Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/urheberrecht-easylist-muss-anti-adblocker-domain-entfernen-1708-129494.html    Veröffentlicht: 15.08.2017 14:12    Kurz-URL: https://glm.io/129494

Urheberrecht

Easylist muss Anti-Adblocker-Domain entfernen

Im Streit über die Blockade von Anzeigen im Netz hat eine US-Firma einen neuen Hebel gefunden. Der Vorgang erinnert an den Rechtsstreit zwischen Eyeo und dem Axel-Springer-Verlag.

Ein US-amerikanischer Webdienstleister hat offenbar erstmals mit Hilfe des Urheberrechts einen Eintrag auf der Adblockerliste Easylist löschen können. Laut Github machte das Startup Admiral in seinem sogenannten DMCA-Antrag geltend, dass durch den Eintrag auf der Easylist eine technische Maßnahme zum Schutz urheberrechtlich geschützter Inhalte umgangen werde. Daher habe die Domain functionalclam.com aus der Easylist entfernt werden müssen, sagte die Github-Juristin Hannah Poteat in einer Stellungnahme.

In der sogenannten Easylist sind die Filterregeln für verschiedene Adblocker-Programme wie Adblock Plus oder Ublock enthalten. In Deutschland streiten sich derzeit der Axel-Springer-Verlag und der Adblock-Plus-Anbieter Eyeo juristisch über die Kontrolle der Easylist. Dabei hat Eyeo vor Gericht behauptet, die "Easylist und die Easylist Germany seien öffentliche, von jedermann abonnierbare und nicht von den Beklagten erstellte oder unterhaltene Listen".

Software für Werbeblocker-Sperren

Die US-Firma Admiral machte ihre Forderung jedoch nicht gegenüber Eyeo, sondern gegenüber Github geltend, da dort die verschiedenen Filterlisten gehostet werden. Nach Angaben von Admiral nutzen weltweit 3.500 Verlage und andere Websites die Software des Unternehmens, "um ihre Adblocker-Verluste zu beheben". Dabei gibt es verschiedene Stufen der Interaktion mit den Nutzern, um sie beispielsweise "sanft" oder "hart" zum Abschalten des Adblockers aufzufordern. Zudem gibt es eine DMCA-Zugangskontrolltechnik, "die urheberrechtlich geschützten Inhalt vor Adblockern und der Easylist-Umgehung schützt", wie es heißt. Inwieweit dieses System auf die Domain functionalclam.com angewiesen ist, ist unklar. Die Seite sei auf jeden Fall kein Adserver, schrieb Admiral-CEO Dan Rua in einem Blogbeitrag.

Ebenso wie die Springer-Anwälte im Streit über eine Umgehungsanleitung für eine Adblockersperre auf Bild.de argumentiert Admiral damit, dass sein System eine Zugangskontrolle darstelle, die durch die Easylist umgangen werden solle. Das sei laut Paragraf 1201 des Digital Millennium Copyright Act (DMCA) verboten. Easylist-Nutzer schlagen im Diskussionsforum vor, dass Github eine sogenannte Gegenanzeige (counter notice) einreicht. Allerdings wird auch vor den hohen Kosten gewarnt, die solch ein Gerichtsverfahren mit sich bringen könnte.

Filtercode noch nicht verboten

Eyeo wollte auf Anfrage von Golem.de den Vorgang nicht kommentieren und verwies darauf, dass es bei der Easylist um ein unabhängiges Open-Source-Projekt handele. Laut Torrentfreak hat die Electronic Frontier Foundation (EFF) bereits Kontakt mit dem Easylist-Team aufgenommen. Wie die Gerichtsverfahren in Deutschland gezeigt haben, könnte sich Admiral mit seiner Auffassung möglicherweise auch in den USA durchsetzen. Allerdings ist das Unternehmen offenbar noch nicht so weit gegangen, Github oder anderen Foren die Publikation des Filtercodes zu verbieten. Daher können Nutzer den Code problemlos manuell in die Filterliste ihres Adblockers eintragen.

Laut Admiral-CEO Rua scheint es sich bei dem ganzen Vorgang eher um ein Missverständnis zu handeln. Denn es sei ohnehin nicht üblich, solche Werbeblockersperren mit Hilfe der Filterlisten zu umgehen. Was durchaus zutrifft, denn die Adblockersperren von Axel Springer oder anderen deutschen Verlagen werden nicht durch die Easylist umgangen. Der Code für Bild.de war nach kurzer Zeit wieder entfernt worden und muss von den Nutzern nun manuell eingetragen werden.

Von daher hatte Springer es gar nicht nötig, gegen Github vorzugehen. In dem DMCA-Antrag von Admiral einen neuen Angriff auf das Adblocker-Konzept zu sehen, dürfte daher verfehlt sein. Sollte Admiral einen möglichen Rechtsstreit aber verlieren, könnten die Easylist-Autoren das zum Anlass nehmen, Werbeblockersperren künftig erst recht zu umgehen.  (fg)


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