Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/firefox-mozilla-veraergert-nutzer-mit-ungefragter-addon-installation-1712-131727.html    Veröffentlicht: 18.12.2017 13:35    Kurz-URL: https://glm.io/131727

Firefox

Mozilla verärgert Nutzer mit ungefragter Addon-Installation

Der Firefox-Hersteller Mozilla hat Nutzern in den USA ungefragt ein Addon zur Promotion der Fernsehserie Mr. Robot installiert. Die Community zeigte sich wenig erfreut und Nutzer hielten das plötzlich auftauchende Addon für Malware, sodass Mozilla gezwungen war, seinen Kurs zu ändern.

Vergangene Woche haben einige Firefox-Nutzer in den USA begonnen, in verschiedenen Foren wie etwa Reddit nach einem neuen Addon zu fragen, das plötzlich und ungefragt in ihrem Browser installiert worden ist. Das Addon heißt Looking Glass und enthielt als einzige verfügbare Beschreibung den Satz: "Meine Realität ist einfach anders als Deine". Vor allem wegen der sehr spärlichen Informationen und der ungefragten Installation hielten viele Nutzer das Addon für Malware oder befürchteten gar, dass ihre Rechner von Angreifern übernommen worden sind.

Kollaboration für Mr. Robot

Erst nach entsprechend großer Aufmerksamkeit innerhalb der Community sowie durch verschiedene US-Medien hat Mozilla begonnen, eine Erklärung zu dem Addon auf seinen eigenen Hilfeseiten zu veröffentlichen und sich zu dem Addon zu äußern. Demnach handelt es sich bei Looking Glass um eine Kollaboration von Mozilla mit den Machern der Fernsehserie Mr. Robot, um ein Alternate-Reality-Spiel(AR) umzusetzen. Das Addon ist zum Finale der dritten Staffel der Serie vergangene Woche erschienen.

Die Serie handelt von Privatsphäre und Sicherheit in der Online-Welt, was sehr gut zu den Prinzipien von Mozilla selbst passe. Mozillas Marketing-Chef Jascha Kaykas-Wolff sagte dem US-Magazin Cnet, dass die Partnerschaft zu der Serie selbst sowie zu deren Zuschauern in der Vergangenheit gewachsen sei.

Darüber hinaus gibt Kaykas-Wollf an, dass Mozilla für die Kooperation nicht bezahlt worden sei. Das ist insofern nachvollziehbar, da es sich bei der Zusammenarbeit wohl weniger um Werbung für Mr. Robot handelt, sondern eher um Werbung für den Firefox-Browser. Immerhin könnte die exklusive Verfügbarkeit des Spiels einige Fans der Serie dazu bewegen, Firefox zu installieren oder zu nutzen. Andersherum ist es dagegen eher unwahrscheinlich, dass Firefox-Nutzer wegen des Addons beginnen, die Serie zu schauen.

Bestätigt wird die Äußerung, dass die Inhalte der Serie gut zu Mozilla passen, auch durch den Mozilla-Mitarbeiter Steve Klabnik auf Twitter. Dieser berichtet, dass die Verantwortlichen von Mozilla den Angestellten auf einem sogenannten All-Hands-Meeting vergangene Woche im texanischen Austin über die kommende Kollaboration informiert haben. Klabnik selbst und - so vermutet der Entwickler - auch viele seiner Kollegen, hätten sich dabei nichts weiter gedacht und die Kooperation für gut befunden.

Unerwartete automatische Addon-Installation

Die Art und Weise der Umsetzung und Verfügbarkeit von Looking Glass wird dabei allerdings nicht nur von Klabnik kritisiert, sondern auch von vielen anderen. Denn installiert worden ist das Addon über die Shield-Schnittstelle, die Mozilla eigentlich dazu nutzt, eigene interne Experimente einem meist kleinen Teil ausgesuchter Nutzer als Addon bereitzustellen und diese dann zu testen. Auch Konkurrent Google nutzt ähnliche Methoden für seinen Chrome-Browser.

Doch statt als hilfreicher Test für Mozilla durch eine kleine Nutzergruppe ist Looking Glass vielen Kommentaren zufolge vielmehr als ungewollte kommerziell-werbliche Zusatzsoftware wahrgenommen worden, die zudem ohne explizite Einwilligung an fast alle US-Nutzer verteilt worden ist. Schließlich wird die Shield-Schnittstelle im Firefox-Browser standardmäßig aktiviert. Und eben dieses Vorgehen wird von vielen Seiten massiv kritisiert.

Das liegt wohl vor allem daran, dass Nutzer und Community an Mozilla verständlicherweise andere Erwartungen und Maßstäbe anlegen als an dessen gewinnorientierte Konkurrenz wie eben Google. Insbesondere der werbliche Charakter des Addons passt demnach nicht zu den von Mozilla vertretenen Werten.

Der Marketing-Verantwortliche Kaykas-Wolff gibt jedoch an, dass - anders als die meiste Werbung im Web - das Addon keine Nutzerdaten sammelt. Nutzer können diese Aussage selbst überprüfen, da der Quellcode des Addons auf Github zur Verfügung steht.

Auf die teils sehr harschen Kommentare und Kritiken hat Mozilla schnell reagiert und nicht nur Erklärungen zu dem Addon bereitgestellt, sondern auch damit begonnen, Looking Glass nicht mehr über die Shield-Schnittstelle zu verteilen, sondern über den Addon-Store des Firefox. Kaykas-Wolff sagte dazu: "Obwohl wir immer die besten Absichten haben, funktioniert nicht alles, was wir versuchen, so, wie wir es wollen".  (sg)


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