Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/apps-und-games-fuer-vr-headsets-der-virtuelle-blade-runner-und-sport-mit-sparc-1712-131481.html    Veröffentlicht: 08.12.2017 08:57    Kurz-URL: https://glm.io/131481

Apps und Games für VR-Headsets

Der virtuelle Blade Runner und Sport mit Sparc

Eintauchen in die Welt von Blade Runner 2049, aber auch schweißtreibende Action von CCP Games (Eve Online) mit Sparc und Horror in fast völliger Dunkelheit bei Stifled: Golem.de hat sich spannende Neuheiten für Virtual-Reality-Headsets angeschaut.

Der Dezember wird heiß - zumindest, wenn es um VR geht. Massive Preissenkungen haben den Markt zuletzt stark angeheizt: Allein im dritten Quartal wurden mehr als eine Million VR-Brillen verkauft,, kürzlich kamen auch noch die Mixed-Reality-Brillen für Windows hinzu. Zusätzlich entflammt wird die Begeisterung von AAA-Releases wie Skyrim VR , Doom VFR und Fallout VR - samt und sonders Spielemarken, die weit in den Mainstream hinein bekannt sind.

Zuvor war etwas vorschnell über das Ende von VR spekuliert worden, nur weil sich eines der Pionier-Unternehmen, CCP Games aus Island, vorläufig aus der VR-Spieleproduktion zurückzog. Doch nicht nur die steigenden Hardware- und Software-Umsätze zeigen, dass VR keineswegs abzuschreiben ist. Auch die Zahl der VR-Spiele steigt rasant: Auf Steam gibt es bereits mehr als 1.600 Titel, im Oculus Store und auf PSN ebenfalls etliche Hundert. Darunter ist natürlich auch jede Menge halbgares Material: Auf Steam beispielsweise gibt es knapp 600 VR-Titel mit mittelmäßigen oder gar negativen Bewertungen.

Die Nutzer können mittlerweile sehr gut abschätzen, welcher Titel durch VR hinzugewinnt - und bei welchem VR nur lieblos aufgepropft ist. Gleichwohl ist es nicht einfach, in der Menge der Neuerscheinungen den Überblick zu behalten und die besten Titel zu finden. Deshalb stellen wir in Teil 2 unserer VR-Reihe (Teil 1 hier) wieder eine Auswahl besonders lohnender Spiele, Experiences und Lern-Apps für verschiedene Plattformen vor.

Mit Echo Grotto Höhlen erforschen

Der Lichtkegel der Taschenlampe streift über Höhlenwände, bizarre Felszacken und bläuliche Kristalle. Weiter vorne im Gang tut sich ein Abgrund auf, dessen Boden der Lampenschein bei weitem nicht erreicht. Und mit jedem Schritt wächst das Gefühl, in bislang unerforschtes Gebiet vorzudringen. Es gibt nur wenige VR-Experiences, die unsere Neugier so direkt ansprechen wie Echo Grotto. Dabei hat der Höhlensimulator weder eine Handlung noch Monster zu bieten. Die braucht es auch nicht, denn schon kleine Entdeckungen belohnen für das Vordringen in diesem unterirdischen Irrgarten: fluoreszierende Pilzkolonien, Schwefelquellen, zurückgelassene Ausrüstungsgegenstände oder auch eine Grottenolm, der Kreise in einem Wasserbecken schwimmt.

Zu Beginn unserer ersten Expedition erhalten wir eine Taschenlampe und einen Teleporter: Den werfen wir über Felsspalten oder auf tiefer liegende Plattformen, um uns dorthin zu beamen. Jede Position des Teleporters hinterlässt eine Markierung, die mit der vorigen durch eine Linie verbunden ist. Das ist praktisch und auch beruhigend, denn so finden wir - wie am Ariadnefaden - wieder aus dem Labyrinth heraus. Dennoch kann einem schon mulmig werden, wenn ein scheinbar wohlbekannter Gang plötzlich in einer Sackgasse endet. Echo Grotto ist ein Fest für Hobby-Speläologen - und eine Herausforderung für Leute mit Platzangst. Der Wiederspielwert ist hoch, weil jede Höhle anders aussieht, weil man neue Ausrüstungsgegenstände erhält und weil sich Höhlengetier nach Belieben zuschalten lässt. Auf ins Unbekannte!

Für HTC Vive und Oculus Rift. Preis: 8 Euro

Blade Runner 2049: Memory Lab macht vieles richtig

Am 5. Oktober kam Blade Runner 2049 in die deutschen Kinos. Aus Sicht von Golem.de ist die Fortsetzung des Klassikers von 1982 gelungen, auch weil sie sich den Konventionen zeitgenössischer Hollywood-Blockbuster verweigert. Memory Lab ist eine Gratis-Dreingabe für Blade-Runner-Fans, die ein Rift oder Gear VR besitzen. Dass beileibe nicht alle Tie-ins überzeugen, hat kürzlich die VR Experience zum Film Ghost in the Shell gezeigt. Memory Lab jedoch macht vieles richtig: Die Spielwelt ist detailliert und stimmungsvoll, die Charakter-Animationen überzeugen und auch die Rätsel sind, wenn schon nicht schwer, doch zumindest unterhaltsam.

Großartig ist schon die Einstiegssequenz, in der wir durch verregnete, neonbeleuchtete Hochhausschluchten fliegen. Als Androide sind wir auf der Jagd nach abweichlerischen Artgenossen und werden dabei von einer KI-Assistentin unterstützt. Die Ermittlungsarbeit - das Scannen von Tatorten und Rekonstruieren von Ereignissen - ist kurzweilig und macht Spaß.

Kostenlos für Oculus Rift und Gear VR

The Invisible Hours ist ein originelles VR-Experiment

Wer hat Nikola Tesla ermordet? Diese Frage steht am Beginn von The Invisible Hours. Das Spiel des spanischen Studios Tequila Works erinnert an eine klassische Agatha-Christie-Geschichte, bei der man verschiedene Puzzleteile zu einem großen Ganzen zusammensetzt. Was nach dem üblichen Rätselspiel klingt, ist tatsächlich ein sehr originelles VR-Experiment. Der Clou: Wir schlüpfen nicht in eine bestimmte Rolle, sondern verfolgen das Geschehen als stiller Betrachter, der seinen Standpunkt buchstäblich frei wählen kann. Anfangs folgen wir dem Detektiv Gustav Gustav, der Teslas Privatinsel betritt; kaum ist er angekommen, findet er den kurz zuvor ermordeten Wissenschaftler in der Empfangshalle des Anwesens. Schnell kommen verschiedene Tatverdächtige ins Spiel, darunter einige prominente Gäste und Teslas blinder Butler.

Nun liegt die Wahl bei uns: Begleiten wir Gustav Gustav bei seinen Verhören oder folgen wir den Figuren durch das weitläufige Haus, immer hoffend, dass sie sich durch ihr Verhalten und ihre Gespräche entlarven? In diesem Spiel gibt es viele Perspektiven, aber nicht jede führt zum Ziel. Zum Glück können wir auch die Zeit vor- und zurückspulen, um unterschiedliche Personen zu beschatten. The Invisible Hours ist eine Mischung aus Präzisionsuhrwerk und Theaterstück, die unsere Auffassungsgabe auf die Probe stellt. Da ist auch die etwas hölzerne Darbietung der Teilnehmer zu verschmerzen.

Für HTC Vive und Oculus Rift. Preis: 35 Euro

Schwitzen mit Sparc

Dieses von CCP Games (Eve Online) entwickelte Programm bringt Spieler ins Schwitzen! Der Multiplayer-Titel Sparc ist so etwas wie eine Mischung aus Squash und Tron: Statt mit einem Diskus bewerfen sich die Gegner mit leuchtenden Bällen. Die Kontrahenten stehen an den gegenüberliegenden Enden eines gläsernen Tunnels, der von Zuschauerrängen umgeben ist. Wartende Spieler verfolgen die Matches wie in einem winzigen Schaukasten und können sich nebenbei unterhalten. Ziel von Sparc ist, in einem vorgegebenen Zeitraum mehr Punkte zu machen als der Gegner, ihn also häufiger zu treffen als selbst getroffen zu werden. Das Besondere daran: Jeder Spieler hat einen eigenen Ball und einen Holo-Schild, beide Bälle sind gleichzeitig im Spiel, geworfen werden darf auch über Bande. Den Gegner treffen kann man nur mit dem eigenen Ball; der gegnerische Ball wiederum lässt sich nur abwehren, wenn man den Schild zuvor per Wurf aufgeladen hat.

So ergibt sich ein von Taktik und Wurfgeschick geprägter Spielrhythmus, der einem auch körperlich viel abverlangt - schließlich muss man den Würfen ausweichen. Sparc bietet unterschiedliche Modi und Schwierigkeitsgrade: Im Experimentalmodus etwa haben die Tunnelwände mehr reflektierende Flächen. Sparc ist leicht zu erlernen und schwer zu meistern - und damit abwechslungsreicher als die meisten anderen VR-Wurfduelle. Leider fehlt bislang ein Trainingsmodus mit KI-Gegnern.

Für HTC Vive, Oculus Rift und Playstation VR. Preis: 20 Euro

So Let Us Melt: fantastische Welten und Stimmungen

Das britische Spielestudio The Chinese Room hat sich mit Games wie Dear Esther und Everybody's Gone to the Rapture einen Namen gemacht. Auch sein VR-Debüt So Let Us Melt ist erzählerisch stark und kommt mit vergleichsweise wenig Gameplay-Elementen aus. Das etwa 60-minütige Abenteuer entführt uns in fantastische Landschaften und Stimmungen: Wir schlüpfen in die Rolle von Custodian 98, der zusammen mit zahllosen anderen Robotern für die Menschen einen neuen Planeten namens Kenopsia baut und dabei stets von einer kleinen Helferdrohne begleitet wird. Die Erschaffung von Kenopsia dauert zehn Millionen Jahre, wir erleben verschiedene Stadien des Weltenwachstums. Alles läuft deutlich anders als geplant und steuert auf ein dramatisches Finale zu. Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden.

Für Google Daydream. Preis: 5,50 Euro

Kreativ werden mit Mindshow

Der langfristige Erfolg von VR wird auch von der Kreativität seiner Nutzer abhängen: Je mehr eigene Inhalte die Community produziert, desto stärker ist sie auch mit dem Medium verbunden. Mit Mindshow bekommen Nutzer nun ein großartiges Werkzeug an die Hand: Die Software ermöglicht das Aufzeichnen und Vertonen von Animationsfilmen.

<#youtube id="MkBDmM-p6L4"> In der Early-Access-Version stehen verschiedene Figuren zur Auswahl, darunter ein Arzt, eine Nachrichtensprecherin, Aliens und eine Katze. Die Gesten der Figuren werden mit den Vive-Controllern aufgezeichnet, die Stimmen über das Mikrofon der Brille. Der Effekt ist verblüffend: Mit wenig Aufwand lassen sich beeindruckende Ergebnisse erzielen. Auf Youtube wimmelt es bereits von Mindshow-Videos - man darf gespannt sein, welche Features die Macher noch hinzufügen.

Im Early Access kostenlos für HTC Vive

Staunen mit Form

Rätselspiele eignen sich besonders dann für Virtual Reality, wenn sie räumliches Denken mit einbeziehen - das haben Titel wie Esper und The Talos Principle VR bewiesen. Die Macher von Form haben verstanden, dass es bei VR immer auch um Staunen und Überwältigung geht: Sie inszenieren eine Reihe leichter bis mittelschwerer Rätsel so gekonnt, dass man sich bestens unterhalten fühlt.

Die Rahmenhandlung ist schnell erzählt: Wir schlüpfen in die Rolle von Dr. Devin Eli, der in seiner Forschungsstation in Alaska einen außerirdischen Obelisken untersucht. Schon bald verwandelt sich das Labor in eine surreale Welt aus Gedankenblasen und Alien-Artefakten. Um deren Funktionsweise zu verstehen, ist logisches und räumliches Denken gleichermaßen notwendig. Eine atmosphärisch brillante, wenn auch etwas kurze VR-Erfahrung.

Für HTC Vive, Oculus Rift und Windows Mixed Reality. Preis: 15 Euro

Stifled: Horror-Titel mit frischem Ansatz

Horror-Games gibt es für VR wie Sand am Meer. Meist handelt es sich dabei um Zombie-Wave-Shooter oder um alptraumhafte Verliese mit jeder Menge Jump Scares. Stifled bringt frischen Wind ins leicht verwest riechende Survival-Horror-Genre, indem es ganz andere Gameplay-Mechanismen etabliert. Orientierung in der Dunkelheit bieten nämlich weder Fackeln noch Taschenlampen, sondern die Schallwellen, die man durch Stimme und Schritte aussendet: Sie machen die Konturen der Umgebung für wenige Sekunden sichtbar.

Man könnte nun fidel ins Mikro der VR-Brille singen - wären da nicht die Monster, die von den Geräuschen angezogen werden. Das Vorankommen wird dadurch zu einer Gratwanderung zwischen Schall-Ortung, bangem Lauschen und Ablenkungsmanövern - man meint, die eigene Furcht förmlich zu spüren. Die minimalistische Grafik passt ausgezeichnet, allerdings hat das Spiel gewisse Längen. Eine einzigartige Horror-Erfahrung bietet es allemal.

Für Playstation VR. Preis: 20 Euro

Tauchen zur Titanic

Mit Apollo 11 VR hat das irische Studio Immersive Education eine spannende Mondflug-Simulation vorgelegt. Der aktuelle Titel Titanic VR befindet sich noch im Early Access, verspricht aber ähnlich beeindruckende Erlebnisse. Für den virtuellen Tauchgang hat das Studio nicht nur realistische 3D-Modelle des Wracks und seiner Umgebung angefertigt, sondern auch mit der BBC zusammengearbeitet, um Augenzeugenberichte zu integrieren. Die aktuelle Fassung von Titanic VR bietet einen Sandbox-Modus und ein paar Zusatzmissionen, etwa die Bergung eines ferngesteuerten Roboters und die Anfertigung einer Bildergalerie. Das alles ist noch nicht besonders spektakulär, außerdem gibt es unter Wasser auch noch einige Bugs zu bestaunen. Wir hoffen auf eine packende Story und spannendere Bergungsmissionen.

Für HTC Vive und Oculus Rift. Preis: 25 Euro im Early Access

Duck Season: Zurück in die 80er

Wer erinnert sich noch an Duck Hunt? Die Entenjagd per Lightgun erfreute sich vor gut 30 Jahren großer Beliebtheit, auch wenn der assistierende Jagdhund zu den nervigsten Sidekicks aller Zeiten zählt. Duck Season ist eine Liebeserklärung an Duck Hunt und die 80er - und beschwört eine ähnlich mysteriöse Atmosphäre herauf wie die TV-Serie Stranger Things. Wir befinden uns im Wohnzimmer einer US-Vorstadtfamilie, das mit allen nur denkbaren 80er-Devotionalien ausgestattet ist. Im Hintergrund werkelt Muttern am Wohnzimmertisch, vorne zocken wir mit der Lightgun auf dem Röhrenfernseher.

Das Spiel im Spiel ist - wie das Original - sehr einfach gestrickt: Man schießt Wildenten ab, die von links und rechts übers Moor flattern. Zwischen den Leveln wird immer wieder Fernsehwerbung eingeblendet, die auf irritierende Weise aus dem Ruder läuft. Zugleich verändert sich auch das Wohnzimmer - und aus der Vorstadtidylle wird bald ein Albtraum.

Für HTC Vive und Oculus Rift. Preis: 20 Euro

Das war nur eine kleine Auswahl der vielen großartigen Titel, die seit Teil 1 unserer VR-Serie erschienen sind. Hier noch ein paar Empfehlungen im Schnelldurchlauf: Lone Echo (Rift) ist ein großartiges Weltraum-Abenteuer mit intuitiver Steuerung, das parallel erschienene Echo Arena (Rift) macht daraus einen packenden Team-Sport. Wer einen Multiplayer-Shooter mit kaum merklicher Übelkeit sucht, findet ihn womöglich in der Early-Access-Version von Skyfront VR (Vive, Rift, Windows Mixed Reality). Angelfans kommen in VR auf ihre Kosten, wahlweise beim Final-Fantasy-Spin-Off Monster of the Deep (PlayStation VR) oder beim Minispiel Bait! (Rift) in der Beta-Version von Facebook Spaces.

Die Titanic erkunden können auch Gear-VR-Besitzer auf der VR-Lernplattform Unimersiv. Elevator... to the Moon! (Vive, Rift) ist ein humorvolles Point-and-Click-Adventure aus dem deutschen Roccat Game Studio. Wer es psychedelisch mag, experimentiert mit Musik und dem Partikelgenerator Chroma Lab (Vive, Rift) oder greift zu Rez Infinite, das es jetzt auch für Google Daydream gibt. Gravity Sketch VR (Vive, Rift) ermöglicht das Erstellen von 3D-Modellen in VR, allerdings bislang nur im Early Access. Wer actionlastige Weltraumabenteuer liebt, sollte sich das kürzlich erschienene From Other Suns (Rift) anschauen.  (afe)


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