Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/hack-rueckrufaktion-fuer-500-000-unsichere-herzschrittmacher-1708-129786.html    Veröffentlicht: 31.08.2017 11:30    Kurz-URL: https://glm.io/129786

Hack

Rückrufaktion für 500.000 unsichere Herzschrittmacher

Rund eine halbe Million Patienten in den USA müssen ins Krankenhaus - und sich ein Firmware-Update für ihren Herzschrittmacher aufspielen lassen. Dieser hatte zuvor Befehle per Funk ohne Authentifizierung akzeptiert.

Die US-Lebensmittel- und Medizinbehörde FDA hat einen Rückruf für rund eine halbe Million Herzschrittmacher angeordnet, nachdem erhebliche Sicherheitsmängel nachgewiesen wurden. Die Geräte können manipuliert werden, um etwa die Batterie gezielt zu leeren oder das Tempo des Schrittmachers zu bestimmen.

Die Geräte des Hersteller St. Jude Medical wurden vor dem 28. August dieses Jahres gefertigt. Bereits im Mai dieses Jahres wurde berichtet, dass die Geräte aus der Ferne manipuliert werden können, denn sie können per Funk kontrolliert werden. Eine Authentifizierung ist bislang vom Hersteller nicht vorgesehen. Das Unternehmen hat bereits im Jahr 2015 mit Sicherheitsproblemen zu kämpfen.

Firmware-Update kann Datenverlust bewirken

Betroffene Patienten sollen nun ins Krankenhaus gehen, dort wird dem in die Brust oder den Abdomen eingepflanzten Herzschrittmacher ein Firmwareupdate aufgespielt. Damit soll die Manipulation künftig nicht mehr möglich sein. Ob damit alle Probleme auch wirklich behoben werden, bleibt abzuwarten. Die Prozedur soll ungefähr drei Minuten in Anspruch nehmen, während dieser Zeit läuft das Gerät im Backup-Modus. Da das Update zum Verlust von Konfigurationsdateien führen kann, sollte dieses nur von qualifizierten Personen in der richtigen Umgebung durchgeführt werden. Ars Technica hatte im Mai berichtet, dass ein erfolgreicher Angriff mit kommerziell erhältlichem Equipment zu Preisen zwischen 15 und 3000 US-Dollar durchgeführt werden kann. Angriffe auf den Herzschrittmacher sind jedoch nicht immer böswillig. Auf dem 32C3 hatte die Hackerin Marie Moe demonstriert, wie sie ihren eigenen Herzschrittmacher gehackt hatte, um mehr über die darin enthaltene Technik zu erfahren.  (hg)


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