Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/galaxy-note-8-im-hands-on-auch-das-galaxy-note-sieht-jetzt-doppelt-fuer-1-000-euro-1708-129601.html    Veröffentlicht: 23.08.2017 17:00    Kurz-URL: https://glm.io/129601

Galaxy Note 8 im Hands on

Auch das Galaxy Note sieht jetzt doppelt - für 1.000 Euro

Nach dem Debakel um das Galaxy Note 7 versucht Samsung es mit dem Galaxy Note 8 wieder mit einem Stift-Smartphone - dem größten, das der Hersteller jemals gebaut hat. Das Gerät kommt erstmals mit einer Dual-Kamera: Diese ermöglicht schöne Aufnahmen mit unscharfem Hintergrund.

Samsung hat das neue Galaxy Note 8 - offiziell "Note8" geschrieben - vorgestellt. Wie versprochen hat der südkoreanische Hersteller also nach dem Scheitern des Vorgängers Galaxy Note 7 die Serie seiner großen Smartphones mit eingebautem Stift nicht aufgegeben.

Das Galaxy Note 8 ist eine verbesserte Version des gerade aktuellen Galaxy-S-Modells - mit größerem Display und Stiftbedienung und einer für Samsung komplett neuen Funktion: einer Dual-Kamera. Golem.de konnte sich das Gerät vor dem Start bereits anschauen und einem ersten Kurztest unterziehen.

Das Galaxy Note 8 ist das größte Smartphone der Note-Serie, das Samsung jemals gebaut hat. Das Display ist 6,3 Zoll groß, der Vorgänger Galaxy Note 7 hatte ein 5,7-Zoll-Display. Dank der schmalen Bildschirmränder nicht nur an der linken und rechten Seite des Bildschirms, sondern auch oben und unten, ist das neue Modell aber nur unwesentlich länger als der Vorgänger: Abmessungen von 162,5 x 74,8 x 8,6 mm stehen 153,5 x 73,7 x 7,9 mm gegenüber. Das Gewicht des neuen Note liegt bei 195 Gramm, was merkliche 20 Gramm mehr sind als beim Note 7.

Hochauflösendes und großes Display

Das Display hat eine Auflösung von 2.960 x 1.440 Pixeln, das entspricht einer Pixeldichte von 521 ppi. Entsprechend scharf sind die angezeigten Bildschirminhalte. Der Bildschirm verwendet ein Amoled-Panel, der Kontrast ist entsprechend gut und schwarze Flächen sattschwarz. Die Farben sind auch in der Standardeinstellung nicht zu stark gesättigt und neutral in der Farbwiedergabe.

Das Display unterstützt den Mobile-HDR-Standard, der linke und der rechte Rand sind abgerundet. Das Display ragt weniger stark als beim Galaxy S8 in die Rundung hinein, um die Stiftbedienung nicht zu erschweren. Möglichst der komplette Bildschirm soll mit dem Stift nutzbar sein, weshalb der Randbereich etwas geringer ausfällt. Wir finden das gut, die Edge-Ränder sind unserer Meinung nach nicht mehr als eine Designspielerei ohne praktischen Nutzen - im Gegenteil: Die Lichtbrechung an den abgerundeten Rändern des Galaxy S8 stört uns eher.

Design passt zu anderen aktuellen Samsung-Smartphones

Vom Design her fügt sich das Galaxy Note 8 in die Reihe der aktuellen Smartphone-Modelle von Samsung ein. Die Rückseite ist aus Glas, das ziemlich anfällig für Fingerabdrücke ist - besonders beim schwarzen und blauen Modell. Die Tapser lassen sich aber glücklicherweise leicht wieder abwischen. Der Rahmen ist aus Metall, die Verarbeitung ist wie von Samsung gewohnt sehr hoch.

Dual-Kamera mit zwei Brennweiten

Auf der Rückseite, wo wie bei den Galaxy-S8-Modellen der Fingerabdrucksensor angebracht ist, fallen die zwei Kameras auf. Samsung verbaut erstmals eine Dual-Kamera bei einem seiner Smartphones. Diese funktioniert nach dem gleichen Prinzip, nach dem auch die Dual-Kamera des iPhone 7 Plus arbeitet: Ein Objektiv hat eine weitwinklige Brennweite, die ein Sichtfeld wie die meisten Smartphone-Kameras generiert; das zweite Objektiv kommt mit einer längeren Brennweite.

Diese entspricht im klassischen Sinne allerdings nicht der eines Teleobjektivs, sondern liegt in einem, aufs Kleinbildformat umgerechneten Brennweitenbereich von um die 50 bis 55 mm. Beide Kameramodule haben eine Auflösung von 12 Megapixeln und optische Bildstabilisatoren. Die Anfangsblende des Weitwinkelobjektivs beträgt f/1.7, die des Teleobjektivs f/2.4. Beide Kameramodule stellen schnell scharf, offenbar kommt hier die gleiche Fokustechnologie wie bei den jüngsten Galaxy-S-Modellen zum Einsatz. Dabei werden alle Pixel des Sensors zum Scharfstellen verwendet.

Die Dual-Kameras bieten auch beim Galaxy Note 8 verglichen mit einem einfachen Kamerasystem einige Zusatzoptionen. So können Nutzer wie beim iPhone 7 Plus über eine 2x-Schaltfläche den Bildausschnitt doppelt vergrößern, ohne auf einen digitalen Zoom zurückgreifen zu müssen. Alternativ lässt sich die doppelte Zoomstufe auch über einen Pinch-Zoom erreichen, die Zwischenpositionen werden dann allerdings digital berechnet.

Porträtmodus funktioniert gut

Das Galaxy Note 8 bietet zudem auch einen Porträtmodus, bei dem der Hintergrund mit Software unscharf maskiert wird. Für den Bildausschnitt des Porträts wird das Teleobjektiv verwendet, mit dem Bild des zweiten Objektivs werden Tiefeninformationen gewonnen - diese verwendet der Algorithmus, um die Unschärfe zu berechnen. Das gleiche Prinzip verwendet Apple beim iPhone 7 Plus. Bei beiden Modellen müssen die Nutzer einen bestimmten Abstand zum Vordergrundobjekt einhalten, damit der Unschärfeeffekt funktioniert.

Nutzer können den Tiefenschärfeeindruck vor der Aufnahme im Sucher einstellen. Wie bei anderen Smartphones mit Dual-Kamera-Systemen entspricht aber auch beim Galaxy Note 8 das Vorschaubild nicht der finalen Aufnahme. Die Grenze zwischen scharfem Vordergrundobjekt und unscharfem Hintergrund ist im fertigen Bild viel deutlicher zu erkennen als in der Vorschau.

In unseren ersten Tests macht die künstliche Hintergrundunschärfe einen guten Eindruck. Der Rand zwischen dem Objekt im Vordergrund und dem Hintergrund ist bei unseren Aufnahmen gut zu erkennen und zeigt keine groben Fehler. Die Hintergrundunschärfe lässt sich im Nachhinein wie bei anderen Smartphones mit ähnlicher Funktion verändern: Über einen Schieberegler in der vorinstallierten Galerie-App können wir den Grad der Schärfe einstellen.

Porträtmodus speichert auch normales Weitwinkelbild

Das Galaxy Note 8 speichert bei Verwendung der Porträtfunktion neben dem unscharf maskierten Bild immer auch das Originalbild ab, das von der Weitwinkelkamera aufgenommen wird. Wir können in der Galerie über eine spezielle Schaltfläche direkt vom Porträtbild zum Weitwinkeloriginal springen, was wir praktisch finden.

Die Bildqualität generell macht auf uns einen sehr guten Eindruck, auch wenn wir in unserem ersten Kurztest keine Vergleiche mit anderen Smartphones machen konnten. Dies sowie einen Vergleich mit den Porträtfunktionen anderer Geräte schauen wir uns in einem separaten Test an. Die Frontkamera des Smartphones hat 8 Megapixel, Autofokus und eine Anfangsblendenöffnung von f/1.7.

Wieder gute Stiftbedienung

Das Galaxy Note 8 kommt wie seine Vorgänger mit einem Stift; der S Pen lässt sich wie gehabt im Gehäuse des Smartphones verstauen. Beim Herausziehen öffnet sich automatisch ein Menü mit verschiedenen Stiftfunktionen, etwa der Möglichkeit, einen Screenshot zu erstellen und in ihm herumzumalen.

Der Stift erkennt 4.096 Druckstufen, entsprechend genau und verzögerungsfrei fühlt er sich bei der Benutzung an. Grundsätzlich hat Samsung verglichen mit dem Galaxy Note 7 nicht viel an der Stiftbedienung verändert, einige der auf die Stiftbedienung zugeschnittenen Funktionen wurden allerdings verbessert.

Stiftfunktionen wurden erweitert

So können wir mit der Übersetzungsfunktion jetzt nicht mehr nur einzelne Wörter mit dem Stift markieren und übersetzen, sondern auch ganze Absätze. Ebenso rechnet die Funktion jetzt auch Währungen um. Wir können weiterhin Notizen direkt auf dem Standby-Bildschirm machen, indem wir den Stift einfach herausziehen und auf dem ausgeschalteten Display schreiben.

Die so angefertigten Notizen können wir beim Galaxy Note 8 direkt auf dem Standby-Bildschirm anpinnen; sie sind dann immer zu sehen, wenn wir auf das Smartphone schauen - praktisch etwa bei Einkaufslisten. Neu sind auch die Live-Messages: Damit können wir handschriftliche Notizen erstellen und als GIF-Animation verschicken. Der S Pen ist wie das Galaxy Note 8 selbst nach IP68 vor Wasser und Staub geschützt.

Gleiches SoC wie im Galaxy S8

Die restlichen technischen Spezifikationen des Smartphones ähneln denen des Galaxy S8 sehr. So kommt im Galaxy Note 8 der gleiche, im 10-nm-Verfahren gefertigte Prozessor Exynos 8895 zum Einsatz, der interne Flash-Speicher ist mit 64 GByte genauso groß wie beim Galaxy S8. Das neue Note hat zudem auch einen Steckplatz für Micro-SD-Karten. Die Größe des Arbeitsspeichers hat Samsung beim neuen Smartphone von 4 auf 6 GByte erhöht.

Flüssig laufendes System mit neuen Funktionen

Entsprechend dieser Ausstattung sind uns bei der Benutzung des Smartphones keine Ruckler aufgefallen. Das installierte Android 7.1.1 läuft flüssig, auch mehrere Apps machen dem System keine Probleme. Samsung hat wieder seine eigene Benutzeroberfläche installiert, die in den zurückliegenden Jahren abgespeckt wurde und optisch mehr Googles Material Design entspricht als früher.

Eine interessante und beim großen Display des Galaxy Note 8 lohnende neue Funktion ist App Pair: Über das Seitenwischmenü des Edge-Displays können nicht nur einzelne Apps gestartet werden, sondern auch zwei gleichzeitig. Eine Anwendung öffnet sich in der oberen Hälfte des Bildschirms, die andere in der unteren.

App Pair öffnet zwei Anwendungen gleichzeitig

Das kann bei bestimmten App-Paarungen sinnvoll sein, beispielsweise um im Auto die Navigation und einen Musikplayer gleichzeitig zu starten. Alternativ können wir auch zweimal den vorinstallierten Webbrowser starten, um zwei Fenster gleichzeitig zu verwenden. Zwischen den beiden Teilen des Bildschirms können wir per Drag-and-Drop Dateien oder Text hin- und herkopieren.

Das Galaxy Note 8 unterstützt WLAN nach 802.11ac und Cat16-LTE - zumindest in Korea. Bluetooth läuft in der Version 5.0, ein GPS-Empfänger und ein NFC-Chip sind eingebaut. Der Akku des Smartphones hat eine Nennladung von 3.300 mAh und unterstützt drahtloses Laden sowie Schnellladen. Zu den Laufzeiten hat Samsung noch keine Angaben gemacht.

Galaxy Note 8 ist kompatibel mit DeX

Das Galaxy Note 8 ist kompatibel mit Samsungs Smartphone-Desktop-Oberfläche DeX, die Samsung mit dem Galaxy S8 vorgestellt hat. Nutzer können ihr Smartphone über eine lüftergekühlte Dockingstation an einen Monitor anschließen und das Gerät über eine für Tastatur- und Mausbedienung angepasste Oberfläche verwenden. Samsung hat deren Design überarbeitet und unter anderem die App-Übersicht angepasst. Vorbesteller des Galaxy Note 8 bekommen das DeX-Dock kostenlos dazu.

Auf dem Galaxy Note 8 ist Samsungs Assistent Bixby installiert. Dieser kann wie beim Galaxy S8 über eine separate Schaltfläche am linken Rand des Smartphones aktiviert werden. Samsung hat angekündigt, dass Bixbys Sprachfunktionen endlich auch nach Deutschland kommen - allerdings nur auf Englisch und Koreanisch. Auf Englisch machte das System in unserem ersten Test bei der Vorstellung des Galaxy S8 einen guten Eindruck. Bixby kann unter anderem Produkte und Sehenswürdigkeiten erkennen und Funktionen in Apps steuern.

Neben dem Fingerabdrucksensor auf der Rückseite, der sich wie beim Galaxy S8 schwer ertasten lässt, verfügt das Galaxy Note 8 über eine Iris- und eine Gesichtserkennung, mit denen sich das Smartphone entsperren lässt. Den Iris-Scanner hatte Samsung erstmals beim gescheiterten Galaxy Note 7 vorgestellt, das Galaxy S8 verwendet das System ebenso.

Fazit

Das Galaxy Note 8 macht im ersten Kurztest einen guten Eindruck. Die Dual-Kamera hebt das Smartphone abseits von der Größe und der Stiftbedienung deutlicher von den Galaxy-S8-Modellen ab, als es das Galaxy Note 7 mit der Galaxy-S7-Serie tat.

Die grundlegende Hardware hingegen ist auch beim neuen Note wieder fast mit der des aktuellen Galaxy-S-Modells identisch - lediglich die Größe des Arbeitsspeichers hat Samsung erhöht. Damit hat das Galaxy Note 8 aber immer noch eine absolute Topausstattung, entsprechend gut dürften die Benchmark-Ergebnisse sein.

Das neue Kamerasystem hat in unserem ersten Test einen guten Eindruck hinterlassen: Dank der beiden Kameras lassen sich schöne Porträts beziehungsweise Fotos mit freigestelltem Vordergrundobjekt machen. Einen genauen Vergleich zu Systemen anderer Hersteller müssen wir allerdings noch ziehen.

Gute Größe trotz großen Displays

Trotz des großen Displays ist das Galaxy Note 8 verhältnismäßig kompakt und liegt gut in der Hand. Die oberen Ecken können wir allerdings nicht ohne weiteres erreichen, wenn wir das Smartphone mit nur einer Hand halten.

Die Stiftbedienung ist wie bei den vorigen Note-Smartphones durchdacht und funktioniert auch beim neuen Modell zuverlässig und gut. Die neue Sticky-Notes-Funktion der Standby-Display-Notizen kann im Alltag für manchen praktisch sein, die Live Messages hingegen halten wir nur für eine Spielerei.

Beim Preis langt Samsung beim neuen Note ordentlich zu: 1.000 Euro will der Hersteller für das Smartphone haben, unabhängig von Einzel- oder Dual-SIM-Option. Erhältlich sein soll das Gerät ab Mitte September 2017.  (tk)


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