Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/star-wars-jedi-challenges-im-test-lichtschwertwirbeln-im-wohnzimmer-1711-131206.html    Veröffentlicht: 17.11.2017 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/131206

Star Wars Jedi Challenges im Test

Lichtschwertwirbeln im Wohnzimmer

Ich sehe was, was du nicht siehst - nämlich ein Lichtschwert! Mit Star Wars Jedi Challenges können Spieler auf Augenhöhe gegen Darth Maul und andere böse Sternenkrieger kämpfen. Golem.de hat die VR-Komplettlösung von Lenovo und Disney ausprobiert.

Gerade war Darth Maul bei mir im Wohnzimmer. Er stand zwischen Sofa und Schrankwand, hat mich hasserfüllt angeblickt und mich angegriffen. Wir haben uns ein paar Minuten einen erbitterten Kampf mit unseren Lichtschwertern geliefert, dann ist der Kerl wieder verschwunden - und ich habe tief Luft geholt. Und nein, ich habe nicht einfach nur schlecht geträumt, weil ich mich seit ein paar Wochen gefühlt fast nur noch mit Stars Wars (Battlefront 2, Mikrotransaktionen, der neue Film) beschäftige.

Stattdessen habe ich Jedi Challenges ausprobiert. Das ist ein rund 300 Euro teures Komplettpaket mit dem Lichtschwert der Jedi-Rebellin Rey sowie einem Augmented- und Virtual-Reality-Headset namens Mirage von Lenovo. Das mit dem Lichtschwert erkläre ich zuerst: Jedi Challenges enthält tatsächlich den Griff eines Lichtschwerts - "offiziell" das von Rey, was sogar so in der Liste der Bluetooth-Geräte auf meinem Smartphone steht.

Um die Wohnzimmereinrichtung der Käufer vor den alles zerstörenden Strahlen zu schützen, und weil es vermutlich nie oder erst in ein paar Tausend Jahren echte Lichtschwerter gibt, befindet sich an der Spitze nur ein weicher, sanft leuchtender Plastikpöppel. Ansonsten wirkt der Griff solide und angenehm schwer, beispielsweise bei Treffern vibriert er authentisch. Er wird über einen USB-Anschluss geladen und per Bluetooth mit dem Smartphone gekoppelt.

Damit ich neben dem Lichtschwertgriff auch den Lichtschwertstrahl - oder wie auch immer die Jedi das nennen - sehe, muss ich das Headset Mirage tragen. Es verfügt nicht über ein eigenes Display, stattdessen kommt ein einigermaßen aktuelles Smartphone mit iOS oder Android (Liste der unterstützten Modelle) in das Gerät. Genaugenommen muss das Mobiltelefon erst in einer Kunststoffhülle arretiert und per Kabel an das Kamerasystem der Mirage angeschlossen und dann oben flach angesteckt werden.

Damit der Nutzer das Bild trotzdem direkt vor sich sieht, wird es über einen einfachen Spiegel entsprechend umgeleitet. Das System hat den Vorteil, dass man beim Spielen noch relativ viel von der Umgebung um sich herum mitbekommt - und eben nicht in die Vitrine mit dem wertvollen Porzellan (oder der Sammlung an Star-Wars-Memorabilia) prallt.

Das dritte Element im Hardwaresetup von Star Wars Jedi Challenges ist ein blauer oder lilafarbener Leuchtball, der Beacon - er dient als Anker für die Virtual-Reality-Grafiken des Headsets.

Mächtige 1,2 GByte als Download

Dann muss noch die Software installiert werden, was der einfachste Teil des Systems ist. Ich muss die rund 1,2 GByte große App auf mein Smartphone laden und starten. Eine Anmeldung ist nicht nötig, wir müssen nur das gut gemachte Setup für Sound, Bluetooth und einige andere Elemente absolvieren und das Smartphone mit der App dann ins Headset schieben.

Sehr wohl habe ich mich mit diesem Schritt übrigens nicht gefühlt: Die App stellt das Smartphone auf volle Helligkeit, sodass sich der Akku sehr schnell leert und viel Wärme entsteht. Dazu kommt, dass sich das enge Gehäuse des Mirage nach Kratzern anfühlt. In der Praxis musste ich mein iPhone ständig aus dem Headset ziehen und es wieder reinschieben - weil ich vergessen hatte, den Flugmodus zu aktiveren, mal telefonierte, den Akku laden musste oder was auch immer.

Allen Befürchtungen zum Trotz hat mein Mobilgerät dabei keinerlei Kratzer abbekommen. Wirklich störend: Das Headset ist etwas frontlastig und rutscht deshalb immer wieder nach vorne, wenn es nicht richtig am Kopf festgezurrt ist.

Verfügbarkeit und Fazit

Nach dem Setup konnte ich dann endlich loslegen. Der wichtigste Modus von Jedi Challenges sind die Kämpfe mit dem Lichtschwert. Darin sehe ich über dem Griff den typischen Energiestab eingeblendet, der relativ ruckelfrei meinen Bewegungen folgt - das klappt viel besser als erwartet. Trotzdem muss ich Licht und Schwert immer wieder mal synchronisieren, denn nach einiger Zeit hängt der "Laser" schief auf dem Griff. Ein Druck auf eine der beiden Tasten löst das Problem aber, was nebenbei geschieht und weniger stört, als man sich das so vorstellt.

Zuerst kämpfe ich gegen einen Droiden. Die Schüsse aus seinem Blaster kann ich in echter Jedi-Manier mit der entsprechenden Bewegung abprallen lassen, dann folgt der Nahkampf, und nach ein bisschen Gefuchtel liegt der Roboter in mehreren Einzelteilen am Boden. Es hat ihn sogar tatsächlich ungefähr an den Stellen zerlegt, wo ich getroffen habe. Bei anderen Gegnern funktioniert das übrigens so nicht - Jedi Challenges enthält keine Gewaltdarstellungen.

Nach und nach bekomme ich immer stärkere Gegner vor die Nase gesetzt, darunter auch einige Berühmtheiten wie eben Darth Maul, aber auch Kylo Ren und Lord Vader. Um gegen diese Opponenten bestehen zu können, muss ich etwas fortschrittlichere Manöver verwenden, die mir das Programm mit eingeblendeten Lichtschwertleuchtspuren erklärt. Das Ganze macht Spaß und ist erstaunlich anstrengend - wer die Sache halbwegs ernst nimmt, kommt nach ein paar Minuten durchaus ins Schwitzen.

Neben den Duellen gibt es noch zwei ruhigere Spiele. Zum einen das aus Eine neue Hoffnung bekannte Holochess, in dem ich Monster auf einem einfachen runden Schachbrett ziehe - nett umgesetzt, aber ich fand das nach ein paar Minuten langweilig und die Bedienung zu umständlich.

Relativ ambitioniert ist ein weiteres Strategiespiel, das eine große Fläche mit Einheiten in meinem Wohnzimmer einblendet. Meine Kanonen und anderen Kampfeinheiten stehen auf der gelben Fläche, wo ich sie neu anordnen und ihnen Kommandos erteilen kann, um den rot unterlegten Feind zu besiegen. Obwohl die Grafik relativ schlicht ist, wirkt das um mich herum eingeblendete Spielfeld beeindruckend, und man kriegt eine Ahnung, was mit derlei Ansätzen noch so alles möglich ist. In der aktuellen Form ist mir das Ganze aber ähnlich wie Holochess noch zu umständlich.

Star Wars: Jedi Challenges ist ab sofort für 300 Euro erhältlich. Das Headset selbst ist nicht mit Markenzeichen von Star Wars versehen - Lenovo hält sich ein bisschen die Möglichkeit offen, neue Inhalte nicht nur für Star Wars, sondern auch aus anderen Welten nachzuliefern. Konkrete Ankündigungen gibt es aber noch nicht. Von der USK hat das Programm eine Freigabe ohne Altersbeschränkung erhalten.

Fazit

Zum Aufwärmen vor dem Kinobesuch von Die letzten Jedi oder für die Weihnachtsfeier im nerdigen Kollegenkreis hat Jedi Challenges das Potenzial zum Kracher. Grafik und Sound können zwar mit teureren VR-Lösungen nicht mithalten, sind aber mehr als ausreichend für ein paar spaßige - und körperlich nicht unanstrengende - Minuten in Gesellschaft von berühmten Sternenkriegern. Das liegt vor allem an den wirklich gut gemachten Inhalten, insbesondere an den Kämpfen.

Der Lichtschwertgriff wirkt hochwertig, das Konzept des Headsets und die Software sind gut gemacht. Trotzdem nervt das umständliche Einschieben und Anschließen des Smartphones recht schnell, zumal man dann eben länger ohne Mobilempfang dasteht.

Das Spiel selbst ist gut genug gemacht, um auch ein paar Abende immer wieder mal allein zu Hause in die Rolle des Jedi zu schlüpfen. Echte Langzeitmotivation kann es aber wohl nur bei sehr leidenschaftlichen Star-Wars-Fans entfalten. Wie viele andere derartige Produkte dürfte auch Jedi Challenges bei den meisten Käufern eher früher als später in der Ecke verstauben - selbst dann, wenn Lenovo und Disney noch weitere Inhalte nachliefern.  (ps)


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