Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/walabot-diy-im-hands-on-rf-sensor-erkennt-rohre-atmung-und-bewegung-1709-129835.html    Veröffentlicht: 04.09.2017 10:00    Kurz-URL: https://glm.io/129835

Walabot DIY im Hands on

RF-Sensor erkennt Rohre, Atmung und Bewegung

Walabot DIY kann mittels Hochfrequenzwellen hinter Wänden liegende Kabel, Rohre oder Balken erkennen und auf einem Smartphone abbilden. Der Sensor lässt sich aber auch für Bewegungserkennung und die gesundheitliche Überwachung von Personen verwenden - dafür hat Golem.de die Luft angehalten.

Das israelische Unternehmen Vayyar hat auf der Ifa 2017 seinen Sensor Walabot DIY vorgestellt. Das Gerät kann mit Hilfe von hochfrequenten RF-Wellen hinter Wänden liegende Rohre und Leitungen erkennen und so Unfälle verhindern. Der Sensor kann darüber hinaus aber noch viel mehr, wie uns Vayyar in einer ausführlichen Demonstration gezeigt hat.

Das Funktionsprinzip entsprecht dem eines Radars: Walabot sendet Radiowellen und empfängt deren Reflexionen. Die Veränderungen im Signal analysiert ein Algorithmus, je nach Anwendungseinsatz und entsprechender API werden die Signale dann gefiltert und gedeutet.

Grundlegend eignet sich das 100 Euro teure Gerät, um Nutzern die Möglichkeit zu geben, gefahrlos in Wände zu bohren. Der Walabot DIY wird per USB an ein Smartphone angeschlossen, dessen Display anschließend als Live-Monitor dient. Walabot DIY kann Kabel und Rohre in bis zu zehn Zentimeter Tiefe in Beton- und Rigips-Wänden entdecken.

Walabot erkennt Rohre, Leitungen und Balken

Nach einer Kalibrierung können wir den Sensor einfach über die Wand ziehen. Im Display des Smartphones werden uns dabei Kabel, Rohre und Balken angezeigt. Ebenfalls angezeigt wird uns die Tiefe des Hindernisses sowie das Material, aus dem es besteht - Walabot DIY erkennt Metall und Holz. Der Scan ist äußerst präzise und zuverlässig.

In der Grundeinstellung zeichnet Walabot DIY die Scans nicht auf, sondern gibt lediglich ein Live-Bild aus. Die neue Panoramafunktion erlaubt es Nutzern allerdings, die Scanergebnisse in einem Bild festzuhalten. Auf diese Weise lässt sich eine ganze Wand einscannen, anschließend weiß der Nutzer genau, wo sich Hindernisse befinden.

Sensorentechnik erlaubt weitere spannende Einsatzmöglichkeiten

Die Technik des Walabot DIY eignet sich darüber hinaus für weitere Einsatzzwecke, die wir noch spannender finden. Mit einer der drei verfügbaren Entwicklerversionen, die ab 150 Euro erhältlich sind, kann die Radiowellentechnologie beispielsweise auch dafür eingesetzt werden, Bewegungen zu erfassen.

So kann ein entsprechender Sensor beispielsweise in einer Zimmerecke aufgehängt werden; ein ungefähr 30 x 30 cm großer Sensor kann dann in einem Blickfeld von 120 Grad und bei einer Reichweite von 15 Metern Bewegungen erfassen. Ein Kamerabild wird dabei nicht aufgezeichnet, weshalb sich die Technik Vayyar zufolge auch gut in sicherheitssensitiven Bereichen einsetzen lässt.

Walabot erkennt auch die Atmung

Der Walabot-Sensor erkennt nicht nur unsere Bewegungen, sondern auch, ob eine Person rennt, sitzt oder liegt. Damit könnte ein möglicher Einsatzbereich nicht nur in der Sicherheitsüberwachung liegen, sondern auch im Gesundheitsbereich. Ein Walabot-Sensor kann beispielsweise erkennen, ob eine Person auf dem Boden liegt oder nicht aus dem Bett aufgestanden ist.

Ebenfalls im Gesundheitsbereich liegt die Möglichkeit, die Atmung von bis zu zwei Personen zu messen. Das funktioniert erstaunlich zuverlässig: Halten wir den Atem an, geht sofort eine Kurve mit unserer Atmungsfrequenz runter. Fangen wir wieder an zu atmen, steigt die Kurve wieder. Diese Technik könnte auch im Automobilbereich sinnvoll sein, um zusammen mit der Überwachung der Kopfhaltung eine für das Schlafen typische ruhige Atemfrequenz gleich zu erkennen und den Fahrer durch entsprechende Signale zu wecken.

Annäherungssensor und Hilfe im Einzelhandel

Ebenfalls im Automobilbereich interessant ist Walabot als Annäherungssensor. Er kann beispielsweise Bewegungen in den toten Winkeln erkennen und den Fahrer entsprechend warnen. Die Möglichkeit, Bewegungen zu erkennen, kann Walabot auch für den Handel interessant machen. Wie uns Vayyar zeigte, erkennt der Sender zuverlässig, wenn wir in bestimmte Fächer eines Korbes greifen.

Das kann bei der Inventur helfen oder auch Kundenvorlieben verdeutlichen. Die Sensortechnik ist dabei weitaus weniger auffällig als eine Kamera, da sie komplett hinter Abdeckungen versteckt werden kann.

Fazit

Der Walabot-Sensor zeigt, auf welch vielfältige Weise Radiowellen mit der richtigen Software genutzt werden können. Neben dem eigentlichen Einsatzbereich - dem Aufspüren von Hindernissen in Wänden - bietet Walabot Anwendungsmöglichkeiten im Bereich Automotive, Gesundheit und Sicherheit.

Das Funktionsprinzip ist dabei immer dasselbe, lediglich die Anzahl der verwendeten Antennen und damit verbunden die Reichweite des Sensors unterscheiden sich. Der Walabot-Sensor lässt sich unauffällig anbringen, was seine Verwendung in einem Auto oder in Haushaltsgeräten vereinfacht.

Der Walabot DIY eignet sich als Consumergerät nur für das Aufspüren von Hindernissen in einer Wand, entsprechend günstig ist er aber auch: 100 Euro kostet das Gerät. Die günstigste Entwicklerversion, Starter, kostet 150 Euro und bietet unter anderem bereits die Atmungserkennung und das Bewegungsradar. In dem Gerät sind drei Antennen verbaut.

Die Creator-Variante kommt mit 15 Antennen und bietet entsprechend neben den Funktionen des Starter-Kits einen erweiterten Erkennungsbereich. Außerdem beherrscht das Radar-API 3D-Target-Tracking. Das Creator-Kit kostet 300 Euro.

Die teuerste Entwicklungsversion nennt sich Developer und bietet mit 18 Antennen den größten Erkennungsbereich. Neben den Funktionen der beiden anderen Entwicklersets bietet das Kit das Imaging-API und eine höhere Auflösung. Zudem lassen sich die Rohdaten des Sensors verwenden. Das Developer-Kit kostet 600 Euro. Alle Entwicklersets sind kompatibel mit Windows 10, Linux und dem Raspberry Pi.  (tk)


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