Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/mx-ergo-im-test-vom-mausschubser-zum-kugelroller-1709-130088.html    Veröffentlicht: 27.09.2017 09:19    Kurz-URL: https://glm.io/130088

Trackball MX Ergo im Test

Vom Mausschubser zum Kugelroller

Trackballs mögen im Mainstream etwas aus der Mode sein, einige Nutzer schwören aber auf die unbeweglichen Mäuse. Mit dem MX Ergo hat Logitech ein neues Modell auf den Markt gebracht, das sich im Winkel einstellen lässt. Golem.de hat den Trackball getestet.

Ja, Trackballs gibt es noch. Was für manchen Computernutzer als ein Relikt der 1990er Jahre gilt, ist für andere immer noch eine der Maus überlegene Eingabemethode. Anstatt Platz und Kraft damit zu verschwenden, eine Maus über den Tisch zu schubsen, bleibt ein Trackball da, wo er ist. Gedreht wird hier nur die Kugel, die Hand kann sich entspannen und liegen bleiben. Dadurch ermüdet der "Mausarm" nicht so schnell; zudem ist auf dem Schreibtisch Platz für andere Dinge.

Das findet offenbar auch Logitech, das mit dem MX Ergo seinen ersten neuen Trackball seit fast zehn Jahren vorgestellt hat. Der MX Ergo sieht auf den ersten Blick aus wie eine Maus, entsprechend wird darauf auch die Hand gelegt. An der Daumenposition befindet sich der Trackball. Golem.de hat das Eingabegerät ausprobiert.

Der MX Ergo ist so groß, dass er eine normal große Hand gut aufnimmt. Der Trackball ist größer als normale Mäuse, was aber nicht weiter schlimm ist: Wir müssen das Gerät ja nicht über den Tisch schieben, sondern unsere Hand ganz entspannt darauf liegen lassen. Entsprechend ist es wichtiger, dass die Bedienelemente gut positioniert sind.

Layout wie bei einer Maus

Neben der eigentlichen Trackball-Kugel seitlich am Gerät - dort, wo der Daumen liegt - hat der MX Ergo zwei Maustasten, ein Scrollrad mit dritter Maustaste und zwei horizontalen Scrolltasten, einen Vorwärts- und einen Zurück-Button, einen Präzisionsmodus-Schalter und einen Schalter, mit dem wir zwischen verschiedenen Endgeräten wechseln können.

Die Bedienelemente sind wie bei einer herkömmlichen Maus angeordnet; wäre nicht die Kugel, könnte der MX Ergo auf den ersten Blick auch für eine Maus gehalten werden. Der Ball an der Daumenposition hat einen Durchmesser von 34 mm, ist also eher klein. Zum Vergleich: Der Ball unseres Kensington-Trackballs, den der Autor dieses Textes normalerweise nutzt, hat einen Durchmesser von 40 mm.

Hochwertige Verarbeitung

Die Verarbeitung des MX Ergo ist sehr hochwertig. Der Trackball liegt dank seiner ergonomischen Form gut in der Hand. Die Oberfläche ist gummiert, weshalb unsere Hand nicht abrutscht. Alle Schalter sind gut erreichbar und haben gute Druckpunkte.

Trackballs gibt es grundsätzlich in zwei Arten: mit einer Kugel in der Daumenposition wie beim MX Ergo oder mit einer größeren Kugel in einer mittigen Position. Im letzten Fall wird der Ball eher mit dem Zeige-, Mittel- und Ringfinger benutzt, die Maustasten sind meistens seitlich daneben angebracht.

Kugel wird mit dem Daumen bewegt

Beim MX Ergo bedienen wir die Kugel ausschließlich mit dem Daumen, was Nutzer der anderen Trackball-Modelle möglicherweise erst einmal eine kleine Umgewöhnung abverlangt. Wir kommen nach kurzer Zeit aber bereits gut mit der Daumenkugel klar. Die Nutzung des Trackballs macht Spaß und ist tatsächlich angenehmer als bei einer Maus oder einem Trackball mit in der Mitte angebrachter Kugel.

Dabei stellen wir die Geschwindigkeit des Mauszeigers eher langsam ein - so haben wir die nötige Präzision, die wir bei einem zu schnell eingestellten Zeiger nicht haben. Zwar gibt es den Präzisionsmodus - erreichbar über eine extra Schaltfläche oberhalb der Kugel -, diese verwenden wir allerdings selten, da sie den Mauszeiger sehr verlangsamt.

Die Kugel will geschubst werden

Wer noch nie einen Trackball verwendet hat, wird die Bedienung zunächst möglicherweise zu langsam finden. Der Trick ist, nicht die ganze Zeit den Daumen am Ball zu lassen, sondern diesen stattdessen "anzustoßen". So lassen sich schnell auch größere Strecken mit dem Mauszeiger überbrücken, ohne dessen Geschwindigkeit zu hoch einstellen zu müssen - und so an Präzision zu verlieren. Das verlangt etwas Übung und Umgewöhnung, ist aber letztlich komfortabler und weniger anstrengend als die Nutzung einer Maus.

Das "Ergo" im Namen von Logitechs Trackball kommt nicht allein von der Tatsache, dass ein Trackball an sich bereits ergonomisch ist. Der Hersteller hat seinem Eingabegerät eine Kippmöglichkeit verpasst, mit dem wir zwischen einem Aufstellwinkel von null oder 20 Grad wählen können. Stufenlos lässt sich der Winkel nicht einstellen.

Einfach gestalteter Kippmechanismus

Der Mechanismus ist genial einfach: Die Bodenplatte ist magnetisch am MX Ergo befestigt. Kippen wir den Trackball nach rechts, schwenkt die Platte auf eine andere, ebenfalls magnetische Fläche, die dem Trackball einen 20-Grad-Winkel verpasst. Einfach, aber ohne mechanische Teile und daher verschleißfrei. Wer die Bodenplatte allerdings verliert, kann den MX Ergo nicht mehr ankippen. Der Magnet ist jedoch stark genug, um die Platte sicher am Trackball zu halten.

Der Ball kann entnommen werden, um die Halterung zu reinigen. Dazu können wir einen schmalen Gegenstand durch ein Loch auf der Rückseite drücken, der die Kugel herausdrückt. Die Bewegungen des Balls werden wie mittlerweile üblich über einen Laser abgetastet.

Verbindung mit Dongle oder per Bluetooth

Wir können den MX Ergo drahtlos über Bluetooth oder einen Dongle verwenden. Der eingebaute Akku wird über ein mitgeliefertes USB-Kabel aufgeladen, über das wir den Trackball sinnfreierweise nicht verwenden können. Das Kabel dient nur zum Aufladen des Geräts. Der Akku soll allerdings vier Monate lang durchhalten, zudem können wir den Trackball auch beim Laden nutzen, wenn er über den Dongle oder Bluetooth mit dem Computer verbunden ist.

Dank Logitech Flow können wir den MX Ergo an zwei Geräten verwenden. Wir können den Trackball beispielsweise an einen Rechner per Dongle anschließen, an einem zweiten per Bluetooth; über den Umschalter an der Oberseite schalten wir zwischen den beiden Geräten um. Das ist praktisch für Nutzer, die mehrere Endgeräte mit dem Trackball verwenden wollen.

Die Software Logitech Options, mit der wir auch Flow konfigurieren können, ist grundsätzlich für die Nutzung des MX Ergo nicht nötig. Die Tasten sind von Hause aus mit den üblichen Funktionen belegt. Wer allerdings die Tastenbelegung ändern möchte, benötigt das Programm.

Verfügbarkeit und Fazit

Der MX Ergo ist direkt bei Logitech für 110 Euro erhältlich - den gleichen Preis zahlen Interessenten bei den üblichen Onlinehändlern.

Fazit

Logitech hat nach fast zehn Jahren Pause mit dem MX Ergo einen guten Wiedereinstieg in den Trackball-Markt geschafft. Das Gerät bietet in etwa den Formfaktor einer Maus, ist aber entspannter zu nutzen, da wir es nicht über den Tisch schieben müssen.

Der Ball ist groß genug, um mit dem Daumen angenehm bewegt werden zu können. Wir hätten uns gewünscht, dass der Ball ein klein wenig mehr Gewicht hätte - dies wäre beim "Anschubsen" der Kugel angenehmer gewesen.

Wer bisher nur Mäuse benutzt hat, dürfte sich dank der Form des MX Ergo den Umstieg auf einen Trackball erleichtern. Hilfreich für die Ergonomie finden wir die Möglichkeit, den kompletten Trackball um 20 Grad kippen zu können. Der Mechanismus dafür ist simpel und kann eigentlich nicht kaputtgehen.

Dank Logitech Flow können wir den MX Ergo auch mit mehreren Geräten verwenden, was für manche Nutzungsszenarien praktisch sein kann. Mit der mitgelieferten Software können wir die Belegung der Tasten ändern, die von Hause aus aber sinnvoll konfiguriert ist.

Mit 110 Euro liegt der MX Ergo etwas oberhalb des durchschnittlichen Preises einer hochwertigen Maus - wobei es natürlich auch Mäuse für über 100 Euro gibt. Wer Platz auf dem Schreibtisch einsparen und seiner Hand etwas mehr Komfort bieten will, sollte sich den MX Ergo aber mal anschauen. Unter den aktuell erhältlichen Trackballs gehört das Gerät zu den besten Modellen am Markt.  (tk)


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