Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/vernetztes-fahren-keine-kommunikationspflicht-fuer-autos-in-den-usa-1711-130936.html    Veröffentlicht: 02.11.2017 13:00    Kurz-URL: https://glm.io/130936

Vernetztes Fahren

Keine Kommunikationspflicht für Autos in den USA

US-Präsident Donald Trump wickelt das Erbe seines Vorgängers Barack Obama ab. Dies soll nun auch die Pläne für das vernetzte Fahren betreffen. Trotz deutlich mehr Unfalltoten.

Die Vernetzung von Autos untereinander soll in den USA nun doch nicht zur Pflicht werden. Wie die Nachrichtenagentur AP berichtete, stoppte die neue US-Regierung unter Präsident Donald Trump stillschweigend entsprechende Pläne von dessen Vorgänger Barack Obama. Die Agentur beruft sich dabei auf zwei Vertreter der Autoindustrie, die mit dem Weißen Haus und dem US-Verkehrsministerium über das Thema gesprochen haben sollen, sowie auf zwei Mitarbeiter von Verbänden, die ebenfalls mit der Regierung gesprochen hätten.

Die damalige US-Regierung hatte im vergangenen Dezember den verpflichtenden Einbau von sogenannter Auto-zu-Auto-Kommunikation (C2C/V2V) bei neuen Pkw gefordert. Diese Technik könne die Fahrzeugsicherheit "revolutionieren", heißt es in dem knapp 400-seitigen Vorschlag, den das Verkehrsministerium und die Transportbehörde NHTSA veröffentlichten. Ein Warnsystem auf Basis einer direkten Kommunikation der Fahrzeuge könne nicht nur bei menschlichen Fahrern Kollisionen vermeiden. Es sei damit auch möglich, die Reichweite der fahrzeugeigenen Sensoren zu erweitern und die Autos um die Ecke oder durch andere Fahrzeuge hindurch "sehen" zu lassen.

Provider wollen Frequenzen selbst nutzen

Anders als die EU-Kommission, die beim vernetzten Fahren auf einen "hybriden Kommunikationsmix" setzt, gab die US-Regierung dabei dem WLAN-Standard IEEE 802.11p (pWLAN oder ITS-G5) den Vorzug gegenüber Mobilfunktechnik wie LTE-V oder 5G.

Regierungsvertreter wiesen dem Bericht zufolge darauf hin, dass verschiedene Gründe hinter dem Stopp der Pläne stünden. Dazu gehöre die generelle Zurückhaltung, teure Vorgaben für die Autoindustrie zu machen. Zudem störten sich auch die Telekommunikationsprovider an den Plänen. Denn für die drahtlose Kommunikation per WLAN ist das 5,9-GHz-Band reserviert, das die Provider gerne für andere Zwecke nutzen möchten.

Ähnliche Entwicklung wie in Europa

Die US-Regulierungsbehörde FCC testet dem Bericht zufolge die Möglichkeit, das Frequenzspektrum aufzuteilen und für verschiedene Zwecke zu nutzen. Die ersten Testergebnisse sollen dazu bald erscheinen.

In den USA zeichnet sich demnach eine ähnliche Entwicklung wie in Europa ab. So drängen die deutschen Autohersteller in der Mobilfunkallianz 5GAA darauf, das 5,9-GHz-Band ebenfalls für den neuen Mobilfunkstandard 5G zu nutzen und darüber C2C-Dienste zu ermöglichen. Gleichzeitig haben Autohersteller wie Volkswagen angekündigt, mit Hilfe von pWLAN von 2019 an ihre Autos miteinander kommunizieren zu lassen und nicht die Bereitstellung von 5G in einigen Jahren abzuwarten.

Das war auch der Plan der früheren US-Regierung. Dem Gesetzesentwurf zufolge hätte die Regelung schon im September 2017 in Kraft treten sollen. Es war eine Vorlaufzeit von zwei Jahren vorgesehen. Nach fünf Jahren sollten dann sämtliche Neuwagen mit der erforderlichen Kommunikationstechnik ausgestattet werden.


Die US-Organisation National Safety Council kritisierte den Stopp der Pläne. Die C2C-Kommunikation sei eines der wichtigsten Hilfsmittel, um tödliche Verkehrsunfälle zu verhindern, sagte deren Präsidentin Deborah Hersman laut AP. Die Technik werde sich nur dann flächendeckend verbreiten, wenn es eine Einbaupflicht gebe. Dem Bericht zufolge stieg die Zahl der Verkehrstoten in den USA im vergangenen Jahr auf 37.461. Das waren fast 5.000 mehr als im Jahr 2014.  (fg)


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