Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/displayhdr-1-0-vesa-definiert-hdr-standard-fuer-displays-1712-131625.html    Veröffentlicht: 12.12.2017 15:54    Kurz-URL: https://glm.io/131625

DisplayHDR 1.0

Vesa definiert HDR-Standard für Displays

Mit einem neuen Standard will die Vesa mehr Klarheit in die Funktionen von HDR-Displays bringen. Für insgesamt drei Abstufungen müssen verschiedene Bedingungen erfüllt werden. Mit den Standards HDR10, Dolby Vision, HLG oder Ultra HD Premium hat das aber wenig zu tun. Es geht vor allem um die Panels.

Die Vesa hat DisplayHDR 1.0 mit drei sogenannten Performance Tiers vorgestellt. Hierbei geht es aber nicht um die Übertragungsstandards wie etwa HDR10, HDR+, Dolby Vision oder gar HLG, sondern tatsächlich nur um die eigentlichen Fähigkeiten der Panel. Heutzutage ist es so, dass der Anwender mit der Information, dass etwa HLG verstanden wird, nichts anfangen kann, da die Eckwerte darüber nicht definiert werden.

In Grenzen vergleichbar ist es mit dem Ultra-HD-Premium-Logo. Doch das ist zum einen für Fernseher-Hersteller relevant und zum anderen vermeiden einige Marktteilnehmer das Logo zugunsten von 4K- und HDR-Logos. Zudem sind die Kriterien nicht kundenfreundlich, da diese sich je nach Panel-Technik unterscheiden.

DisplayHDR hingegen hat über seine drei Tiers feste Voraussetzungen. DisplayHDR 400 beispielsweise verlangt eine maximale Leuchtdichte von 400 Candela pro Quadratmeter (10 Prozent des Bildschirms für 30 Minuten). Displays, die diesen Standard erreichen, müssen das zumindest kurzzeitig auch auf dem gesamten Bildschirm darstellen können. Dabei geht es etwa um Explosionen oder eventuell andere Licheffekte. Im Dauerbetrieb reichen 320 cd/qm.

Definiert werden auch die Schwarzwerte. In den Ecken darf das Schwarz maximal eine Helligkeit von 0,4 cd/qm erreichen. Laut Vesa geht das bei LCD-Paneln, dazu gehören auch die als QLED vermarkteten Samsung-Displays, nicht ohne Local Dimming. Das sogenannte Tunnel Maximum Limit muss sogar auf 0,1 cd/qm gesetzt werden. Dies wiederum benötigt ein Global Dimming. Die Voraussetzungen sind nicht besonders hoch, aber durchaus anspruchsvoll. Das von uns getestete LG 32UD99-W würde kein Logo bekommen.

DisplayHDR 600 braucht anspruchsvolle Hardware

Für Displays der nächsten Stufe sind die Ansprüche noch höher. Wie der Name es schon andeutet, müssen 600 cd/qm sowohl als Flash als auch örtlich begrenzt erreichbar sein. Für längere Vollbild-Darstellungen reichen 350 cd/qm. Das dürfte der typischen Film- und Spielepraxis recht nahe kommen. Als Schwarzwert sind 0,1 cd/qm grundsätzlich gefordert, was für die Lichtverteilung der LEDs in LC-Displays eine gute Konstruktion erfordert, insbesondere bei Edge-Systemen. OLED-Panel sind hier im Vorteil.

DisplayHDR 1000 als High-End-HDR-Liga

Den höchsten Anspruch hat die 1000er Stufe mit satten 1.000 cd/qm als Anforderung. In längerfristigen Vollbild-Szenen müssen immer noch 600 cd/qm erreicht werden. Im Unterschied zu dem Ultra-HD-Premium-Logo gibt es hier also keine Aufweichung des Standards für LGs Panel-Technik. 1000 cd/qm für OLED ist noch eine schwer zu meisternde Aufgabe. Das heißt aber nicht, dass es für LC-Displays einfacher wird. Die Schwarzwerte in der Ecke werden auf 0,05 cd/qm Helligkeit reduziert. Nur der Tunnel-Wert bleibt bei 0,1 cd/qm.

Wichtig ist zudem eine gute Reaktionszeit der Hintergrundbeleuchtung, sofern es eine gibt. Das ist bei LC-Displays und QD-LCD alias Samsung QLED der Fall. OLED und echte, bisher nur in der Forschung existierende QLED-Panel haben keine Hintergrundbeleuchtung. Laut Vesa-Vorgaben muss der Wechsel zwischen Schwarz und Weiß binnen 8 Frames gelingen. Hierbei sei angemerkt, dass auch das Auge eine gewisse Zeit braucht, um sich beispielsweise an 1.000 cd/qm zu gewöhnen. Die Vesa geht davon aus, dass die 8 Frames praxisnah sind und von den Herstellern in der Regel unterboten werden.

Farbräume müssen nicht immer DCI P3 entsprechen

Erhöhte Anforderung gibt es auch für die Ansteuerung. Während heutige Panel laut Vesa typischerweise einen 6-Bit-Treiber verwenden und per Dithering-Algorhithmus (mitunter per Frame Rate Control erreicht) 8 Bit erreichen, steigt die Anforderung auf 8 respektive 10 Bit per Dithering für alle DisplayHDR-Tiers. Es braucht also kein vollständig natives 10-Bit-Panel, das auch heute noch selten ist. Es genügen 8 Bit mit 2-Bit-Dithering als Minumum. Eine echte 8-Bit-Darstellung ist jedoch immer zwingend vorgeschrieben. Eine 10-Bit-Zertifizierung fehlt dem Standard also. Es bleibt also dem Käufer überlassen, dies zu recherchieren.

Bei den darstellbaren Farbräumen für DisplayHDR 400 müssen nur 95 Prozent von BT.709 nach ITU-R erreicht werden. Für die beiden High-End-Tiers sind dagegen 99 Prozent zu erzielen. Zudem muss DCI P3 mit dem Weißpunkt D65 zu 90 Prozent erreicht werden.

Insgesamt wirken die Szenarios für den Test stimmig und praxisnah und dürften eine Informationsbereicherung für versierte Anwender sein. Das unterscheidet ihn stark von der Ultra-HD-Premium-Logo, das recht offensichtlich für LG angepasst wurde. Zudem soll der Standard der Vesa für kommende Display-Techniken erweitert werden.

Das Test-Werkzeug für Hersteller soll allgemein im Laufe des ersten Quartals 2018 verfügbar sein. Die Vesa wird auf der kommenden CES im Januar in Las Vegas aber schon erste Produkte zeigen können, die DisplayHDR erfüllen.

Weitere Informationen finden sich in dem 50 Seiten starken CTS-Dokument, das Details zu den Testverfahren nennt.  (ase)


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