Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/gran-turismo-sport-im-test-puristischer-fahrspass-fast-nur-fuer-onlineraser-1710-130707.html    Veröffentlicht: 19.10.2017 15:00    Kurz-URL: https://glm.io/130707

Gran Turismo Sport im Test

Puristischer Fahrspaß - fast nur für Onlineraser

Playstation-4-Besitzer können ab sofort mit Gran Turismo Sport auf die Piste. Die Meinungen über das neue Spiel von Polyphony Digital werden allerdings auseinandergehen: Die inhaltliche Schwerpunktsetzung dürfte nicht allen Spielern zusagen.

Wer sich kurz nach dem Verkaufsstart von Gran Turismo Sport aktuelle Kundenbewertungen in Foren und Shops durchliest, bemerkt zwei Hauptkritikpunkte, die immer wieder geäußert werden. Da ist einerseits der Onlinezwang: Der Großteil des Rennspiels lässt sich nur dann nutzen, wenn die Konsole online ist. Außerdem wird ein kostenpflichtiges PSN-Plus-Abo vorausgesetzt. Ohne dieses können nur wenige Einzelspieleroptionen ausgeführt werden, insbesondere der Arcademodus - ohne Speichermöglichkeit.

Das hatte Sony im Vorfeld zwar angekündigt, das Ausmaß dieser Einschränkung scheint trotzdem viele Käufer überrascht zu haben. Der zweite Kritikpunkt betrifft die inhaltliche Schwerpunktsetzung. Das neue Gran Turismo heißt nicht umsonst Sport und eben nicht Gran Turismo 7. Statt auf ein sehr umfangreiches Rennspielpaket wird hier der Fokus auf Onlinewettbewerbe gesetzt.

Das heißt nicht, dass Solospieler nicht auch ein paar Stunden gut unterhalten werden. Die Fahrschule und ein paar Arcade-Herausforderungen mit Zeit- und Platzierungsrennen sowie Überholaufgaben warten darauf, absolviert zu werden. Allerdings ist der Umfang eingeschränkt. Gerade im direkten Vergleich zu Forza Motorsport 7 (Test auf Golem.de) wirkt Gran Turismo Sport wie eine Light-Version ohne Kampagne.

Auch bei den Strecken und Fahrzeugen bietet die Konkurrenz viel mehr Auswahl. Damit endet die Liste an möglichen Kritikpunkten allerdings noch längst nicht. Dynamisches Wetter? Fehlanzeige. Ein richtiges Schadensmodell? Bei Gran Turismo weiterhin nicht gewünscht - es gibt nach wie vor nur das eingeschränkte des Vorgängers. Belebte Kursumgebungen? Weit und breit ist kaum etwas an Leben auf der Strecke zu entdecken.

Was sich also nach einem enttäuschenden und abgespeckten Paket anhört, kann auf der Strecke trotzdem schnell faszinieren, weil das Fahrgefühl weiterhin eine Klasse für sich ist und die Einstellmöglichkeiten an den Fahrzeugen überzeugen. Gran Turismo gelingt das Kunststück, fordernd zu sein, ohne zu überfordern.

Das Spiel stellt nicht so hohe Anforderungen wie Project Cars 2 (Test auf Golem.de), Anfänger werden trotzdem vor allem zu Beginn auf die zahlreichen Fahrhilfen zurückgreifen müssen. Die Lernkurve ist in Sport aber gnädiger und gibt dem Spieler schnell das Gefühl, nur auf Grund seines Könnens den Wagen geschickt auf der Strecke zu halten und so immer neue Wettbewerbe und Fahrzeuge freizuschalten.

Verfügbarkeit und Fazit

Der Fokus auf Onlinerennen wird sehr konsequent umgesetzt. Private und öffentliche Wettbewerbe sowie zahlreiche Einstellmöglichkeiten von Strecke über Wetter bis Teilnehmeranzahl und Fahrerwertung in den Lobbys sorgen dafür, dass jeder ein bei Fahrverhalten und Können passendes Fahrerumfeld finden sollte und sich so immer neuen Herausforderungen stellen kann.

Auch auf rücksichtsvolles Fahren achtet das Programm: Einleitende Videos wollen den Fahrer zu kollegialem Verhalten aufrufen, zudem fließt das Verhalten in die Wertung ein. Gelegentlicher Ärger über das übertrieben aggressive Fahrverhalten mancher Konkurrenten gehört trotzdem zum Fahralltag - es ist immer wieder frustrierend, eine Kurve perfekt zu nehmen und dann doch kurz vor der Ausfahrt einen Wettbewerber im Heck zu haben.

Zumindest technisch kann der Titel auch dank HDR überzeugen. Die Fahrzeuge sehen großartig aus, Details und Effekte überzeugen, einzig die Umgebung wirkt teils zu leblos und steril. Auch der Motorsound ist stimmig und sorgt für viel Atmosphäre.

Auf der Playstation 4 läuft Gran Turismo Sport mit einer nativen Auflösung von 1080p (1.920 x 1.080 Pixel). Die Playstation 4 Pro berechnet das Bild im 4K-Modus mit einer Auflösung von 1800p (3.200 x 1.800 Pixel), die per Checkerboard-Rendering auf 2160p (3.840 x 2.160 Pixel) hochskaliert werden. Außerdem bietet das Grafikmenü von GT Sport auf der PS4 Pro bei 1080p-Bildausgabe zwei Optionen. Spieler können die Priorität wahlweise auf Bildqualität oder auf eine besonders stabile Bildrate legen.

Grundsätzlich verwenden sowohl die normale Playstation 4 als auch die Pro eine Bildrate von 60 FPS. Nur bei Replays kommen 30 FPS zum Einsatz - außer, wenn auf der PS4 Pro im 1080p-Modus die Priorität auf der Bildrate liegt, dann verwendet Sport auch bei den Wiederholungen die 60 FPS.

Gran Turismo Sport ist für Playstation 4 erhältlich und kostet in der Standard-Version etwa 70 Euro. Das Spiel unterstützt Playstation VR und ist von der USK ohne Alterseinschränkung freigegeben.

Fazit

Gran Turismo Sport polarisiert! Fans der Reihe können sich über eine realistische Fahrzeugphysik, eine tolle Handhabung und die beeindruckende Optik freuen. Wer vor allem solo spielt und Wert auf einen großen Umfang legt, wird mit dem Spiel hingegen wenig anfangen können. Im direkten Vergleich ist etwa ein Forza 7 mit seiner Karriere und dem gigantischen Fahrzeug- und Streckenportfolio deutlich überlegen.

Allerdings war es offenkundig auch nie das Ziel des Entwicklerstudios Polyphony Digital, alle glücklich zu machen, sondern stattdessen vor allem überzeugende Onlineherausforderungen zu bieten, die mit der Zeit dank Updates und neuen Meisterschaften auch immer weiter ausgebaut werden sollen. Wer also vor allem den Wettbewerbsgedanken und den E-Sport liebt und schon früher das ganz besondere Gran-Turismo-Fahrgefühl zu schätzen wusste, wird auch hier begeistert auf die Strecke gehen. Alle anderen warten auf Gran Turismo 7.  (tw)


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