Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/super-mario-odyssey-im-test-heldenhafte-muetze-rettet-prinzessin-1710-130828.html    Veröffentlicht: 26.10.2017 15:03    Kurz-URL: https://glm.io/130828

Super Mario Odyssey im Test

Heldenhafte Mütze rettet Prinzessin

Exklempner Mario feiert nach Kart-Rennen und Rabbids Kingdom Battle seinen ersten echten Auftritt auf Nintendo Switch. In Super Mario Odyssey dürfen wir uns frei in einer 3D-Welt austoben und neue Funktionen wie einen Mützenwurf verwenden - ein Fest für Plattformfans!

Alarm, Alarm! Bowser hat Prinzessin Peach entführt und will sie heiraten. Mario muss antreten, um sie aus den Klauen des Bösewichts zu retten. Moment - hatten wir das nicht schon ein paarmal? Nach vielen Jahren voller identischer Ausgangssituationen in Spielen mit Mario wirkt sogar Dinner for One innovativ.

Der Start von Super Mario Odyssey hat bei uns Zweifel geweckt, dass sich in der Welt des Exklempners inhaltlich etwas getan hat. Die Sorgen sind dann aber schnell verflogen, sobald wir tatsächlich die Kontrolle über den Helden in Latzhose übernommen haben. Spielerisch hat sich gegenüber den Vorgängern zwar nicht alles, aber mehr als ausreichend viel geändert.

Das von Nintendo selbst entwickelte Super Mario Odyssey legt Wert auf das Erforschen von Welten und das Suchen nach versteckten Schätzen. In jeder der Umgebungen ist es also möglich, nicht nur von Aufgabe zu Aufgabe zu hüpfen, sondern auch viel Zeit mit dem Herumlaufen und Entdecken von Plattformen, Hausdächern, Höhlen, der Kanalisation, Pyramiden und einigem mehr zu verbringen. Wer Sorge hat, sich in den Welten zu verlaufen oder die Orientierung zu verlieren, aktiviert gleich zu Beginn den Hilfe-Modus. Dann weisen kleine blaue Pfeile den Weg zur nächsten Herausforderung.

Marios Mütze lebt!

Die größte spielerische Neuerung ist Marios Kumpel Cappy aus dem Königreich der Hüte. Cappy ist die Kopfbedeckung von Mario und eine Mütze mit Persönlichkeit. Er (oder sie) lässt sich gegen Kisten und Kontrahenten schleudern, um diese zu zerdeppern. Es gibt aber auch die Möglichkeit, Gegner zu "capern". Mit einem gut platzierten Hutwurf schlüpfen wir in die Haut anderer Charaktere, um sie fortan zu steuern und ihre Fähigkeiten nutzen.

Dann können wir etwa mit einem Stapel Koopas balancieren, uns mit Kettenhunden auf Bösewichte stürzen, als Frosch herumhüpfen oder auch Besitz von einem gemütlich-trägen Steinmenschen ergreifen, um dank seiner Sonnenbrille neue Brücken und Stege zu entdecken. Cappy bringt viel Abwechslung in den Plattformalltag, weil sich jede Figur anders steuern lässt, und diese neue Option auch bei den zahlreichen Bosskämpfen Einsatz findet. Etwa dann, wenn sich Mario die Waffen der Bosse zunutze macht, sich mit einer Rakete in sie stürzt oder sich in Form einer Bombe zum Explodieren bringt.

Natürlich besteht das Leben eines Schnauzbartträgers auch anno 2017 nicht nur aus Kämpfen, sondern ebenso aus Geschicklichkeitsübungen. Balancieren, springen, klettern und mit gut platzierten Stampfattacken vorgehen sind unabdingbar, um vorwärts zu kommen. Immer wieder warten zudem kurze klassische 2D-Passagen in Super-Mario-Manier darauf, absolviert zu werden - eine schöne Abwechslung in der weitläufigen 3D-Welt.

Verfügbarkeit und Fazit

Wir können in Dörfern umherlaufen, kurze Gespräche führen, an Gebäuden herumkraxeln, Kisten zerstören und Münzen sammeln, die sich in Crazy-Cap-Shops für Energie und neue Outfits wie Shorts im Pilz-Design eintauschen lassen, oder ein Minispiel wie ein Rennen absolvieren: Hier ist Mario mehr Abenteuer als klassisches Jump-and-Run.

Das Durchstöbern auch der letzten Ecken und Winkel jeder Welt ist unabdingbar. Überall sind Monde versteckt, die wir benötigen, um damit sein Luftschiff in Hutform anzutreiben. Es bedarf immer einer gewissen Anzahl an Monden als Treibstoff, um in die nächste Welt fliegen zu können. Beschleunigen lässt sich die Suche, indem wir bei Toad gegen Münzgeld Schatzkarten kaufen, oder indem die separat erworbenen Amiibos verbunden werden. Ist eine Welt erstmals bereist, lässt sie sich via Übersichtskarte jederzeit per Tastendruck erneut besuchen.

Die Abwechslung zwischen den Arealen könnte kaum größer sein. Mario ist in einer an New York angelehnten Großstadt ebenso unterwegs wie in einem Dschungel und in einer Wüste. Er springt durch Strandlandschaften ebenso wie durch Eis- und Wasser-Welten sowie durch viele weitere Areale. Jede Welt strotzt nur so vor schräger Figuren, Gebäuden und vor allem vor Ideen, wie sich Monde und Münzen an den abgelegensten Orten verstecken lassen.

Die Grafik von Super Mario Odyssey ist schön anzusehen. Alles ist kunterbunt und detailreich umgesetzt, alle Animationen sind flüssig - aber im Vergleich zu Wii-U-Titeln wirkt alles qualitativ eher wie ein Update, nicht wie ein Quantensprung. Gleiches gilt für die schöne Soundkulisse und die typischen Fantasiegesprächslaute, die die deutschen Bildschirmtexte begleiten.

Super Mario Odyssey ist für Nintendo Switch verfügbar und kostet rund 60 Euro. Im Koopmodus können zwei Spieler vor Ort (Sofa-Koop) gemeinsam antreten, dann steuert einer Mario und der andere die Mütze. Die USK hat dem Programm eine Freigabe ab sechs Jahren gegeben.

Fazit

Die Story von Super Mario Odyssey ist altbekannt, die Figuren sowieso, und auch bei Gameplay und Technik erfindet Nintendo nichts neu. Super Mario Odyssey wirkt trotz der frei erkundbaren Welten auf den ersten Blick nicht atemberaubend anders als die Vorgänger. Trotzdem ist das Spiel wohl einer der besten Plattformer überhaupt, weil sich zu den bekannten Stärken wie der fantastischen Spielbarkeit, dem abwechslungsreichen Leveldesign und einer überbordenden Fülle an großartigen Momenten, Objekten und Szenerien vor allem zwei neue Elemente gesellen.

Da ist einerseits der Fokus auf das Erkunden: Super Mario Odyssey ermuntert den Spieler, auch die letzten Ecken auf dieser großen Weltreise zu ergründen und alle verfügbaren Moves und Hilfsmittel einzusetzen, um überall hinzukommen. Zweitens gibt es den neuen Mützen-Kumpel: Dank Cappy schlüpft der Spieler andauernd in neue Rollen, mit ganz eigenen Bewegungen und Fähigkeiten, was zu mehr Variabilität und immer neuen Spielsituationen führt. In Kombination mit der tollen Lernkurve und dem Riesenumfang gelingt es Nintendo so einmal mehr, der gigantisch hohen Erwartungshaltung an ein neues Mario-Spiel gerecht zu werden. Anders als bei Breath of the Wild wird sie allerdings nicht derart übertroffen.  (tw)


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