Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/thunderobot-st-plus-im-praxistest-da-gehe-ich-doch-lieber-wieder-draussen-spielen-1710-130589.html    Veröffentlicht: 20.10.2017 12:22    Kurz-URL: https://glm.io/130589

Thunderobot ST-Plus im Praxistest

Da gehe ich doch lieber wieder draußen spielen!

Wir wollten nur eine kleine LAN-Party machen. Doch das Thunderobot-ST-Plus-Notebook hat unser Vorhaben immer wieder sabotiert - mit schlechter Software, dunklem Display und Knarzgehäuse. Dafür hat es unsere Energy Drinks auf Kaffeetemperatur erhitzt.

Los geht es! In meiner kleinen Wohnung stelle ich mit Hilfe meines besten Freundes den Glastisch vom Balkon ins Arbeitszimmer. Davor schieben wir einen ausgeleierten Bürostuhl, den wir im Keller gefunden haben. Die Sitzlehne knirscht und hängt halb locker herunter. Das ist uns egal - an diesem Wochenende geht es nicht um Komfort, sondern ums Spielen. Wir machen eine Mini-LAN-Party über zwei Tage. Es soll wie in alten Zeiten sein und daher packen wir die richtig alten Spieleklassiker aus: Diablo 2 im Koop-Modus, Starcraft: Brood War, Counter Strike 1.6, Unreal Tournament 99, Age of Empires 2 und für uns ganz wichtig: Warcraft 3.

Ganz so wie in alten Zeiten ist es dann doch nicht, denn wir müssen weder schwere Gehäuse noch klobige Röhrenmonitore schleppen. Während mein Kumpel sich an meinen Desktopcomputer setzt, klappe ich mein Testgerät auf, das Thunderobot ST-Plus - ein Gaming-Notebook mit 15,6-Zoll-Bildschirm, beleuchteter Tastatur und 1337-Zylonensymbol auf dem Deckel. Der chinesische Hersteller Qingdao Thunderobot expandiert auf den europäischen Markt und preist sein Gerät als "für Gamer geboren" an. Eine grobe Übertreibung, wie wir im Verlauf des Wochenendes feststellen werden.

Solide Hardware im Knarzgehäuse

Natürlich ist das Notebook nicht vergleichbar mit einem Big Tower und einem 17-Zoll-CRT-Monitor. Klobig und schwer ist es trotzdem, zumindest für ein Produkt aus dem Jahre 2017. Es misst immerhin 37,5 x 26,5 x 3,4 cm und wiegt 2,35 kg. Während die kantige Alien-Raumschiffoptik noch Geschmackssache ist, mutet die Verarbeitungsqualität für ein 1.300-Euro-Produkt nicht außerirdisch, sondern eher unterirdisch an: Die Scharniere knarzen wie eine alte Holztür und überall lässt sich das Kunststoffgehäuse eindrücken. Alles wackelt und hat Spiel wie bei der Karosserie eines alten Trabbis.

Aber, so manches der alten DDR-Autos fährt auch heute noch zuverlässig - vielleicht trifft das auch auf unser Testgerät zu. Die Hardware scheint vielversprechend. Das Gerät hat den Vierkernprozessor Intel Core i7-7700HQ, 16 GByte Arbeitsspeicher und als Grafikkarte eine Nvidia Geforce GTX 1050Ti. Das Betriebssystem Windows 10 Home ist auf einer 120 GByte großen SSD vorinstalliert. Auf die 1-TByte-HDD passen mehr als genug Retro-Spiele. Schließlich ist Age of Empire 2 gerade einmal 800 MByte und Starcraft Brood War 1,2 GByte groß. Mehr Platz braucht da Warcraft 3, ein Ordner, der über so viele LAN-Partys weitervererbt wurde, dass sich eine stattliche Sammlung an Fun-Games angesammelt hat. Diese benötigen immerhin knappe 10 GByte an Speicherplatz.

An der Gehäuseseite befinden sich drei USB-Typ-A-Buchsen, davon zwei mit USB-3.0-Geschwindigkeit. Das genügt für eine Maus, eine Tastatur und den USB-Ventilator im stickigen Zimmer. Doch was ist das? Der USB-Typ-C-Anschluss wirkt an dem dicken Gehäuse schon fast deplatziert. Aber praktisch ist er allemal.

Also holen wir den Fünf-Port-Switch aus dem Schrank und schließen ein Ethernet-Kabel an das Notebook. Früher gab es eben kein WLAN! Es ist gut, dass das Notebook eine entsprechende RJ45-Buchse für Gigabit Ethernet verbaut hat.

Außerdem können wir damit zumindest keine Probleme beim Test auf das Netzwerk schieben. Das Gute am vorinstallierten Windows 10 Home ist, dass das DHCP selbst mit alten Spielen wie Age of Empires und Command and Conquer halbwegs gut funktioniert. Statische IP-Adressen zu verteilen, ist eine der ersten Aufgaben auf LAN-Partys gewesen - heute funktioniert das zum Glück besser. Allerdings plagen uns ganz andere Probleme.

Notebook inklusive Heizung

Schwierigkeiten hat das Notebook bereits nach drei Stunden Spielen mehr als genug. Das merken wir daran, dass sich unsere Flasche mit dem Energy Drink auf die Temperatur eines frisch gebrühten Kaffees erwärmt hat. Wir hätten wissen müssen, dass sie direkt an den Lüfterausgängen ungünstig steht, der Rechner heizt sich schließlich bereits im Leerlauf spürbar auf. Zwar messe ich mit dem Tool Hwinfo maximal 57 Grad ohne Belastung und damit einen recht niedrigen Wert, allerdings strahlt die Abwärme ohne großen Widerstand durch das dünne und billig wirkende Kunststoffgehäuse.

Das ist zunächst schön warm an den Händen. Unangenehm heiß wird es schnell, wenn wir Spiele im Dauerlauf spielen. Heiße Luft wird ausgerechnet an der rechten Seite des Gehäuses herausgeblasen - direkt auf die Maushand. Die interne Temperatur steigt auf dauerhaft etwa 78 Grad Celsius an. Die CPU erreicht sogar bis zu mollig warmen 94 Grad, die Finger bekommen je nach Abstand 50 bis 60 Grad warme Luft zu spüren.

Immerhin bleibt es auf diese Weise im Zimmer schön warm, ganz ohne Heizung und Sonnenlicht in unserer Zockerkammer. Wenn schon spielen, dann richtig! Also ziehen wir die schwarzen Rollos herunter, bis einzig das Licht unserer Monitore das angespannte Gesicht erhellt.

Erhellt ist allerdings beim ST-Plus etwas übertrieben ausgedrückt. Der Full-HD-Bildschirm ist mit durchschnittlich 226,4 Candela pro Quadratmeter so dunkel, dass ich die Dämonen in der kalten Ebene und Bots auf Facing Worlds kaum erkennen kann. Es ist außerdem ratsam, direkt vor dem Notebook zu sitzen, da das Display nicht sehr blickwinkelstabil ist. Heroes of Might and Magic 3 im Hot-Seat-Modus zu spielen, ist also keine gute Idee. Ich kann im Mehrspieler-Modus aber unfair gewinnen und meinen Gegner im Dunkeln tappen lassen, indem ich ihn möglichst weit seitlich auf den Bildschirm schauen lasse - eine geniale Strategie!

Der Kopfhörerausgang bohrt sich geschmeidig in die rechte Hand

Gut ist also, dass das Notebook gleich drei Bildschirmausgänge an der linken Seite des Gehäuses hat. Über zwei Mini-Displayport-Buchsen und einen HDMI-Anschluss lassen sich wenigstens vernünftige Monitore anschließen. Zwar passt dort der alte Röhrenmonitor für das perfekte Retro-Feeling nicht mehr dran, aber sich darüber aufzuregen, wäre wohl übertrieben. Vor allem, wenn es noch so viele andere Punkte gibt, bei denen Kritik wirklich angebracht ist.

Es ist schön, dass das Notebook sowohl einen Mikrofoneingang als auch eine Audiobuchse für mein Gaming-Headset hat. Wenn sich besagtes Headset aber dann in die Handfläche bohrt, wenn ich mich in Counter Strike 1.6 ruckartig umsehe, dann ist das unangenehm. Das liegt daran, dass Thunderobot die zwei Buchsen ausgerechnet an der unteren rechten Seite des Gehäuses angebracht hat. Zumindest Linkshänder können damit klarkommen, vorausgesetzt sie stecken keine Kabel auf der linken Seite ein.

Musik aus dem Toaster trifft auf übertriebenen Soundtreiber

Ich würde wirklich gern auf ein Headset verzichten, allein um die Handfläche vor den herausragenden Klinkensteckern zu schützen, aber leider sind die eingebauten Lautsprecher viel zu leise. Weder das laute Knallen der Flak-Cannon in Unreal Tournament noch der martialische Ausspruch in tiefer Stimme "Godlike!" aus demselben Titel hören sich ausreichend gut an - von komplexer elektronischer Ambiente-Musik nach einer Partie Age of Empires gegen sechs Computergegner mal ganz abgesehen.

Natürlich ist auch das Thunderobot ST Plus nur ein Notebook und da kann einfach kein exklusiv guter Sound erwartet werden. Doch stellt sich dann die Frage, warum der vorinstallierte Soundtreiber und dessen Effektsoftware für dieses System absolut übertrieben sind. Dort können wir Höhen, Mitten und Bässe nach Belieben einstellen, Effekte und Hall über die Ausgabe legen oder ein komplettes Surround-System simulieren. All das hat bei den zwei kleinen Lautsprechern an der vorderen Unterseite des Notebooks kaum einen Effekt. Alles klingt wie aus einem großen (und warmen) Toaster. Einzig die Vibration, die durch das dünne Kunstoffgehäuse rappelt, fühlt sich angenehm an am Handballen. Wer braucht da noch einen Spielcontroller mit Vibrationsfeedback?

Die Software ist wirklich umfangreich und das gefällt uns. Mit einer entsprechenden Anlage sind damit sehr schöne Klangumgebungen erstellbar. Wenn wir den Sound über den HDMI-Ausgang leiten, dann stört nicht einmal das Kabel. Das bringt uns und unsere Mini-LAN-Party aber auch nicht weiter, es sei denn, ich möchte jedes Mal hören, wie ich in Age of Empires 1 mit Priestern eine ganze Armee bekehre - ein einziges nerviges "Wololooo", dafür in 5.1-Super-Surround-Sound!

Tastatur und der Akku - Ich spüre noch Gutes in dir, Vater

Bei all den ärgerlichen Makeln, die das Thunderobot ST-Plus bereits nach zwei Tagen spielen aufweist, gibt es auch ein paar gute Punkte. Die Tastatur des Notebooks ist schön groß. Ich habe nie versehentlich statt nachzuladen die Benutzen-Taste-gedrückt. Der Anschlagspunkt der Tasten ist relativ weich, so dass auch rasches und notorisches Q-Drücken für den schnellen Waffenwechsel in Counter Strike kein Problem ist.

Sehr gelungen finden wir die Beleuchtung der Tastenkappen. Diese sind an den Seiten transparent und im Dunkeln gut zu erkennen. Das ist auch wichtig, denn im dunklen Zimmer könnten wir ohne Beleuchtung doch keine wertvollen Textnachrichten mit unseren Gegnern wie "GG", "HFGL" oder "EZ" schreiben.

Makros, RGB und Übersetzungsfehler

In der mitgelieferten Software lässt sich die Tastatur mit beliebigen Makros belegen. Auch die Beleuchtung können wir - wie echte Progamer - beliebig anpassen. Allerdings lassen sich nur drei Bereiche der Tastatur einstellen. Auch bei der Übersetzung der Software muss Thunderobot noch einmal nachsetzen: Die "Helligkeits" "einstelle" verstehen wir zwar, ein kleines Lachen konnten wir uns dabei trotzdem nicht verkneifen.

Das Touchpad finden wir ebenfalls gelungen. Die Tasten sind gut erreichbar und die Eingabefläche ist ausreichend groß. Allerdings werden wohl wenige Spieler ein Touchpad verwenden, um in Starcraft eine Gruppe Zerglinge von A nach B zu schicken. Deshalb lässt es sich per Taste auch einfach abschalten - sehr schön.

Zum Arbeiten hingegen ist es nützlich, vor allem, da ausgerechnet der Akku des Notebooks für diese Geräteklasse ungewöhnlich ausdauernd ist. Wir kommen im Pcmark 8 mit der Voreinstellung Home Conventional bei einer Displayhelligkeit von 200 cd/m2 auf immerhin 3 Stunden und 25 Minuten Laufzeit. Zum Vergleich: das Dell XPS 13 kommt im gleichen Benchmark, aber 150 cd/m2 Helligkeit, auf 4 Stunden und 53 Minuten.

Gute Leistung in den meisten Spielen

In Spielen kann das Notebook meistens überzeugen. Natürlich sind unsere Retro-Spiele wie Warcraft 3, Starcraft und Unreal Tournament 99 keine Herausforderung für die Vierkern-CPU und die GTX 1050Ti. Daher packen wir auch ein paar grafisch anspruchsvollere Titel auf die Festplatte.

Counter Strike: Global Offensive läuft auf dem Notebook mit durchschnittlichen 95 Frames pro Sekunde bei nativer Full-HD-Auflösung und allen Details auf der höchsten Voreinstellung. Auch eine Runde Borderlands 2 geht immer: Auf hohen Details sinkt die Framerate, gerade wenn viele Projektile durch die Luft sausen, auch schon einmal auf knapp 50 Frames pro Sekunde herunter. Da hilft nur, die Grafik etwas herunterzusetzen.

In Diablo 3 schlagen wir uns zu zweit durch fiese Dämonen und Skelette - mit einer überraschend hohen Bildrate von 90 Bildern pro Sekunde im Durchschnitt. Allerdings fällt das System öfter bis auf immer noch gute 63 Frames herab. Das passiert, wenn besonders viele Schergen auf einmal angezeigt werden oder gleichzeitig explodieren. Gerade das ist in Diablo 3 keine Seltenheit.

Im Echtzeitstrategiespiel Starcraft 2 sind Einbrüche der Bildrate weniger präsent. Das Spiel kommt mit allen Details auch auf knapp 99 Frames pro Sekunde. Unsere 200 Space-Marines laufen also weitgehend ruckelfrei über den Bildschirm - und so viele Effekte!

Es sind wirklich nicht die Bildraten, die mich immer wieder für einen Augenblick aufschreien lassen. Das Problem ist eindeutig die Software auf dem Notebook. Gerade in Blizzard-Titeln fällt auf, dass in regelmäßigen und sehr kurzen Abständen immer wieder Nachrichten wie "Touchpad Off" oder "Numpad On" eingeblendet werden. Das erste Mal ist das hilfreich, das hundertste Mal treibt mir die Haare vom Kopf.

Dabei wollten wir doch nur eine Retro-LAN-Party machen. Das nächste Mal gehen wir lieber einfach Fußball spielen.

Verfügbarkeit und Fazit

Qingdao Thunderobot positioniert sein ST-Plus-Notebook preislich direkt neben Konkurrenzprodukten von Asus, HP und Acer - bereits etablierten Marken auf dem Markt für Gaming-Notebooks. Rund 1.300 Euro kostet das Gerät hierzulande - ein durchschnittlicher Preis für ein Gerät mit GTX 1050ti und Vierkern-Core-i7-Prozessor.

Fazit

Es sind die groben Mängel in der Verarbeitung des Thunderobot ST-Plus und fragwürdige Designentscheidungen, die uns den Spaß an unserer Mini-LAN verdorben haben. Dabei geht die Leistung bei älteren Spielen in Ordnung. Ob CS:GO, Borderlands 2, Overwatch, Diablo 3 oder Starcraft 2 - die GTX 1050Ti und der Intel Core i7-7700HQ des Spielenotebooks beschleunigen sie selbst auf hohen Details über 60 Bilder pro Sekunde.

Auch die drei USB-A-Buchsen, zwei Minidisplayport-Anschlüsse und ein USB-Typ-C-Port reichen für viel Gaming-Peripherie aus. Die Tastatur gefällt uns ebenfalls. Sie lässt sich per Software mit Makros belegen und unterschiedlich beleuchten.

Funktional ist das Notebook allemal - auf dieselbe Art wie ein Trabant 601 aus der DDR. Beide Produkte bieten nahezu keinen Komfort und sind schlecht verarbeitet. Bei unserem Notebook lässt sich an allen Stellen das Kunstoffgehäuse eindrücken. Die Scharniere knarzen und krachen laut. Der Bildschirm ist weder blickwinkelstabil noch sonderlich hell.

Unter Last ist das Notebook durch die schnell drehenden Lüfter sehr laut und trotzdem pustet heiße Luft direkt auf die Maushand während sich gleichzeitig das angeschlossene Headset in den Unterarm bohrt.

1.300 Euro sind für ähnlich ausgestattete, aber besser verarbeitete und besser durchdachte Produkte von HP und Asus mit Sicherheit besser angelegt - oder für einen Trabant 601.  (on)


Verwandte Artikel:
Lenovo Ideapad 720S im Test: AMDs Ryzen Mobile gegen Intels Kaby Lake R   
(08.03.2018, https://glm.io/132924 )
Asus Rog GL503 und GL703: Auf 15 und 17 Zoll für vergleichsweise wenig Geld spielen   
(19.10.2017, https://glm.io/130708 )
Inspiron 17 (5775): Dell hat günstiges 17-Zoll-Notebook mit Ryzen   
(05.03.2018, https://glm.io/133140 )
Matebook X Pro im Hands on: Huaweis Notebook kommt mit Nvidia-Grafikkarte   
(25.02.2018, https://glm.io/132978 )
Lexip: Joystick, Analogstick und Gamingmaus in einem   
(06.03.2018, https://glm.io/133163 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/