Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/playerunknown-s-battlegrounds-bluehole-ueber-camper-das-wetter-und-die-schussfeste-pfanne-1708-129602.html    Veröffentlicht: 21.08.2017 18:25    Kurz-URL: https://glm.io/129602

Playerunknown's Battlegrounds

Bluehole über Camper, das Wetter und die schussfeste Pfanne

Zaubersprüche, Camper und dynamisches Wetter: Kreativchef Brendan Greene hat in Köln über Geschichte und Zukunft von Playerunknown's Battlegrounds gesprochen. Am Rande der Veranstaltung hat sein Team auch verraten, warum die Bratpfanne im Spiel so schussfest ist.

"Mein Ratschlag: Lernt, das Campen zu lieben - auch wenn das echt schwierig ist!" Das hat Brendan Greene, der Kreativchef des südkoreanischen Entwicklerstudios Bluehole, bei einer Veranstaltung auf der Gamescom 2017 in Köln gesagt. Er habe immer gewollt, dass Playerunknown's Battlegrounds ein herausforderndes Spiel wird. "Die Spieler sollen herausfinden, wie sie mit Campern oder superaggressiven Gegnern fertigwerden." Immerhin sei das Tempo in "Pubg" - so sagt die Community kurz - nicht allzu hoch, so dass im Normalfall durchaus Zeit zum Planen sei.

Vor allem aber: umso größer ist nach Ansicht von Greene die Begeisterung, wenn man sich dann doch durchsetzt und es auf das Siegertreppchen schafft. Das sei dann wirklich ein Grund, ganz laut das (völlig albern gemeinte) inoffizielle Motto des Spiels zu rufen: "Winner winner, chicken dinner!"

Wer sich wundert, was es mit dem seltsamen Namen und dem merkwürdigen Schlachtruf auf sich hat, der kennt Playerunknown's Battlegrounds noch nicht. Das Spiel ist seit Monaten das meistverkaufte Spiel auf Steam - über acht Millionen Exemplare wurden inzwischen abgesetzt. Demnächst soll eine Xbox-One-Version erscheinen. Der riesige Erfolg war weder abzusehen noch geplant.

Balancing nach Bauchgefühl

Brendan Greene erzählt, dass er durchaus Bedenken gehabt habe, bei Bluehole anzufangen - schließlich stehe das Studio eigentlich für Fantasy-MMOGs, und damit könne er nur wenig anfangen. Noch heute sei es so, dass jede Aktion - Munition nachladen, schießen - innerhalb der Engine von Playerunknown's Battlegrounds eigentlich die für Zaubersprüche vorgesehenen Algorithmen verwende.

Anfangs habe Greene das Balancing ausschließlich nach Bauchgefühl und im Dialog mit der Community entwickelt. Das sei ziemlich ungewöhnlich, habe aber gerade in der Frühphase auch dafür gesorgt, dass das Spiel bei der Zielgruppe gut angekommen und so auf immer mehr Interesse gestoßen sei. Inzwischen sei er mit seinen Kollegen aber dabei, immer stärker auf datengestütztes Balancing umzuschwenken. Es sei angesichts der Größe des Spiels nicht anders machbar, als dass sich ein spezialisiertes Team um die Werte von Waffen, Ausrüstung und Extras kümmere.

Schließlich verwende auch Greene selbst beim Spielen längst nicht alle Objekte - oder zumindest nicht so lange, als dass er sich allein dadurch eine Meinung über die Balance bilden könne. Die einzige Lösung für den immer größeren Umfang seien deshalb professionelle Analysen, die er mit seinen Kollegen gründlich auswerte.

Kochgeräte und Hacker

In dem Zusammenhang erzählt der Entwickler übrigens auch, wie die quasi schussfeste Bratpfanne entstanden ist, inzwischen eines der Markenzeichen von Playerunknown's Battlegrounds. Brendan Greene habe einen der Programmierer - Marek Krasowski, der ebenfalls auf der Gamescom ist - gefragt, wie viele Schüsse das Objekte eigentlich aushalte.

Die beiden hätten dann mit der Pfanne im Editor herumexperimentiert. Krasowski habe anschließend schlicht vergessen, den Wert "Unzerstörbar" wieder zurückzusetzen. Er sei so in die veröffentlichte Version gelangt und den Spielern sei relativ schnell aufgefallen, welche Vorteile das Küchengerät ihnen bieten würde.

Derzeit arbeitet Bluehole unter anderem an zwei neuen Karten. Laut Greene dürfte es aber noch "sechs bis neun Monate" dauern, bis die fertig seien. Auf den Testservern sei es vermutlich mit einer ersten Version schon früher so weit. Das Team wachse zwar - derzeit beschäftigt Bluehole rund 100 Mitarbeiter in Südkorea und 15 in Madison (US-Bundesstaat Wisconsin) -, trotzdem sei für die Maps ein riesiger Aufwand nötig, entsprechend lange sei der Vorlauf.

Spieler können bald besser springen

Schon früher soll das neue "Vaulting"-System fertig sein. Es soll den Spielern erlauben, mit nur einem bequemen Knopfdruck über Mauern oder auf Vorsprünge zu gelangen. Außerdem arbeitet das Studio an neuen Wettereffekten, konkret an Nebel, der über die Insel wabert.

Von echtem dynamischem Wetter hält Greene übrigens nichts. Zum einen würde eine Partie Pubg im Normalfall ja nur rund 30 bis 40 Minuten dauern. "Was soll sich da ständig das Wetter ändern?", so der Entwickler. Zum anderen sei er sehr zufrieden mit den Schatten, die fast keine Ressourcen benötigen würden. Das System sei aber grundsätzlich nicht kompatibel mit Wetterwechseln.

Auch das Thema Cheats und Hacker beschäftigt das Team derzeit. Bluehole habe inzwischen ein paar Experten, die sich nur um die Sicherheit der Server und des Spiels kümmern würden. Allerdings würde Playerunknown's Battlegrounds noch nicht sehr unter Angriffen leiden. Er selbst, sagt Greene, habe von ein paar Leuten aus Hackerkreisen erfahren, dass für die Weitergabe von Cheats derzeit so um die 500 US-Dollar fällig sind, so wenige gebe es.

Pawel Smolewski ist ein weiterer Entwickler von Bluehole auf der Gamescom. Er berichtet, dass er sich damit beschäftige, wie sein Team verhindern könne, dass Spieler die Grafik extrem hell drehen, um so auch im Dunklen die Gegner noch gut sehen zu können. Möglicherweise werde es demnächst per Update eine Art absichtlich störender Artefakte geben, die unabhängig von der allgemeinen Helligkeit immer für gleiche Sichtweite sorgen. So etwas müsse aus Sicherheitsgründen aber tief in den Code eingebaut werden, was sehr aufwendig sei.  (ps)


Verwandte Artikel:
Microsoft: Pubg erreicht vier Millionen Spieler auf der Xbox One   
(26.01.2018, https://glm.io/132409 )
Fortnite: Battle Royale auf der Playstation 4 gegen das iPhone   
(09.03.2018, https://glm.io/133246 )
Playerunknown's Battlegrounds: PUBG bekommt kleine 16-km²-Karte   
(11.03.2018, https://glm.io/133265 )
Fortnite: 574 Milliarden Schüsse und 40 Millionen Spieler   
(16.01.2018, https://glm.io/132187 )
Playerunknown's Battlegrounds: Pubg-Schöpfer fordert besseren Schutz vor Klonen   
(15.12.2017, https://glm.io/131695 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/