Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/kreativ-apps-fuer-vr-headsets-austoben-im-vr-atelier-1712-131807.html    Veröffentlicht: 27.12.2017 08:40    Kurz-URL: https://glm.io/131807

Kreativ-Apps für VR-Headsets

Austoben im VR-Atelier

VR ist viel mehr als der x-te Zombie-Shooter: Das merkt, wer Kreativ-Apps ausprobiert. Ob Malen, Modellieren oder Komponieren: Im virtuellen Atelier lassen sich beeindruckende Ergebnisse erzielen und mit anderen teilen. Wir stellen die besten Kreativ-Werkzeuge für Oculus Rift, Vive, Gear VR und Daydream vor.

Virtual Reality taugt längst nicht nur als Unterhaltungsmedium und ihr Potenzial wird bisher nicht annähernd ausgeschöpft. Gerade für schöpferische Tätigkeiten versuchen das einige Unternehmen zu ändern. Deren Kreativ-Apps haben allerdings oft nicht die verdiente Aufmerksamkeit erhalten. Zwar setzte Google mit Tilt Brush gleich zum Start der HTV Vive ein Ausrufezeichen, das Zeichenprogramm wurde gar als "Killer-App" für VR bezeichnet. Viele andere gingen aber im Wust der Gaming- und Video-Apps in den Download-Stores unter. Wir stellen diejenigen vor, die niemand verpassen sollte, der nicht den x-ten Wave-Shooter spielen will, sondern Kunst schaffen - nicht nur mit den High-End-Brillen Rift und Vive, sondern auch mit Gear VR und Google Daydream.

Nutzer können damit Welten erschaffen, Trickfilme drehen, malen und zeichnen, designen, virtuelle Bildhauerei betreiben, Graffiti erschaffen und Musik machen. Die meisten Apps ermöglichen das Teilen der Inhalte mit anderen. So können sie unmittelbar Feedback einholen und es entstehen nach und nach Communitys: Welche Dynamik nutzergenerierte Inhalte haben können, zeigen die zahllosen Modding-Communitys, die PC-Spiele oft weit über ihr Release-Datum am Leben halten. Wenn VR vergleichbare Kräfte freisetzen könnte, käme das auch dem Medium selbst zugute - schließlich ist VR noch längst nicht im Mainstream angekommen. Virtual Reality kann weit mehr als nur Konsum - das zeigen die nachfolgenden Beispiele.

Welten erschaffen

Level-Editoren gibt es seit Jahrzehnten. Schon in den Neunzigern konstruierten Nutzer Doom-Level, um darin anschließend Multiplayer-Schlachten zu schlagen. VR-Editoren gehen noch einen Schritt weiter: Sie emöglichen das vollkommene Eintauchen in die selbstgeschaffenen Welten - ob das nun ein Gaming-Level, das Traumhaus oder der Traum von letzter Nacht ist. Die derzeit wichtigsten VR-Editoren sind Unity und die Unreal Engine. Beide haben VR-Modi, in denen sich die Zwischenergebnisse begutachten lassen. Für Nutzer ohne Vorkenntnisse ist die Einstiegshürde nicht gerade niedrig, denn beide Programme haben eine Vielzahl an Funktionen. Allerdings sind sie auch so gut dokumentiert, dass man seine Editing-Kenntnisse Stück für Stück erweitern kann. Dank der Manuals und Tutorials (Unity, Unrealengine) lassen sich schon in wenigen Minuten erste Ergebnisse erzielen. Zudem sind beide Engines für den Privatgebrauch gratis, die Asset Stores bieten viele kostenlose Inhalte.

Malen und zeichnen

Tilt Brush haben wir bereits erwähnt: Das Programm bietet eine enorme Vielfalt an Pinseln, Stempeln und Spezialeffekten (Steam, Rift / 19,99 Euro / gratis mit Oculus Touch). Besonders gut kommt es mit Vive zur Geltung, wenn hier die trackbare Fläche größer ist als bei Oculus Rift - man hat also mehr Platz, um die magisch im Raum schwebenden Werke herumzulaufen und sie von allen Seiten zu begutachten. Übrigens: Das Spiel Paulo's Wing wurde komplett in Tilt Brush gezeichnet.

Ähnlich beeindruckend wie das Google-Produkt Tilt Brush ist auch die App Quill der Oculus Story Studios (Rift / 29,99 Euro / gratis mit Oculus Touch). Welche Möglichkeiten sie bietet, verdeutlicht der Kurzfilm Dear Angelica, der vollständig in Quill erstellt wurde und beim Sundance Film Festival lief. Quill behandelt jeden Pinselstrich als eigenes Objekt, was schnell unübersichtlich werden kann; es eignet sich aber sehr gut für die Arbeit mit verschiedenen Ebenen. Paintlab ist sogar gratis auf Steam erhältlich, allerdings nur kompatibel mit HTC Vive.

Auch Besitzer mobiler VR-Brillen dürfen sich zeichnerisch ausleben: Sowohl für Gear VR als auch für Google Daydream existieren mittlerweile Apps, die - bis auf Circumpaint - mit den Motion-Controllern gesteuert werden können. . Die Programme Circumpaint und Paint42 sind exklusiv für Gear VR erhältlich, die Apps Cyber Paint und Paint VR zusätzlich auch für Daydream VR. Keine dieser Apps bietet den Bedienungskomfort von Tilt Brush oder Quill. Allerdings kostet auch keine von ihnen mehr als 5 Euro. Den besten Eindruck haben bei uns Paint VR (4,99 Euro) und Cyber Paint (3,99 Euro) hinterlassen.



Skulpturen, Graffiti und Musik

Wer sich mehr als virtueller Bildhauer sieht, hat ebenfalls eine gute Auswahl an Apps - wobei die Programme sehr unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Oculus hat mit Medium (29,99 Euro) ein hochgradig leistungsfähiges Tool erschaffen, mit dem man virtuellen Lehm - dank der Touch-Controller - sehr präzise auftragen und entfernen kann; die fertigen 3D-Modelle lassen sich in verschiedenen Formaten exportieren. Die Funktionsfülle erfordert eine gewisse Einarbeitungszeit, Tutorials gibt es allerdings zur Genüge. Google Blocks (Steam, Rift / gratis) ist demgegenüber ein eher rudimentäres Tool und macht seinem Namen alle Ehre: Es richtet sich in erster Linie an Einsteiger, die ohne viel Büffelei einfache Strukturen erschaffen wollen. Störend dabei: Weder das Erstellen noch das nachträgliche Bearbeiten von Objekten ist besonders präzise. Wieder einen anderen Ansatz verfolgt MasterPieceVR (Steam, Rift / 27,99 Euro): Hier können User gemeinsam online an Kunstwerken arbeiten, die Leistungsfähigkeit der Werkzeuge macht dem App-Namen alle Ehre.

Sculpting ist das Anwendungsfeld, in dem die Download-Stores die wohl größte Auswahl bieten. Auch die Indie-App Kodon (Steam, Rift / 19,99 Euro / Early Access) erhält von den Steam-Usern sehr gute Kritiken, die Grundmasse Lehm erinnert an den großen Konkurrenten Medium. SculptVR schließlich bringt die virtuelle Bildhauerei auch auf Daydream VR (Steam / 19,99 Euro - Daydream / 4,99 Euro): Ähnlich wie in Minecraft lassen sich hier einzelne Klötzchen zu eindrucksvollen Skulpturen auftürmen. Eine App speziell für Produktdesigner ist Gravity Sketch. Gravity Sketch ist kompatibel mit Vive und Oculus; für eine Beta ist sie vergleichsweise teuer (27,99 Euro), andererseits aber auch schon jetzt sehr beeindruckend.

Graffiti

Kingspray Graffiti ist tatsächlich der ungekrönte König des virtuellen Wandmalens - eine ähnlich leistungsfähige und grafisch brillante App sucht man vergeblich (Steam, Rift / 14,99 Euro). Es macht einfach unglaublich viel Spaß, die verschiedenen Hintergründe mittels diverser Farben und Caps zu besprühen. Und auch die Stadtreinigung darf sich freuen.

Musik machen

Soundstage VR ist ein Kompositionswerkzeug (Steam / 9,99 Euro), das leider derzeit nicht mehr weiterentwickelt wird - sein Schöpfer Logan Olsen ist ins Google-Team gewechselt. Dennoch bietet die App so viele Funktionen, dass sich das gut verschmerzen lässt. In Soundstage VR können angehende Komponisten verschiedenste Instrumente über leuchtende Kabel miteinander koppeln, auch Rhythmen sind sehr intuitiv programmierbar. Womöglich ist das Komponieren in VR immer noch deutlich umständlicher als in 2D am Monitor - doch es macht mindestens genauso viel Spaß. Wer nur ein bisschen rumfrickeln will, kann auch auf die App Jam Session VR zurückgreifen (Steam, Rift / 2,99 Euro). Viel Spaß!

Animation

Erst kürzlich haben wir die famose App Mindshow (Steam, Rift / gratis / Early Access) vorgestellt, mit der sich kurze, witzige Animationsfilme drehen und vertonen lassen (Steam / gratis /Early Access). Hobby-Regisseure finden auch in Tvori (Steam, Rift / 19,99 Euro) ein reiches Betätigungsfeld: Im Nu entwerfen sie stimmungsvolle Kulissen, animieren Figuren und drehen die Szenen dann mit stabilisierter "Handkamera".

Fazit

Sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene bietet VR die passenden Kreativ-Tools - und das in vielen Kunstrichtungen. Was bei den meisten Apps noch fehlt, ist ein Koop-Modus, der schöpferische Kräfte online vereint. Alles in allem sind die Kreativ-Apps eine ausgezeichnete Werbung für Virtual Reality. Vielleicht merken das bald auch die nicht-virtuellen Museen - und stellen mehr VR-Kunst aus.  (afe)


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