Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/wiper-premium-j-xk-maehroboter-mit-persoenlichkeitsstoerung-1710-130396.html    Veröffentlicht: 24.10.2017 09:00    Kurz-URL: https://glm.io/130396

Wiper Premium J XK

Mähroboter mit Persönlichkeitsstörung

Unser Mähroboter Wiper Premium J XK ist leider eine Diva, die man nicht allein lassen kann. Das Gerät macht mit theatralischen Fehlern immer wieder auf sich aufmerksam, wird mit den Wochen immer zickiger und kommt nicht aus dem Bett.

Mähroboter erleichtern einem die Gartenarbeit erheblich. Der Einsatz von Geräten mit Begrenzungsdraht verlangt viel Vorarbeiten. Wir gingen mit hohen Erwartungen an den Test, doch es kam anders als gedacht. Diesmal haben wir ein Premium-Gerät, den Mähroboter Wiper Premium J XK, der mit neuer Software für einen Preis von 1.700 Euro im Handel erhältlich ist, über drei Monate ausgiebig getestet. Der Roboter braucht zur Erkennung der Rasenfläche einen Draht, der an die Ladestation angeschlossen wird. Den Draht ließen wir diesmal von Experten mit einer Drahtverlegemaschine ausrollen. Das Team erledigte das Verlegen sehr schnell; wir schaffen es wieder, den Draht bei Gartenarbeiten versehentlich zu durchtrennen, weshalb nachgebessert werden musste. Beide Rasenflächen auf unserem Testgelände wurden umrundet und verbunden, so dass ein geschlossener doppelter Kreis entstand. Das Testgelände ist ein Grundstück, das durch die Bebauung in eine größere und eine kleinere Rasenfläche zum Bearbeiten geteilt ist.

Der Wiper Premium J XK arbeitet gefühlt etwas lauter als die beiden Vorgängertestgeräte, der Wiper C-Linie XK und der Wiper Blitz 2.0, aber der Premium war dennoch so leise, dass auch sensible Nachbarn am Wochenende den Betrieb nicht bemerkten. Laut Hersteller werden maximal 72 bis 65 dB(A) erreicht.

Persönlichkeitsstörung: Roboter will zu viel Zuwendung

Doch trotz Premiumklasse und Experten verlief dieser Test gar nicht zufriedenstellend. Der Rasenmähroboter fuhr sich immer wieder in Ecken fest und die Räder gruben sich dort tief im Rasen ein, was hässliche Schäden anrichtete. Selbst nachdem der Draht an einer Ecke von den Experten neu verlegt wurde, traten die Probleme gleich daneben erneut auf.

Täglich außer sonntags sollte er um 8:30 Uhr und dann noch einmal um 16:30 Uhr beginnen, seine Runden zu drehen. Im gesamten Testzeitraum verging selten ein Einsatz ohne Störungen, so dass fast immer ein Eingreifen nötig war. Ständig fuhr sich der Roboter in immer neuen Ecken fest. Wir mussten ihn dann anheben, stoppen und neu starten.

Einige Male verließ der Roboter sogar den Rasen, wir fanden ihn verstört piepsend auf dem Weg wieder. Auf einer unbewachsenen Fläche unter einem kleinen Spielhaus fuhr sich der Wiper immer wieder vollständig fest. Wir haben hier alle verfügbaren Blumentöpfe und Kästen als Barriere zusammengetragen, um ihn aufzuhalten. An anderen Problemstellen legten wir große Steine aus.

In den letzten Testwochen wollte der Wiper Premium J XK nicht mehr selbstständig starten. Wir mussten den Startbutton drücken, dann ging es meist los. An feuchten und nebligen Tagen wollte er wegen Regen nicht aus der Ladestation ausrollen. Wir haben den Regensensor dann ganz ausgeschaltet und lösten so das Problem, wenn auch nicht immer. Der Mäher zeigte immer "Keine Ladung" an, auch wenn die Lithium-Akkus nach einer langen Nacht am Netz voll waren.

Über ein autonom arbeitendes System kann sich der Nutzer hier wirklich nicht freuen, unser Wiper Premium J XK war mehr ein Tamagotchi, das viel Zuwendung brauchte. Experten sprechen hier von einer Persönlichkeitsstörung, gekennzeichnet durch egozentrisches und theatralisches Verhalten.

Wiper Premium J XK: tolle Ausstattung

Wenn sich der Wiper Premium J XK einmal nicht festfuhr oder wir ihn nach einer Panne neu starteten, mähte er immerhin selbst schwieriges, enges Gelände fehlerfrei. Der kräftige Mähmotor mit seinem Carbon-Rotor glättete ohne Probleme auch große Maulwurfshügel.

Der fest im Garten installierte Roboter überstand alle Starkregen des Sommers 2017. Zum Regensensor kommen bei dem Roboter ein Kipp- und ein Hebesensor.

Technische Daten

Die Schnittbreite beträgt 25 cm, die Schnitthöhe lag bei 35 bis 65 mm. Das Messer ist höhenverstellbar. Die maximale Steigfähigkeit liegt laut Herstellerangaben bei 55 Prozent. Die Messerdrehzahl beträgt 3.300 bis 3.600 Umdrehungen pro Minute, die Fahrgeschwindigkeit 30 Meter pro Minute. Eine Selbstprogrammierung für Kanten ist möglich, wir haben sie aber wegen der vielen Pannen nicht ausprobieren können.

Der Wiper Premium J XK bietet einen PIN-Code als Diebstahlsicherung. Das Gewicht beträgt 11,3 kg. Auf unserem Testgelände ohne Steigungen mit rund 350 m² war der für eine Rasengröße von 1.200 m² empfohlene Mäher deutlich unterfordert.

Der Wiper Premium J XK ist im Onlinehandel seit Jahren verfügbar. Er bekam im Jahr 2017 eine neue verbesserte Software. Zweite-Wahl-Geräte sind ab 1.400 Euro zu haben. Für 1.535 bis 1.700 Euro ist der Roboter regulär im Handel erhältlich.

Fazit

Wiper Premium J XK war einfach ein nerviger Gartenarbeiter, den wir nicht empfehlen können. Der Versender Rumsauer, der uns den Roboter zur Verfügung stellte, vermutete nach dem Test, dass das Gerät ein Problem mit einem der Sensoren haben könnte. Möglich ist, dass der Sensor, der den Draht erkennt, nicht richtig gearbeitet hat. Wir werden daher im Frühjahr 2018 einen Nachtest machen.  (asa)


Verwandte Artikel:
Wiper Blitz 2.0 im Test: Kein spießiges Rasenmähen mehr am Samstag (Teil 2)   
(18.08.2016, https://glm.io/122442 )
Bilderkennung: Roboter löst Rubik's Cube in 380 Millisekunden   
(08.03.2018, https://glm.io/133228 )
Wintersport: Roboter Curly spielt Curling   
(08.03.2018, https://glm.io/133219 )
Flippy: US-Fast-Food-Kette setzt Roboter zum Burgerwenden ein   
(06.03.2018, https://glm.io/133161 )
Autosaw: Roboter helfen beim Möbelbauen   
(28.02.2018, https://glm.io/133060 )

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/