Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/need-for-speed-payback-im-test-das-triste-und-teure-leben-eines-streetracers-1711-131178.html    Veröffentlicht: 16.11.2017 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/131178

Need for Speed Payback im Test

Das triste und teure Leben eines Streetracers

Neue Hauptfiguren, anderes Szenario und inhaltliche Veränderungen: EA und das Entwicklerstudio Ghost Games versuchen erneut, der einst ruhmvollen Need-for-Speed-Serie neuen Glanz zu verleihen. Einige Designentscheidungen sorgen aber für Verwirrung hinter dem Lenkrad.

Einer der größten Kritikpunkte beim Neustart der Serie Need for Speed Ende 2015 (Test auf Golem.de) war die Story mit ihren aufgesetzten und oft sehr peinlich agierenden Protagonisten. Nachvollziehbar also, dass Payback auf eine neue Crew setzt - allerdings greift die Serie prompt erneut tief in die Klischeekiste. Es geht um eine verschworene Gruppe von Rennfahrern namens Tyler, Mac und Jess, die von einem gerissenen Kartell über den Tisch gezogen wurden und nun Rache nehmen wollen.

Das Ganze ist deutlich von The Fast & The Furious inspiriert, lässt allerdings Spannung und oft auch Logik vermissen. Die Zwischensequenzen müssen eher erduldet werden, als dass sie der Atmosphäre zuträglich sind. Zudem setzen sie oft auch in unpassenden Momenten ein. Wenn es etwa darum geht, einen präparierten Fluchtweg zu nutzen und über eine bereitgestellte Schanze zu springen, beginnt die Sequenz schon, bevor die Schanze erreicht ist, nicht erst nach dem Absprung.

Zum Glück hat das Gameplay mehr Unterhaltung zu bieten: In Wagenklassen wie klassischen Rennen, Drift- und Drag-Events sowie Offroad-Herausforderungen gilt es, durch gekonnte Manöver oder das Ausnutzen von Abkürzungen das Verfolgerfeld hinter sich zu lassen oder die Polizei auszutricksen und so neue Aufgaben freizuschalten.

Gefahren wird in unterschiedlichen Fahrzeugen, schon in der ersten Spielstunde wird zwischen BMW M5, Nissan Skyline und Aston Martin DB11 gewechselt. Need for Speed bleibt dabei seinem Arcade-Fokus treu: Die Fahrzeuge steuern sich zwar unterschiedlich, oft aber auch etwas schwammig. Am auffälligsten sind ohnehin nicht echte Besonderheiten der Fahrzeuge, sondern nahezu immer der Leistungs- und Tempo-Unterschied. Zu viel fahrerisches Geschick ist nicht vonnöten, und Zubehör-Lenkräder werden erst gar nicht unterstützt.

Das Spiel ist in der fiktiven Stadt Fortune Valley angesiedelt, die in der Wüste liegt und vom Glücksspiel lebt - Parallelen zu Las Vegas sind offensichtlich. In der Theorie ist Payback als Open-World-Titel konzipiert: Der Spieler kann frei herumfahren, oder auf direktem Weg zu der auf der Karte markierten nächsten Herausforderung rasen. Die spielerische Freiheit ist aber begrenzt, da bei fast jedem Event zunächst der erste Platz erreicht werden muss, bevor es in der jeweiligen Serie weitergeht.

Das schränkt die spielerischen Optionen stark ein und macht aus der theoretischen Freiheit dann doch ein sehr lineares Agieren. Zudem drückt es auf die Motivation, da nicht jeder Spieler alle Event-Arten gleich schätzen wird, aber dazu verdonnert ist, überall zu gewinnen - und ein einzelner Fahrfehler das dann immer wieder schnell zunichtemacht.

Mehr Tempo mit Mikrotransaktionen

Fleißarbeit ist auch vonnöten, um den eigenen Fuhrpark aufzurüsten. Zwar gibt es diverse Tuning-Optionen, um die eigene Garage optisch und technisch aufzumöbeln, dafür muss das Geld aber hart erarbeitet werden. Wahlweise wird der Prozess durch den Einsatz von Echtgeld beschleunigt. Zwar wird der Spieler nicht gezwungen, das Portemonnaie nach dem Spielkauf nochmals zu öffnen, den Spielfortschritt beschleunigt es aber erheblich. Und wer gerne mehrere Karossen aufmotzt, wird ohne gekaufte Upgrade-Karten arg eingeschränkt.

Auch technisch bietet Payback eher magere Kost. Die Stadt wirkt steril, die Weitsicht in der Umgebung mit Canyons und Wüste ist nicht der Rede wert, und es mangelt erheblich an spannenden Details oder kleinen Animationen. Zumindest das Geschwindigkeitsgefühl ist angenehm, dafür ruckelt es in den Zwischensequenzen und das Schadensmodell ist praktisch nicht existent.

Need for Speed Payback ist für Windows-PC, Playstation 4 und Xbox One erhältlich und kostet 60 Euro. Das vom EA-Studio Ghost Games entwickelte Spiel hat eine USK-Freigabe ab 12 Jahren erhalten.

Fazit

Tuning, Verfolgungsjagden mit der Polizei, unterschiedliche Wettbewerbe - so mancher Spieler träumte wohl schon davon, mit Payback in gute alte Underground-Zeiten zurückversetzt zu werden. Leider enttäuscht das neue Need for Speed am Ende dann aber doch wieder und schafft es nicht, dem früheren Glanz der Reihe gerecht zu werden.

Das liegt nicht unbedingt am eigentlichen Renngeschehen: Als klassische Arcade-Raserei ist der Titel durchaus unterhaltsam. Aber viel Mittelmaß bei der Technik und der Story, vor allem aber Design-Entscheidungen wie die linearen Fortschritt-Vorgaben und das System mit Ingame-Credits wirken unausgereift - und im direkten Vergleich etwa mit einem Forza 3 um Klassen schlechter.  (tw)


Verwandte Artikel:
Need for Speed: PC-Version schaltet auch manuell und ultrahochaufgelöst   
(12.02.2016, https://glm.io/119088 )
Electronic Arts: Hunde, Katzen und Weltraumschlachten   
(22.08.2017, https://glm.io/129605 )
Payback: Nächstes Need for Speed bietet Rennen in Glücksspielstadt   
(03.06.2017, https://glm.io/128190 )
Electronic Arts: Nächstes Need for Speed benötigt Onlineverbindung   
(29.05.2015, https://glm.io/114346 )
Burnout Paradise Remastered: Hochaufgelöste Wettrennen in Paradise City   
(21.02.2018, https://glm.io/132894 )

© 1997–2018 Golem.de, https://www.golem.de/