Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/kingdom-come-deliverance-angespielt-und-taeglich-gruesst-das-mittelalter-1712-131581.html    Veröffentlicht: 11.12.2017 09:00    Kurz-URL: https://glm.io/131581

Kingdom Come Deliverance angespielt

Und täglich grüßt das Mittelalter

Undercover im Kloster, mit Schwert in den Kampf und überhaupt ins Mittelalter: Kingdom Come Deliverance schickt uns in die europäische Geschichte. Golem.de hat eine fast fertige Version in Mönchskutte und Eisenrüstung ausprobiert.

Oh Gott - wir haben verschlafen! Ganz allein wachen wir am Morgen unseres zweiten Tages als Novize im Schlafsaal des Klosters Sasau auf. Die Mönche sind bereits seit 4 Uhr aus den Federn, haben gebetet und gefrühstückt. Wir versuchen, uns unbemerkt in die Bibliothek zur Arbeit zu schleichen. Klappt fast, aber dann laufen wir doch einem Pater in die Arme und kriegen einen ordentlichen Rüffel. Noch ein Vergehen und uns droht eine richtige Strafe!

Was uns dann im Action-Adventure Kingdom Come Deliverance erwartet, wollen wir hier nicht verraten. Spannend finden wir, dass das Verschlafen und die Strafe im Kloster Sasau keine Zwischensequenz oder eine fest geskriptete Mission sind. Sondern dass wir tatsächlich so blöd waren, den Imgame-Wecker auf die falsche Zeit zu stellen, und dass wir dem Pater durchaus hätten ausweichen können. In dem Einsatz namens "Und täglich grüßt das Klosterleben", dessen Titel auf den immer gleichen Tagesablauf der Mönche deutet, müssen wir uns möglichst unauffällig verhalten, um auf die Spur des Mörders unserer Eltern zu kommen.

Das Kloster Sasau gibt es tatsächlich. Beim Vergleich zwischen dem weitgehend frei zugänglichen Gebäude im Spiel und den Fotos der real existierenden mittelalterlichen Anlagen im Internet fällt auf, dass sich die Entwickler von Warhorse an das Original gehalten haben. In Kingdom Come Deliverance sollen wir so weit wie möglich in die Historie ab dem Jahre 1403 in Böhmen (heute Tschechien) eintauchen können.

Beim Anspieltermin hat uns einer der Entwickler erzählt, dass zum Team auch eine Historikerin gehört. Die habe zwar zähneknirschend ein paar vereinfachenden Kompromissen zugestimmt. Aber als die Entwickler unsere Hauptfigur Heinrich einfach so inkognito als Novize in die Mönchsreihen einschleusen wollten, habe sie sich durchgesetzt: Nun muss der Spieler sich vorher aufwendig gefälschte Dokumente besorgen und ein paar andere - authentische - Bedingungen zumindest formal erfüllen. Zum Glück habe sich das als spielerisch durchaus reizvoll herausgestellt.

Beim Einsatz im Kloster wird besonders deutlich, dass Kingdom Come Deliverance zwar viele Action- und Rollenspielelemente enthält, die Entwickler im Zweifel aber eher darauf gesetzt haben, eine Art Mittelaltersimulator zu produzieren. Wir konnten beim Anspieltermin zwar auch kämpfen; doch zumindest der lange Einsatz im Kloster kommt ohne Waffen aus, er erinnert fast an ein Adventure - uns gefällt das sehr!

Längst nicht alle Missionen laufen so friedlich ab. Im sehr unterhaltsamen Tutorial bekommen wir etwa den Umgang mit dem Schwert sowie mit Pfeil und Bogen erklärt. Besonders die Handhabung der Klinge ist herausfordernd: Ein Ausbilder, der bärbeißige Hauptmann Bernard, bringt uns nach und nach bei, wie wir blocken, parieren, ausweichen und natürlich vor allem zuschlagen und zustechen.

Schwertkampf wird spannend...

Wir bekommen das so einigermaßen hin. Dennoch ist der Schwertkampf die Sache, bei der wir im Hinblick auf die fertige Version von Kingdom Come Deliverance die größten Restzweifel haben. Das System ist deutlich komplexer als in gängigen Spielen - wir hätten wenig Lust auf ein Spiel, bei dem wir immer nur so gerade irgendwie durch die Kämpfe kommen.

Wesentlich einfacher ist das Bogenschießen - zumindest in der Handhabung. Auf Knopfdruck wird die Sehne automatisch gespannt, wir müssen dann nur zielen und loslassen. Die größte Herausforderung ist, dass wir ohne Markierung treffen müssen. Nach ein wenig Übung klappt das aber bei uns ganz gut. Im Idealfall, so die Entwickler, läuft ein Kampf gegen einen Gegner wie im Mittelalter ab: Wir verpassen dem Feind ein oder zwei Pfeile, dann ist er mit etwas Glück schon tot. Wenn nicht, erledigen wir den Rest per Schwert.

Die Entwickler selbst finden übrigens, dass die Schwertkämpfe etwas einfacher mit einem Gamepad auf Konsole zu steuern sind als mit Maus und Tastatur am PC. Dafür sei der Umgang mit dem Bogen und vor allem das Zielen am PC dank Maus spürbar simpler.

Neben den für die Handlung relevanten Hauptmissionen können wir in dem Spiel auch Nebenquests auf eigene Faust absolvieren. Wir haben damit in der Vorabversion ein bisschen herumexperimentiert, indem wir zum einen einfach mal querbeet über die Karte gelaufen sind. Das macht durchaus Spaß: Kingdom spielt in einer rund 16 Quadratkilometer großen Umgebung, die sich an einem Gebiet im echten Böhmen orientiert. Ähnlich wie in GTA 5 und vergleichbaren Titeln ist das alles aber zusammengezogen, die Siedlungen liegen näher beieinander als in der Wirklichkeit, die Äcker dazwischen fehlen.

Eine Nebenquest um einen wertvollen Ring, den wir in Zusammenarbeit mit oder trotz des Widerstands von dem örtlichen Henker besorgen sollen, zeigt uns: In dem Titel scheinen viele Wege zum Ziel zu führen. Wir können den Scharfrichter ermorden, seine Hunde vergiften oder weglocken, ihn bestechen oder an dem Projekt beteiligen - manches davon führt bei uns zum Ziel, anderes nicht.

Grafik und Atmosphäre machen in der Vorabversion einen sehr stimmigen Eindruck. An einigen wenigen Stellen wirkt das auf der Cryengine basierende Programm etwas detailarm, etwa bei der Darstellung einer Häuserzeile in einem Ort. Insgesamt finden wir aber, dass Landschaften und Umgebungen richtig gut aussehen und Figuren und Animationen teils extrem hochwertig wirken. Viele Details greifen das Thema Mittelalter auf, etwa die Hintergrundmusik, die schönen Schriften in den Menüs oder die zur Zeit passende Übersichtskarte, bei der typisch mittelalterliche Farben, wie sie damals herstellbar waren, zum Einsatz kommen.

Die anspielbare Vorabversion hatte noch keine deutsche Sprachausgabe, nur die sehr gute englische. Die deutschen Bildschirmtexte scheinen erstklassig übersetzt zu sein - wenn es mal kleine inhaltliche Abweichungen gibt, finden wir die nachvollziehbar und sinnvoll umgesetzt.

Kingdom Come Deliverance soll nach aktuellem Stand am 13. Februar 2018 für Windows-PC, Xbox One und Playstation 4 in den Handel kommen.  (ps)


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