Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/windows-10-version-1709-im-kurztest-ein-bisschen-kontaktpflege-1710-130710.html    Veröffentlicht: 24.10.2017 12:01    Kurz-URL: https://glm.io/130710

Windows 10 Version 1709 im Kurztest

Ein bisschen Kontaktpflege

Die ersten Eindrücke zum Fall Creators Update (Version 1709) von Windows 10 nerven auf den ersten Blick. Doch gerade für Skype-Nutzer ist die neue Kontaktintegration praktisch. Vom Fluent Design Update ist auch kaum etwas zu sehen. Ein paar spannende Neuerungen gibt es dennoch.

Es ist wieder Zeit für ein größeres Update von Windows 10. Das Build 16299, auch bekannt als Fall Creators Update, bringt eine stattliche Anzahl von Neuerungen. Doch nutzen kann diese nicht unbedingt jeder. Für die meisten Anwender wird es eher ein kleines Update, mit anfänglichen Nervereien, die sich aber schnell abschalten lassen. Im Endeffekt gibt es trotzdem ein paar schöne Neuerungen, wie etwa die Skype-Integration. Das Update kommt teilweise automatisch, kann aber auch manuell angestoßen werden.

Das Fall Creators Update ist bereits das vierte große Update für Windows 10. Im Unterschied zu den alten Service Packs liegt der Fokus aber auf einer Erweiterung der Funktionen. Seltsamerweise hat sich Microsoft dafür entschieden, die neue Windows-Version 1709 zu nennen. Sie hätte also im September fertig werden müssen. Noch auf der Ifa bestätigte man uns, dass die Version eigentlich 1710 heißen sollte. Version 1709 folgt auf das Creators Update (1703) und die Version 1607 (Anniversary Update). Letztere brachte das Windows Subsystem for Linux mit, welches mit der aktuellen Version 1709 offiziell den Betastatus verlassen hat.

Nach der Installation, die in gut einer Stunde abgeschlossen ist, irritiert das Fall Creators Update erst einmal. Bei uns tauchte wieder die Werbung im Startmenü auf, die Microsoft schon lange integriert hatte. Wir hatten die Funktion allerdings vergessen und wunderten uns zunächst. Das lässt sich aber erneut fix wieder abschalten. Andere Neuerungen finden sich auf den ersten Blick kaum. Wir würden uns wünschen, dass Microsoft hier von der Xbox One (S) lernt. Dort gibt es seit mehreren Updates ein optionales Einführungsvideo, das kurz und prägnant auf die Neuerungen von Windows 10 bei der Oberfläche auf der Konsole eingeht. So bleibt einem nichts übrig, als auf die Suche zu gehen. Nachtrag vom 24. Oktober 2017, 12:27 Uhr: Auf einem erst heute aktualisierten System ist eine Willkommensseite mit Neuerungen aufgelistet. /Nachtrag Eine Funktion ist aber sehr offensichtlich: Anfangs empfanden wir die neue Kontaktoption in der Taskleiste störend. Die stellte sich nach kleinen Schwierigkeiten aber im weiteren Verlauf als recht nützlich heraus.

Kontakte und Systemsteuerung

Neu ist die stärkere Integration von Kontakten in das System. Oder besser gesagt, Microsofts Versuch, die Anwender dazu zu bringen. So kann Skype etwa direkt neben der Tray Notification Area eingerichtet werden. Das Symbol dafür ist sehr präsent in der Taskleiste. Wer will, kann darüber auch Kontakte an die Leiste anheften. Ärgerlich ist, dass die Suche nach Kontakten nur vom Beginn einer Zeichenkette funktioniert. Sind etwa Vor- und Nachname durch einen Punkt oder Unterstrich miteinander verbunden, ist das Suchen nach einem Nachnamen zwecklos. Ein unnötiger Usability-Patzer.

Die Skype-Integration hat ein paar Probleme. Anfangs funktionierte die Kommunikation über die Taskleiste mitunter nicht so recht. Erst nach einem Reboot wurden bei uns Benachrichtigungen in Form einer kleinen 1 in der Taskleiste, aber auch im Benachrichtigungszentrum sichtbar. In seltenen Fällen verschwand die kleine 1 aber nicht, wenn wir die Nachricht gelesen hatten.

Nervig ist zudem, dass ein Klick auf das Gesicht in der Taskleiste zwar das Skype-Pop-up öffnet, aber leider nicht wieder schließt. Dazu muss das Kreuz oben in der Ecke angeklickt werden. Wer viele Kontakte hat, verliert da schnell den Überblick. Jedes Skype-Fenster ist zudem Teil von Windows-Tab und Alt-Tab, was der Übersicht nicht gerade hilft. Wer viele Kontakte und viele Anwendungen offen hat, wird sehr stark mit Fenstern in der Tab-Ansicht belastet. Insgesamt ist die Integration aber sehr hübsch gelungen.

Systemsteuerung mit neuen Kacheln

Änderungen gibt es ferner in den Einstellungen, die aber weiterhin nicht komplett die Systemsteuerung ablösen. Neu hinzugekommen sind etwa die Cortana-Einstellungen, die zuvor im Startmenü untergebracht waren und erweitert worden sind. Das ist deutlich besser als die etwas seltsam anmutende Unterbringung im Startmenü. Zu Cortana lässt sich leider weiterhin nicht viel Gutes sagen. Im Deutschen funktioniert der Sprachassistent schlechter als das Pendant von Apple und frustriert Nutzer deutlich häufiger. Der Follow-Me-Guide funktionierte auf unserem System zudem nicht. Vermutlich ist er noch nicht fertig.

Während der Sprachassistent Cortana jetzt aus dem Startmenü herausgenommen wurde, hat sich im Startmenü sonst leider nicht viel getan. Dabei würden wir uns eine intuitivere Tastaturbedienung des zweiteiligen Menüs wünschen. Mit den Pfeiltasten lässt sich zwischen der Kachel-Sektion und dem klassischen Startmenü nämlich weiter nicht wechseln. Das muss mit Tab und Shift-Tab geschehen, obwohl die Pfeiltasten dafür durchaus zur Verfügung stehen würden. Rechts und links werden nämlich nicht interpretiert. Zudem zeigt die Xbox One S, dass es auch anders geht. Dort ist die Navigation vereinheitlicht.

In den Einstellungen findet sich außerdem noch das Hinzufügen eines Handys. Damit wird vor allem der geräteübergreifende Weg etwas vereinfacht. Vermutlich ist die Option aber nur deswegen so präsent, um auf die Möglichkeit stärker aufmerksam zu machen. Beim Hinzufügen eines Smartphones wird im Prinzip nur eine Kurznachricht mit dem App-Store-Link weitergegeben. Auf einem iPhone wird anschließend eine App angeboten, die die Aktivität des Teilens in iOS integriert. Webseiten lassen sich so zum PC schicken. Leider klappt das nicht mit Bildern. Zudem hat die App bei der Installation unser iPhone SE erheblich belastet, es wurde spürbar warm. Dabei zeigt sie nur ein Tutorial, wie die Funktion der App in das System integriert wird. Das Ganze wirkt ziemlich halbgar. Interessanterweise wird die Funktion ausschließlich für Windows Insider im App Store angeboten. Es funktionierte bei uns aber auch mit der normalen Windows-Release-Version, ist also allen zugänglich. Vermutlich wurde die App noch nicht aktualisiert.

Die Einstellungen zu der Funktion sind aber sehr eingeschränkt.

Kleinere Änderungen und fähigerer Task Manager

Viel einstellen lässt sich in dem Handy-Einstellungspunkt leider nicht. Wir hätten uns dort die Geräteverwaltung gewünscht, wo sich etwa Geräte entfernen lassen. Doch die Funktion bleibt weiter etwas, was der Webseite von Microsoft vorbehalten ist.

Im Laufe des Tests meldete sich Windows 10 zudem damit, dass wir Nachrichten auf unserem Handy bekommen haben und diese anzeigen lassen können. Nach dem üblichen Verbinden per Sicherheitscode gab es diese Nachrichten aber nicht. SMS etwa werden nicht weitergeleitet. Die Integration, zumindest unter iOS, ist jedenfalls nicht ausreichend. Da wünscht man sich, dass Microsoft gerade jetzt noch Energie hätte, um die Smartphone-Version von Windows 10 weiterzuentwickeln. Denn langsam wachsen die unterschiedlichen Gerätetypen zusammen. Aufgrund der recht verschlossenen iOS-Umgebung passt das nicht so recht mit Windows 10 zusammen. Mit Android ist die Integration etwas leichter. Aber auch hier gibt es einen Wechsel zwischen Bedienungsphilosophien. Windows 10 Mobile war einmal. Selbst Microsoft rät Endanwendern zum Wechsel auf andere Plattformen. Allenfalls das Geschäftskundenfeld bleibt mit Profigeräten interessant. Aber den hohen Preis sind viele nicht bereit zu zahlen.

Neu ist außerdem eine Funktion im Windows Defender Security Center. Der sogenannte 'Überwachte Ordnerzugriff' ist per Standardeinstellung abgeschaltet. Vermutlich, um Kompatibilitätsprobleme zu vermeiden. Das Anschauen der Option lohnt sich aber. Wer will, kann den Zugriff auf bestimmte Ordner einschränken und diese schützen. Als Standard werden bei Aktivierung Ordner wie Dokumente, Videos, Bilder oder der Desktop geschützt. Das lässt sich jedoch beliebig erweitern. Wir haben für einen Test aber den Rechner nicht einem Ransomware-Angriff ausgesetzt. Die Funktion ist etwas unangenehm versteckt und es gibt auch keinen Hinweis auf die Neuerung. Sie findet sich unter Viren- und Bedrohungsschutz im Punkt Einstellungen für Viren- und Bedrohungsschutz als vierter Menüpunkt. Hier zeigt sich auch, dass das weite Layout der Systemeinstellungen nicht unbedingt für Übersicht sorgt.

Wenn der Taskmanager den Grafikchip sieht

Überrascht hat uns eine Neuerung im Task Manager. Dieser beherrscht jetzt die Anzeige der Auslastung der GPU in einem System. Das gefällt uns ausgesprochen gut. So lässt sich etwa schnell herausfinden, warum ein Video ruckelt, wenn etwa die Last nicht auf der GPU liegt. Das funktioniert an sich recht gut, hat aber ein paar Eigenarten. Während das Decodieren von Videos unter Video Decode etwa nativ angezeigt wird, wird beim Abspielen via VLC das Ganze unter 3D-Last dargestellt. Wer das nicht weiß, der wundert sich über die Auslastungsergebnisse. Das erstaunt insbesondere dann, wenn nur ein Graph angezeigt wird - statt vier Graphen. Man gewöhnt sich aber daran.

Es fehlt allerdings auch etwas: Im Ressourcen-Monitor finden sich die GPU-Funktionen gar nicht. Normalerweise neigen wir dazu, im Ressourcen-Monitor weitere Details anzuschauen. Mit GPU-Last geht das leider nicht. So ganz zu Ende gedacht wurde die Funktion nicht. Als hoffentlich erste Entwicklung gefällt uns das aber schon sehr gut.

Eine weitere Änderung findet sich im Taschenrechner, der ein paar Konvertierungen mehr beherrscht. Viele Änderungen sind jedoch eher eine Grundlage für die Zukunft oder nicht fertig geworden.

Mixed Reality ist neu und manches hat es nicht ins Fall Creators Update geschafft

Windows 10 1709 bringt eine große Funktion, die zunächst nur als Infrastruktur anzusehen ist: Windows Mixed Reality. Die Headsets sind zwar schon im Handel, doch die Auswahl an Software, vor allem Exklusivtitel oder wirklich anlockende Spiele, ist direkt zum Start gering. Bei Konsolen stellen normalerweise Hardwareentwickler sicher, dass die Softwarebasis zum Start steht. Bei Mixed Reality ist das offenbar anders. In den nächsten Tagen werden wir zu Mixed Reality einen gesonderten Test veröffentlichen und dabei auch die Software betrachten.

Das Potenzial sollte allerdings nicht unterschätzt werden, schließlich hat Microsoft mit der Hololens im Geschäftskundenumfeld bereits eine Lösung etabliert und eine Entwickler-Community gibt es auch schon.

Von Fluent Design ist wenig zu sehen

Ebenfalls noch am Anfang ist die Umstellung auf das Fluent Design System. Damit wird die Oberfläche wieder etwas moderner und weniger steril. Transparenzen kehren wieder zurück. Tatsächlich findet sich kaum etwas davon im Betriebssystem. Die neue Kontakte-App folgt dem Design, ebenso der Taschenrechner. Doch bei Letzterem ist das neue Design mit den Transparenzen auch unter Windows 1703 schon bekannt.

Dass ansonsten noch nicht viel von dem neuen Design zu sehen ist, wundert nicht unbedingt. Microsoft hat das so angekündigt. Zudem wird es nur für UWP-Anwendungen kommen. Ein Mischmasch bleibt also im System in jedem Falle vorhanden. Das Fluent Design System wird derzeit verstärkt in Redstone 4, der nächsten Windows-10-Version, getestet. Wir hoffen ein wenig, dass es Microsoft bis dahin schafft, zumindest die Windows-2000-Reste zu beseitigen und dem neuen Design anzugleichen. Immerhin gelang es Microsoft mit dem Creators Update, eine der letzten unscharfen Anwendungen anzupassen. Jetzt müssen nur noch das alte Design überarbeitet und endlich die Systemsteuerung vereinheitlicht werden.

Vermeintlich streichbare Funktionen

Wer befürchtet, dass mit dem Fall Creators Update auch alte Anwendungen gelöscht werden, den können wir beruhigen. Es gab zwar eine Ankündigung, samt Teilrückzug, aber Paint fand sich auch nach der Aktualisierung noch auf unserem Rechner. Das Programm ist mitunter immer noch praktisch. Wir nutzen es für Screenshots von frischen Rechnern. Das liegt allerdings daran, dass die Screenshot-Funktion von Windows seit jeher nicht die beste ist.

Der Windows Media Player ist auch noch da. Allerdings stellen wir zunehmend fest, wie nutzlos der Player langsam wird. H.265-Dateien kann dieser gar nicht mehr abspielen. Windows 10 mit seiner Filme- und TV-App hingegen schon. Altlasten bleiben also weiter im System. Sie sind als Einzelanwendungen allerdings auch wenig problematisch.

Neu im Bereich Video ist die Unterstützung von HDR und 4K per Netflix. Testen konnten wir das nicht, da unsere Testsysteme nicht die Hardwarevoraussetzungen erfüllen. Machbar ist das ohnehin nur mit einigen Nvidia-Grafikchips. So ein Rechner, in der Tendenz ein Desktop, sollte dann auch noch an einen Fernseher angeschlossen werden, da HDR-Monitore noch recht selten sind. Und wer den Fernseher benutzt, könnte dann ohnehin die Netflix-App des Smart-TV nutzen.

HDR in größerem Umfang bleibt ein Projekt der Zukunft, das erst später sinnvoll getestet werden kann. Das ähnelt dem Mixed-Reality-Ansatz, der letztendlich derzeit durchaus die Schaffung einer Plattform für weitere Entwicklungen darstellt. Nur dass Microsoft hier etwas weiter ist.

Für die Zukunft wurden zudem die Cloud-Zwischenablage und Timeline verschoben. Die wird es wohl erst in einer Version 18xx geben.

Verfügbarkeit und Fazit

Windows 10 Version 1709 ist als kostenloses Update bereits verfügbar. Es wird aber nicht allen Anwendern angeboten, da Microsoft das Update in Schüben verteilen will. Wer die Aktualisierung manuell anstoßen will, der findet bei Microsoft ein kleines Fall-Creators-Update-Update-Programm. Dort finden sich auch die ISO-Images für eine Neuinstallation. Weitere Informationen zum Update finden sich in Microsofts Dokumentation.

Fazit

Ein bisschen langweilig ist es schon, das Fall Creators Update. Viele potenzielle Neuerungen bestehen zunächst nur aus der Schaffung einer Grundlage für weitere Entwicklungen, wie etwa die Mixed-Reality-Unterstützung. Und weil die Release-Zyklen so kurz sind, musste sogar einiges gestrichen werden.

Doch genau dieser Ansatz gefällt uns. Microsoft gibt lieber zu, dass etwas nicht geschafft wurde und verschiebt es kurzerhand. Das ist besser als Apples Ansatz, auf Biegen und Brechen Neuerungen durchzusetzen, denen es dann an Reife mangelt und wo Fehler mittlerweile zum gewohnten Eindruck gehören. Lieber gute Langeweile als fehlerdurchsetzte Spannung.

Trotz wenig spannender Elemente bringt das Fall Creators Update ein paar - zugegebenermaßen sehr kleine - Neuerungen mit sich, die die Installation lohnenswert machen. Die Kontakte-Integration werden vor allem Skype-Nutzer schätzen und für die Techniker ist die GPU-Auslastungsanzeige äußerst interessant. Einen Grund zur Eile gibt es aber nicht.  (ase)


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