Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/sony-xperia-xz1-compact-im-test-alternativlos-fuer-freunde-kleiner-smartphones-1710-130306.html    Veröffentlicht: 02.10.2017 12:02    Kurz-URL: https://glm.io/130306

Sony Xperia XZ1 Compact im Test

Alternativlos für Freunde kleiner Smartphones

Mit dem Xperia XZ1 Compact hat Sony sich auf den Ursprung seiner Kompaktreihe zurückbesonnen: Das Smartphone ist wie sein Vorgänger klein, spart diesmal aber nicht bei der Hardware. Richtige Alternativen in dieser Größe gibt es im Top-Bereich bei Android nicht.

Mit dem Xperia XZ1 Compact hat Sony sich auf den Ursprung seiner Kompaktreihe zurückbesonnen: Das Smartphone ist wie sein Vorgänger klein, spart diesmal aber nicht bei der Hardware. Richtige Alternativen in dieser Größe gibt es im Top-Bereich bei Android nicht. Das Xperia XZ1 Compact ist das kleinste der drei aktuellen Top-Android-Smartphones von Sony. Neben der Größe gibt es kaum wichtige Unterschiede zum Xperia XZ1 und Xperia XZ Premium; der Prozessor ist bei allen Modellen gleich. Macht ein Spitzenprozessor aus dem Compact-Modell aber auch ein Spitzen-Smartphone?

Beim Design bleibt Sony auch bei seinem neuen Compact-Smartphone konservativ: Über und unter dem Display befindet sich jeweils ein breiter Rahmen, Begriffe wie "Infinity Display" bei Samsungs Galaxy S8 oder "Full Vision" wie bei LGs G6 hat Sony offensichtlich noch nie gehört. Dabei zeigen inzwischen selbst kleine Hersteller wie Wiko etwa mit dem Wiko View Prime für 270 Euro, dass selbst günstige Smartphones ein besseres Verhältnis von Screen zu Gehäuse aufweisen können.

Das XZ1 Compact ist 2 Millimeter dicker als das größere XZ1. Das Gehäuse besteht nicht aus Metall, sondern aus Kunststoff. Beides führt dazu, dass sich das Compact-Modell im direkten Vergleich weniger hochwertig anfühlt und eher wie ein Mittel- als wie ein Oberklasse-Smartphone wirkt.

Gute Verarbeitung des Kunststoffgehäuses

Immerhin gibt es an der Verarbeitung nichts zu meckern, alles sitzt passgenau dort, wo es hingehört, nichts knirscht oder knarzt. Auch auf die seltsam geformten Antennenstreifen des großen XZ1-Smartphones konnte Sony beim Compact verzichten, und dank der größeren Bautiefe verschwindet die Kameralinse im Gegensatz zum großen Modell auf der Rückseite plan im Gehäuse.

Das Compact-Modell liegt gerade wegen Dicke und der mit 129 x 64 x 9,3 mm geringeren sonstigen Baugröße besser als das große XZ1 in der Hand - dabei sind die Seiten nicht mehr so schön abgerundet. Der Rest, wie etwa die Platzierung der Tasten samt dem leicht in den Rahmen zurückgestellten Einschaltknopf und der dedizierte Kameraauslöser, ist mit dem großen Modell identisch. Auch das Compact-Modell verfügt über einen in den Einschalt-Button integrierten Fingerabdrucksensor und ist wasser- und staubdicht nach IP67.

Kleines Display, starke Hardware

Ein Display mit einer Größe von 4,6 Zoll und HD-Auflösung - das klingt eher nach Einstiegsmodell als nach Oberklasse. Tatsächlich überzeugt das Display des kompakten Sony-Modells im Alltag aber. Die Darstellung ist trotz der Auflösung ausreichend scharf, die Helligkeit hoch und die Kontraste sind gut. Hinzu kommt eine hohe Abbildungsgenauigkeit bei Farben und Graustufen. Auch die Blickwinkelstabilität gibt keinen Anlass zur Kritik. Einzig das Verhältnis des Displays zur Gehäusegröße müsste besser ausfallen.

Im Inneren des Smartphones arbeitet ein Snapdragon 835 mit acht Kernen und einer Taktfrequenz von bis zu 2,5 GHz. Der Arbeitsspeicher ist 4 GByte groß. Multitasking macht damit keine Probleme. Leichte Abstriche im Vergleich zum XZ1 muss der Nutzer beim internen Speicher machen, hier spendiert Sony dem Compact-Modell nämlich nur 32 statt 64 GByte. Ein Steckplatz für Micro-SD-Karten ist eingebaut.

Cat-16-LTE und guter Klang

Die restliche Ausstattung ist genauso gut wie beim Xperia XZ1. Dazu gehören USB Typ C mit OTG-Funktion (allerdings nur mit 2.0-Geschwindigkeit), WLAN nach 802.11ac, DLNA und Miracast, Bluetooth 5.0 samt aptX HD, NFC, GPS mit Glonass-Unterstützung und LTE Cat 16 mit theoretischen Datenraten von 1 GBit/s im Down- und 100 MBit/s im Upload.

Beim Klang bietet das Xperia XZ1 Compact High-Res-Audio mit Unterstützung von LPCM (Linear Pulse Code Modulation), FLAC (Free Lossless Audio Codec), ALAC (Apple Lossless Audio Codec) und DSD (Direct Stream Digital). Weitere Features sind LDAC, ClearAudio+ und eine digitale Geräuschunterdrückung. Wie schon beim größeren XZ1-Modell gehören keine passenden Kopfhörer mit Noise Cancellation zum Lieferumfang, sondern ein normales Headset. Insgesamt ist aber auch damit die Audioausgabe voluminös und laut. Audiophile Gemüter wird das mitgelieferte Headset aber auf Dauer nicht zufriedenstellen.

Auslieferung mit Android 8.0

Als Alleinstellungsmerkmal installiert Sony zwei Dinge: Android 8.0 alias Oreo und den 3D Creator. Das Smartphone ist damit abgesehen von den Pixel-Phones von Google das erste Gerät in Deutschland mit Android 8.0.

Die App 3D Creator ermöglicht mithilfe der Hauptkamera das Erstellen von 3D-Scans. Dank Texturen aus den normalen Filmaufnahmen während des Scanvorgangs sehen diese ziemlich realistisch aus, allerdings sollte das Scannen trainiert werden, um gute Ergebnisse zu bekommen.

Gutes Licht ist ebenfalls eine Grundvoraussetzung. Im Test fror die App zudem immer mal wieder ein und Scans mussten erneut begonnen werden. Diese lassen sich als normale Objekt-Dateien exportieren, die über 3D-Drucker ausgedruckt werden können. Zusätzlich können Gesichter aber auch in 3D-Videos, für AR-Spielereien oder als Internet-Avatar geteilt werden.

Gute Kamera mit Einzelobjektiv

Die Hauptkamera des Sony Xperia XZ1 Compact löst mit 19 Megapixel auf, der Sony-Exmor-RS-Chip (IMX147) bietet 1,2 µm große Pixel. Auf den Einbau einer Dual-Kamera verzichtet Sony auch bei seinem neuen Compact-Smartphone. Zusammen mit der Offenblende von f/2.0 deutet sich keine übermäßig gute Nacht-Performance an, zumal auch ein optischer Bildstabilisator (OIS) fehlt. Sony verwendet die gleiche Kamera wie im Xperia XZ1.

Tagsüber macht die Kamera aber gute Fotos. Bildrauschen erkennt man nur in der Vergrößerung, die Schärfe ist gut und Farben werden natürlich dargestellt. Nur bei sehr genauem Hinsehen erkennen wir Vorteile bei Konkurrenzgeräten wie dem Samsung Galaxy S8, gerade auch bei der Bilddynamik. Nachts ändert sich das, hier wird der Unterschied deutlicher. Dann sinkt die Bildschärfe, Details sind etwas matschig, fransen aus und sind von sichtbarem Bildrauschen durchzogen.

Besser schneidet das Sony Xperia XZ1 Compact bei Nachtaufnahmen nur in einer einzigen Kategorie ab: Die Bilddynamik ist im Detail überraschend sogar etwas besser als auf Vergleichsfotos, die mit anderen Smartphone-Kameras aufgenommen wurden. Dadurch kann man etwa in hell erleuchteten Bereichen noch mehr Details erkennen.

Videoaufnahmen mit Superzeitlupe

Videoaufnahmen ermöglicht das Sony Xperia XZ1 Compact mit einer Auflösung von bis zu 4K. Sie zeigen ähnliche Bildqualität wie Fotos, positiv sticht vor allem die recht wirkungsvolle digitale Bildstabilisierung hervor. Eines der Highlights ist hier sicherlich die Superzeitlupe, die 980 Bilder pro Sekunde aufnehmen kann. Leider ist sie sehr limitiert - das gilt für die Bildqualität, aber auch für die Aufnahme selbst.

Sobald das Licht etwas schlechter wird, werden Aufnahmen in Superzeitlupe über die Maßen körnig. Dabei ist ihre Auflösung ohnehin schon auf auf nur 720p und die Länge auf eine Sekunde beschränkt, die zu allem Überfluss noch während der Aufnahme selbst bestimmt werden muss. Dadurch verpassen wir öfter den Teil, den wir eigentlich in Zeitlupe haben wollten.

Die Frontkamera macht Bilder in 8 Megapixel und nimmt bei normalem Licht scharfe Bilder auf. Sie bietet einen Blickwinkel von 120 Grad. Insgesamt ist sie wie schon das Setup des größeren XZ1 durchaus gut, kommt aber bei der Bildqualität nicht ganz an die Spitzen-Phones von Samsung, LG oder HTC heran.

Lange Akkulaufzeit und gute Sprachqualität

Der Akku des Sony Xperia XZ1 Compact hat eine Nennladung von 2.700 mAh. Im Dauer-Streaming-Test hielt das kleine Smartphone damit fast drei Stunden länger durch als das Xperia XZ1 und knackte die Siebenstundenmarke. Auch im Alltag macht es einen besseren Eindruck, hier sind auch mal zwei Tage ohne Nachladen drin.

Die Sprachqualität lag im Test auf hohem Niveau. Gesprächspartner klingen klar und die Lautstärke ist so hoch, dass es in normal lauter Umgebung nicht zu Verständigungsschwierigkeiten kommt. Grundrauschen ist zwar leise vorhanden, stört aber nicht. Empfangsaussetzer konnten wir nicht feststellen.

Verfügbarkeit und Fazit

Sonys Xperia XZ1 Compact kostet im Onlinehandel 600 Euro.

Fazit

Das Sony Xperia XZ1 Compact ist tatsächlich ein kompaktes und gleichzeitig leistungsfähiges Smartphone. Erfreulicherweise hat der Hersteller auf die Kritik zum Vorgänger Xperia X Compact gehört, bei dem die Hardware reduziert wurde. Das neue Modell weist von der Grundausstattung nur wenige Unterschiede zu den beiden anderen Topmodellen Sonys auf.

Daher leidet es allerdings auch an den gleichen Schwächen wie das größere Xperia XZ1. Die Kamera ist zwar nicht schlecht, aber eben auch nicht so gut wie bei der Konkurrenz. Außerdem stört das etwas altbackene Design mit seinen riesigen Flächen über und unter dem Screen - an diesem Punkt sollte Sony dringend arbeiten.

Die Display-Auflösung von 1.280 x 720 Pixeln klingt zunächst nach zu wenig, reicht angesichts der Bildschirmgröße von 4,6 Zoll im Alltag aber absolut aus. Die Schärfe ist ausreichend, die Farbwiedergabe sehr gut.

Die Leistung des Snapdragon-835-Prozessors ist auf wie erwartet hohen Niveau, mit Android 8.0 das Betriebssystem topaktuell. Beim Gesamtfazit kommt dem Smartphone auch seine Nischenposition zugute: Es gibt im Android-Bereich schlicht keine Alternative.

Wer ein kleines Smartphone mit hochwertiger Hardware auf Topniveau haben will, der kommt um das Xperia XZ1 Compact nicht herum. Es gibt günstigere kleine Smartphones, diese weisen aber nicht die Hardware im Oberklassebereich auf, die in Sonys neuem Compact-Modell verbaut ist.  (sts-area)


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