Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/umweltbundesamt-software-updates-fuer-diesel-reichen-nicht-1708-129648.html    Veröffentlicht: 23.08.2017 17:51    Kurz-URL: https://glm.io/129648

Umweltbundesamt

Software-Updates für Diesel reichen nicht

Die deutschen Autohersteller wollen mit Software-Updates für ältere Dieselwagen die Abgasproblematik beheben. Doch die Effekte machen die abgasbelastete Luft in den Städten nicht entscheidend sauberer.

Die von den Autoherstellern versprochenen Software-Updates für ältere Diesel-Autos reduzieren nach Ansicht des Umweltbundesamtes (UBA) die Abgasbelastung in deutschen Städten kaum. Die zu erwartende Senkung des Stickoxidausstoßes von bis zu sechs Prozent "reicht in den meisten betroffenen Städten nicht aus, um den Jahresmittelwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter einzuhalten, der in der EU zum Schutz der menschlichen Gesundheit gilt", teilte die Behörde am Mittwoch mit. Die deutschen Hersteller wollen mit den Software-Updates den Stickoxidausstoß der fünf Millionen nachgerüsteten Fahrzeuge um durchschnittlich 25 bis 30 Prozent reduzieren.

Das Umweltbundesamt hat der Mitteilung zufolge in Szenarien berechnet, wie sich die beim Dieselforum beschlossenen Software-Updates sowie die Umtauschprämien auf zwei beispielhaft gewählte Messstellen in München und Mainz auswirken. In den wahrscheinlichsten Szenarien sinke die Belastung in Mainz von 53 Mikrogramm um zwei Mikrogramm und in München von 80 Mikrogramm um fünf Mikrogramm. Die Belastung läge dann immer noch deutlich über den erlaubten 40 Mikrogramm.

Ausgangsniveau zu hoch

Dass die Luft in den Städten trotz Software-Update kaum spürbar besser wird, liegt nach Ansicht von UBA-Präsidentin Maria Krautzberger "ganz einfach am viel zu schlechten Ausgangsniveau der Fahrzeuge". Euro-5-Diesel ohne Update stießen heute im Schnitt 906 Milligramm Stickoxide pro Kilometer aus. Das sei fünfmal mehr als der Grenzwert von 180 Milligramm. Auch aktuelle Euro-6-Diesel ohne Real Driving Emissions (RDE) stießen sechsmal mehr Stickoxide aus dem Auspuff aus als zulässig.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) kritisierte die Hersteller: "Es kann nicht sein, dass sich einige Hersteller selbst vor Software-Updates drücken. Auch die Weigerung der Autoindustrie, sich mit technischen Nachrüstungen zu befassen, ist für mich nicht akzeptabel. Ich kann den Automobilherstellern nur raten, hier schnell Lösungen zu entwickeln."

Umweltprämie wirkt sich kaum aus

Für die Umwelt wäre es am besten, sagte Hendricks, "wenn die Prämie dazu motiviert, vor allem kleine und sparsame Autos zu kaufen". Autofahrer sollten beim Autokauf darauf achten, die Prämie für wirklich saubere Fahrzeuge einzusetzen. Das seien etwa Elektroautos, solche mit Hybrid- und Gasantrieb, sparsame Benziner oder modernste Diesel.

Das Umweltbundesamt schätzt in diesem Zusammenhang die Wirkung der Umtauschprämie insgesamt geringer ein als die der Software-Updates. Die Wirkung dürfte je nach Annahmen zwischen null und zwei Prozent liegen. Deutlich höher wäre die Wirkung, wenn die Prämie nur für den Kauf sehr sauberer Fahrzeuge eingesetzt würde. Dazu zählten nicht die Euro-6-Diesel, die die neuen Straßentests noch nicht erfüllten.

Kritiker fordern Hardware-Update

Bei VW gibt es eine Prämie von bis zu 12.000 Euro, wenn der Halter sein älteres Diesel-Auto verschrottet und sich einen E-Golf zulegt. 10.000 Euro "Umweltprämie" gibt es für den Kauf eines neuen VW Touareg.

Auf dem sogenannten Dieselgipfel hatten sich Autohersteller Anfang August 2017 verpflichtet, bei mehr als fünf Millionen Diesel-Autos ein kostenloses Software-Update einzuspielen, um den Ausstoß von Stickoxiden zu reduzieren. Kritikern ging dies jedoch nicht weit genug. Sie forderten zusätzliche Änderungen an der Hardware, um beispielsweise mit Hilfe der sogenannten Adblue-Technik die Abgaswerte weiter zu verbessern. Zudem schließen die Kommunen nicht aus, dass es trotz der Software-Updates Fahrverbote in belasteten Innenstädten geben könnte.  (fg)


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