Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/neuer-kindle-oasis-im-hands-on-amazons-grosser-e-book-reader-ist-wasserdicht-1710-130554.html    Veröffentlicht: 11.10.2017 15:00    Kurz-URL: https://glm.io/130554

Neuer Kindle Oasis im Hands on

Amazons großer E-Book-Reader ist wasserdicht

Amazon legt den E-Book-Reader Kindle Oasis neu auf: Endlich gibt es ein wasserdichtes Gehäuse und ein größeres Display. Beim ersten Ausprobieren macht der neue E-Book-Reader auch durch die neue Audible-Integration einen guten Eindruck.

Auf den ersten Blick sehen der alte und der neue Kindle Oasis ähnlich aus. Dabei hat Amazon viel an dem E-Book-Reader verändert. Das Display wurde vergrößert und es ist der erste E-Book-Reader von Amazon mit einem wasserdichten Gehäuse. Das bisherige Oasis-Konzept der andockbaren Akkuhülle wurde aufgegeben, der E-Book-Reader hat jetzt einen Akku, der für die Anforderungen des Geräts ausreichend dimensioniert ist.

Aus dem 6 Zoll großen Display des alten Kindle Oasis ist ein 7 Zoll großes Modell geworden. Weiterhin gibt es ein mattes 300-dpi-E-Paper-Display, so dass Texte klar und gut erkennbar dargestellt werden. Mit dem größeren Display will Amazon erreichen, dass seltener umgeblättert werden muss. Das bewirkt eine längere Akkulaufzeit. Denn auf einem größeren Display kann mehr Text dargestellt werden und das Umblättern kostet bei einem E-Paper-Display Strom. Außerdem verspricht der Hersteller einen schnelleren Seitenwechsel.

Bessere Displayausleuchtung

Das gilt aber nur, wenn keine Displaybeleuchtung verwendet wird. Bei schlechten Lichtverhältnissen ist das Lesen mit Hintergrundbeleuchtung deutlich angenehmer. Die E-Paper-Technik ist die gleiche wie beim alten Kindle Oasis, so dass sich Inhalte noch immer gut ablesen lassen - auch bei bewölktem Himmel.

Aufgrund des größeren Displays wurde die Menge der Hintergrund-LEDs erhöht; statt bisher 10 sind nun 12 solcher LEDs eingebaut. Amazon verspricht eine gleichmäßige Ausleuchtung des Displays, beim ersten Ausprobieren waren keine Lichthöfe zu erkennen.

Amazons größter E-Book-Reader

Mit einer Höhe von 159 mm und einer Breite von 141 mm ist das neue Modell deutlich größer geworden. Das Vorgängermodell war 143 mm hoch und 122 mm breit. Hier macht sich das vergrößerte Display direkt bemerkbar, zumal der dicke Rand an der einen Seite geblieben ist. In diesem befinden sich wieder echte Knöpfe zum Umblättern am Gerät. Das erleichtert das Lesen, weil der Nutzer nicht groß nach den Blättertasten suchen muss.

Mit einer neuen Einstelloption will Amazon das Lesen von Texten komfortabler machen. Erstmals kann die Dicke der Buchstaben vom Anwender angepasst werden. Die Textgröße und der Font lassen sich schon länger modifizieren, aber dieser Aspekt ließ sich bisher nicht einstellen. Diese Neuerung soll in den nächsten Tagen als kostenloses Update auch für andere Kindle-Modelle erscheinen. Zudem gibt es nun die Möglichkeit, bei Bedarf weißen Text auf schwarzem Hintergrund anzuzeigen.

An der dünnsten Stelle ist auch das neue Modell gerade mal 3,4 mm dünn und an der dicksten sind es 8,3 mm. Der dickere Buckel des Vorgängermodells ist geblieben. Das führt zu einer angenehmen Gewichtsverteilung, weil der Nutzer das höhere Gewicht in der Handfläche hat und das Gerät damit leichter wirkt, als die Werte auf der Waage suggerieren. Das Gerät wiegt 194 Gramm, wirkt aber beim ersten Ausprobieren leichter.

Der neue Kindle Oasis ist der erste Amazon-Reader, der wasserdicht ist.

Kindle Oasis mit wasserdichtem Gehäuse

Der Kindle Oasis ist Amazons erster E-Book-Reader, der in einem wasserdichten Gehäuse steckt. Zur Vorstellung des Kindle Oasis wurde vielfach kritisiert, dass ein wasserdichtes Gehäuse fehle. Dies holt Amazon jetzt nach.

Das Gehäuse mit Aluminiumrückseite ist nach IPX8 zertifiziert und soll mühelos einen Sturz in die Badewanne oder einen See überstehen. Bis zu einer Stunde kann das Gerät in einer Wassertiefe von zwei Metern verwendet werden, ohne dass es Schaden nimmt, verspricht Amazon. Mittels der Blättertasten kann auch mit nassen Händen auf dem Gerät geblättert werden.

Vom bisherigen Kindle Oasis wird der Lagesensor übernommen, der das Display passend ausrichtet, egal ob sich die Blättertasten auf der linken oder rechten Seite befinden. Das Drehen des Lagesensors fanden wir beim Vorgängermodell prinzipiell praktisch, hätten die Automatik aber lieber abgeschaltet, um ein ungewolltes Drehen zu verhindern. Zumal das Drehen des Displays mit einer höheren Akkubelastung einhergeht, weil der Bildschirm immer neu aufgebaut wird.

Verbessertes Akkukonzept

Ein Kritikpunkt am ersten Kindle Oasis war der eingebaute Akku, der mit einer Kapazität von 245 mAh viel zu klein ausgefallen ist. Amazon war das bewusst und hat den E-Book-Reader gleich mit einer passenden Akkuhülle ausgeliefert. Mit der 1.290-mAh-Akkuhülle war die Akkulaufzeit angemessen, aber ohne Hülle fiel sie zu kurz aus. Allerdings war der E-Book-Reader mit der Akkuhülle auch nicht mehr besonders dünn. Das ändert sich mit dem neuen Kindle Oasis.

Das neue Modell verzichtet ganz auf eine Akkuhülle, im Gerät steckt jetzt ein 1.000-mAh-Akku. Damit hat der Kindle Oasis weniger Reserven als der Kindle Voyage, der einen 1.320-mAh-Akku besitzt. Aber auch das neue Modell sollte damit einen mehrwöchigen Einsatz ohne Nachladen durchstehen. Amazon selbst verspricht für den neuen Kindle Oasis eine Akkulaufzeit von sechs Wochen.

In der Praxis werden es aber wohl eher drei bis vier Wochen sein. Denn Amazons Zahlen gehen davon aus, dass täglich nur eine halbe Stunde gelesen wird. Wer sich für einen Oberklasse-E-Book-Reader entscheidet, wird diesen aber wohl eher intensiver nutzen. Das verkürzt die nutzbare Einsatzzeit entsprechend, wenn pro Tag auch mal zwei oder drei Stunden damit gelesen wird. Allerdings sollte die Akkulaufzeit nicht so dramatisch kurz ausfallen wie beim ersten Kindle Oasis ohne Akkuhülle.

Falls der Akku leer ist, kann es hilfreich sein, dass der neue Kindle Oasis eine Schnellladetechnik unterstützt. In zwei Stunden soll der Akku komplett geladen sein.

Abseits von der Hardware bringt der neue E-Book-Reader auch einige Software-Neuerungen.

Audible Integration ist neu

Der Kindle-Oasis unterstützt als weitere Neuerung die von der Kindle-App bereits bekannte Audible-Integration. Dazu wurde der E-Book-Reader mit Bluetooth-Technik ausgestattet, um zumindest drahtlos entsprechende Kopfhörer oder Lautsprecher ansprechen zu können. Auf eine normale 3,5-mm-Klinkenbuchse wurde leider komplett verzichtet. Wer also keine passenden Bluetooth-Geräte hat, kann die Audible-Funktion nicht nutzen.

Die Audible-Integration richtet sich vor allem an Nutzer von Kindle Umlimited. In der E-Book-Fatrate sind auch Hörbücher enthalten. Und wenn von einem E-Book auch das passende Hörbuch Bestandteil der Lese-Flatrate ist, kann der Nutzer bequem zwischen diesen wechseln. Auf dem Kindle-Hauptbildschirm zeigt ein kleines Symbol, wenn zu einem E-Book auch das passende Hörbuch auf das Gerät heruntergeladen wurde.

Als Szenario nennt Amazon, dass jemand im Zug ein E-Book liest und dann einen längeren Fußmarsch vor sich hat. Dabei kann er das Hörbuch hören, das an der Stelle fortgesetzt wird, wo das E-Book unterbrochen wurde. Wenn dann wieder im E-Book gelesen wird, geht es an der Stelle weiter, an der das Hörbuch unterbrochen wurde. Auf Rückfrage von Golem.de versicherte Amazon, dass dafür keine Internetverbindung erforderlich ist. E-Book und Hörbuch müssen allerdings beide auf dem Gerät vorhanden sein.

Abgestimmt auf die Nutzung von Amazon-Inhalten

Am Kindle Oasis gibt es keine Lautstärkeknöpfe, so dass die Regulierung nur über den Touchscreen möglich ist. Hier sollten Nutzer die maximale Lautstärke einstellen und die Feinjustage dann am Bluetooth-Headset oder -Lautsprecher vornehmen. Die neue Audible-Funkion soll in den kommenden Monaten als Software-Update für den ersten Kindle Oasis sowie den Kindle der achten Generation erscheinen.

Wie bei den Kindle-E-Book-Readern üblich, ist auch der neue Kindle Oasis vor allem auf die Nutzung von Amazons E-Books optimiert. Mit Hilfsmitteln können zwar auch andere E-Book-Formate auf dem Reader verwendet werden, aber der Nutzungskomfort ist nicht so angenehm wie bei den E-Books aus Amazons Ökosystem.

Verfügbarkeit

Der neue Kindle Oasis kann ab sofort vorbestellt werden, die Auslieferung soll am 31. Oktober 2017 erfolgen. Das Basismodell mit 8 GByte Flash-Speicher kostet 230 Euro. Für 260 Euro gibt es den Kindle Oasis mit 32 GByte Flash-Speicher. Das 32-GByte-Modell gibt es zudem als 3G-Modell für 320 Euro. Damit kann der Nutzer weltweit unterwegs auf E-Books und Hörbücher in Amazons Onlineshop zugreifen, ohne das weitere Kosten entstehen. Das Modell mit 32 GByte ist für Nutzer interessant, die intensiv die Hörbuch-Funktionen nutzen wollen und daher mehr Speicherplatz benötigen. Einen Steckplatz für Speicherkarten gibt es am Kindle Oasis nicht.

Für den neuen Kindle Oasis gibt es passende Hüllen als Zubehör. Ein Akku ist in diesen aber generell nicht mehr enthalten. Sobald die Hülle das Display verdeckt, die Hülle also zugeklappt ist, wird der Ruhemodus des Geräts aktiviert. Umgekehrt werden der Ruhemodus beendet und das Display aktiviert, sobald die Hülle aufgeklappt wird. Die Hüllen verfügen über einen Standmechanismus, um den E-Book-Reader aufstellen zu können. Die Hüllen aus Stoff kosten 45 Euro, für Lederhüllen verlangt Amazon 60 Euro.

Fazit

Mit dem neuen Kindle Oasis reagiert Amazon auf viele Kritikpunkte am Vorgängermodell und macht es ein ganzes Stück besser. Das neue Modell steckt endlich in einem wasserdichten Gehäuse, ein Sturz in die Badewanne oder Wasserspritzer am Strand sollten dem Gerät jetzt nichts mehr anhaben.

Das Konzept des andockbaren Akkus wird aufgegeben. Die Akkulaufzeit des ersten Kindle Oasis war ohne Akkuhülle deutlich zu kurz. Nun steckt ein normal dimensionierter Akku für einen E-Book-Reader im Gerät, so dass eine angemessene Akkulaufzeit zu erwarten ist.

Mit einer Vergrößerung des Displays steht nun mehr Platz für die Inhalte zur Verfügung, das führt aber auch zu mehr Platzbedarf in der Tasche. Der Haltebereich mit den Drucktasten ist geblieben, das Blättern ist also weiterhin blind möglich, das ist sehr praktisch.

Die Audible-Integration kann in der Praxis eine nützliche Funktion sein. Unverständlich ist dabei allerdings der Verzicht auf eine klassische Klinkenbuchse, so dass Besitzer des Kindle Oasis in jedem Fall ein Bluetooth-Headset benötigen, um dem Hörbuch etwa beim Laufen weiter lauschen zu können.  (ip)


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