Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/spionage-geheime-nsa-dokumente-fuer-einen-schoeneren-lebenslauf-1712-131466.html    Veröffentlicht: 04.12.2017 11:29    Kurz-URL: https://glm.io/131466

Spionage

Geheime NSA-Dokumente für einen schöneren Lebenslauf

Ein ehemaliger Mitarbeiter der NSA hat Unterlagen und Malware mit nach Hause genommen, um damit an seinem Lebenslauf zu arbeiten. Damit löste er eine Kette von Anschuldigungen aus, die vor allem die Sicherheitsfirma Kaspersky betreffen.

Ein NSA-Mitarbeiter wollte mit vertraulichen Dokumenten und Malware-Samples des Geheimdienstes offenbar Stationen in seinem Lebenslauf belegen - und nahm die Dokumente deshalb mit nach Hause und spielte diese auf einen privaten Laptop auf. Weil er aber auch Malware und eine illegale Office-Version auf dem PC hatte, schlug sein Virenscanner von Kaspersky Alarm.

Der Mitarbeiter, ein 67 Jahre alter Mann aus Ellicot City in Maryland, hat das nach Darstellung der New York Times mittlerweile zugegeben. Er habe an seinem Lebenslauf arbeiten wollen und dazu Informationen zu einigen Projekten aus geheimen Dokumenten benötigt. Erlaubt ist die Mitnahme entsprechender Dokumente und Malware-Samples nach Hause natürlich nicht. Nach dem Geständnis verkündete die Staatsanwaltschaft, sie werde eine Maximalstrafe von acht Jahren Haft beantragen.

Weil auf dem Rechner des Mannes auch Malware wie etwa ein Keygenerator war, wurden einige der noch geheimen Malware-Samples der NSA in die Threatcloud des russischen Antivirenherstellers Kaspersky Lab hochgeladen. Nachdem dieser die klassifizierten Dokumente entdeckt hatte, wurden diese nach Darstellung von Firmenchef Eugene Kaspersky umgehend wieder gelöscht. Kaspersky hatte nach früheren Berichten um den Vorgang und Vorwürfen der Spionage für Russland von US-Regierungsbehörden eine interne Untersuchung eingeleitet und deren Ergebnisse publiziert. Das Unternehmen bestreitet eine Zusammenarbeit mit russischen Geheimdiensten für Spionagezwecke vehement.

Ärger für Kaspersky auch in Großbritannien

Unterdessen warnt auch das britische National Cyber Security Centre (NCSC) vor dem Einsatz von Kaspersky in britischen Regierungsbehörden. Die Warnung basiere jedoch nicht auf konkreten Hinweisen oder Beweisen für Spionage, sondern lediglich auf einer Bewertung des individuellen Risikos der Regierungsstellen. Ohnehin würden nur wenige Behörden im Land derzeit auf Antivirensoftware von Kaspersky setzen.

Das Unternehmen will mit den britischen Behörden im Rahmen seiner Transparenzinitiative zusammenarbeiten, um Vorbehalte auszuräumen. Auch das NCSC will ein entsprechendes Rahmenwerk erarbeiten und empfiehlt weder Privatkunden noch Unternehmen den Verzicht auf die Sicherheitssoftware.  (hg)


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