Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/android-8-0-im-test-fertig-oder-nicht-fertig-das-ist-hier-die-frage-1708-129665.html    Veröffentlicht: 25.08.2017 12:01    Kurz-URL: https://glm.io/129665

Android 8.0 im Test

Fertig oder nicht fertig, das ist hier die Frage

Wir haben uns Googles neue Android-Hauptversion Oreo angeschaut und waren ziemlich überrascht. Denn viele der Neuerungen funktionieren noch nicht oder arbeiten nicht so, wie es versprochen wurde. Das ist schade, denn Android 8.0 hat eigentlich ein paar sinnvolle neue Funktionen.

Das gab es bisher noch nicht. Google hat die Arbeiten an einer neuen Android-Hauptversion abgeschlossen - selbst die Google-eigenen Geräte erhalten das Update aber nicht sofort drahtlos. Allerdings stehen bereits die aktuellen Factory Images zum Download zur Verfügung und wir haben uns Android 8.0 auf einem Pixel-C-Tablet sowie den Smartphones Nexus 6P und Pixel XL angeschaut. Wie sich zeigt, funktionieren einige Neuerungen nicht immer, und es hat den Eindruck, dass Android 8.0 übereilt als fertige Version veröffentlicht wurde.

Besonders gespannt waren wir auf den neuen Bild-in-Bild-Modus, der in der ersten Entwicklerversion von Android O noch nicht fertig war. Auf allen drei mit Android 8.0 bespielten Geräten funktionierte der Bild-in-Bild-Modus aber bei uns nur im Chrome-Browser. Mit den beiden Google-Apps Youtube und Play Movies war der Bild-in-Bild-Modus nicht aufrufbar, obwohl die betreffende Option für beide Apps aktiviert ist. Wir haben bei Google nachgefragt, warum das nicht geht, bisher aber keine Antwort erhalten.

Home-Taste aktiviert Bild-in-Bild-Modus

Der Bild-in-Bild-Modus wird aktiviert, indem bei laufendem Video der Home-Button gedrückt wird. Dann läuft das Video in einem kleinen Fenster weiter, das auf dem Bildschirm verschoben werden kann. Im Hintergrund kann dann eine beliebige App laufen, während sich das Videofenster darüber befindet. Es kann allerdings nicht beliebig positioniert werden, sondern muss am linken oder rechten Displayrand abgelegt werden. Die Größe des schwebenden Videofensters kann nicht verändert werden.



Diese beiden Beschränkungen gelten auch auf einem großen Tablet-Display - das finden wir unüberlegt. Zumindest kann das Videofenster auf dem Tablet auch am oberen oder unteren Tablet-Display verschoben werden. Eine freie Positionierung wäre aber sinnvoller.

Bild-in-Bild-Modus mit Einschränkungen

Auf dem größeren Display ist mehr Platz und wir hätten uns gewünscht, das Videofenster in der Größe verändern zu können. Wir fanden es auch unpraktisch, dass das Fenster nicht beliebig positioniert werden kann. Es bleibt zu hoffen, dass diese Beschränkung zumindest für Tablets bald behoben wird.



Im Fall von Chrome muss das Video im Vollbildmodus abgespielt werden. Wenn das Video nur in einer Webseite eingebettet abgespielt wird, aktiviert sich der Bild-in-Bild-Modus nicht beim Druck auf den Home-Button. Wir finden es unpraktisch, dass der Bild-in-Bild-Modus nur erscheint, wenn das Video im Vollbildmodus abgespielt wird. Denn meistens ist der Home-Button dann ausgeblendet und muss erst hervorgeholt werden, um den speziellen Modus zu aktivieren.

Google hatte den Bild-in-Bild-Modus unter anderem auch für Karten-Apps angekündigt, um etwa einen Kartenausschnitt in einem schwebenden Fenster anzuzeigen. Obwohl die Funktion für Google Maps aktiviert war, wurde das Fenster nicht verkleinert, wenn wir den Home-Button betätigt haben.

Keine Änderungen am Zweifensterbetrieb

Mit Android 7.0 wurde der Zweifensterbetrieb eingeführt, den es in Android 8.0 unverändert gibt. Dann können sich zwei Apps den Displaybereich teilen. Zwischen den beiden Fenstern kann mittels einer Linie festgelegt werden, wie groß der jeweilige Teilbereich ist. Eine freie Platzierung oder Größenbestimmung gibt es weiterhin nicht.

Probleme gab es auch mit den neuen Notification Dots.

Benachrichtigungsmarkierungen bringen Komfort

Mit den Notification Dots reicht Google eine seit Jahren aus iOS bekannte Funktion nach - setzt sie aber nur halbherzig um. Und zwar zeigt Oreo mit einem Symbol an einem App-Icon auf dem Startbildschirm an, wenn für die betreffende App ungelesene Nachrichten vorliegen. In etlichen alternativen Android-Launchern ist eine vergleichbare Funktion bereits integriert, einige davon sind auf manchen Android-Geräten vorinstalliert.



Meistens wird dann auch noch angezeigt, wie viele ungelesene Nachrichten vorliegen. Das fehlt allerdings bei Oreo. Der Nutzer sieht nur, dass etwas passiert ist, kann sich aber kein Bild über die Menge der ungelesenen Nachrichten machen. Wir wollten die Benachrichtigungsmarkierung mit Gmail und Hangouts ausprobieren, scheiterten aber sowohl auf dem Nexus 6P als auch auf dem Pixel C.

Erst als wir das Ganze auf dem Pixel XL ausprobierten, hatten wir Erfolg. Nur dort erschienen die Benachrichtigungsmarkierungen - dann auch für das Play-Store-Icon, das sich bei den anderen beiden Oreo-Geräten nicht verändert hat. Warum es nur mit dem Pixel XL funktioniert, obwohl die Funktion in den Einstellungen auf allen drei Geräten aktiviert ist, bleibt offen. Auch hier haben wir bei Google nachgefragt, aber noch keine Antwort erhalten.

Bei vorliegenden Benachrichtigungen wird durch einen längeren Druck auf das App-Icon ein Kontextmenü mit den vorliegenden Nachrichten angezeigt. Im Kontextmenü erscheint immer nur die aktuelle Nachricht, ältere Nachrichten sind nicht sichtbar. Aus diesem Grund wäre es eigentlich sinnvoll, wenn die Benachrichtigungsmarkierung über die Anzahl der ungelesenen Nachrichten informieren würde. Aus dem Kontextmenü heraus kann direkt zur aktuellen Nachricht gesprungen werden. Auch das Wegwischen der Benachrichtigung ist möglich. Eine ältere Nachricht erscheint erst im Kontextmenü, nachdem die aktuelle Nachricht geöffnet oder die betreffende Benachrichtigung entfernt wurde.

Schlummermodus für Benachrichtigungen

Rund um die Benachrichtigungen gibt es ein paar Verbesserungen. Sehr praktisch ist die Schlummerfunktion, die uns bei der Umsetzung dann aber doch enttäuschte. Für jede Benachrichtigung kann ein Schlummer-Timer bestimmt werden. Damit kann ein Terminhinweis oder eine Update-Benachrichtigung auf einen späteren Zeitpunkt gelegt werden, wenn der Nutzer gerade keine Zeit dafür hat.



Allerdings stehen nur die vier Zeitfenster 15 Minuten, 30 Minuten, 1 Stunde und 2 Stunden bereit. Anwender können also keine frei wählbare Zeit wählen. Das ist schade und schränkt den Nutzen der Neuerung unnötig ein. Wir hätten uns vor allem die Möglichkeit gewünscht, auf eine Benachrichtigung auch mal acht Stunden später oder auch erst am nächsten Tag nochmal hingewiesen zu werden.

Intelligente Textmarkierung funktioniert nicht auf allen Geräten

Eine weitere Neuerung von Oreo hat bei uns ebenfalls nur mit dem Pixel XL funktioniert: Nur darauf erkennt das Betriebssystem, wenn etwa das Wort einer Straße markiert wird und vervollständigt die komplette Anschrift selbsttätig. Auch hier warten wir darauf, dass Google aufklärt, warum das auf dem Nexus 6P und dem Pixel C nicht funktioniert.



Eine andere Neuerung hat erfreulicherweise auf allen drei Geräten funktioniert: Wenn eine komplette Straße selektiert ist, kann im dann erscheinenden Kontextmenü direkt eine Karten-App mit der Adresse geöffnet werden. Wenn mehrere Karten-Apps installiert sind, gibt es eine Abfrage, welche Karten-App verwendet werden soll. Bei Bedarf kann hier auch eine neue Standard-App festgelegt werden.

Einige längst überfällige Änderungen gibt es in den Android-Schnelleinstellungen.

Veränderte Schnelleinstellungen

Im Unterschied zu Geräten mit Android 7 in der Stock-Variante fallen die etwas veränderten Schnelleinstellungen auf. Hier wird als Bezug immer Stock-Android verwendet, weil manche Hersteller selbst umfangreiche Änderungen vornehmen.

Optischer Rückschritt

Erst dunkel, jetzt hell. Die Hintergrundfarbe der Schnelleinstellungen wird mit Android 8.0 zu einem hellen Grau. Vorher war der Bereich im Stock-Android dunkel gehalten. Wir finden das dunkle Design von Marshmallow und Nougat wesentlich schicker, es vermittelt einen eleganteren Eindruck. Der helle Hintergrund erscheint als optischer Rückschritt.



Weiterhin gibt es einen zweigeteilten Schnelleinstellungsbereich. Mit einem Wisch von oben erscheinen die ersten sechs ganz ohne Beschriftung. Hier wird auch das Datum angezeigt und es lassen sich Einstellungen aufrufen. Beides ist von oben nach unten gerutscht. Wird nochmals nach unten gewischt, sind insgesamt neun Schnelleinstellungen samt Bezeichnung zu sehen. Alle weiteren erscheinen nach einem Wisch zur Seite.

Unverständlicherweise gibt es noch immer keine speziellen Tablet-Anpassungen. Auch auf einem großen Tablet-Display sind die Schnelleinstellungen auf die Breite eines Smartphone-Displays beschränkt. Etwas breiter dürfte der Bereich gerne sein, um den zur Verfügung stehenden Displayplatz zu nutzen. Seit Jahren nimmt Google hier keine Anpassungen vor.

Einheitliches Verhalten

Auf den ersten Blick sind die funktionalen Veränderungen der Schnelleinstellungen nicht zu sehen und sie greifen auch nur dann, wenn der Bereich komplett geöffnet sind. Dann gibt es für drei Schnelleinstellungen ein anderes Bedienverhalten und zwar für WLAN, Bluetooth und den Nicht-Stören- Modus. Nur diese drei haben neben dem unter dem Icon befindlichen Namen ein kleines Pfeilsymbol nach unten.

Noch bis Android 7.x ist es so, dass ein Druck auf eine der drei Schnelleinstellungssymbole weitere Optionen direkt in den Schnelleinstellungen öffnet. Nun schaltet ein Druck auf das Symbol den jeweiligen Zustand um. Das ist erfreulich, denn das bisherige Verhalten war alles andere als einheitlich: Je nach Zustand des Schnelleinstellungsbereichs hatten die Schalter eine andere Funktion. Das ist jetzt endlich Vergangenheit.

Zum Öffnen der weiteren Optionen müssen Anwender von Android 8 nun auf den Namen der betreffenden Schnelleinstellung statt auf das Icon selbst tippen. Das wird durch einen nach unten zeigenden Pfeil kenntlich gemacht. Bei WLAN sind dann die in der Nähe befindlichen Hotspots aufgeführt und im Bluetooth-Bereich werden die Drahtlosgeräte in der Nähe angezeigt. Beim Nicht-Stören-Modus kann dieser angepasst werden. Insgesamt ist das Verhalten der Schnelleinstellungen damit wesentlich logischer als bisher geworden.

Erhebliche Veränderungen sind in den Android-Einstellungen zu finden.

Umstrukturierte Einstellungen

Die Umstrukturierungen in den Android-Einstellungen gelten ebenfalls abhängig von einem Stock-Android 7, weil mancher Gerätehersteller hier selbst Hand anlegt und diese umstrukturiert. Positiv fällt zunächst auf, dass die Hauptebene der Einstellungen nicht mehr auf mehrere Bildschirmseiten verteilt ist. Viele Menüpunkte wurden zu einem zusammengefasst. Für Umsteiger birgt das aber einige Mühe, sich in den neu gestalteten Einstellungen zurechtzufinden.



Zum Teil ist die Struktur der Einstellungen logischer geworden. So wurden alle Einstellungen für Mobilfunk und WLAN in einem Menüpunkt zusammengefasst. Der neue Menüpunkt Verbundene Geräte vereint sinnvollerweise die Bluetooth- und NFC-Konfiguration. Auch die Zusammenfassung der Einstellungen für Apps und Benachrichtigungen finden wir folgerichtig. Das gilt auch für den neuen Menüpunkt "Konten und Nutzer".

Neue Struktur ist gewöhnungsbedürftig

Anders sieht es bei der Zusammenlegung der Bereiche "Sicherheit und Standort" aus: Da erschließt sich uns nicht, welche thematische Gleichheit Google hier sieht. Optionen für die Sprach- und Uhrzeiteinstellungen sowie die Backup-Konfiguration sind unter dem vielsagenden Titel "System" zusammengefasst worden. Hier verbirgt sich auch die Update-Routine.



Die Google-Konto-Einstellungen hat Google noch weiter versteckt. Wer also selbst bestimmen möchte, ob sein Gmail-Konto, das Drive-Laufwerk, die Kalender- und Kontaktdaten synchronisiert werden, muss erstmal suchen. Nicht etwa ein Tippen auf den Kontonamen führt zu den gewünschten Einstellungen, sondern ein Tipp auf "Kontosynchronisierung" zeigt das Gesuchte. Der Menüpunkt ist aber so gestaltet, dass dahinter keine Optionen zu vermuten sind.

Im Zuge der Umbauten sind etliche Optionen in andere Einstellungen gewandert. Wer etwa auch alternative App-Stores nutzen möchte, musste die Installation aus unbekannter Herkunft in den Sicherheitseinstellungen vornehmen. Bei Android 8 wird der Anwender dort aber nicht fündig, die Option ist jetzt in den App-Einstellungen untergebracht - ziemlich versteckt im Bereich Erweitert unter dem Menüpunkt Spezieller App-Zugriff.

Neu gestaltet wurde auch die Ansicht für den Akkuverbrauch, die jetzt in zwei Ausführungen angeboten wird. Unterhalb der Energiespareinstellungen sind die bisherigen Details zum Akkuverbrauch versteckt. Standardmäßig wird nur noch der App-Verbrauch angezeigt. Über den Menüpunkt in der oberen rechten Ecke können stattdessen die Gerätedaten angezeigt werden. Die bisherige kombinierte Ansicht gibt es somit nicht mehr.

Bessere Absicherung für App-Installationen

Erfreulicherweise hat Google eine seit vielen Jahren gewünschte Option eingebaut, dass das Installieren aus Apps unbekannter Herkunft besser abgesichert wird. Bisher konnten pauschal nur allen Apps die Installation anderer Apps gestattet werden. Mit Android 8 kann endlich etwa Amazons App-Shop die Installation von Apps erlaubt werden, während alle anderen Apps davon ausgenommen werden. Auch der Chrome-Browser, Gmail und Google Drive sind hier standardmäßig aufgeführt. Wer sich zu solchen Einstellungen Hilfe wünscht, wird enttäuscht: Ein Druck auf den Hilfe-Button liefert Informationen zu anderen Einstellungen, aber nicht zu den neuen Optionen.

Das gilt leider auch für die neuen Benachrichtigungskanäle, die in den Einstellungen jeder einzelnen App konfiguriert werden kann. Die Hilfeseiten gehen darauf nicht ein. Über die Kanäle können Benachrichtigungen von Apps thematisch sortiert werden. Nutzer sollen sich weniger interessante Themenbereiche mit niedrigerer Priorität anzeigen lassen oder ganz ausblenden können. Apps müssen speziell angepasst werden, um diese Möglichkeiten zu nutzen.

Seitenmenü ist leider weg

Bedauerlicherweise hat Google das Seitenmenü aus den Einstellungen entfernt. Damit konnte man mit einem Wisch bequem und schnell in andere Einstellungen wechseln. Jetzt bleibt nur das Durchhangeln über den Zurück-Button oder das erneute Aufrufen der Einstellungen, um auf die oberste Ebene der Einstellungen zu gelangen.

Weiterhin gibt es eine Suchfunktion, die aber genauso eingeschränkt ist wie bisher. Durch die Neugestaltung könnte sie eine große Hilfe sein. Aber wenn Nutzer etwa die GPS-Einstellungen suchen und nicht gezielt nach dem Schlagwort Standort suchen, werden keine Einstellungen gefunden. So ist es mit allen Optionen: Der Nutzer muss die richtigen Begriffe kennen, um das Gewünschte zu finden.

System UI Tuner mit weniger Funktionen

Der System UI Tuner wurde mal wieder im Laufe der Entwicklungszeit beschnitten. Wie bisher auch kann der System UI Tuner durch längeren Druck auf das Einstellungssymbol der Schnelleinstellungen aktiviert werden. Noch mit der ersten Entwicklerversion von Android O war deutlich mehr möglich als in der fertigen Version. Das fertige Android 8.0 bietet nur das, was in Android 7 vorhanden ist. Vornehmlich kann noch die Statusleiste modifiziert werden.

Intern hat sich auch einiges bei Android 8.0 verändert, unter anderem sollen Updates künftig schneller verteilt werden - irgendwann einmal.

Google verspricht schnellere Updates

Project Treble ist Bestandteil von Android 8.0 alias Oreo. Damit bekommt Android ein stabiles Hardware-Interface. Damit sollen Hersteller die Möglichkeit erhalten, schnell und einfach Android-Updates anzubieten. Vor allem bei der Verteilung der monatlichen Sicherheitsupdates will Google hier die Grundlage dafür legen, dass Aktualisierungen schneller als bisher auf den Geräten ankommen. Aber auch beim jährlichen Android-Update soll sich der Aufwand für Gerätehersteller verringern.



Das Ziel von Treble sei es, die gerätespezifische Low-Level-Software-Implementierung der Chipproduzenten aus dem Android-OS-Framework herauszutrennen. Für den Zugriff auf die eigentlichen Hardware-Funktionen wird das sogenannte Vendor Interface eingeführt. Dieses soll, ähnlich wie die Java-API, für die Apps mit einem Test-Framework, der Vendor Test Suite (VTS), ausgestattet werden, um die Kompatibilität eines Gerätes und seiner Implementierung testen und gewährleisten zu können.

Das mit den schnelleren Android-Updates wird noch dauern

Der Aufbau mit der einheitlichen Hardware-Abstraktion hat dann den Vorteil, dass Android-Hersteller den Großteil ihres Systems unabhängig von der Hardware aktualisieren können und damit zum Beispiel schnell die monatlichen Updates von Google an ihre Nutzer verteilen können. Es ist offen, ob sich die Wartezeiten von Android-Updates damit verkürzen. Es hängt auch von den Geräteherstellern ab, ob das alles entsprechend umgesetzt wird.



Dabei bleibt aber das Problem, dass es schnellere Android-Updates erst geben wird, wenn entsprechend viele Geräte mit Android 8.0 ausgestattet ist. Und das kann dauern: Das vor einem Jahr erschienene Android 7 alias Nougat läuft derzeit auf 13,4 Prozent der im Einsatz befindlichen Android-Geräte. Über 85 Prozent aller verwendeten Android-Geräte laufen also mit einem Betriebssystem, das mindestens zwei Jahre alt ist.

Vor dem Erscheinen von Android 8.0 war die aktuelle Version Android 7.1. Sie läuft gerade mal auf 1,2 Prozent der Android-Geräte. Fast 99 Prozent aller Android-Geräte laufen also nicht mit der ganz aktuellen Android-Version.

Mehr Beschränkungen für Hintergrund-Apps

Wie auch bei den vorherigen Android-Versionen arbeitet Google weiter daran, den Akkuverbrauch im Standby-Betrieb möglichst gering zu halten. Dazu werden im Hintergrund laufende Apps nochmals beschränkt. Apps dürfen im Hintergrund generell nur noch eine begrenzte Anzahl an Aktionen ausführen. Wenn eine App im Hintergrund besonders aktiv ist, gibt es eine entsprechende Benachrichtigung, damit der Nutzer solche Apps bei Bedarf deinstallieren kann.

Zudem verspricht Google einen allgemein beschleunigten App-Start. Auf entsprechend gut ausgestatteten Geräten wie dem Pixel XL, dem Nexus 6P oder dem Pixel C ist das nicht zu bemerken. Weniger leistungsfähige Smartphones könnten aber davon profitieren. Als weitere Neuerung erhält Android 8.0 eine Autofill-API, um systemweit einen Passwortmanager einzubinden. Der kann dann das automatische Ausfüllen von Adressen, Benutzernamen und Kennwörtern übernehmen.

In Kürze wird Android 8.0 nur für Googles eigene Geräte verteilt. Neben einigen Nexus-Geräten gehören auch die Pixel-Modelle dazu. Folgende Smartphones erhalten das Update: das Nexus 5X, das Nexus 6P, das Pixel und das Pixel XL. Zudem ist das Tablet Pixel C sowie das Streaming-Gerät Nexus Player bei den unterstützen Geräten dabei. Das Update wird laut Google gerade bei den Netzbetreibern getestet und soll bald verteilt werden.

Passende Factory Images für Oreo stehen für die oben genannten Geräte zum Herunterladen bereit und über den Android-Beta-Channel wird ebenfalls bereits die finale Version von Android 8.0 verteilt.

Fazit

Android 8.0 beschert dem Betriebssystem vor allem kleinere Verbesserungen. Leider setzen viele neue Funktionen voraus, dass App-Anbieter ihre Produkte anpassen, damit diese auch genutzt werden können. Der Bild-in-Bild-Modus wäre für Netflix und Co. praktisch, funktioniert aber derzeit noch nicht.

Auch die Benachrichtigungsmarkierungen sind eine sinnvolle Ergänzung - aber das funktioniert offenbar derzeit nur mit den Pixel-Smartphones. Außerdem hätten wir uns gewünscht, dass - wie bei vielen anderen Implementierungen - die Menge der Benachrichtigungen angezeigt wird.

Die Schlummerfunktion für Benachrichtigungen ist in der Praxis eine Bereicherung - mangels einstellbarer Zeitspannen ist sie aber zu starr. Die neu gestalteten Einstellungen erfordern einige Umgewöhnung. Unterm Strich sind die Einstellungen zwar aufgeräumter, aber Umsteiger müssen manche Option erst mühsam suchen. Leider hilft die Suchfunktion hier nur bedingt weiter.



Die intelligente Textmarkierung funktioniert bei der automatischen Erkennung von Orten ebenfalls nur auf dem Pixel-Smartphone und ist eine sinnvolle Hilfe. Wenn eine Straße markiert ist, wird diese auf Nexus-Geräten immerhin erkannt und der Aufruf der Karten-App erscheint im Kontextmenü, das spart einige Arbeit.

Ein gravierender Nachteil der Android-Plattform bleibt auch mit Oreo bestehen. Es dauert einfach viel zu lange, bis die meisten Besitzer von Android-Geräten eine halbwegs aktuelle Betriebssystemversion erhalten. Derzeit laufen fast 99 Prozent aller Android-Geräte mit einem veralteten Betriebssystem. Die meisten Android-Nutzer werden sich also noch lange gedulden müssen, bis sie von den Neuerungen von Android 8.0 profitieren.

Die Update-Wartezeit will Google zwar mit Android 8.0 reduzieren. Es bleibt aber abzuwarten, ob die Gerätehersteller mitziehen. Und selbst wenn: Das alles bessert sich erst mit Oreo. Und bis die aktuelle Android-Version eine entsprechende Verbreitung hat, dauert es noch.  (ip)


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