Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/air-berlin-insolvenz-bundesbeamte-muessen-statt-zu-fliegen-videotelefonieren-1710-130745.html    Veröffentlicht: 21.10.2017 16:25    Kurz-URL: https://glm.io/130745

Air-Berlin-Insolvenz

Bundesbeamte müssen videotelefonieren statt zu fliegen

Die Air-Berlin-Pleite sorgt gezwungenermaßen für ein Umdenken in der Verwaltung. Statt teurer und nun auch langwieriger Dienstreisen per Zug sollen die Beamten mehr Videokonferenzen abhalten. Unumstritten ist der Einsatz von modernen Kommunikationsmethoden jedoch keineswegs.

Bisher flogen Bundesbeamte häufig zwischen Bonn und Berlin hin und her. Da das Bundesverkehrsministerium einen Vertrag mit Air Berlin über den Transport hatte, muss dieser Vertrag nach der Insolvenz und der Einstellung des Flugbetriebs nun neu ausgeschrieben werden. Das könnte aber dauern. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel berichtet, dass vor Herbst 2018 kaum ein neues 'Beamten-Shuttle' eingeführt werden kann.

Bis dahin muss die Dienstreisetätigkeit auf ein notwendiges Minimum beschränkt werden, soll es in einer ministerialen Dienstanweisung heißen, die dem Spiegel vorliegt. Damit die Arbeit dennoch erledigt werden kann, sollen nun Alternativen genutzt werden. Das kann einerseits die Bahnreise sein, die aber in eine Richtung etwa 5 Stunden dauert und somit eine Übernachtung notwendig macht. Andererseits sollen die Bundesbeamten neue Medien nutzen und Video- und Audiokonferenzen abhalten. Diese Möglichkeiten werden nach Informationen von Golem.de zwar schon jetzt durch Bundesbehörden genutzt, aber nur sparsam.



Wieviele Flüge zwischen Bonn und Berlin stattfanden, zeigt eine Zahl aus dem Jahr 2015: Damals wurden etwa 33.000 Personen transportiert. Eine enorme Zahl. Das ist auch der Bundesregierung aufgefallen, die in einem Regierungsbericht darauf verwies, dass eintägige Dienstreisen "häufig als besonders ineffizient" gelten, wie der Spiegel berichtet.

Videokonferenzen sorgen für Probleme bei den Zuhörern

Wissenschaftler warnten jedoch schon 2008 in einer Studie vor negativen Auswirkungen von Videokonferenzen. Für Nutzer sei es anstrengender, Informationen aus einer Videokonferenz zu verarbeiten und einzuordnen, als wenn sie diese in einem persönlichen Gespräch mitgeteilt bekämen. Videokonferenzteilnehmer tendierten deshalb dazu, weniger korrekte Entscheidungen zu fällen, als solche, die bei einem Treffen anwesend waren, fanden Carlos Ferran von der Universität des Staates Pennsylvania und Stephanie Watts von der Bostoner Universität heraus. Ihre Erkenntnisse haben sie in dem Aufsatz "Videoconferencing in the Field: A Heuristic Processing Mode" (PDF) in der Fachzeitschrift Management Science veröffentlicht. Bei Tests hatten die Forscher herausgefunden, dass die Teilnehmer einer Videokonferenz sich stärker vom Auftreten eines Sprechers beeinflussen lassen. Probanden, die vor Ort an einem Seminar teilnahmen, achteten hingegen mehr auf das Gewicht der Argumente.  (ad)


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