögliche Orbit von Zuma für Amateure noch für einige Tage nicht einsehbar. Ohne klare Aussagen der Beteiligten lässt sich vorerst nicht sagen, was tatsächlich mit Zuma passiert ist. Unabhängig von aller Geheimhaltung würden aber Probleme mit der Technik der Falcon 9 zu Verzögerungen im Flugbetrieb von SpaceX führen. Bisher gibt es keinerlei Anzeichen für Verzögerungen, obwohl sowohl Falcon 9 als auch Falcon Heavy die gleiche Technik in der Oberstufe verwenden.

Northrop Grumman will selbst Militärsatelliten starten

Der Auftraggeber Northrop Grumman ist in all dem auch keine neutrale Partei. Die Firma hat im vergangenen Jahr bekanntgegeben, den Raketenbauer Orbital ATK aufzukaufen, der bisher eine große Zahl geheimer Missionen für das US-Militär gestartet hat. Die Firma Orbital ATK arbeitet seit 2016 unter dem Projektnamen Next Generation Launcher an einer neuen Rakete auf Grundlage von Spaceshuttle-Feststoffboostern, die mit der Leistung einer Falcon 9 vergleichbar wäre. Sie wurde explizit für militärische Nutzlasten konzipiert. Der erste Start ist derzeit für 2021 geplant.

SpaceX musste sich das Recht, Satellitenstarts für das US-Militär durchführen zu dürfen, im Jahr 2015 vor Gericht erstreiten. Davor waren diese Starts den deutlich teureren Raketen der Konkurrenz von United Launch Alliance (eine Kooperation von Boeing und Lockheed Martin) und Orbital ATK vorbehalten. SpaceX klagte erfolgreich gegen das Monopol dieser Anbieter. Starts von Militärsatelliten sind wegen der erhöhten Sicherheitsauflagen und damit möglichen Zusatzgebühren besonders lukrativ für Anbieter von Raketenstarts.

Gwynne Shotwell, COO und Präsidentin von SpaceX, gab kurz vor Fertigstellung dieses Artikels in einem Statement ungewöhnlich deutlich zu verstehen, dass alle Verlautbarungen über technische Probleme der Falcon 9 "kategorisch falsch" seien und keinerlei Änderungen an der Rakete in künftigen Missionen benötigt würden. Weitere Kommentare seien aufgrund der Geheimhaltungsvorschriften unmöglich.  (fwp)


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