Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/nokia-3-im-test-smartphone-mit-saft-aber-ohne-kraft-1708-129475.html    Veröffentlicht: 17.08.2017 12:01    Kurz-URL: https://glm.io/129475

Nokia 3 im Test

Smartphone mit Saft, aber ohne Kraft

Mit dem Nokia 3 hat HMD Global auch ein Einsteigergerät im neuen Smartphone-Portfolio. Für 150 Euro erhalten Käufer ein gut verarbeitetes Smartphone mit purem Android, das mitunter aber Performance-Schwierigkeiten aufweist.

HMD Globals Nokia 3 ist das günstigste der ersten drei Nokia-Smartphones des finnischen Herstellers. Das Gerät gibt es seit kurzem für 150 Euro zu kaufen und hat einige Funktionen, die wir von einem Einsteiger-Smartphone nicht erwartet hätten. An anderer Stelle hingegen überzeugt das Nokia 3 weniger. Ob der Preis für das Einsteiger-Smartphone angebracht ist, haben wir uns im Test angeschaut.

Gut verarbeitetes Gehäuse aus Polycarbonat und Aluminium

Äußerlich macht das Nokia 3 einen guten Eindruck: Zwar liegt das 143 Millimeter lange und 71 Millimeter breite Gerät etwas sperrig in der Hand, weil die Ecken des Aluminiumrahmens nicht besonders stark abgerundet sind. Dies ist allerdings eine Gewöhnungssache, unangenehm fühlt sich das Smartphone nicht an. Bei unserem Testgerät sind sowohl Rahmen als auch alle Kunststoffteile ganz in Schwarz gehalten, das lässt das Gehäuse des Nokia 3 mit rundum glatten Oberflächen wie aus einem Guss erscheinen.

Das Design ist schlicht: Selbst die schmalen, etwas wackelig sitzenden, aber einen markanten Druckpunkt aufweisenden Seitentasten sowie die an Vorder- und Rückseite angebrachten Markenlogos fallen kaum auf. Die Hauptkamera fügt sich nahezu nahtlos in die ebene Rückseite ein - laut Hersteller beträgt der Höhenunterschied 0,2 Millimeter - und auch am Übergang von Rahmen zu Display-Einheit ist nur ein ganz leichter Absatz zu erfühlen. Das Deckglas des Bildschirms ist nicht nur an den Ecken abgerundet, sondern an den Kanten auch leicht gewölbt - an Smartphones dieser Preisklasse ein selten vorzufindendes Merkmal.

Unebene Spaltmaße sind an dem Testgerät nicht zu finden, auf Druck gibt die fest sitzende Rückschale kein Knarzen von sich. Die Klinkenbuchse für kabelgebundene Kopfhörer sitzt an der Oberkante des Nokia 3, der Micro-USB-2.0-Anschluss an der Unterkante. Der Lautsprecher strahlt ebenfalls nach unten ab, so dass der Ausgang bei dem auf dem Rücken liegenden Gerät nicht verdeckt wird. Für die Navigationstasten setzt Hersteller HMD Global auf kapazitive Schaltflächen unterhalb des Displays. Leider sind die Sensortasten nicht beleuchtet, was die Navigation in schlechter Beleuchtung erschwert.

Getrennte Einschübe für SIM- und SD-Karten

An der linken Gehäuseseite hat das Nokia 3 zwei Einschübe für Nano-SIM-Karten und die SD-Karte. Nutzer können zwei Mobilfunkanschlüsse auf dem Gerät parallel verwenden. Dass HMD Global Steckplätze für drei Karten bereithält, ist nicht unbedingt üblich - bei vielen preiswerten Geräten wird der zweite SIM-Platz gerne mit dem SD-Platz kombiniert.

5-Zoll-Display mit HD-Auflösung

Mit einer Bildschirmdiagonalen von 5 Zoll lässt sich das Nokia 3 im Test ohne Jonglage auch im Einhandbetrieb bedienen. Das Display stellt in dieser Smartphone-Preisklasse mittlerweile gängige 1.280 x 720 Pixel beziehungsweise 294 Bildpunkte pro Zoll dar - das ist ausreichend scharf. Aus schrägen Blickwinkeln bleibt die (verdunkelte) Anzeige noch ablesbar, und auch der Kontrast ist mit einem von uns gemessenen Verhältnis von 1.398:1 stark für ein Smartphone-Display auf IPS-LCD-Basis. Allerdings stellt das Colorimeter größere Abweichungen bei der Wiedergabe von Grauwerten fest.

Die Helligkeit des Displays liegt bei 491 cd/m². Da die Oberfläche aus Gorilla Glass stark spiegelt, ist das Display unter hellem Sonnenlicht nur noch schwer abzulesen. Außerdem hatten wir im Test die Hintergrundbeleuchtung des Bildschirms immer fast auf maximale Stärke gestellt, weil uns die Anzeige ansonsten zu dunkel erschien - das schlägt sich auf die Akkulaufzeit des Geräts nieder.

Vierkern-SoC und 2 GByte RAM

Im Inneren des Smartphones arbeitet der bei vielen anderen preiswerten Einsteiger-Smartphones ebenfalls verwendete Quad-Core-Prozessor MT6737 von Mediatek mit einer Mali-T720-MP2-GPU. Das Nokia 3 hat 2 GByte Arbeitsspeicher und 16 GByte Flash-Speicher, wovon dem Nutzer 10 GByte zur Verfügung stehen - das ist nicht viel.

Als Betriebssystem ist Android in der Version 7.0 Nougat mit jüngstem Google-Sicherheitspatch vom Mai 2017 installiert, während HMD Global die beiden Mittelklasse-Phones Nokia 5 und Nokia 6 mit der aktuellen Ausgabe Android 7.1.1 ausliefert. Die gute Nachricht für Käufer des Nokia 3: Der finnische Hersteller verspricht eine zügige Auslieferung der von Google bereitgestellten Sicherheitsupdates und auch eine Aktualisierung auf die kommende Android-Version 8 (Android O).

Auslieferung mit purem Android

Auf eine angepasste Benutzeroberfläche verzichtet HMD Global wie auch bei seinen anderen beiden neuen Smartphones. Deshalb ist das User Interface auf dem Nokia 3 das von Google entwickelte, fürs Browsen im Internet, Speichern von Bildern oder das Abspielen von Musik stehen entsprechend die Google-Anwendungen zur Verfügung. Nur ein UKW-Radio hat HMD Global zusätzlich vorinstalliert.

Mediatek-Prozessor mit begrenzter Power

Die vier Cortex-A53-Kerne des 64-Bit-fähigen Mediatek-Prozessors im Nokia 3 sind auf 1,3 GHz getaktet und erreichen in den Benchmark-Tests entsprechend keine Spitzenwerte: 1.524 Punkte im Multi-Core-Modus des Geekbench-Benchmarks ist ein Ergebnis an der unteren Leistungsgrenze. Auch mit der Grafikleistung ordnet sich das Nokia 3 in Benchmark-Tests am unteren Ende der Rangliste ein: Nur 6 fps schafft das Gerät im T-Rex-Offscreen-Test von GFXBench.

Für grafisch aufwendige Spiele ist das Nokia 3 entsprechend nicht geeignet. Das zeigt auch das Ergebnis im Icestorm-Unlimited-Test des 3DMark: Hier erreicht das Smartphone nur 3.690 Punkte. Ein Spiel wie Oz: Broken Kingdom ruckelt auf dem Nokia 3 selbst in der niedrigsten Auflösung und das Gerät läuft dabei unangenehm warm. Lange Ladezeiten müssen Nutzer beim Spielen ohnehin in Kauf nehmen, selbst andere Apps starten auf dem Gerät recht träge.

Kamera macht mittelmäßige Bilder

Die Kameraausstattung des Nokia 3 ist weniger gut als die des Nokia 6: Das Smartphone hat auf Vorder- und Rückseite jeweils eine 8-Megapixel-Kamera mit Anfangsblenden von f/2.0 und Autofokus. Der rückseitigen Hauptkamera steht ein schwacher LED-Blitz zur Seite. Neben Kamerafunktionen wie HDR und Selbstauslöser bietet das Menü auch die Auswahl unter verschiedenen Szenen mit voreingestellten Belichtungsprofilen sowie - überraschend für die Preisklasse des Smartphones - einen Modus für manuelle Einstellungen von ISO-Wert, Belichtung und Weißabgleich.

Die Bildqualität der mit den Automatikeinstellungen geschossenen Fotos enttäuscht: Auf allen Testbildern sind in einigen Bereichen Bildrauschen und verschwommene Artefakte zu erkennen - selbst auf den bei hellem Tageslicht aufgenommenen Fotos. Sobald die Lichtbedingungen schwieriger werden, etwa bei Regenwetter oder bei Aufnahmen in Innenräumen ohne besondere Beleuchtung, dominieren die verwaschenen Bereiche. Für mehr als spontane Schnappschüsse von Aktivitäten im Freien zum Teilen in Netzwerken oder Chats eignet sich die Kamera des Nokia 3 nicht. Die fast gleichteuren Konkurrenzmodelle Gigaset GS170 und Huawei Y6 (2017) liefern detailreichere Bilder ab.

Das Nokia 3 gibt es wahlweise als Single-SIM- oder als Dual-SIM-Gerät zu kaufen. Für mobile Datenübertragungen unterstützt es neben UMTS mit HSPA+ auch Cat4-LTE mit bis zu 150 MBit/s im Downstream. Weitere drahtlose Datenschnittstellen sind Bluetooth 4.1 und NFC. Während des Tests haben wir beim Mobilfunkempfang keine Auffälligkeiten festgestellt. Die Sprachqualität ist überraschend gut: Die Stimmen der Gesprächspartner waren bei den üblichen Testtelefonaten sehr klar und deutlich zu verstehen, Hintergrundrauschen war dabei kaum zu vernehmen.

Akku ohne Schnellladefunktion

Der fest eingebaute und damit vom Anwender nicht ohne weiteres auswechselbare Lithium-Ionen-Akku hat eine Kapazität von 2.630 mAh. HMD Global verspricht eine Sprechzeit von bis zu 7,5 Stunden und eine Standby-Zeit von bis zu 380 Stunden. In unserem Test liefert das Smartphone eine ordentliche Akkulaufzeit ab.

Mit einer Akkuladung hält das Smartphone 6,5 Stunden lang beim Streamen von Youtube-Videos im WLAN bei stärkster Display-Beleuchtung durch. Bei mittlerer Bildschirmhelligkeit steigert sich die Zeitspanne auf 8 Stunden. Der alltagsnahe Benchmark von PCMark gibt für das Gerät eine Akkulaufzeit von knapp 7 Stunden bei maximaler Display-Helligkeit aus. Bei üblicher Mischnutzung sollte damit jeder locker über einen ganzen Tag kommen, bevor der Energiespender wieder aufgefrischt werden muss.

Für das Aufladen des komplett entleerten Akkus müssen Nutzer knapp drei Stunden einrechnen. Nach einer Stunde beträgt der Ladestand des zuvor ausgelaugten Akkus gerade mal 35 Prozent - einen Schnelllademodus hat das Nokia 3 nicht.

Verfügbarkeit und Fazit

Das Nokia 3 ist aktuell für 150 Euro im Onlinehandel erhältlich. Preislich gibt es kaum einen Unterschied zwischen der Version mit einem SIM-Karten-Slot und der Dual-SIM-Version.

Fazit

Das Nokia 3 ist ein Smartphone für Nutzer, die mit dem Gerät hauptsächlich telefonieren, chatten und im Internet surfen möchten. Das sind beispielsweise Einsteiger, Kinder oder schlicht Nutzer, die ihr Smartphone nicht zum Spielen benötigen.

Für diese Zielgruppe bringt das 150 Euro teure Smartphone von HMD Global im Grunde alles mit. Die Prozessorenleistung verlangt allerdings schon hier manchmal einige Wartezeit, für anforderndere Anwendungen wie etwa grafisch anspruchsvolle Spiele eignet sich das Nokia 3 schlicht nicht.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Kamera: Das 8-Megapixel-Modul macht keine allzu guten Bilder, Schnappschüsse bei Tageslicht sind mit dem Nokia 3 aber durchaus möglich. Die Akkulaufzeit ist durchschnittlich gut und sticht verglichen mit der Konkurrenz nicht negativ hervor.

Dass ein Smartphone im Einsteigerbereich nicht mit der Leistung eins Mittelklasse- oder gar Top-Smartphones mithalten kann, ist auch im Falle des Nokia 3 in Ordnung: Das Smartphone ist ein klassisches Einsteiger-Smartphone mit einem begrenzten Leistungsumfang - Käufer sollten das wissen. 150 Euro sind für das Smartphone ein akzeptabler Preis, zumal er im Laufe der kommenden Monate noch sinken dürfte.  (bbr)


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