Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/lebenslauf-geschoent-afd-landesvorsitzender-taeuscht-informatikstudium-vor-1709-130334.html    Veröffentlicht: 28.09.2017 15:23    Kurz-URL: https://glm.io/130334

Lebenslauf geschönt

AfD-Landesvorsitzender täuscht Informatikstudium vor

Bei der AfD finden sich wenige Abgeordnete mit IT-Bezug. Beim Landesvorsitzenden von Brandenburg hat es ein angebliches Informatikstudium offenbar nie gegeben. Immerhin will er einmal an der FH gewesen sein.

Der AfD-Landesvorsitzende von Brandenburg, Andreas Kalbitz, hat ein angebliches Informatikstudium nie absolviert. Wie die Märkische Allgemeine Zeitung berichtete (Paywall), war der 45 Jahre alte frühere Fallschirmjäger zwar an der Fachhochschule Brandenburg/Havel eingeschrieben, doch soll er dort weder Informatik noch irgendetwas anderes studiert haben. In seinem Lebenslauf auf den Seiten des Brandenburger Landtags findet sich aber weiterhin die Angabe: "2008 Studium der Informatik an der FH Brandenburg".

Dem Bericht zufolge war Kalbitz zwischen 2005 und 2007 an der Fachhochschule Brandenburg (FHB) eingeschrieben. Da er in dem Zeitraum keine einzige Prüfung abgelegt habe, sei er am 17. Juli 2007 nach vier Semestern des Nichtstudierens exmatrikuliert worden.

Kalbitz bestätigte den Bericht. "Ich habe zwar nie wirklich studiert, war aber mal dort und habe auch mit einer Professorin gesprochen", sagte er der Märkischen Allgemeinen Zeitung. An Namen von Professoren und Dozenten der Fachhochschule könne er sich nicht erinnern. Selbst das genaue Jahr, in dem er an der FHB eingeschrieben gewesen sei, könne er nicht nennen. "Und ich habe nie behauptet, dass ich das Studium beendet hätte und das ergibt sich auch aus dem Zeitablauf meines Lebenslaufes", sagte er weiter.

IT-Consultant für Autokonzerne

Dem Lebenslauf zufolge machte er von 2008 bis 2009 eine Ausbildung zum Medienkaufmann. Bis 2013 war er anschließend Geschäftsführer bei einem Hörbuchverlag. Danach arbeitete er selbstständig als "IT-Consultant/ -Technik". Er habe zuletzt für Mercedes, BMW und andere große Unternehmen gearbeitet, sagte er der Zeitung.

Warum er sich an der Fachhochschule überhaupt eingeschrieben hatte, bleibt unklar. Nicht einmal das günstige Semesterticket will er benötigt haben, da er sich nach seiner zwölfjährigen Dienstzeit als Fallschirmjäger bei der Bundeswehr in der Berufsförderzeit befunden habe.

Dass die AfD Politiker mit netzpolitischer Kompetenz gut gebrauchen könnte, steht außer Frage. Im Programm zur Bundestagswahl fanden sich dazu nur sehr wenige Punkte. Wer die Themen im neuen Bundestag vertritt, ist derzeit noch unklar. Kalbitz wird es auf jeden Fall nicht können, da er nicht für den Bundestag kandidiert hatte.  (fg)


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