Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/star-wars-die-letzten-jedi-viel-luke-und-zu-viel-unfug-1712-131632.html    Veröffentlicht: 12.12.2017 18:40    Kurz-URL: https://glm.io/131632

Star Wars - Die letzten Jedi

Viel Luke und zu viel Unfug

Vor zwei Jahren hat Disney die Macht erwachen lassen, jetzt wird jene dritte Star-Wars-Trilogie im Kino fortgesetzt. Wir freuen uns vor allem über das Wiedersehen mit Luke Skywalker, fühlen uns in manchen Szenen aber wie in der falschen Galaxie.

Wir halten diese Filmkritik selbstverständlich frei von Story-Spoilern, die unserer Meinung nach den Spaß am Film verderben. Wer trotzdem gar nichts wissen möchte, vorab bewusst alle Trailer ignoriert oder die bisherigen Star-Wars-Filme noch nicht gesehen hat, liest von hier an auf eigene Gefahr weiter.

Hoffnungsvoll streckt sie ihm sein altes Lichtschwert entgegen und er schaut sie nur an: Die erste Begegnung zwischen der damals noch neuen Star-Wars-Heldin Rey und dem bis dahin verschollen geglaubten Luke Skywalker auf dem Planeten Ach-To ist der fiese Cliffhanger zwischen Das Erwachen der Macht und Die letzten Jedi. Fies deswegen, weil Fans zweieinhalb Stunden auf Mark Hamills großen Auftritt als gealterter Jedi-Meister gewartet haben, er dann aber nicht mal mehr ein Wort sagt und der Film auf einmal vorbei ist.

Von Luke, das sei schon einmal gesagt, bekommen Zuschauer in Die letzten Jedi viel mehr zu sehen. Seine Szenen zählen wie erwartet zu den stärkeren Momenten einer insgesamt doch sehr unausgewogenen Geschichte. Der Film nimmt sich hier etwas Zeit, wieder an die ursprüngliche Idee von Macht und Jedi aus den Ur-Star-Wars-Filmen zurückzuerinnern. Das war in George Lucas' Prequel-Trilogie nicht zuletzt durch Einführung der Midi-Chlorianer als wissenschaftliche Erklärung für die Zauberkräfte der Jedi-Ritter beinahe schon verloren gegangen.

Space-Daily-Soap mit fantastischen Tierwesen

Während wir von ihm, Rey, und auch von Kylo Ren, gerne mehr gesehen hätten, empfinden wir die Geschehnisse um die letzten verbliebenen Rebellen auf der Flucht vor dem neuen Mega-Sternzerstörer der First Order als weniger spannend. Viel zu viele Vier-Augen-Gespräche zwischen den Protagonisten wirken mehr wie aus einer Daily-Soap denn als Teil eines spannenden Weltraummärchens. Es ist zwar schön, die mittlerweile verstorbene Carrie Fisher in so vielen Szenen noch als Prinzessin Leia zu sehen, wir hätten ihr aber auch in diesem Film wieder eine interessantere Rolle gewünscht.

Angesichts der Laufzeit von mehr als zweieinhalb Stunden hätten wir außerdem nichts dagegen gehabt, wäre die Nebenhandlung in einer Art Casino-Stadt auf dem Planeten Cantonica komplett weggefallen. Diese Welt und ihre Bewohner scheinen optisch dem Harry-Potter-Universum entsprungen zu sein, mit allerlei fantastischen Tierwesen in der Szenerie. Die hier stattfindende Mission der neuen Figur Rose Tico erscheint uns nur eine unnötige Beschäftigungsmaßnahme für den Ex-Strumtruppler Finn aus dem vorherigen Film zu sein, fügt der Handlung aber bloß etwas kitschige Symbolik hinzu und bietet auch auf Actionseite keine lohnenden Höhepunkte.

Alte Musik trifft neue Effektmagie

Visuell überzeugt Episode VIII trotzdem genau wie ihr Vorgänger mit Effekten auf Top-Niveau und einer angenehmen Mischung aus praktischem Handwerk mit echten Puppen und Sets sowie den Computer-Tricks von Industrial Light and Magic. Die Musik ist sogar noch einen Tick besser geworden, da öfter auf die bekannten Soundtrack-Themen der klassischen Trilogie zurückgegriffen wird, von denen wir einfach nie genug hören können.

Inhaltlich weicht Die letzten Jedi dagegen für unseren Geschmack zu häufig vom Ton ab, den wir mit Star Wars verbinden.

Die Macht ist mit dem Merchandise

Die Star-Wars-Tonalität verliert sich vor allem in den vermehrten Slapstick-Momenten, die in der Häufigkeit beinahe an die ganzen tollpatschigen Momente des Jar Jar Binks in Star Wars: Episode 1 erinnern. Manch ein Spruch ist aus den Mündern der Filmfiguren außerdem zu selbstreferentiell, etwa wenn wiederholt über den ikonischen Satz "Möge die Macht mit dir sein" in unserer Meinung nach unangebrachten Situationen geschmunzelt wird. Oft passen die Humor-Einlagen auch gar nicht zum aktuellen Geschehen und lassen Star Wars im Kino plötzlich zu sehr wirken wie die animierten Cartoon-Serien aus dem Fernsehen. Besonders die Aura der bösen First Order leidet darunter, dass sie durchgehend als Chaotentruppe vom Dienst dargestellt wird, der wir die Rolle als neues Imperium so überhaupt nicht abnehmen.

Entwarnung geben können wir dagegen bezüglich der kleinen Meerschweinchen mit Flügeln, die im Promo-Material so viel Aufmerksamkeit bekommen haben. Die Porgs kommen in Die letzten Jedi nur kurz am Rande vor und stören gar nicht so sehr, auch wenn sie natürlich einzig mit dabei sind, damit Disney noch ein süßes Kuschelspielzeug mehr in die Läden stellen kann.

Kaum neues Futter für Fan-Theorien

Ob Star Wars VII eine gelungene Fortführung der klassischen Filme war oder nicht, bei einem sind sich die Zuschauer einig: Der Film ließ jede Menge große Fragen offen. Wer sind die Eltern der Macht-begabten Rey? Was hat es mit ihrer düsteren Vision auf sich und was hat der neue Bösewicht Supreme Leader Snoke damit zu tun? Um nur ein paar zu nennen.

Wer nun zwei Jahre lang mit anderen Fans spannende Theorien gesponnen hat, könnte von Die letzten Jedi enttäuscht sein. Regisseur und Autor Rian Johnson adressiert viele von seinem Vorgänger J.J. Abrams gestreute Mysterien gar nicht erst und die wenigen Antworten, die er zum Fortgang der Handlung zwangsläufig liefern musste, sind ernüchternd simpel gestrickt, liefern wenig neue Erkenntnisse.

Sicherlich, das hebt sich Disney eventuell alles für Episode IX auf, für die bekanntlich wieder Abrams verantwortlich zeichnen wird. Wir sind da nach Die letzten Jedi allerdings skeptisch. Zu sehr haben wir den Eindruck gewonnen, hinter vielen Ansätzen aus Das Erwachen der Macht steckten 2015 gar keine konkreten Ideen. Für den Nachfolger schien es einfacher, ihnen nur wenig Beachtung zu schenken und sich lieber mit eigenen Handlungssträngen zu beschäftigen. Den PR-wirksamen Effekt, die neue Star-Wars-Trilogie zwischen den Filmen durch nicht enden wollende Spekulationen online zum Dauerthema zu machen, haben die offenen Fragen ja nebenbei auch so erfüllt.

Schritt zur Seite und wieder auf Anfang

Die letzten Jedi mag darüber hinaus, trotz einiger optisch spektakulärer Weltraumkämpfe und Belagerungsszenen, auch nicht die ganz packenden Sci-Fi-Schlachten oder dramatischen Lichtschwertkämpfe haben, wie etwa Das Imperium Schlägt Zurück oder Die Rückkehr der Jedi Ritter, die beide ganz offensichtlich als Inspiration für zahlreiche Szenen gedient haben. Die Auftritte von Luke Skywalker, besonders zum Ende hin, retten den Film dennoch davor, als Mittelteil seiner Trilogie nur Füllstück zu sein. Wenn wir die Handlung jedoch ganz genau betrachten, haben alle Hauptfiguren in ihrer Entwicklung hier nur mal kurz einen kleinen Schritt zur Seite gemacht, um am Schluss wieder in etwa da zu stehen, wo sie schon am Ende von Episode VII waren. Von Episode neun erwarten wir in zwei Jahren entsprechend einen größeren Hüpfer auf unbekanntes Territorium, damit diese neue Star-Wars-Reise der Rückkehr und teilweise großen Opfer ihrer Helden aus alten Tagen auch wirklich durch und durch gerecht wird.  (dp)


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