Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/frk-verband-bezeichnet-dobrindts-glasfaseraussagen-als-luegen-1708-129744.html    Veröffentlicht: 29.08.2017 15:00    Kurz-URL: https://glm.io/129744

FRK

Verband bezeichnet Dobrindts Glasfaseraussagen als Lügen

Alternative Fakten und Märchen nennt ein Fachverband Aussagen von Alexander Dobrindt zu 80 Prozent Glasfaserausbau an den Häusern. Übermäßige Beschäftigung mit Stickoxid trübe das Wahrnehmungsvermögen.

Der mittelständische Fachverband Rundfunk- und Breitbandkommunikation (FRK) hat die Aussagen von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) zum Glasfaserausbau scharf kritisiert. Dobrindt hatte bei der Vergabe der Förderbescheide in der vierten Runde am 27. Juli erklärt: "Rund 80 Prozent dessen, was wir heute bescheiden, sind Glasfaseranschlüsse an den Häusern. Der Rest wird mit Vectoring oder Hybridtechnologie gemacht." Der FRK-Vorsitzende Heinz-Peter Labonte sagte dazu am 29. August 2017: "Herr Dobrindt und seine Redenschreiber orientieren sich entweder am Verhalten von US-Präsident Trump mit der Darstellung 'alternativer Fakten' oder an den Gebrüdern Grimm als Märchenerzähler." Beides lege die Vermutung nahe, dass übermäßige Beschäftigung mit Stickoxid das Wahrnehmungsvermögen trüben könne. "Es ist schon erstaunlich, wie weit ein Minister geht, um im Wahlkampf die Dinge als 'alternative Fakten' zu verkünden, die mit der gelebten Realität der Bürger so gut wie nichts zu tun haben. Da muss die Verzweiflung schon angesichts des eigenen immer deutlicher sichtbar werdenden Versagens in der Breitbandpolitik groß sein."

Wie sind die Fakten?

Beim bayerischen Förderprogramm für den Breitbandausbau hatte die Deutsche Telekom rund 80 Prozent der Fördermittel für sich gewinnen können. Zum Bundesförderprogramm veröffentlicht das Bundesverkehrsministerium weiterhin keine konkrete Aufschlüsselung, wie sich die in den vorläufigen Zuwendungsbescheiden genehmigten Fördermittel auf Fiber To The Home (FTTH) und Fiber To The Curb (FTTC) mit Vectoring verteilen. Auch Experten vom Buglas (Bundesverband Glasfaseranschluss) vermuten, dass sich bundesweit die Fördermittel - ähnlich wie in Bayern - weitgehend auf die Telekom und Vectoring konzentrieren.

Golem.de hat seit dem 20. Juli 2017 mehrfach beim Bundesverkehrsministerium per E-Mail und telefonisch angefragt, wie sich die Mittel verteilen, und bis heute keine Antwort erhalten. Das Ministerium hofft offenbar, die Angaben bis nach der Bundestagswahl verschleppen zu können.

Bei den Ausbaukosten ist Vectoring tatsächlich erheblich günstiger als FTTH. Bei echter Glasfaser muss der Teil der letzten Meile vom Kabelverzweiger bis zum Gebäude mit Glasfaser ausgebaut und dann auch eine Glasfaser-Inhouse-Verkabelung eingebracht werden.  (asa)


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