Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/kryptowaehrungen-von-tulpen-berg-und-talfahrten-1801-131873.html    Veröffentlicht: 02.01.2018 12:01    Kurz-URL: https://glm.io/131873

Kryptowährungen

Von Tulpen, Berg- und Talfahrten

Ein enormer Kursanstieg und grundlegende Reformen: 2017 ist in Bezug auf Bitcoin aufregend gewesen. Legitimität hat die virtuelle Währung als Ware an Chicagoer Handelsbörsen erhalten. Die zunehmende Verbreitung von Kryptowährungen und damit einhergehende Betrügereien alarmieren jedoch die Finanzaufsichten.

Der Präsident der Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), Felix Hufeld, tut es, der Präsident der Deutschen Bundesbank, Jens Weidman, auch, Sahra Wagenknecht von den Linken sowieso, und auch die EU-Kommissare sind besorgt: Sie alle warnen angesichts der aktuellen enormen Kursschwankungen der Kryptowährung vor Spekulationen mit Bitcoin. Lag der Kurs von Bitcoin Anfang 2017 noch bei vergleichsweise mageren 930 Euro, gab es am 25. Dezember 2017 für einen Bitcoin 12.023 Euro - ein Gewinn von 1.192,8 Prozent. Stetig war der Kursanstieg der vergangenen Monate aber nicht, tägliche Kursschwankungen waren nicht ungewöhnlich. Wer damit spekuliert, braucht aktuell starke Nerven.

Jenseits der Berg- und Talfahrten bei Bitcoin gab es 2017 noch einige spektakuläre Diebstähle von Kryptowährungen zu vermelden. Dass sich Erpresser und Datendiebe virtuelle Zahlungsmittel für ihre Taten aussuchen, ist nichts Neues, erreichte aber dieses Jahr mit der Wanna-Cry-Attacke einen vorläufigen Höhepunkt. Und selbst Nationalstaaten überlegen die Einführung eigener Kryptowährungen, um sich gegen eine grassierende Inflation zu wehren oder Investoren aus dem Ausland anzulocken.

Die Warnungen der Finanzexperten vor dem unstetigen Wechselkurs von Bitcoin kommen nicht von ungefähr. Einige vergleichen die aktuelle Situation bei Bitcoin mit der Tulpenmanie im 17. Jahrhundert in den Niederlanden, der ersten ausführlich dokumentierten Spekulationsblase. Nach einem spektakulären Anstieg der Preise brach der Markt abrupt ein und trieb viele Investoren in den Ruin.

Viel mehr Auf als Ab bei Bitcoin

Die Kursschwankungen bei Bitcoin sind nicht nur ein Resultat der Spekulationen, sondern auch der grundlegenden Neuerungen, die die technische Infrastruktur der Blockchain 2017 erlebte. Eigentlich sollten die Neuerungen auch dazu beitragen, den Kurs von Bitcoin zu stabilisieren und die Kryptowährung wieder als zuverlässigeres Zahlungsmittel zu etablieren, so wie ursprünglich vorgesehen. Der Streit um die Änderungen und den Schlingerkurs resultierte in diversen Abspaltungen. Trotz aller Maßnahmen bleibt Bitcoin aber mehr Spekulationsobjekt als Währung - und zwar ein äußerst volatiles.

Folgerichtig haben die Börsen Chicago Board Options Exchange (CBOE) und die Chicago Mercantile Exchange (CME) Bitcoin für Termingeschäfte (Futures) zugelassen, neben Rohstoffen und Nahrungsmitteln. Allerdings waren die darauffolgenden Kursschwankungen selbst der CBOE zu viel, der Handel musste bereits nach wenigen Tagen zweimal vorübergehend eingestellt werden. Eigentlich sorgen Termingeschäfte auch dafür, solche Wertschwankungen einer Ware weitgehend zu nivellieren und Händler - bei Bitcoin die Miner und die Börsenbetreiber - abzusichern. Das komplexe Eigenleben der Kryptowährung führt aber zu einer so hohen Fluktuation des Wechselkurses, dass die CBOE reagieren musste.

Bitcoin wird als Ware gehandelt

Die Entscheidung der beiden Chicagoer Börsen ist sowohl folgerichtig als auch folgenschwer für Bitcoin. Dort darf auf den Wechselkurs gewettet werden. Und prompt stieg der Wert des Bitcoin abermals in einem nahezu schwindelerregenden Tempo, fiel an einigen Tagen um mehrere tausend Euro, um danach wieder ebenso schnell auf neue Höhen zu steigen.

Der steigende Wechselkurs veranlasste viele zum Einkaufen. Händler, die Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptieren, sehen sich jedoch gezwungen, genau auf den aktuellen Wert der Kryptowährung zu achten, wenn sie keine Verluste erleben wollen. Einige haben bereits reagiert: Steam setzte die Zahlungen per Bitcoin aus. Andere deckelten Direktzahlungen, um mögliche Verluste durch sinkende Kurse möglichst gering zu halten.

Bitcoin eignet sich aktuell immer weniger als Zahlungsmittel, eine von vielen befürchtete Entwicklung, der einige Abspaltungen und alternative Kryptowährungen entgegenwirken wollen.

Die Bitcoin-Blockchain wird modernisiert

Ein Grund für den derzeitigen Höhenflug ist sicherlich das riesige, aber letztlich unvollständige Reformwerk, das die Kryptowährung 2017 erlebte. Unter dem Projektnamen Segwit sollte die zentrale Datenbank von Bitcoin modernisiert werden, in der Transaktionen in einzelnen Blöcken festgehalten werden - die sogenannte Blockchain. Damit sollten die stetig zunehmenden Verzögerungen bei den Transaktionen und die ebenfalls stetig steigenden Gebühren abgeschwächt werden. Mit zunehmender Popularität erwies sich die vorherige Implementation der Bitcoin-Blockchain als nicht mehr zeitgemäß. Hauptgründe waren die Einschränkungen bei der Blockgröße und der monolithische Aufbau der zentralen Datenbank.

Mit Segwit wurden die einzelnen Blöcke entschlackt, indem Informationen, die nicht langfristig zwingend erforderlich waren, aus den Blöcken ausgelagert wurden, so dass dort mehr Transaktionen untergebracht werden können. Zum anderen können künftig Transaktionen auch außerhalb der Blockchain getätigt werden. Die wesentlichen Informationen werden zu einem späteren Zeitpunkt und ohne Priorität in der Blockchain festgehalten. Diese sogenannten Lightning Networks können beispielsweise zwischen zwei Nutzern verwendet werden oder bei Micropayments, die dann zu einem späteren Zeitpunkt en bloc in die Blockchain eingetragen werden.

Bitcoin-Reform wird gebremst

Auf Segwit, das im November 2017 von der Mehrheit der Miner, Börsenbetreiber und Kernentwickler verabschiedet wurde, sollte eigentlich noch Segwit2x folgen, das die Blockgröße von verdoppeln sollte. Schon für das umstrittene Segwit-Update war bis zuletzt nicht sicher, ob sich überhaupt eine Mehrheit finden würde. Für Segwit2x gab es dann keine mehr. Die Gründe dafür waren so zahlreich wie die am Entscheidungsprozess beteiligten Akteure. Die Fraktion der Kernentwickler - die als Hüter des ursprünglichen Konzepts von Bitcoin gelten - schreckte vor dem Hardfork zurück und argumentierte, dass die mit Segwit eingeführten Änderungen ausreichten.

Segwit wurde als Softfork der Bitcoin-Blockchain umgesetzt, bei dem die aktuelle Struktur der Blockchain weiterhin nutzbar bleibt. Ältere Blöcke behalten ihre Gültigkeit und neue können im alten Format geschrieben werden. Das soll einen sanften Übergang ermöglichen und Noch-Verweigerer nicht komplett ausschließen. Bei Segwit2x wäre ein Hardfork nötig, bei dem ab dem Zeitpunkt der Aktivierung eine neue Blockchain gestartet werden müsste. Dazu müssten die Knoten, die die Blockchain aktuell halten, aktualisiert werden.

Die Angst vor eine Blockchain-Spaltung

Vor allem müssten die Wallets, die Nutzer zur Verwaltung ihrer Bitcoins verwenden, ebenfalls sofort angepasst werden. Zudem sollte es eine umstrittene Replay Protection geben, die sicherstellen sollte, dass Transaktionen nicht versehentlich sowohl in der alten als auch in der neuen Blockchain geschrieben werden. Eine Replay Protection könnte aber zu Problemen mit der Simplified Payment Verification (SPV) und den sogenannten Light Wallets führen, die nicht die gesamte Blockchain speichern, sondern nur einen aktuellen Teil davon. Diese technischen Hürden könnten dazu führen, dass es zu einer Spaltung von Bitcoin komme, argumentierten die Kernentwickler, die schon Segwit kritisch gegenüberstanden.

Segwit wurde bereits 2016 von führenden Börsen und Mininggruppen im sogenannten New Yorker Abkommen beschlossen. Die Kernentwickler lehnten das Abkommen aber ab und konnten nur mühsam zur Zusammenarbeit überredet werden, unter anderem auch deshalb, weil andere Kryptowährungen die geplanten Änderungen bereits erfolgreich umgesetzt hatten. Und auch, weil die Unterzeichner des New Yorker Abkommens zwar keine Mehrheit darstellten, aber dennoch zu den einflussreichsten Mitgliedern der Bitcoin-Community zählten und Druck machten, Bitcoin langfristig wettbewerbsfähig zu halten. Sicherlich entscheidend war auch, dass die als UASF bezeichnete Fraktion der Benutzer sich ebenfalls hinter Segwit stellte.

Die Diskussion um Segwit und Segwit2x zeigt exemplarisch, dass hinter Bitcoin keine einheitliche Gruppe steht, sondern teils nahezu verfeindete Gruppen, die oft nur schwerlich zu einem Konsens gelangen. Das ging so weit, dass eine Gruppe ungeduldiger Miner im August 2017 eine Abspaltung gründete, die Segwit2x gleich umsetzte. Bitcoin Cash bekam nach seiner Gründung viel Zuspruch und hält seinen Kurs bislang weitaus stetiger als Bitcoin.

Nicht zu Unrecht hat Bitcoin den Ruf als Währung der Datendiebe, Drogenbarone und anderer zwielichtiger Gestalten.

Kryptowährungen etablieren sich als Zahlungsmittel für Erpresser

In den dunklen Winkeln des Internets ist die Kryptowährung beispielsweise bevorzugtes Zahlungsmittel für Erpresser. Besonders bei dem großflächigen Angriff mit der Erpressungssoftware Wanna Cry kam Bitcoin in die Schlagzeilen. Unvorsichtige, die der Erpressung nachgaben, dürften sich einerseits darüber freuen, einen damals vergleichsweise geringen Betrag gezahlt zu haben, sich andererseits aber über den Profit ärgern, den die Erpresser eingestrichen haben könnten, falls diese so klug und verwegen waren, ihre erpressten Bitcoin bis Ende 2017 aufzuheben.

In Hinsicht auf die Kriminalitäts- und Terrorismusbekämpfung beschloss die EU Maßnahmen, das ohnehin nur pseudoanonyme Bitcoin und andere Kryptowährungen noch weniger anonym zu machen, allerdings noch ohne zwingenden Eingriff in deren Infrastrukturen. Stattdessen sollen Börsen und Banken den unpersönlichen Umtausch von virtuellen in die sogenannten Fiat-Währungen wie Euro oder Dollar verbieten. Dazu sollen auch Wallet-Adressen in einer zentralen Datenbank erfasst werden. Die Richtlinien wurden zwar beschlossen, müssen aber erst von den nationalen Parlamenten verabschiedet werden, bevor sie umgesetzt werden. Die meisten Börsen verlangen bereits jetzt Identitätsnachweise bei der Anmeldung.

Diebstähle durch Softwarefehler und Social Engineering

Diebstähle von Bitcoin bei Handelsplattformen gab es in den vergangenen Jahren immer wieder. Auch 2017 gab es etliche zu vermelden. Exemplarisch dafür steht wohl die spektakuläre Entwendung von 4.700 Bitcoin im damaligen Wert von knapp 64 Millionen US-Dollar bei der Handelsplattform Nicehash. Der Diebstahl soll durch einen "hochprofessionellen Angriff mit fortgeschrittenem Social Engineering" erfolgt sein, was angesichts der vielen Superlative in der Mitteilung von Nicehash auch Fragen aufwirft.

Immer wieder wird auch spekuliert, dass Einbrüche in verschiedene Börsen vorgetäuscht werden und tatsächlich einen Exit-Scam darstellen, bei dem Diebe einfach das investierte Geld einsacken und verschwinden. Inzwischen ging Nicehash nach einer kurzen Pause wieder online und versprach, die gestohlenen Bitcoin an seine Kunden zurückzuzahlen. Eine öffentliche Erklärung dazu, wie es genau zu dem Diebstahl kam, bleibt Nicehash bislang schuldig.

Die oft kolportierte Anonymität der virtuellen Währungen wird auch durch die Händler gefährdet, wie eine Untersuchung durch Forscher ergab. Bei Einkäufen würden häufig nicht nur unfreiwillig die Inhalte des Warenkorbs an Werbeanbieter weitergegeben, sondern in einigen Fällen auch die Ziel-Wallet-Adresse. Darüber könnten Zahlungsströme gesammelt und analysiert werden. Einige Händler gäben auch persönliche Daten weiter, etwa E-Mail-Adressen, Benutzernamen oder sogar Adressen. Bitcoin-Mixer wie Coinjoin könnten laut den Forschern die Anonymität erhöhen, in einigen Fällen würden die Mixer aber auch nicht helfen.

Um an mehr Rechenleistung für die Generierung digitaler Währungen zu kommen, kommen einige auf ungewöhnliche und sogar illegale Ideen.

Ungewolltes Mining im Browser

Verwegen erschien der Plan, Nutzern ungewollt Mining-Software im Browser oder auf dem Raspberry Pi unterzujubeln. Angesichts der schwachen Rechenleistung würde es allerdings mehrere Hunderttausend Raspis benötigen, um Bitcoin oder andere Kryptowährungen profitabel zu generieren.

Frei nach dem Motto: Kleinvieh macht auch Mist, oder wer den Satoshi nicht ehrt, ist des Bitcoins nicht wert, haben wohl auch die Entwickler bei Coinhive gehandelt. Per Javascript-Code, der freiwillig oder unfreiwillig in etlichen Webseiten eingebettet wurde, wurden Nutzer gezwungen, an einem Kryptomining-Netzwerk teilzunehmen. Immerhin sollen die Nutzer selbst als Miner davon profitieren, zumindest müssen sie einen Wallet bei Coinhive einrichten, in der die geschürften Monero gespeichert werden. Coinhive behält 30 Prozent der Einnahmen ein. Der US-Anbieter Showtime, die Webseite Quotenmeter.de und auch die Oberschule Werder der Baumblütenstadt Werder im Havelland schienen zunächst von dem Konzept überzeugt, entfernten das Javascript aber wieder, nachdem auch Golem.de darüber berichtete.

Coinhive will das Skript so abändern, dass Benutzer wählen können, ob sie an dem Mining-Pool teilnehmen wollen oder nicht. Langfristig soll das Konzept nervige Werbung ersetzen, so das Kalkül. Für einzelne Nutzer dürfte sich das Browser-Mining kaum lohnen, gebündelt mit anderen Mining-Pools könnte es aber für Coinhive lukrativ sein. Das sehen wohl auch Anbieter kostenloser VPN-Dienste so, die ebenfalls solche Skripte im Hintergrund laufen lassen, meist ohne Wissen des Nutzers. Wessen Laptop sich auffällig schnell entlädt, der sollte überprüfen, ob nicht ein Mining-Skript im Hintergrund läuft.

Explodierende Preise bei Mining-Grafikkarten

Aufgrund des Mining-Hypes um die Kryptowährung Ethereum wegen des steigenden Kurses waren Grafikkarten Mitte 2017 von AMD und Nvidia deutlich teurer als üblich. Bei der aktuellen Grafikkartenreihe Vega kommt AMD mit der Produktion kaum hinterher, sie sind meist sofort vergriffen. Diese Entwicklung betraf auch Mainboards, die speziell auf den parallelen Betrieb mehrerer Grafikkarten ausgelegt sind. Selbst für gebrauchte Grafikkarten wurden auf einschlägigen Versteigerungsplattformen teils absurd hohe Preise erzielt, bis der Hype bei Ethereum wieder vorbei war. Dann überschwemmte die gebrauchte Ware den Markt und die Preise fielen wieder. Vega-Karten sind aktuell aber immer noch Mangelware.

In Deutschland lohnt sich Kryptomining wegen der hohen Strompreise kaum, in Venezuela aber schon, weil der subventionierte Strom dort deutlich billiger ist. Geklauter Strom ist aber kostenlos, dachten sich wohl vier Personen aus der Stadt Cúcuta in der Region Charallave und betrieben bis zu 300 Asics vom Typ Antminer und Geräte des Herstellers Spondoolies Tech, um massenhaft Bitcoin zu schürfen. Sie flogen auf und wurden verhaftet, weil der hohe Stromverbrauch ihrer Anlage offenbar das gesamte Netz in der Region destabilisierte.

Mining im Tesla-Kofferraum

Geschickter geht ein Tesla-Besitzer in den USA vor. Da er als früher Käufer noch unbegrenzt kostenfrei Strom an Superchargern tanken darf, hat er ein Mining-Setup mit 16 Grafikkarten in seinem Kofferraum untergebracht, die täglich etwa 57,6 Kilowattstunden benötigen sollen. Wie weit er mit dem Tesla tatsächlich kommt, wenn die GPUs nebenbei den Akku leeren, sei dahingestellt. Und für den Fahrer dürfte es im Wagen unangenehm warm werden. Lukrativ sei das Setup aber ohnehin nur langfristig, rechnete Motherboard-Redakteur Daniel Oberhausvor.

Kritik am hohen Energiebedarf

Der Energieverbrauch durch das Berechnen bei Kryptowährungen rückte 2017 ebenfalls in den Fokus, insbesondere bei Bitcoin und Bitcoin Cash. Die Webseite Digiconomist rechnete vor, dass jede Transaktion in den beiden Blockchains 285 KWh (Kilowattstunden) benötige, durchschnittlich so viel wie 9,63 Haushalte in den USA täglich verbrauchten. Insgesamt verbrauchen die Bitcoin-Netzwerke inzwischen 0,17 Prozent des weltweit generierten Stroms. Damit positionieren sich die Kryptowährungen in der Verbrauchsliste nach Ländern auf Platz 59 zwischen Bulgarien und Katar. Die Zahlen bei Digiconomist basieren auf Statistiken, die die International Energy Agency jährlich veröffentlicht. Die Internationale Energieagentur ist eine unabhängige Einheit der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) mit Sitz in Paris.

Im Vergleich europäischer Länder beim Energieverbrauch für Bitcoin liegt Deutschland hinter Frankreich, Großbritannien und Italien auf den unteren Plätzen. Deutlich mehr verbrauchen Bitcoin-Miner in den Niederlanden und vor allem in Tschechien. Bedenklich ist, das Bitcoin vor allem in Ländern generiert wird, die überwiegend Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen betreiben, etwa China. So errechnet sich ein jährlicher CO2-Ausstoss von 18,105 Megatonnen (Stand: 25.12.2017). Zum Vergleich: 2013 vermeldete Slowenien einen CO2-Ausstoss von 18,166 Megatonnen.

Auch wenn Digiconomist selbst in seiner verwendeten Methodik angibt, dass die Daten nur um Annäherungswerte auf Basis der benötigten Gigahash pro Sekunde zur Berechnung neuer Blöcke in der Blockchain basierten, sind das deutliche Zahlen. Da die Berechnung neuer Blöcke jeweils ein Wettlauf unter Minern ist, bei dem die Rechenleistung der Konkurrenten in dem Moment hinfällig wird, wenn ein anderer einen neuen Block errechnet hat, ist die Energieverschwendung deutlich höher als bei gezielt berechneten Transaktionen, etwa bei dem Kreditkartenanbieter Visa. Während Bitcoin jährlich den Energiebedarf von 3,42 Millionen US-Haushalten verbraucht, sind es bei Visa lediglich 50.000 US-Haushalte. Auch gebe es zwar keine vollkommen belegbaren Zahlen, schreibt Digconomist, der Unterschied zwischen den Annäherungswerten bei Bitcoin und Visa sei jedoch so gravierend, dass ein Vergleich möglich sei.

Selbst Nationen sehen Kryptowährungen dennoch als lohnende Investition.

Nationale Kryptowährungen geplant

In Billigstromländern wie China oder Venezuela kann das Mining noch lukrativ sein. Angesichts der grassierenden Inflation in dem lateinamerikanischen Land und den starken Schwankungen der Währung Bolivar ist Bitcoin-Mining dort sehr beliebt. Das ist offenbar selbst zum venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro vorgedrungen, der in einer fünfstündigen Rede die Einführung einer eigenen Kryptowährung namens Petro angekündigt hat, die durch die üppigen Rohstoffreserven abgesichert werden soll. Das sozialistische Regime beklagt eine "Blockade" durch die USA, tatsächlich hemmen Sanktionen den Geldfluss von und nach Venezuela über internationale Banken. Der Petro soll für finanzielle Transaktionen im Land selbst genauso genutzt werden wie für internationale Überweisungen.

Sollte die Kryptowährung jemals Wirklichkeit werden, könnte Venezuela sich mit Estland ein Wettrennen um die Einführung der ersten staatlich unterstützen Kryptowährung liefern. Denn das baltische Land mit einer Affinität für neue Technologien denkt offenbar über die Gründung einer eigenen digitalen Währung mit dem Namen Estcoin nach. Der Start soll durch ein Initial Coin Offering (ICO) finanziert werden. Die Verwaltung würde der Staat übernehmen und die Mehreinnahmen würden in einen nationalen Fonds fließen, den sogenannten Sovereign Wealth Fund. Vorbild könnte hier China sein, dessen nationaler Fonds Außenhandelsgewinne verwaltet. Durch das estnische eResidency-Programm könnten auch weltweit Nutzer Zugriff erhalten, so die Pläne. Das Programm erlaubt die Gründung von Unternehmen aus dem Ausland.

Inzwischen gibt es zahllose Neugründungen von Kryptowährungen durch die sogenannten Initial Coin Offerings, bei denen Tokens auf Grundlage der zu gründenden virtuellen Währung verkauft werden. In den vergangenen Monaten nutzten auch zahlreiche Betrüger den Hype um Kryptowährungen. Aus diesem Grund sieht die chinesische Zentralbank ICOs als Gefahr für die Finanzstabilität an und untersagt auch die Auszahlung der erworbenen Tokens in echtem Geld.

Verlangen nach Regularien

Die eingangs erwähnten Warnungen der Finanzexperten vor möglicherweise platzenden Spekulationsblasen bei Bitcoin und anderen virtuellen Währungen sind berechtigt. Zentralbanken weltweit versuchen, regulatorische Antworten auf die zunehmende Attraktivität von Kryptowährungen zu finden. In Deutschland hat die Finanzbehörde Bafin den weiteren Vertrieb der Kryptowährung Onecoin untersagt und die Staatsanwaltschaft gegen deren Macher ermittelt.

Auch die Inkompetenz von Kryptowährungsmachern kann in Zukunft immer wieder Probleme bereiten. Bei der vorgeschlagenen Kryptowährung Enigma übernahmen Hacker die Server und Mailverteiler der Macher und kündigten einen früheren Start des ICO an. Innerhalb kurzer Zeit erbeuteten sie rund eine halbe Million US-Dollar. Einer der Macher der Währung soll unsichere Passwörter bei zahlreichen Diensten genutzt haben.

Ausblick

Die diskutierten Regularien widersprechen der ursprünglichen Idee hinter Bitcoin und Co., nämlich weltweite Währungen zu schaffen, die unabhängig von Banken und Regierungen allen zur Verfügung stehen. Bitcoin zeigt aber, wie die Realität dieses Ideal gefährdet, die Kursschwankungen machen die Kryptowährung weiterhin zu einem Spekulationsobjekt, und sie ist als Zahlungsmittel kaum geeignet.

Kryptowährungen sind dennoch nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken, und die etablierte Finanzwelt wird sich damit abfinden müssen. Inwieweit sich die digitalen Währungen an Regularien anpassen müssen oder sogar selbst für Regeln sorgen, wird in den kommenden Monaten ein spannendes Thema. Besonders davon betroffen werden Miner, Bitcon-Börsen und Nutzer in China sein, dessen Finanzaufsicht weitere Einschränkungen im mit Abstand größten Bitcoin-Markt plant und sogar eine eigene Kryptowährung einführen will. Interessant wird auch, ob die Experten recht behalten, die das Platzen einer Spekulationsblase bei Bitcoin erwarten. Zinserhöhungen der europäischen Zentralbank oder der Federal Reserve in den USA könnten 2018 das Spekulationsfieber bei Kryptowährungen wieder senken.  (jt)


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