Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/blue-byte-anno-1800-mit-strassenschlachten-und-dicker-luft-1708-129627.html    Veröffentlicht: 23.08.2017 10:00    Kurz-URL: https://glm.io/129627

Blue Byte

Anno 1800 mit Straßenschlachten und dicker Luft

Die industrielle Revolution, Schlägereien und Streiks: Golem.de hat sich Anno 1800 von Blue Byte erklären lassen - inklusive der Pläne für die Zusammenarbeit mit der Community.

Es hätte mit dem nächsten Anno durchaus noch weiter in die Zukunft gehen können. Das hat uns einer der Entwickler von Blue Byte in Mainz auf der Gamescom 2017 erzählt. Stattdessen habe sich das Team dann aber doch dafür entschieden, mit Anno 1800 eines der von den Fans am meisten gewünschten Szenarios aufzugreifen: Die Zeit der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert.

Wobei das Aufbauspiel laut Blue Byte eigentlich Anno 1850 oder sogar Anno 1860 heißen müsste, weil es eher um diese spätere Epoche geht. Aber bei einem Anno gilt nun mal die eherne Regel, dass die Quersumme der Jahreszahl eine "9" ergeben muss.

Das Spiel greift die industrielle Revolution auf, was für die Entwickler ein paar ganz praktische Vorteile hat. Zum einen spielen traditionelle, im Spiel schön abbildbare Produktions- und Handelsabläufe mit echten Arbeitern noch eine Rolle. Zum anderen gibt es aber auch schicke Eisenbahnen, Gießereien und prächtig aussehende Ozeanriesen.

Das Spiel soll bewusst eine positive Stimmung haben und tendenziell eher die positiven Aspekte der damaligen Zeit betonen. Ganz geschichtsvergessen wird es aber nicht zugehen: Die Konflikte zwischen der armen Arbeiterschaft und der reichen Bourgeoisie sind schon in den Wohnvierteln deutlich sichtbar.

Die Proletarier hausen in windschiefen Holzhütten, über denen dichter Rauch aus den Kaminen hängt. Die bessergestellten Bewohner leben in schicken, hochgeschossigen Steingebäuden in der Innenstadt - mit vergleichsweise klarer Luft. Wir konnten eine Art Mission sehen, in der von einem weitgereisten Dampfschiff Tiere in den Zoo gebracht wurden: Der hatte zuerst nur Schweine und Schafe, die anvisierte reiche Kundschaft wollte aber mit Löwen, Elefanten und Papageien beglückt werden.

Von derlei Sorgen träumen sie in den Elendsvierteln. Wenn der Spieler nicht aufpasst, kommt es dort sogar zu Unruhen. Blue Byte hat uns in der frühen Version eine kleine Straßendemo mit Spruchbändern und einem Redner auf einer Holzkiste präsentiert, der zum Umsturz aufrief.

Dann hat uns der Entwickler gezeigt, wie ein konfliktbereiter Spieler als Stadtoberhaupt derartige Probleme lösen könnte: indem er etwa berittene Polizisten losschickt, um das Proletariat in Grund und Boden knüppeln zu lassen. Auf dem Bildschirm sah das auf makabre Art ganz lustig aus, ist aber laut Blue Byte die schlechteste von vielen möglichen Vorgehensweisen.

Die Rückkehr in die Vergangenheit bringt ein paar andere bekannte Elemente wieder, die es in Anno 2205 nicht gab. So soll es computergesteuerte Gegenspieler geben, und damit auch Diplomatie und Militär als Teil des Hauptspiels - also nicht mehr in dem Extramodus wie in 2205.

Endlosspiel und Zufallskarten

Neben einer Kampagne ist erneut das klassische Endlosspiel sowie ein Multiplayermodus in der Art der früheren Anno-Spiele geplant, ebenso wie prozedural generierte Umgebungen und Handelsrouten. All das soll von Anfang an im Spiel sein, und nicht als Erweiterung oder Update kommen.

Anno 1800 soll Ende 2018 für Windows-PC erscheinen. Der Grund, warum das Programm bereits jetzt offiziell angekündigt wurde: Blue Byte möchte so eng wie möglich mit der Community arbeiten. Bereits Mitte Juli 2017 hat das Studio heimlich eine Handvoll besonders engagierter Spieler aus der Community eingeladen, um eine Pre-Alphaversion von 1800 zwei Tage lang unter die Lupe zu nehmen und möglichst viele Rückmeldungen zu liefern.

Wer sich ebenfalls einbringen möchte, kann sich auf der Webseite Anno Union registrieren. Wie das Ganze dann im Detail abläuft, hat uns Blue Byte aber noch nicht gesagt - offenbar plant das Studio aber tatsächlich wesentlich mehr als ein paar kurze Testphasen, sondern hat relativ umfassende und langfristige Pläne.  (ps)


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