Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/neues-us-gesetz-trump-verbannt-kaspersky-endgueltig-von-regierungscomputern-1712-131640.html    Veröffentlicht: 13.12.2017 11:04    Kurz-URL: https://glm.io/131640

Neues US-Gesetz

Trump verbannt Kaspersky endgültig von Regierungscomputern

Software des russischen Unternehmens Kaspersky darf endgültig nicht mehr auf Computern der US-Regierung installiert werden. US-Präsident Trump unterzeichnete am Dienstag ein entsprechendes Gesetz.

Nach der bereits im September veröffentlichten Anordnung des Heimatschutzministeriums ist es nun Gesetz in den USA: Die Software des russischen Antivirus-Spezialisten Kaspersky darf nicht mehr auf Geräten der US-Bundesregierung benutzt werden, wie Reuters am Dienstagabend berichtete.

Das neue Gesetz bindet alle zivilen und militärischen Teile der US-Regierung, also auch Ministerien, Agenturen und andere nachgeordnete Behörden. Der entsprechende Abschnitt 1634, der offiziell am 1. Oktober 2018 in Kraft tritt, bezieht sich dabei explizit auf alle "Hardware, Software oder Dienstleistungen, die von Kaspersky Lab (...) entwickelt oder vertrieben werden." Damit findet das monatelange Tauziehen um den Vorwurf, Kaspersky arbeite mit der russischen Regierung zusammen, ein vorläufiges Ende.

Ein "ernstes Risiko"

"Der Fall Kaspersky ist gut dokumentiert und zutiefst beunruhigend", sagte die demokratische Senatorin Jeanne Shaheen Reuters. "Dieses Gesetz ist lange überfällig." Shaheen hatte sich im US-Senat führend für das Verbot eingesetzt. Sie bezeichnete Kasperskys Software als ein "ernstes Risiko" für die nationale Sicherheit der USA.

Kaspersky Lab hatte den Vorwurf der Zusammenarbeit mit der russischen Regierung stets bestritten. In einer Stellungnahme des Unternehmens vom Dienstag hieß es, man sei "ernsthaft besorgt" über das neue US-Gesetz und sein "geografisch-begrenztes Verständnis von Cybersecurity". Was wohl bedeutet: Kaspersky ärgert sich, dass ausschließlich ein russisches Unternehmen betroffen ist.

Kaspersky will Transparenz schaffen

Mit einer im Oktober angekündigten "Transparenzinitiative" will das Unternehmen dennoch guten Willen zeigen und die Vorwürfe um die angebliche Zusammenarbeit mit der russischen Regierung entkräften. Kaspersky Lab hatte angekündigt, zum ersten Quartal 2018 eine "unabhängige Überprüfung des Quellcodes des Unternehmens" zu beginnen. "Ähnliche Überprüfungen der Softwareaktualisierungen und der Bedrohungserkennungsregeln des Unternehmens" sollen folgen.

Die Vorwürfe gegen Kaspersky sind nicht neu, waren zuletzt aber wegen eines NSA-Mitarbeiters erneut in den Fokus geraten, der offenbar widerrechtlich Geheimdienstdokumente auf seinen privaten Computer kopiert hatte, auf dem auch Kasperskys Virenscanner installiert war.

Weil die NSA-Dokumente auch Malware wie etwa einen Keygenerator beinhalteten, wurden einige der geheimen Malware-Samples in Kasperskys Threatcloud hochgeladen. Nachdem der Antivirenhersteller die klassifizierten Dokumente entdeckt hatte, wurden sie nach Darstellung von Firmenchef Eugene Kaspersky umgehend wieder gelöscht.

Ärger droht auch anderswo

Allerdings hat Kaspersky nicht nur Ärger in den USA. Auch das britische National Cyber Security Centre (NCSC) warnt inzwischen vor dem Einsatz der russischen Software in britischen Regierungsbehörden. Die Warnung basiere jedoch nicht auf konkreten Hinweisen oder Beweisen für Spionage, sondern lediglich auf einer Bewertung des individuellen Risikos der Regierungsstellen, heißt es. Ohnehin setzten nur wenige Behörden im Land derzeit auf Antivirensoftware von Kaspersky.  (jaw)


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