Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/wacom-bamboo-ink-im-kurztest-gutes-zeichengefuehl-kostet-verarbeitungsqualitaet-1711-131011.html    Veröffentlicht: 08.11.2017 08:58    Kurz-URL: https://glm.io/131011

Wacom Bamboo Ink im Kurztest

Gutes Zeichengefühl kostet Verarbeitungsqualität

Der Wacom Bamboo Ink kann uns mit seinen gummierten Stiftspitzen wie ein aktueller Surface Pen überzeugen. Das Gute: Er unterstützt die Stiftprotokolle von Microsoft und von Wacom. Das Schlechte: Wir konnten den Stift leider schon beschädigen.

Warum funktioniert ein Stylus eigentlich nicht auf jedem Gerät mit Digitizer? Der Finger funktioniert doch auch auf allen Touchscreens. Anders als bei Touchscreens gibt es aber verschiedene Protokolle, über die ein Stift mit dem Hostgerät kommuniziert. Zwei wichtige sind das AES-Protokoll von Wacom und das Microsoft Pen.

Aus diesem Grund gibt es Produkte wie den Bamboo Ink - einen Eingabestift von Wacom. Er unterstützt beide genannten Protokolle und kann zwischen ihnen auf Knopfdruck hin- und herschalten. Ein interessantes Konzept - finden wir.

Nach dem ersten Ausprobieren des von Wacom zugesandten Testmusters können wir bestätigen, dass Schreiben und Zeichnen mit diesem Stift um einiges mehr Spaß macht als mit den meisten anderen Produkten. Das ist der guten Haptik durch die gummierte Oberfläche und den weichen Stiftspitzen zuzuschreiben.

Allerdings wurde an einigen Stellen bei der Verarbeitungsqualität gespart - eher ungewöhnlich für Wacom. Gerade die seitlichen Taster fühlen sich irgendwie billig an. Der Druckpunkt ist sehr schwammig. Auch der Knopf am Ende des Stiftes ist wackelig. Wir haben es geschafft, den Kunststoffschalter beim Einsetzen der Batterie zu lösen. Trotzdem funktioniert er noch wie vorgesehen, nachdem wir ihn wieder aufgesteckt haben.

Aktiver Stift mit Bluetooth-Verbindung

Zum Thema Batterie: Ja, der Wacom Bamboo Ink ist ein aktiver Stift wie auch die meisten anderen Produkte dieser Art. Er wird von einer AAAA-Batterie angetrieben. Gerade solch kleine Zellen sind nicht gerade preiswert. Es ist also gut, dass Wacom eine Batterie bereits mitliefert.

Nach dem Einsetzen der Batterie muss der Stift per Bluetooth mit dem PC verbunden werden. Zum Pairen halten wir dazu den oberen Knopf gedrückt, so dass der Stift erkannt wird. Das klappt auf Anhieb ganz gut. Während der Stift auf den Pairing-Request wartet, blinkt die kleine LED an der Kappe leicht blau. Allerdings ist das Licht durch den dicken Kunststoff etwas schwierig zu erkennen.

Wir können die Funktionalität der beiden unterstützten Stiftprotokolle bei uns testen. Der Bamboo Ink wird vom Microsoft Surface Pro 3 sofort erkannt. Dieses Gerät nutzt das nicht ganz so weit verbreitete Microsoft Pen Protocol. Auf der anderen Seite können wir den Stift auch auf dem Lenovo Yoga 260 verwenden, das mit dem AES-Protokoll von Wacom funktioniert. Zu diesem Zweck muss das Protokoll umgeschaltet werden, indem wir beide Seitentasten gleichzeitig für etwa 3 Sekunden drücken.

Viele ältere Notebooks erkennt der Stift jedoch leider nicht, so dass dessen Vielseitigkeit eingeschränkt ist. Auch nicht überraschend, aber dennoch schade: Wacoms eigene Cintiq-Stiftdisplays und Intuos-Tablets können nicht mit dem Bamboo Ink bedient werden. Die Digitizer dieser Geräte nutzen eine eigene patentierte Technik, bei der der passive Stift durch elektromagnetische Felder aufgeladen wird.

Wacom hat auf der Produktseite eine Liste für unterstützte Geräte veröffentlicht. Interessenten sollten sich das auf jeden Fall anschauen, bevor sie eventuell einen nicht funktionsfähigen Stift kaufen. Denn es wäre schade, wenn das in der Praxis wirklich gute Gerät nicht verwendet werden kann.

Durchwachsene Verarbeitungsqualität hin oder her, die Handhabung des Bamboo Ink ist sehr angenehm. Das Gehäuse hat einen dreieckigen Querschnitt mit stark abgerundeten Ecken. Außerdem ist der Stift mit einer gummiartigen Schicht überzogen, sodass er auch noch bei schwitzigen Händen gut in der Hand liegt. Der Bamboo Ink ist mit 20 Gramm etwa genauso schwer wie der Surface Pen vom Surface Pro 3, der 18 Gramm wiegt. Das ist merklich mehr als ein herkömmlicher 10 Gramm schwerer Kugelschreiber. Auch ein Wacom Pro Pen 2, der Wacom Cintiqs und Intuos-Tablets beiliegt, ist mit 13 Gramm merklich leichter.

Durch die Batterie ist der Bamboo Ink wie der Surface Pen zudem etwas unbalanciert. Allerdings wird das wohl nur Profis auffallen, die eine solche Hardware täglich intensiv nutzen. Wir als Hobbykünstler kommen mit der Ergonomie gut zurecht.

Viele Stiftspitzen für ein natürliches Schreibgefühl

Womit der Wacom-Stift den Surface Pen schlecht aussehen lässt, ist die Stiftspitze. Diese hat eine kleine Gummispitze. Dadurch fühlt sich Zeichnen auf dem Glasbildschirm des Surface Pro 3 sehr natürlich an. Das schafft zumindest der Stift des Surface Pro 3 mit seiner harten Kunststoffspitze nicht. Neuere Versionen kommen da schon eher an den Bamboo Ink heran.

Dem Stift liegen drei weitere Spitzen bei, die sich leicht austauschen lassen. Sie haben verschiedene Härten für unterschiedliches Schreibgefühl. Das erinnert ein wenig an mitgelieferte Stiftspitzen bei anderen Wacom-Produkten. Das kleine Etui mit passendem Spitzenentferner - im Prinzip nur eine Öse im Gehäuse - ist ein netter Zusatz zum Stift.

Der Knopf an der oberen Seite des Stiftes ist der Funktion des Surface Pen ähnlich. In älteren Windows-Versionen wird damit das Notizenprogramm Onenote geöffnet. Ab dem Creators Update öffnet sich der Windows-Ink-Arbeitsbereich und eine Auswahl an Notizen-Apps. Das funktioniert ohne zusätzliche Software oder Treiber - sehr schön.

Verfügbarkeit und Fazit

Der Bamboo Ink ist nicht unbedingt ein preiswertes Produkt: Bei Amazon ist er für etwa 80 Euro gelistet. Ein Blick auf die Konkurrenz in Form des neuen Surface Pen zeigt aber, dass solche Peripherie generell etwas teurer ist. Microsofts Stift kostet immerhin 85 Euro. Der Vorteil von Wacoms Produkt ist die Kompatibilität mit vielen aktuellen Notebooks und Tablets und das Zubehör in Form eines kleinen Etuis mit drei zusätzlichen Stiftspitzen.

Fazit

Der Wacom Ink ist nicht perfekt. Gerade für einen Preis von 80 Euro hätten wir uns ein besser verarbeitetes Produkt gewünscht. Die Seitentasten des Stifts haben einen schwammigen Druckpunkt und sind aus nicht gerade hochwertig wirkendem Kunststoff gefertigt. Den oberen Knopf am Ende des Stiftes haben wir sogar aus Versehen abgebrochen, als wir die Batterie einsetzen wollten.

Trotzdem: Das Wechseln der Stiftprotokolle klappt gut. Der Stift funktioniert zuverlässig sowohl mit einem Surface Pro, als auch mit einem Lenovo-Yoga-Notebook. Dabei dient der obere Knopf als Schnellstarttaste für den Windows-Ink-Arbeitsbereich. Verständlich, aber trotzdem ein wenig schade ist, dass er mit Wacoms Cintiq- oder Intuos-Tablets nicht funktioniert.

Das Schreibgefühl und Zeichengefühl ist dank der gummierten Stiftspitzen sehr gut. Auf Glasoberflächen können wir dadurch trotzdem präzise Linien ziehen. Zusätzliche Stiftspitzen sind enthalten. Damit lässt sich der Bamboo Ink nach eigenem Bedarf anpassen. Das kann ein älterer Surface Pen nicht.

Allerdings brauchen Besitzer eines aktuellen Surface Pro 4 oder dem 2017er-Modell Wacoms Stift nicht, da dieser gleichwertig ist. Alle anderen bekommen damit ein funktionales Produkt, das gute Zeichenergebnisse auch auf anderen Geräten produzieren kann - vorausgesetzt es bricht nicht wieder etwas ab.  (on)


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