Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/twitch-youtube-gaming-und-mixer-weltweites-aufmerksamkeitsdefizit-1712-131399.html    Veröffentlicht: 04.12.2017 12:06    Kurz-URL: https://glm.io/131399

Twitch, Youtube Gaming und Mixer

Weltweites Aufmerksamkeitsdefizit

Videospielstreaming ist in den vergangenen Jahren zu einer beliebten Unterhaltungsform geworden. Die Stars haben Einschaltquoten, die manchen Fernsehsender neidisch machen. Wir haben uns Twitch, Youtube Gaming und Mixer angesehen und fassen ihre Vor- und Nachteile für Streamer und Zuschauer zusammen.

Bei aktuellen Spielen braucht es oft viel Zeit, bis man in ihre Geschichte eingetaucht ist und ihre Mechaniken gemeistert hat. Wer diese Muße nicht hat, dem bleibt immer noch, anderen beim Spielen zuzusehen. Das mag manchem sinnlos erscheinen - ist nicht das Tolle an Spielen gerade die Interaktion? Aber Plattformen wie Twitch, Youtube Gaming und Mixer bieten mit Chats und Gamification Anreize, die über das bloße Zuschauen hinausgehen.

Auf der anderen Seite stehen die Streamer: Wer mit seinem Hobby das Geld für neue Titel und Hardware einspielen kann, ist meist schon gut dran. Geldgeber suchen sich natürlich die Kanäle mit den meisten Zuschauern aus, um ihre Produkte zu bewerben. Dabei gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, die eigenen Streams zu monetarisieren. Abonnements, Werbeeinblendungen oder auch der Verkauf von Merchandisingartikeln sind wohl die häufigsten Methoden, um Inhalte zu monetarisieren.

Sieht man sich die Statistiken der Plattformen an, scheint die Lage klar zu sein: Twitch hat mit Abstand die meisten Benutzer, danach folgen Youtube Gaming und weit abgeschlagen Mixer. Der Marktführer bietet zudem sowohl das Streaming als auch das Zuschauen auf nahezu jeder Hardware vom PC bis zum Smartphone an. Youtube Gaming kann nicht nativ mit der Xbox One genutzt werden und Mixer fehlt auf der PS4.

Die Quartalszahlen der Tabelle stammen von Streamlabs.

Aber ein großes potenzielles Publikum bedeutet nicht zwangsläufig hohe Zuschauerzahlen für Streamer. Gerade wegen der Vielzahl an Nutzern ist es auf Twitch mitunter schwieriger, gefunden zu werden als beispielsweise auf Mixer. Auch für Zuschauer gibt es Unterschiede. Das Zurückspulen in einem Stream, in dem man zu spät gelandet ist, ist beispielsweise nur auf Youtube Gaming möglich. Auf Twitch und Mixer muss man warten, bis der Stream archiviert zur Verfügung steht - was bei Twitch nur fünf Minuten dauert - und hat eventuell wichtige Szenen verpasst.

Wir haben uns genau angesehen, wie sich die Dienste voneinander unterscheiden. Dafür haben wir Twitch, Youtube Gaming und Mixer ausgesucht, weil sie sowohl auf dem PC als auch Konsolen ohne Zusatzhardware funktionieren. Wir haben festgestellt: Wer zuschaut, hat bei allen dreien eine sehr gute Auswahl, wer streamen möchte, sollte sich seine Plattform aber gut überlegen.

Twitch macht alles richtig

Twitch ist im Moment der mit Abstand größte Anbieter von Gameplay-Streaming weltweit. Täglich sind rund 15 Millionen Nutzer aktiv, pro Monat werden über zwei Millionen Videos hochgeladen. Laut Statistiken verbringt die Hälfte der Zuschauer mehr als 20 Stunden wöchentlich auf Twitch.

Dabei hilft es natürlich, dass der Anbieter inzwischen auf nahezu allen stationären und mobilen Plattformen vertreten ist. Gestreamt und geschaut werden kann unter anderem auf PC, Xbox One, Playstation 4, Chromecast, Fire TV, Smartphones und Tablets. Die Apps für Desktop und unterwegs sind übersichtlich, lassen aber wie schon erwähnt kein Zurückspulen des Streams zu. Die Videos werden jedoch laufend archiviert - mit einem Abstand von ungefähr 5 Minuten können Inhalte also abgerufen werden. Dazu muss man natürlich den Stream unterbrechen. Es ist außerdem nicht immer einfach, die gewünschten Inhalte zu finden. Twitch hat zwar eine gute Suchfunktion und Kategorien wie Sprache, Spiel und sogar Spielfigur - aber wer nicht genau weiß, was er möchte, verliert schnell den Überblick. Andererseits sind gerade die ausgefeilten Suchparameter für viele Spieler interessant. Wer zum Beispiel seine Fähigkeiten in Hearthstone verbessern möchte, findet seinen Rang und seine Heldenklasse recht einfach und kann sich Tricks bei anderen Gamern abschauen.

Die Videoqualität lässt sich manuell einstellen und reicht von 160p bis zu Full-HD; es werden Bitraten zwischen 3.000 und 6.000 MBit/s unterstützt. Ein gängiges Format ist der Kompromiss einer Auflösung von 720p bei 60 Bildern pro Sekunde.

Zuschauer können Videos teilen

Für Zuschauer bietet Twitch einige interessante Funktionen. Dazu gehören eine eigene Desktop-App für Windows und die Möglichkeit, den laufenden Stream am unteren Bildrand weiter anzusehen, während man auf der Seite navigiert. Smartphone- und Tabletnutzern ist dieses Feature aus der Youtube-App bekannt, auch Youtube Gaming hat diese Funktion im Browser inzwischen integriert. Einzigartig ist das Teilen von Abschnitten des gesehenen Streams. Mit dieser sinnvollen Funktion kann ein Ausschnitt jederzeit extrahiert und an Freunde verschickt werden. Apropos Freunde: Wer auf Steam unterwegs ist, kann seine Buddylist einfach importieren und sieht sofort, wer noch Twitch nutzt.

Da Twitch vor einiger Zeit von Amazon gekauft wurde, können über Twitch Prime beide Konten miteinander verknüpft werden. Die Vorteile sind werbefreie Streams und mitunter Nachlässe beim Spielekauf auf Amazon.

Auch außerhalb von Gameplay-Videos hat Twitch inzwischen einiges zu bieten. So kann man Cosplayern, Spielentwicklern und Programmierern live über die Schulter - oder besser: aufs Display schauen.

Streamer sind nicht leicht zu finden

Die große Vielfalt von Twitch ist für Streamer mitunter ein Nachteil - wer nicht bekannt ist, hat nur relativ geringe Chancen, per Zufall gefunden zu werden. Wer eine Gefolgschaft aufgebaut hat, dem eröffnet Twitch aber recht gute Optionen, seine Streams zu monetarisieren. Weil die mobilen Apps zudem nicht nur abspielen, sondern auch senden können, ist das Streaming sogar unterwegs möglich. Eine Performance-Anzeige hilft dabei, die Bandbreite (und damit die Qualität) des Streams im Auge zu behalten.

Ein wichtiges Instrument der Interaktion mit dem Publikum sind bei allen drei Streamingdiensten die Chats, die parallel zum Video eingeblendet werden. Wer einen größeren Kanal hat, kann Moderatoren ernennen, die den Chat überwachen. Wer das nicht möchte, kann auf den Automod zurückgreifen. Diese Funktion erkennt zu sperrende Worte und Wortgruppen, um beispielsweise Jugendfreiheit zu garantieren. Das gilt allerdings nicht für die ebenfalls angebotenen Voice-Chat-Räume.

Geld nur für Partner

Wenn der eigene Kanal Geld einspielen soll, ist der einfachste Weg, zahlende Abonnenten zu finden. Diese können zwischen 5 und 25 Euro pro Monat spenden. Kleinere Summen können über sogenannte Cheering Bits eingenommen werden. Das sind Emoticons, die Spender zwischen knapp über einem Euro bis zu über 300 Euro kosten können. Sie werden im Chat eingefügt und belohnen Aktionen von Streamern sofort.

Andere Möglichkeiten, kontinuierlich Geld zu erwirtschaften, sind Werbespots und -einblendungen, Kanalsponsorings durch Firmen, Affiliate-Links und der Verkauf von Merchandisingartikeln.

Voraussetzung für die Monetarisierung ist ein Twitch-Partnerstatus. Dieser kann durch eine kontinuierliche Zuschauerschaft von über 500 Personen sowie regelmäßiges Streaming - mindestens dreimal wöchentlich - erreicht werden. Diese Zahlen sind jedoch keine absoluten Werte, da Twitch selbst angibt, auf Fall-zu-Fall-Basis zu entscheiden und somit auch wesentlich geringere Zuschauerzahlen eine Partnerschaft oder Affiliatestatus ermöglichen können. Twitch unterstützt Anfänger aber in diesem Prozess mit Tipps und gibt auch mittels Dashboard einen Überblick über den aktuellen Status.

Sollte das nicht klappen, bleibt wie bei den anderen von uns vorgestellten Plattformen auch immer noch der Weg des Einwerbens von Spenden über unabhängige Dienste wie Patreon.

Twitch hat für Streamer und Zuschauer interessante Funktionen - aber Google war nicht untätig und hat sich für Youtube Gaming einiges abgeguckt.

Youtube Gaming macht alles nach

Google versucht über Youtube Gaming, mit der Popularität der weltweit größten Videoplattform auch vom Game-Streaming-Boom zu profitieren. Vorteilhaft für Streamer und Zuschauer ist die Ähnlichkeit der beiden Angebote. Wer bei Youtube schon eine Gefolgschaft mit seinen Videos aufbauen konnte, hat es leicht, diese auch zu Youtube Gaming zu migrieren.

Live-Inhalte sind auf Youtube und Youtube Gaming mit einer kleinen roten Markierung in der Ecke hervorgehoben. Im Homescreen werden viele normale Youtube-Videos empfohlen, aber passende Live-Videos fehlen. Es gibt aber auch eine eigene Seite für Live-Inhalte und auch eine Sortierung nach Spielen wie bei Twitch. Live-Streams lassen sich zu Playlisten wie "später ansehen" hinzufügen und tauchen im Youtube-Verlauf auf. Das bekannte Youtube-Layout macht es leicht, sich zu orientieren, auch wenn die Seite in dezentem Dunkelgrau gehalten ist.

Zuschauer finden sich schnell zurecht

Leider geht die Integration von Youtube Gaming nicht so weit, dass Abos von Live-Streamern auch auf der normalen Youtube-Seite aufgeführt werden. Es ist also immer nötig, Youtube Gaming separat aufzurufen, um zu sehen, wer gerade online ist. Dafür bietet die Plattform als einzige in unserem Vergleich die Möglichkeit, bis zu drei Stunden im Stream zurückzuspulen, auch wenn man erst später eingeschaltet hat - das trifft aber nicht auf den Chat zu, der weiter live läuft.

Die Videoqualität lässt sich manuell einstellen und kann bis zu 4k mit 60 Bildern pro Sekunde betragen - dabei sind Bitraten von bis zu 51 MBit/s wählbar. Am unteren Ende steht eine Auflösung von 240p mit mindestens 300 KBit/s.

Youtube Gaming profitiert vom hohen Verbreitungsgrad der Youtube-App auf mobilen Geräten ebenso wie der Allgegenwart der Hauptplattform auf dem PC. Auf allen Geräten lassen sich Live-Streams über die Suche finden und abspielen. Dabei erscheinen die Inhalte auf dem PC im gewohnten Layout - es wird also nicht auf Youtube Gaming umgeleitet, lediglich der Chat erscheint an der rechten Bildschirmseite. Mobil wird der Chat in der normalen Youtube-App nicht angezeigt, in der separat für Android und iOS erhältlichen Youtube-Gaming-App hingegen schon. Einen Miniplayer im Desktopbrowser, bei dem der aktuelle Stream am unteren Bildrand weiterläuft, hat Youtube Gaming inzwischen nachgerüstet.

Trotzdem kann Youtube Gaming hier nicht mit Twitch konkurrieren - einige Hardwareplattformen wie die Xbox One oder Fire TV werden nur mittelbar unterstützt. Man kann darüber zwar Youtube-App-Live-Videos ansehen, muss aber auf Chat oder gar eigene Streams verzichten.

Streamer nehmen ihre Youtube-Fans mit

Wer als Streamer bei Youtube Gaming beginnen möchte, hat im Idealfall schon eine treue Gefolgschaft auf seinem Youtube-Kanal. Diese Zuschauer werden zum Beispiel per Mail auf den Livestream hingewiesen und profitieren davon, dass sie nur eine Plattform nutzen müssen, um ihre Lieblingsinhalte zu sehen. Auf den unterstützten Systemen unterscheidet sich die Erstellung eines Live-Streams nicht grundlegend von Twitch. Wer allerdings von seiner Xbox One senden möchte, benötigt einen PC mit Video-Capture-Karte und entsprechende Software. Professionelle Streamer lassen ihren Rechner jedoch oft auch ohnehin nebenbei laufen, um Statistiken und den Chat besser im Auge zu behalten. Letzterer kann ebenso wie bei Twitch von Menschen moderiert werden, aber auch eine Automod-Funktion mit geblockten Worten und Wortgruppen ist vorhanden.

Geld gibt es recht schnell

Auch beim Geldverdienen haben Youtube-Nutzer mit einem vorhandenen Publikum Vorteile. Wie beim Youtube-Partnerprogramm kann mit aufgezeichneten Videos ab 10.000 Gesamtabrufen auf dem Kanal Pre-, Mid- und Postrollwerbung ausgespielt werden. Das reicht allerdings wohl in den wenigsten Fällen, um die Kosten eines Streamers aufzufangen. Am meisten Geld bringen hier ebenfalls Kanal-Abonnements ab 5 Euro monatlich sowie Sponsoren, die den Kanal kontinuierlich unterstützen. Kleinere Beträge können auf Android und dem PC durch die Funktion Superchat erwirtschaftet werden: Ein Beitrag wird für bis zu fünf Stunden prominent im Chat präsentiert. Das kann sofort zwischen 1 und 500 Euro einbringen. Auch bei Youtube Gaming besteht natürlich jederzeit die Möglichkeit, externe Finanzierung durch Sponsoringdienste einzuwerben.

Youtube Gaming hat sich dank der Hauptplattform Youtube auf den zweiten Platz der größten Gameplay-Streaming-Anbieter vorgekämpft. Für Mixer ist es noch ein langer Weg.

Mixer macht alles anders

Microsoft ist mit der im Jahr 2016 zugekauften Plattform Mixer relativ neu auf dem Markt und will vor allem mit der Integration für Xbox One und Windows punkten. Wer von einer PS4 streamen möchte, hat hingegen keine Möglichkeit, dies per integrierter App zu tun. Der Fokus von Mixer richtet sich vor allem auf möglichst schnell verfügbare und mit wenig Zeitverzögerung angebotene Gameplay-Streams. Die im Vergleich zu Twitch und Youtube Gaming wesentlich kleinere Communitiy soll vor allem Neueinsteigern Vorteile bieten und richtet sich noch nicht vorrangig an die Streamer, die ihren Lebensunterhalt mit dem Spielen verdienen wollen.

Der späte Start von Mixer zeigt sich vor allem auf der Benutzeroberfläche, wo nahezu alle von Twitch und Youtube Gaming bekannten Features übernommen wurden. Trotzdem wirkt der Dienst wesentlich aufgeräumter und moderner. Gut eingesetzt ist die Anwendung von Gamification: Von der Xbox bekannte Achievements wurden in veränderter Form übernommen und geben nun Anreize, Streamern über einen längeren Zeitraum zu folgen. Sogenannte Sparks können durch längeres Zuschauen verdient werden und ermöglichen es, im Chat Bonus-Emoticons freizuschalten, die die Streamer unterstützen. Ein ähnliches System bietet übrigens auch Twitch, hier muss allerdings in jedem Fall Geld gespendet oder Werbespots angesehen werden.

Zuschauer müssen nicht warten

Auch die Zuschauer profitieren davon, dass der Dienst recht ähnlich wie Youtube Gaming und Twitch aufgebaut ist - man findet sich sofort zurecht. Die Suche nach Kanal oder Spiel ist komfortabel, wenn auch lange nicht so detailreich umgesetzt wie bei Twitch. Hinzu kommt, dass aufgezeichnete Streams nur schwer zu finden sind - allerdings verspricht Microsoft hier mit kommenden Updates Besserung.

Die große Besonderheit von Mixer ist die geringe Latenz: Das FTL-Protokoll soll Interaktionen nahezu in Echtzeit ermöglichen. Für Zuschauer bedeutet dieser Geschwindigkeitszuwachs allerdings auch, dass keine eigene Auflösung gewählt werden kann - gestreamt wird, was die geringstmögliche Verzögerung bedeutet. Wer darauf keinen Wert legt, kann zwischen Full-HD mit 30 Bildern pro Sekunde und 720p mit 60 fps wählen. Die Bitrate liegt bei maximal 10 MBit/s.

Es gibt keine Aufzeichnungsfunktion wie bei Youtube Gaming, die bei einem späteren Einschalten das Zurückspulen ermöglicht.

Streamer können zu viert antreten

Warum sollte man den Underdog wählen? Mixer ist nur auf wenigen Hardwareplattformen präsent, die Suche nach archivierten Videos ist im Vergleich zu Twitch und Youtube Gaming aufwendig und auf der PS4 gibt es keine native App für das Streaming. Auf der anderen Seite hat die kleinere Community Vorteile, wenn man schnell gefunden werden möchte - und vielleicht ist gerade das Gameplay von der PS4 per angeschlossenem PC mit Capture-Karte genau die Marktlücke für angehende Streamer?

Grundsätzlich unterstützt Mixer aber fast alle Plattformen und hat mobile Apps ebenso im Angebot wie Apple TV, Kindle und Chromecast. Die Implementation in Windows 10 und Xbox One bedient potenziell ein breites Publikum in 21 Sprachen.

Einzigartig in unserem Vergleich ist das Multiplayer-Streaming: Bis zu vier Spieler können gleichzeitig ihre Erlebnisse teilen. Der Zuschauer kann zwischen den einzelnen Streamern umschalten und bekommt so einen Überblick auch in komplexen Multiplayer-Partien.

Auch der Chat ist komplett auf Geschwindigkeit ausgelegt, was die Moderationsfunktionen einschränkt. Anders als bei Twitch und Youtube Gaming können lediglich menschliche Moderatoren hinzugeschaltet werden, die Möglichkeiten einer automatisierten Moderation sind nur gering.

Geld oder Spiele

Die Regeln für eine native Monetarisierung bei Mixer sind komplex - aber niedrigschwellig. Ab 750 Followern, 50 Zuschauern während des gesamten Streams in den letzten zwei Monaten und Anzeichen für ein Wachstum des Kanals besteht die Möglichkeit, Geld zu verdienen. Das Dashboard zeigt ähnlich wie bei Twitch und Youtube Gaming den aktuellen Fortschritt des Kanals an - und bietet damit einen Überblick über den Weg zum eigenen Einkommen per Streaming.

Auch hier können wie bei den anderen Diensten Einnahmen durch Werbespots und Abonnements (für 6 Euro im Monat) generiert werden. Mikrostransaktionen wie Cheering bei Twitch und spezielle Emoticons werden per XP und sogenannter Sparks integriert - diese können aber nicht gegen Geld erworben werden. Mixer setzt eher auf Anreize wie verbesserten Support und die Vergabe von Codes für den Spielerwerb - also mehr Kompensation als Monetarisierung. Trotzdem ist ein Kanalsponsoring ebenso möglich wie die Implementation von Diensten wie Patreon.

Mixer ist dank geringer Latenz, Multiplayer-Funktionen und geringer Hürden bei der Monetarisierung für Zuschauer und Streamer gleichermaßen einen Blick wert.

Fazit

Wer anderen live beim Spielen zusehen möchte, hat bei Twitch, Youtube Gaming und Mixer eine große Auswahl an Titeln, Streamern und sogar einzelnen Spielhelden. Wer mehr als das sucht, findet beispielsweise bei Twitch auch noch Kanäle mit den Themen Kochen, Programmieren, Cosplay und vieles andere. Abgesehen von solchen inhaltlichen Schwerpunkten unterscheiden sich die Dienste für Zuschauer nur wenig voneinander. Youtube Gaming bietet als einziger das Zurückspulen für später hinzugekommene Zuschauer an, Twitch ermöglicht das unkomplizierte Teilen kurzer Videoschnipsel aus den Streams und Mixer punktet mit sehr geringer Latenz. Für den größten Teil des Publikums dürfte die Wahl leichtfallen: Sie nutzen einfach alle drei Anbieter und suchen sich bei jedem ihre Lieblingsthemen und -streamer.

Für Streamer ist die Entscheidung nicht ganz so einfach. Twitch hat auf Grund seiner schieren Größe unbestritten das größte Potenzial - aber in der Masse muss man als Streamer erst einmal gefunden werden. Wer schon ein Publikum bei Youtube erreicht, ist mit Youtube Gaming am besten bedient. Komplette Anfänger sollten hingegen Mixer in Betracht ziehen, denn hier lässt sich am leichtesten Aufmerksamkeit für die eigenen Inhalte erregen.

Auch bei den Optionen für eine Monetarisierung unterscheiden sich die drei Anbieter: Werbung schalten kann man bei Youtube schon ab 10.000 Gesamtabrufen auf dem Kanal, Twitch erwartet eine kontinuierliche Zuschauerschaft von 500 sowie regelmäßige Shows und Mixer verlangt 750 Follower und mindestens 50 Zuschauer pro Stream. Klappt das, sind bei allen drei Diensten Abonnements, Mikrotransaktionen im Chat und weitere Einnahmequellen möglich.

Speziell in Deutschland sollte aber auch die rechtliche Lage nicht vergessen werden: Wer regelmäßig für über 500 Zuschauer streamt, kann schnell Post von der Landesmedienanstalt bekommen. Die verlangt dann die Beantragung einer Rundfunklizenz. Ein solches Verfahren ist aber nicht nur teuer, sondern bedingt auch eine jugendschutzrechtliche Anpassung der gesendeten Inhalte. Selbst professionelle Streamer scheuen diesen Aufwand. Bis zur eindeutigen Klärung der Probleme empfiehlt es sich für die meisten wohl, ihr Hobby weiterhin privat zu betreiben - oder einfach anderen dabei zuzusehen.  (mwo)


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