Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/kostenfreier-strom-aus-dem-supercharger-cryptomining-im-tesla-kofferraum-1711-131393.html    Veröffentlicht: 29.11.2017 17:14    Kurz-URL: https://glm.io/131393

Kostenfreier Strom aus dem Supercharger

Cryptomining im Tesla-Kofferraum

Die Kurse von Bitcoin und Ethereum springen von Rekord zu Rekord - da werden Menschen kreativer beim Mining. Ein Tesla-Fahrer versucht offenbar, den kostenfreien Strom des Superchargers in Kryptowährung umzuwandeln. Doch der Plan ist nicht ohne Tücken.

Ein Tesla-Besitzer versucht offenbar, mit mehreren GPUs im Kofferraum seines Autos Crpytowährungen zu schürfen. Besitzer früherer Tesla-Modelle profitieren von kostenfreiem Strom an Superchargern - trotzdem verspricht das Unterfangen keinen phantastischen Gewinn.

Ein Mitglied der Facebook-Gruppe "Tesla Owners Worldwide" hatte zunächst ein Bild seines Kofferraums gepostet, auf dem vier Mainboards mit insgesamt 16 Grafikkarten zu sehen sind. Die Geräte sind auf mehreren Holzplatten verankert und liegen ohne weiteres Gehäuse auf dem Boden des Kofferraums. Die Seite Eco Motoring News hatte zunächst über das Vorhaben berichtet.

Der Stromverbrauch für die Berechnung von Einheiten einer Kryptowährung ist hoch - deswegen lohnt sich Mining heute fast nur noch in Ländern mit reguliert niedrigen Strompreisen. Das ist zum Beispiel in Venezuela der Fall oder auch in China. Doch reicht die kostenfreie Energie eines Superchargers aus, um hohe Profite zu machen?

Lohnt sich das?

Der Motherboard-Redakteur Daniel Oberhaus wollte herausfinden, wie lohnenswert die Operation ist, wenn man einrechnet, dass für den Strom nicht gezahlt werden muss. Frühe Kunden von Tesla können an Superchargern unbegrenzt kostenfrei nachtanken. Für neuere Kunden gilt ein jährliches Limit von 400 Kilowattstunden pro Jahr. Damit könnte die beschriebene Operation für etwa sieben Tage betrieben werden.

Die auf dem Bild sichtbaren GPUs dürften nach Angaben von Oberhaus je rund 150 Watt verbrauchen. Da insgesamt 16 Karten verbaut sind, beträgt die Gesamtleistung 2,4 Kilowatt. Das wären pro Tag bei vollem Mining also etwa 57,6 Kilowattstunden. Die Gesamtkapazität eines Akkus beim Model S beträgt zwischen 70 und 100 Kilowattstunden. Wird Strom für das Mining abgezapft, sinkt natürlich die Reichweite des Autos.

Außerdem dürfte die Abwärme der Karten es wenig angenehm machen, gleichzeitig in dem Auto zu sitzen und zu fahren. Am wahrscheinlichsten ist also, dass ein Auto am Supercharger vollgeladen und dann in der heimischen Garage das Mining gestartet wird. Das wiederum senkt natürlich die Effizienz des Mining, da der Fahrtweg eingerechnet werden muss. Mit einer Kilowattstunde Energie kommt ein Tesla durchschnittlich drei Meilen (etwa 4,8 Kilometer) weit. Mit den Grafikkarten könnte eine Leistung von etwa 20 Megahashes pro Sekunde erreicht werden. Weil keine speziellen Mining-Geräte verwendet werden, eignet sich das gezeigte Setup eher für Ethereum-Mining als für Bitcoin.

Nach Berechnung von Motherboard könnte bei dem derzeitigen Ethereumkurs und dauerhaftem Mining ein Gewinn von rund 23 US-Dollar pro Tag erzielt werden, also rund 675 US-Dollar pro Monat. Von den Einnahmen müssten je nach Land natürlich noch Steuern abgezogen werden. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass die Reichweite des Autos stark eingeschränkt wird.

Mit den Einnahmen muss auch noch das mehrere Tausend Euro teure Mining-Equipment finanziert werden. Wird das Auto häufiger bewegt, dann sollten die Geräte etwas professioneller befestigt werden, damit die teure Ausrüstung nicht beschädigt wird. Außerdem kann es sein, dass Nutzer einen bösen Brief von Tesla bekommen, wenn sie ständig am selben Supercharger laden.

Auch wenn der benötigte Strom für den Tesla kostenfrei geladen werden kann, ist Mining im Kofferraum also eher eine langfristige Investition als ein kurzfristiger Gewinn.  (hg)


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