Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/assassin-s-creed-wie-sieht-es-eigentlich-bei-ubisoft-singapur-aus-1708-129407.html    Veröffentlicht: 10.08.2017 09:00    Kurz-URL: https://glm.io/129407

Assassin's Creed

Wie sieht es eigentlich bei Ubisoft Singapur aus?

Seit dem gelungenen Black Flag (Piraten) ist Ubisoft Singapur an Assassin's Creed beteiligt - aber wie muss man sich den Ableger in Asien eigentlich vorstellen? Golem.de hat die Niederlassung ebenso wie die in Schanghai besucht und mit Entwicklern gesprochen.

Monitore, so weit das Auge reicht, dazu wild verbastelte Rechner: Auf den ersten Blick könnten wir die Niederlassungen von Ubisoft in Singapur und Schanghai nicht von einem Entwicklerstudio in den USA unterscheiden. Erst bei genauerem Hinsehen entdecken wir ein paar Unterschiede: In Singapur etwa gibt es wegen der extrem hohen Luftfeuchtigkeit besonders leistungsstarke Klimaanlagen an den Fenstern, und in Schanghai befindet sich direkt im Eingangsbereich eine offene Küche - den Chinesen ist Essen wohl tatsächlich wichtig.

Beide Studios haben es mittlerweile innerhalb der weltweit operierenden Firma Ubisoft zu Bekanntheit gebracht, weil kaum noch ein großes Spiel ohne ihre Beteiligung entsteht. Die Entwickler im chinesischen Schanghai sind seit dem 2013 veröffentlichten Assassin's Creed Black Flag an der Serie beteiligt. Die Niederlassung in Singapur arbeitet schon seit dem 2009er Assassin's Creed 2 mit - damals waren die Mitarbeiter unter anderem für das Innere der großen Grabesmissionen zuständig.

Singapur wiederum war ebenfalls maßgeblich in Black Flag involviert, zuletzt war das Studio aber vor allem für fast das ganze Gebiet der Londoner Themse in Assassin's Creed Syndicate zuständig. Wer das Spiel kennt, der weiß, dass das eine der aufwendigsten Umgebungen überhaupt innerhalb der Serie ist. An dem für Ende 2017 geplanten Origins arbeitet Ubisoft Singapur seit über drei Jahren mit, unter anderem ist es für eine Stadt namens Faiyum sowie für Teile des Nils und eine Reihe anderer Wasser- und Flussgebiete zuständig.

Im Gespräch mit Entwicklern in Schanghai merken wir, dass es doch größere Unterschiede zu Studios etwa in den USA gibt. So müssen sich die Teams, die an Onlineinhalten arbeiten - was immer mehr Titel betrifft - etwa auch darum kümmern, überhaupt auf das weltweite Internet zugreifen zu können.

Wegen der Zensur in China müssen sie dazu relativ aufwendige Genehmigungen beantragen, um ein VPN einrichten zu dürfen. Das gibt es dann gleich in vier unterschiedlichen Stufen: Erst die höchste und am schwierigsten zu erhaltende ist tatsächlich mit dem Internet vergleichbar, wie wir es kennen. Verärgert scheinen die Entwickler darüber allerdings nicht zu sein - in China gehört das wohl zum Alltag.

Trotzdem sind die Jobs bei Ubisoft begehrt. Das liegt vor allem daran, dass die Arbeitsbedingungen sehr gut sein sollen. Während die Entwickler bei dem französischstämmigen Publisher relativ normale Arbeitszeiten an fünf Tagen in der Woche haben, kriegen wir unter der Hand allerlei Horrorgeschichten über die Verhältnisse bei den örtlichen Handyspieleherstellern zu hören. Kurzfristige Projekte, extrem hoher Druck, Arbeitszeiten von 9 Uhr morgens bis mindestens 21 Uhr abends und das an sechs Tagen in der Woche seien dort üblich - einige unserer Gesprächspartner haben das selbst erlebt.

Kritik am Chef ist erlaubt

Vor allem aber: Während in rein chinesischen Firmen so etwas wie Mitsprache kaum gewünscht sei, könne man bei den asiatischen Niederlassungen von Firmen wie Ubisoft sogar den Chef kritisieren und natürlich eigene Vorschläge machen. Dazu sei der Stellenwert von Fortbildungen oder von zeitweiliger Mitarbeit in anderen Niederlassungen viel höher. Auch bei anderen Themen wie der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau sei man dort schon weiter - der Anteil von Frauen ist in den Niederlassungen in Singapur und Schanghai fast so hoch wie in Studios in den USA und Europa.

Ein paar Zahlen: Ubisoft beschäftigt weltweit rund 12.000 Angestellte. Von Singapur (330 Angestellte) werden zwei kleinere Niederlassungen in der chinesischen Großstadt Chengdu (180 Angestellte) und in den Philippinen (50 Angestellte) mitverwaltet. In der chinesischen Hafenstadt Schanghai arbeiten rund 450 Mitarbeiter. An allen Orten ist der Arbeitsmarkt für die relativ hochspezialisierten Spielentwickler relativ leergefegt.

Grafiker und Animationsexperten sind nach Firmenangaben am einfachsten zu finden, bei Programmierern und Netzwerkexperten sei die Suche schon deutlich schwieriger, sagt uns Corinne Leroy, die das Studio in Schanghai leitet. "Ab dem kommenden Jahr können wir aber direkt mit den sehr guten Universitäten zusammenarbeiten, um etwa Absolventen früh zu rekrutieren." Außerdem arbeiten an jedem Ort auch Entwickler aus anderen Ländern und Regionen selbstverständlich mit im Team - darunter natürlich auch viele Europäer und Amerikaner.

Ubisoft agiert in Asien übrigens ungefähr in den gleichen Größenordnungen wie in anderen Ländern außerhalb von Frankreich. In Berlin baut die deutsche Tochter Blue Byte derzeit ein neues Studio auf, in dem anfangs rund 50 Entwickler arbeiten sollen - später sollen es noch mehr werden. Gerade hat das Unternehmen bekanntgegeben, massiv in Ubisoft Stockholm zu investieren und dort in den nächsten zwei Jahren mehr als 100 Arbeitsplätze zu schaffen.

Die weltweiten Studios arbeiten natürlich eng zusammen. Für das Ende 2018 geplante, mit Piratenschiffen schick in Szene gesetzte Skull & Bones hat zwar Ubisoft Singapur die Federführung übernommen. Aber auch das Studio in Chengdu ist beteiligt, und sogar Blue Byte in Mainz arbeite mit an einigen der Funktionen sowie an der PC-Version.

Bei Assassin's Creed Origins ist die Arbeitsteilung ähnlich. Nahezu jedes der hier genannten Studios ist an dem Großprojekt in irgendeiner Form beteiligt. Neue Builds - also lauffähige Versionen - werden täglich kompiliert, im Zweifel fällen die Projektleiter im Hauptquartier von Ubisoft die Entscheidungen.

Offenlegung: Golem.de war auf Einladung von Ubisoft in den Studios in Singapur und Schanghai. Die Reisekosten wurden zum größten Teil von Ubisoft übernommen. Unsere Berichterstattung ist davon nicht beeinflusst und bleibt gewohnt neutral und kritisch. Der Artikel ist, wie alle anderen auf unserem Portal, unabhängig verfasst und unterliegt keinerlei Vorgaben Dritter; diese Offenlegung dient der Transparenz.  (ps)


Verwandte Artikel:
Ubisoft: Big-Data-KI entdeckt Bugs beim Programmieren   
(06.03.2018, https://glm.io/133162 )
Ubisoft: "Ich freue mich, wenn ab und zu eine Revolution stattfindet"   
(04.08.2017, https://glm.io/129303 )
Assassin's Creed Origins im Test: Grandiose Geschichte im Weltensimulator   
(26.10.2017, https://glm.io/130819 )
Action: Black Ops 4 und The Division 2 angekündigt   
(09.03.2018, https://glm.io/133235 )
Blue Byte: Anno Online geht offline   
(30.11.2017, https://glm.io/131407 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/