Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/spielebranche-olympia-chef-thomas-bach-will-keinen-gewalthaltigen-e-sport-1708-129754.html    Veröffentlicht: 30.08.2017 10:45    Kurz-URL: https://glm.io/129754

Spielebranche

Olympia-Chef Thomas Bach will keinen gewalthaltigen E-Sport

Eine Goldmedaille in Counter-Strike oder Dota 2? Das wird es so bald nicht geben - obwohl E-Sport derzeit gute Chancen hat, für die Olympischen Spiele zugelassen zu werden. Der deutsche Präsident des Olympischen Komitees lehnt gewalthaltige Spiele strikt ab und bevorzugt andere Genres.

Bei den Olympischen Spielen, die 2024 höchstwahrscheinlich in Paris stattfinden, könnte es Medaillen für E-Sport geben - das hatte Anfang August 2017 der Franzose Tony Estanguet gesagt, der Mitglied des Olympischen Komitees ist. Nun hat sich sein Chef Thomas Bach, der aus Deutschland stammende Präsident des Olympischen Komitees, in der Sache zu Wort gemeldet.

Bach - ehemaliger Fechter - lehne Spiele ab, in denen es "um Gewalt, Explosionen und Töten" gehe, so Bach im Gespräch mit der South China Morning Post. Wenn Bach diese Linie durchsetzt, hätten Titel wie Counter-Strike, Dota 2 oder Playerunknown's Battlegrounds trotz ihrer riesigen Fanbasis keine Chance auf eine Zulassung.

Der Funktionär sähe es lieber, wenn E-Sport-Titel in der Auswahl wären, in denen es um klassische Sportarten wie Fußball oder Basketball gehe. Damit kämen Programme wie Fifa oder NBA 2K zum Zug, deren Namen er allerdings nicht nennt. Besonders schön fände Bach es, wenn die Fans die im E-Sport verwendeten Disziplinen dann auch wieder in der echten Welt ausüben würden.

Falls E-Sport tatsächlich für Olympische Spiele zugelassen würde, dürfte die Wahl der Spiele das Olympische Komitee noch vor größere Probleme stellen. Unter anderem, weil zusammen mit dem Hersteller die Regeln bestimmt werden müssten - also das Balancing, bis hin zum Umgang mit Bugs und der Hackerproblematik. Man kann sich kaum vorstellen, wie das in der Praxis funktionieren soll.

Außerdem müssten Publisher und Komitee einen Weg finden, wie sie mit dem massiven Werbebonus für die ausgewählten Spiele umgehen. Schließlich dürfte die Aussicht auf eine Goldmedaille in einer bestimmten Fußballsimulation deren Verkauf massiv fördern, während die Konkurrenten das Nachsehen hätten.

Ideal wäre ein herstellerunabhängiges Spiel

Es gäbe keine andere olympische Disziplin, in der Regeln und Produkt so eng mit einem kommerziellen Anbieter verknüpft sein würden. In der Vergangenheit gab es deshalb auch schon die Forderung nach einem eigenen, herstellerunabhängig produzierten E-Sport-Titel nur für die Olympischen Spiele - sehr wahrscheinlich ist das aber auch nicht.

Die Spielebranche gibt derzeit Millionen für Lobbying aus, um E-Sport bei einer der nächsten Olympiaden unterzubringen. Insbesondere die asiatische Firma Alisports, eine auf E-Sport spezialisierte Tochter des chinesischen Konzerns Alibaba, ist auf diesem Gebiet aktiv.

Einen ersten Erfolg kann sie schon feiern: Das asiatische Olympische Komitee (OCA) hat gemeinsam mit Alisports bekanntgegeben, dass E-Sports bei den Asienspielen 2022 in der chinesischen Stadt Hangzhou offiziell ins Programm aufgenommen wird. Die Asienspiele sind eine Art lokaler Ableger der Olympischen Spiele, bei denen es neben klassischem Sport auch Brettspiele und Billard gibt.

Mittlerweile ist absehbar, in welchen E-Sport-Titeln dort um Gold gekämpft wird. Für eine offizielle Ankündigung ist es zwar noch zu früh, einen Fingerzeig liefert aber eine von denselben Firmen organisierte kleinere Veranstaltung, die im September 2017 in Turkmenistan stattfindet. Dort sollen E-Sportler in Dota 2, Starcraft 2, Hearthstone und in einem Sportspiel antreten, höchstwahrscheinlich in Fifa.  (ps)


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