Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/4k-uhd-hdr-das-zdf-hat-das-internet-nicht-verstanden-1712-131502.html    Veröffentlicht: 06.12.2017 09:21    Kurz-URL: https://glm.io/131502

4K UHD HDR

Das ZDF hat das Internet nicht verstanden

Eigentlich wollte ich mir ja die 4K-HDR-Berglandschaften des ZDF ansehen. Das geht nur leider nicht, weil der Sender Fernsehen mit Internet-Streaming verwechselt. Und die Verantwortlichen erwecken auch den Anschein, als verstünden sie die Technik noch nicht so richtig.

Als das ZDF vor einigen Wochen angekündigt hat, nach dem Testlauf vor einem Jahr nun auch Serien des Regelbetriebs in 4K-UHD samt HDR auszustrahlen, hab ich mir gedacht: Super! Nach unserem UHD-Test vor einem Jahr wollte ich sehen, ob nun auch endlich das normale Fernsehen eine optische Qualität liefern kann, die mit den Angeboten von Netflix, Amazon oder der UHD-Blu-ray mithalten kann. Auch wenn ich definitiv nicht die Zielgruppe für Bergretter und Bergdoktoren bin, Naturaufnahmen sind in HDR immerhin schön anzusehen. Doch aus dem Erlebnis wurde nichts, weil das ZDF irritierenderweise immer noch zwischen Fernsehen und Internet-Streaming unterscheidet und dabei auch noch einiges falsch macht.

Die letztlich erfolglose Suche nach dem ZDF-Inhalt begann mit dem Kürzel HbbTV. In der Ankündigung heißt es, dass die Serien in 4K UHD samt HDR über diese Technik verbreitet werden sollten, die für Hybrid Broadcast Broadband TV steht. HbbTV ist aus einer Zusammenarbeit verschiedener hauptsächlich europäischer Fernsehsender entstanden und bietet eine Art modernen Rückkanal und Zusatzinformation zusätzlich zum eigentlichen Fernsehinhalt. Übertragen werden die Informationen und Dienste, wie das Broadband im Namen verrät, über das Internet und nicht über das Fernsehsignal.

Bei HbbTV werden lediglich minimale Inhalte zusätzlich zu dem Fernsehsignal übertragen, meist nur eine entsprechend kodierte URL. Diese wird dann vom Betriebssystem eines Smart TV verarbeitet, und die Zusatzinformationen oder auch der gesamte Stream werden über das Internet geladen. In der Erklärung des ZDF klingt das so: "Alles was Sie tun müssen, ist, Ihr TV-Gerät mit dem Internet zu verbinden, auf das ZDF umschalten und dann die rote Taste der Fernbedienung zu drücken. Sie gelangen so in die Start-Leiste, in der wir alle unsere HbbTV-Angebote zusammengefasst haben".

Ich habe Internet und brauche kein Fernsehen

Für mich ergibt sich daraus aber ein Problem: Ich empfange mit meinem Smart TV weder das ZDF noch überhaupt klassisches Fernsehen. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe. So habe ich keinen Kabelanschluss, an der Gemeinschaftsantenne im Haus beteilige ich mich nicht, eine Sat-Schüssel darf, kann und will ich nicht anbringen und eine Zimmerantenne für DVB-T ist auch alles andere als schön und praktisch.

Darüber hinaus gibt es ja außerdem für das lineare Live-Fernsehen noch Dienste wie Zattoo oder direkt die Livestreams der Mediatheken im Web. Die vielleicht 1 oder 2 Sekunden Verzögerung im Vergleich zu anderen Übertragungswegen sind mir als Nicht-Sport-Fan auch herzlich egal.

Hinzu kommt, dass ich mir ja extra ein Gerät für 4K-UHD-Inhalte mit HDR-Unterstützung gekauft habe und diese Inhaltequalität über die klassischen Verbreitungswege des Fernsehens sowieso nicht verfügbar ist. Genau deshalb wird ja auch bei HbbTV das Streaming per Internet umgesetzt. Und Dienste wie Netflix oder Amazon Prime Video, die solche Inhalte bieten, funktionieren ebenso nur über das Internet. Das klassische Fernsehen bietet mir für meine gewünschte Nutzung also keinen Mehrwert.

Schlimmer noch, die Verwendung von Funktionen wie HbbTV sind nicht nur potenziell Sicherheitslücken. So zeigten Forscher in diesem Jahr, wie Smart-TV-Geräte per HbbTV von außen übernommen werden können. Ebenso sind mir aus Sicherheitsperspektive mehr oder weniger schlecht gewartete Linux-Distributionen, die als Grundlage der Smart-TV-Systeme dienen, eher suspekt, weshalb ich mein Fernsehgerät auch lieber als Display an einem Rechner betreibe. Hier kann ich wenigstens davon ausgehen, dass das Betriebssystem ebenso wie der Browser als Tor zum Web und Internet langfristig gepflegt werden.

An derartige Überlegungen scheinen die Verantwortlichen des ZDF aber nur wenige Gedanken zu verschwenden, was eine kurze Presseanfrage an das ZDF bestätigt.

Kein 4K-UHD-Stream vom ZDF

Auf die Frage, warum die Streams ausschließlich per HbbTV verteilt würden, bekommen wir die Antwort: "Wir haben uns bewusst für einen Showcase auf HbbTV entschieden, um dort auf aktuellen Geräten mit nur einem Klick eine UHD-Version anzubieten". Nur funktioniert genau das bei mir eben nicht.

Mir wird außerdem mitgeteilt, dass die Ausstrahlung der ZDF-Inhalte über die Mediathek auch in Zukunft auf HD-Inhalte beschränkt bleiben solle. Mir bleibt immerhin ein kleiner Hoffnungsschimmer: "Weitere UHD/HDR-Showcases sind aber nicht grundsätzlich ausgeschlossen", heißt es.

Die Begründung, warum das ZDF darauf verzichtet, die 4K-Inhalte über die Web-Mediathek zu verteilen, ist jedoch für mich nicht nachvollziehbar. Das ZDF schreibt: "Die meisten PCs bzw. Laptops und Smartphones haben lediglich ein Full-HD-Panel, welches die gesamte Bildgröße gar nicht nativ darstellen kann".

Das schätzen einerseits Anbieter wie Netflix und Amazon für ihre Dienste offensichtlich anders ein, da sie entsprechende Web-Dienste natürlich anbieten. Anderseits kann ich auch genauso gut argumentieren, dass immer noch der wohl mit Abstand größte Teil der Fernsehgeräte lediglich ein Full-HD-Panel nutzt, das die gesamte Bildgröße gar nicht nativ darstellen kann - wenn überhaupt. Schließlich ist auch das klassische SD-Fernsehen nach wie vor weit verbreitet. Warum sollte das ZDF also 4K-UHD-Inhalte samt HDR über das Fernsehsignal zugänglich machen?

Direktzugriff ist auch kaputt

Die prinzipielle Kopplung von HbbTV mit dem Fernsehsignal umgeht zum Beispiel die ARD dadurch, dass diese eine entsprechende App mit den Inhalten auch unbhängig von davon bereitstellt. Das ZDF bietet eine ähnliche App zwar auch für Android TV, Fire TV oder Apple TV an, aber eben nicht für das auf meinem LG eingesetzte WebOS.

Mein letzter verzweifelter Versuch, doch noch an den UHD-HDR-Stream zu kommen, besteht darin, die HbbTV-Mediathek des ZDF direkt aufzurufen. Mit handelsüblichen Browsern geht das aber nicht, weil diese den dafür verwendeten Content-Type "application/vnd.hbbtv.xhtml+xml" nicht unterstützen. Beim Aufruf von http://hbbtv.zdf.de/zdfmediathek/ bekomme ich lediglich die Datei index.php zum Download angeboten.

Der in das LG-Gerät integrierte Webbrowser ist immerhin in der Lage, die HbbTV-Webapp beim Aufruf der URL zu öffnen. Zwar kann ich in der nicht auf 4K-Auflösung optimierten App immerhin noch schnell die Einträge zu den von mir gesuchten Inhalten finden, doch leider startet hier nur der Ton und kein Video.

Wenn das ZDF den 4K-UHD-Stream mit HDR, der sowieso über das Internet ausgespielt werden muss, einfach in die Web-Mediathek integriert hätte, wäre mir diese irrsinnige Suche erspart geblieben und ich hätte vielleicht sogar eine gute Produktion genießen können. Das ZDF ist aber offensichtlich nicht in der Lage dazu, mir das zu bieten.  (sg)


Verwandte Artikel:
Ultrabook: Dell hat das XPS 13 ruiniert   
(26.01.2018, https://glm.io/132406 )
Gerichtsentscheid: Kein Recht auf Barzahlung von Rundfunkgebühr   
(13.02.2018, https://glm.io/132748 )
ZDF mit 4K-UHD: Bergretter und Bergdoktoren werden in HLG-HDR ausgestrahlt   
(21.11.2017, https://glm.io/131253 )
Streit mit Google: Amazon löscht Chromecast-Eintrag wieder   
(09.03.2018, https://glm.io/133237 )
Depublizierung: 7-Tage-Löschfrist für ARD und ZDF im Internet fällt weg   
(20.10.2017, https://glm.io/130734 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/