Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/inspiron-5675-im-test-dells-ryzen-gaming-pc-reicht-mindestens-bis-2020-1709-129944.html    Veröffentlicht: 08.09.2017 07:58    Kurz-URL: https://glm.io/129944

Inspiron 5675 im Test

Dells Ryzen-Gaming-PC reicht mindestens bis 2020

Es ist lange her, dass Spieler einen schnellen Gaming-PC auf AMD-Basis von Dell kaufen konnten. Das ändert sich mit der neuen Inspiron-5675-Reihe. Wir stellen fest: ein gelungendes Comeback!

Zur einen Hälfte wirkt der neue Inspiron 5675 von Dell wie ein klassischer Business-Desktop, zur anderen wie ein adäquater Gaming-PC. Im Design spiegelt sich das in der diagonal gesetzten Trennlinie wider. Der obere Teil wirkt unauffällig, nahezu langweilig und trist. Der untere Teil hat diagonale Luftschlitze und vom Inneren leuchtet es blau heraus. Es wirkt fast so, als hätte man je einen kompletten Business-Rechner und einen Spiele-PC mit einem Samurai-Schwert sauber durchtrennt und dann völlig falsch wieder zusammengeklebt. Wie auch schon unsere Kommentare in der Ankündigung gezeigt haben: Über das Design kann man streiten. Wir haben uns im Test daran gewöhnt.

Die neuen Desktops der 5675-Serie sind ein großer Schritt für AMD. Die Komplett-PCs basieren auf Ryzen-CPUs und werden mit Geforce- oder Radeon-Grafikkarten bestückt. Damit schafft es AMD seit langem, wieder mit einem ihrer Prozessoren im Highend-Lineup der großen Drei von Dell, Lenovo und HP im Angebot zu stehen. Der Inspiron Gaming Desktop kann vielfältig konfiguriert werden, die kleinste Ausstattungsvariante kostet 750 Euro. Wir haben uns die mit 1.380 Euro teuerste Konfiguration vorgenommen.

Als Prozessor kommt der Ryzen 7 1700X von AMD (hier unser Test mit Benchmarks) zum Einsatz. Die Grafikkarte ist eine Geforce GTX 1060 mit 6 GByte Speicher (hier unser Test mit Benchmarks). Das System bietet 16 GByte DDR4-Arbeitsspeicher, die auf einem Riegel untergebracht und mit 2.400 MHz getaktet sind. Neben einer klassischen 1-TByte-großen Magnetfestplatte (Seagate Barracuda, 7.200 rpm) ist in dieser Konfiguration als Betriebssystem Windows 10 auf einer M.2-SSD (SK Hynix SC311) vorinstalliert, die 256 GByte an Daten fasst. Die SSD hat nur ein Sata-6-GBit/s-Interface, kein PCIe mit NVMe. Als Netzteil verbaut Dell die hauseigene 460-Watt-Variante mit 80-Plus-Bronze-Zertifizierung.

Exzellente Anschlussvielfalt

Symmetrisch und übersichtlich hat Dell die Anschlüsse gestaltet. An der Vorderseite finden sich Schächte für ein Slim-Laufwerk und ein leer stehender regulärer Schacht zur Erweiterung. Darunter sind ein 3,5-mm-Kopfhörerausgang, ein USB-3-Typ-C-Anschluss (3.1 Gen1), je zwei Typ-A-Anschlüsse für USB-3.0 und USB-2.0, einer davon sogar mit Unterstützung für Fast-Charging. Ganz rechts befindet sich noch ein High-Speed-SD-Kartenleser.

Auch die Rückseite ist übersichtlicher als bei den meisten modernen Mainboards von MSI, Asus oder Gigabyte. Alle sechs USB-Anschlüsse, vier davon USB-3, sind nah beieinander und es gibt noch die Möglichkeit, Maus und Tastatur über PS/2-Ports zu verbinden. Die Geforce GTX 1060 hat einen HDMI 2.0b-, drei Display-Port-1.3-Ausgänge sowie einen DVI-D-Port. Und natürlich finden wir hinten auch den Ethernet-Anschluss und die Möglichkeit, komplexere Soundsysteme zu verkabeln.

Ausreichend gute Gaming-Performance

Ein Spiele-PC soll er sein und ein Spiele-PC ist er auch. Der Inspiron 5675 schafft in der Highend-Variante in unseren Tests fast durchgängig sehr gute Werte. So können wir mit ihm Bildraten zwischen 80 und 120 fps bei modernen Spielen und hohen Details bei einer Auflösung bis zu 2.560 x 1.440 Pixeln erzielen.

Doom (2016), Battlefield 1, The Witcher 3, Rise of the Tomb Raider oder GTA 5 laufen zum Beispiel stets ruckelfrei und meist weit über der für viele Spieler wichtigen Marke von 60 Bildern pro Sekunde.

Wer Dota 2, League of Legends, Counter-Strike Go und Co auf über 200 fps zocken möchte, schafft das auf den E-Sport-tauglichen minimalen Grafikeinstellungen ebenfalls problemlos. Der Zusammenschluss des Inspiron 5675 mit einem 240-Hertz-Display wie dem hauseigenen neuen Alienware AW2518 oder dem von uns bereits getesteten Viewsonic XG 2530 kann also durchaus sinnvoll sein.

Der Spiele-Betrieb verläuft stets völlig sorgenfrei, solange wir die Spiele von der M.2-SSD laden. Sind Spiele aber auf der langsamen Magnetfestplatte installiert, kommt es mit schon nerviger Frequenz zu nachladenden Texturen, beispielsweise in Playunknown's Battlegrounds. Apropos PubG: Der aktuell so beliebte Shooter läuft ebenfalls auf über 60 Bildern pro Sekunde. Für sorgenfreien Spielgenuss empfehlen wir daher eine zusätzliche SSD für die Lieblingsspiele. Die ein TByte große HDD reicht aber für Videos, Fotos, Installer oder Dokumente.

Im Time-Spy-Grafikbenchmark von 3D Mark erreicht das System einen Wert von 4.283 und liegt damit weit über den Mindestvorraussetzungen für einen Virtual-Reality-fähigen PC. Wir haben im Test das HTC-Vive angeschlossen und stets ausreichend stabile Bildraten, sofern die Spiele von der SSD geladen werden. Wir haben Lucky's Tale, Edge of Nowhere und Eve Valkyrie ausprobiert.

Besonders stromhungrig zeigt sich der Dell nicht. Maximal haben wir eine Leistungsaufnahme von 340 Watt während des PC Mark 10 gemessen. Im Desktop-Betrieb und beim Browsen im Netz pendelt die Aufnahme zwischen 60 und 80 Watt. Die CPU wurde maximal 71 Grad heiß, die GPU 83 Grad - das sind ordentliche Werte, bei denen sich kein Nutzer Sorgen machen müsste. Die Komponenten scheinen gut aufeinander abgestimmt.

Kleine Überraschungen im Inneren

An das Gehäuseinnere kommen Nutzer, indem sie zwei Schrauben an der Rückseite lösen und das Side-Panel abnehmen. Einmal geöffnet luken bereits schnell die ersten Kabelstränge aus dem Gehäuse. Das Kabelmanagement sieht nicht schön aus, ermöglicht aber wenigstens einen freien Blick auf das kleine mATX-Mainboard von Dell. Die Ryzen-1700X-CPU wird intern von einem Dell-Radiator mit einem Lüfter gekühlt. Das gelingt allerdings nicht immer leise.

Unter Volllast im PC Mark 10 fährt der CPU-Lüfter gemeinsam mit dem zweiten Gehäuselüfter, der an der Vorderseite Frischluft einsaugt, auf hohe Drehzahlen auf. Die Geräuschkulisse ist mit maximal 44,5 db(A) dabei zwar deutlich hörbar, zeichnet sich aber wenigstens durch einen luftigen Charakter aus, ohne nerviges Fiepen oder Surren. Ähnliches gilt für den Single-Fan der GTX 1060, der bei niedrigen Drehzahlen schon etwas nervig surrt. Wird sie in Spielen voll ausgelastet, steigt der Pegel auf knapp über 60 db(A), wird aber luftiger.

Wem das Design ohnehin nicht so zusagt, der hat hier also einen zweiten Grund, den Desktop-PC nicht auf, sondern unter dem Schreibtisch zu platzieren. Durch die Lüftungsschlitze an der Unterseite ist das Gehäuse zudem nicht gut gedämmt und die Lautstärke unterscheidet sich kaum von der bei geschlossenem Gehäuse. Wir befürchten außerdem, dass durch das Gehäusedesign schnell Staub in den PC dringen wird. Staubfilter haben wir nicht gefunden.

Ein späteres Aufrüsten ist durchaus gut machbar. Zwar muss erst eine übermäßig sicher verschraubte Halteschiene entfernt werden, um an die GPU zu kommen. An sich fasst das Gehäuse aber auch größere und stromhungrigere GPUs, notfalls auch im SLI- oder Crossfire-Betrieb. Dann könnte allerdings das Netzteil zum Problem werden, hier hätte Dell ruhig etwas mehr Power liefern können, um Spielern Upgrades zu erleichtern. Immerhin hängt noch ein freier 6+2-Strom-Pin im Gehäuse, der genutzt werden kann.

Für zusätzlichen Arbeitsspeicher steht ein freier Steckplatz zur Verfügung, maximal sind es aber nur zwei.

Verfügbarkeit und Fazit

Der Dell Inspiron 5675 ist seit Anfang Juli erhältlich und konfigurierbar von 750 bis 1.360 Euro, eine Variante mit Display gibt es ebenfalls. Als Basis dient ein X370-Mainboard von Dell, das mit bis zu 32 GByte DDR4-2400-Arbeitsspeicher in zwei Slots bestückt wird. Als Prozessoren stehen die Ryzen-Modelle ab Ryzen 3 1200 über 1400, 1600X, 1700 oder 1700X zur Auswahl. Hinzu kommen eine Radeon RX 560 (2 GByte), eine Radeon RX 570 (4 GByte), eine Radeon RX 580 (8 GByte) oder eine Geforce GTX 1060 (6 GByte). Die Inspiron Gaming Desktop verfügen über ac-WLAN (1x1 oder 2x2), Bluetooth 4.2. Die Windows-10-Lizenz und ein einjähriger Vor-Ort-Garantie-Service sind im Preis mit enthalten.

Fazit

Dell kann AMD. Der Ryzen-Inspiron ist ein insgesamt gut durchdachter Desktop-Gaming-PC, der alle aktuellen Spiele mindestens die nächsten zwei Jahre flüssig darstellen wird. Durch die großartige Multi-Core-Performance des 1700X ist das System auch für Videobearbeitung, Photoshop und 3D-Berechnung sehr gut zu gebrauchen. Allgemein halten wir AMDs CPU für die größte Stärke des Systems. Der Prozessor läuft stabil, wir hatten keinen einzigen Systemabsturz.

Während uns die Ausstattung und die Anordnung der Schnittstellen durchweg sehr gut gefallen, leistet sich Dell aber beim Gehäuse und der Kühlung ein paar Schwachstellen. Wir hätten lieber ein leicht gedämmtes Gehäuse mit einem weiteren leisen Lüfter gesehen als das offene "Halb-Office- und Halb-Gaming-PC-Design". Durch die diagonalen Luftschlitze tritt nicht nur unnötig schnell Staub ins Gehäuse ein, es ist auch unnötig laut. So haben wir den Desktop schnell unter den Tisch verbannt, wo er eine akzeptable Geräuschkulisse erzeugt. Nervig waren auch die Nachladeruckler beim Spielen von der antik wirkenden Magnetfestplatte.

Preislich liegt der PC im adäquaten Bereich. Der Versuch, einen in etwa gleich starken PC inklusive OS selbst zu konfigurieren, endete bei 250 bis 300 Euro Aufpreis gegenüber Dells Komplett-PC. Mit einer weiteren SSD für mehr Spieleplatz und einem GPU-Upgrade in zwei bis drei Jahren kann der Inspiron 5675 ein sehr treuer und solider Spiele-Begleiter auch für anspruchsvolle Spieler werden - auch über das Jahr 2020 hinaus.  (mw)


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