Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/google-home-auf-deutsch-im-test-tut-mir-leid-ich-verstehe-das-nicht-1708-129350.html    Veröffentlicht: 08.08.2017 07:00    Kurz-URL: https://glm.io/129350

Google Home auf Deutsch im Test

"Tut mir leid, ich verstehe das nicht"

Google Home ist endlich auch auf Deutsch verfügbar. Wir haben den Lautsprecher mit dem Echo von Amazon verglichen - und mit seinem eigenen englischsprachigen Pendant. Dabei zeigt sich, dass Google mit der deutschen Sprachumsetzung des eingebauten Google Assistant noch Arbeit vor sich hat.

Über ein halbes Jahr hat es gedauert, bis Google seinen Lautsprecherassistenten Home nach Deutschland bringt. Ab kommender Woche wird das Gerät auch in Deutschland erhältlich sein. Golem.de konnte vorab bereits ausprobieren, was der Lautsprecher auf Deutsch kann.

Die grundsätzliche Bedienung ist dabei Nutzern, die bereits den Google Assistant verwenden, nicht neu - Home ist im Grunde nur ein Lautsprecher, in den Googles Sprachassistent eingebaut ist. Durch die Nutzung innerhalb der eigenen vier Wände erfüllt Home aber einen etwas anderen Zweck als der Assistant auf dem Smartphone.

Neben den üblichen Suchanfragen ist der Lautsprecher zum Beispiel zur Steuerung eines Smart Homes oder zur Musikwiedergabe nützlich. Im weitesten Sinne kann Home das Gleiche, was auch Amazons Echo und Echo Dot können, das Potenzial scheint uns beim Home aber größer. Preislich ist Amazon aber momentan mit dem Echo und dem Echo Dot außer Reichweite.

Gelungenes Design ohne Schnörkel

Äußerlich finden wir den Home etwas hübscher anzusehen als Amazons Echo, was aber natürlich Geschmackssache ist. Der Lautsprecher ist etwas kleiner und gedrungener als der Echo. Die Oberseite ist leicht schräg abgeflacht, hier befindet sich ein LED-Kreis als Anzeige sowie ein Touchpad, um Musik zu starten und zu stoppen oder mit einem langen Druck die Spracherkennung zu starten. Das ist praktisch, wenn der Nutzer nicht das Sprachkommando "Okay Google" verwenden möchte.

An weiteren Bedienungselementen hat der Home lediglich noch einen Stummschalter auf der Rückseite. Im unteren Bereich des Speakers ist der Lautsprecher verbaut, der von einer Stoffblende verdeckt wird. Diese kann gegen verschiedenfarbige andere Blenden ausgetauscht werden, unsere ist in einem neutralen Grau gehalten.

Der Home wird über die passende Home-App von Google eingerichtet. Nutzer werden schrittweise durch die Installation geführt, die entsprechend einfach ist. Nachdem wir den Lautsprecher eingestöpselt haben, verbindet er sich kurz mit unserem Smartphone, um das WLAN einzurichten. Anschließend wählen wir die Sprache, in der wir Home betreiben wollen, dann ist der Home betriebsbereit.

Auf manche Fragen gibt es auf Deutsch keine Antwort

Als erstes probieren wir die möglicherweise naheliegendste Anforderung an den Lautsprecherassistenten aus: simple Wissensfragen. Einfache Dinge wie die Frage nach dem Wetter oder der Höhe des Eiffelturms beherrscht Home dank des Google Assistant spielend, Unterschiede zu den Echo-Lautsprechern mit Alexa finden wir nicht.

Probleme bekommt der deutschsprachige Assistent des Home bei komplexeren Fragen. Wollen wir beispielsweise wissen, wo Pinguine leben oder wie das Junge eines Pferdes genannt wird, erhalten wir lediglich die Antwort, dass der Assistent dies noch nicht wisse. Hier besteht zwar kein Unterschied zu den Echo-Lautsprechern, die das auch nicht können, wohl aber zum englischsprachigen Assistenten.

Englischer Assistent ist schlauer

Die obigen Fragen sind auf Englisch kein Problem. Ist unser Home auf Englisch eingestellt, sucht der Google Assistant nach einer Webseite mit der Antwort auf unsere Frage und fasst diese zu einer Antwort zusammen. Google ist offenbar mit der deutschen Umsetzung des Assistenten schlicht noch nicht so weit wie mit der englischen Version.

An manchen Stellen blitzt allerdings schon kurz auf, wozu Home in der Lage ist. Fragen wir beispielsweise, wie man ein Bauernfrühstück zubereitet, erklärt uns der Lautsprecherassistent, was wir machen müssen. Die Webseite mit dem Rezept erhalten wir parallel auf unser Smartphone als Link in der Home-App. Der Echo-Speaker mit Alexa hingegen kann uns hier nicht mit einer Audioerklärung weiterhelfen.

Deutsche Stimme gefällt uns nicht

Nicht nur die Qualität der Antworten variiert mit der Sprache des Assistenten, sondern auch die der Stimme: Verglichen mit der englischen Sprachausgabe finden wie die deutsche etwas holprig, die Betonung erscheint uns stellenweise eigenartig. Mitunter klingt unser Home so, als ob der Assistent im Stimmbruch ist. Alexas Stimme bei den Echo-Lautsprechern finden wir sehr viel natürlicher und angenehmer.

Mein Tag ist in Deutschland verfügbar

Pünktlich zum Start des Home in Deutschland hat Google die Funktion "Mein Tag" in Deutschland eingeführt. In den USA gibt es diese Option bereits seit längerem. Mit "Mein Tag" können sich Nutzer beispielsweise am Morgen eine kleine Tagesvorschau auf ihrem Home oder ihrem Smartphone mit Google Assistant vorlesen lassen. Diese besteht wahlweise aus Informationen zum Wetter, zum Arbeitsweg, zu Terminen und Nachrichten.

Die Nachrichtenauswahl kann über die Home-App eingestellt werden. Neben den bereits in der englischen Home-Variante verfügbaren Quellen stehen auch einige deutschsprachige Medien zur Auswahl - unter anderem auch Golem.de. Der Assistant spielt beim Google Home wie auch auf einem Smartphone nur Audionachrichten ab, entsprechendes Material muss demnach von den Medienunternehmen bereitgestellt werden. Im deutschsprachigen Bereich finden sich beispielsweise Nachrichtensendungen, Audio-Podcasts, beziehungsweise - wie im Fall von Golem.de - speziell eingesprochenes Material.

Ideal zum Steuern von Smart Homes

Der Home eignet sich wie der Echo auch zur Steuerung von Smart-Home-Geräten. Wir haben das mit einem Hue-System von Philips ausprobiert. Der Lautsprecher hat unser System und die einzelnen Lampen auf Anhieb erkannt. Wir können auf Zuruf einzelne Lampen anschalten und dimmen. Beim Einschalten von Gruppen, also beispielsweise Räumen, haben wir stellenweise Probleme gehabt: der Google Home hat unsere Gruppen mitunter nicht erkannt.

Generell scheint Home unsere Lampennamen aber zuverlässiger zu erkennen als der ebenfalls in der Wohnung genutzte Echo Dot. Dort haben wir mit manchen Lampen immer wieder Probleme, selbst, wenn wir ihnen sehr einfache Namen geben.

Gleichfalls sehr praktisch ist die Musikwiedergabe über den Home-Lautsprecher. Wir können in den Einstellungen der Home-App festlegen, welcher Musik-Dienst standardmäßig genutzt werden soll - voreingestellt ist Googles eigener Dienst Play Music. Wir haben ein Spotify-Abo, also stellen wir den Lautsprecher auf diesen Dienst um. Fortan können wir direkt nach bestimmten Stücken fragen oder auch Playlists abspielen lassen. Es ist hingegen nicht möglich, Musik via Bluetooth zuzuspielen. Also lokal gespeicherte Musik etwa auf einem Smartphone kann auf dem Home-Lautsprecher nicht abgespielt werden.

Musik per Google Cast auf anderen Geräten wiedergeben

Home ist Google-Cast-fähig, kann Musik also auf entsprechend im Netzwerk vorhandenen Geräten abspielen. In unserem Testszenario funktioniert das mit zwei Raumfeld-Lautsprechern problemlos. Mittlerweile ist es auch möglich, den Home-Lautsprecher einfach über Bluetooth anzusteuern. Praktisch wird es für Nutzer, wenn sie einen Chromecast besitzen: Dann kann beispielsweise Netflix über den Home gesteuert werden.

Der Klang des Home selbst ist für die Größe überraschend gut und dürfte für die meisten Innenräume ausreichen. Im direkten Vergleich zum Home hat Amazons Speaker aber einen besseren Klang - die Bässe sind besser wahrnehmbar, der Sound ist insgesamt klarer.

Actions statt Skills

Der Google Home beherrscht neben Funktionen wie der Wettervorschau oder dem Stellen eines Weckers noch eine Menge mehr: Über sogenannte Actions kann der eingebaute Google Assistant auf Apps zugreifen, wenn deren Programmierer diese für das System bereitgestellt haben. Anders als beim Echo und Echo Dot mit ihren Skills müssen wir die Actions nicht explizit aktivieren: Das System sieht vor, dass diese automatisch aufgerufen werden, wenn der Nutzer eine entsprechende Funktion nachfragt.

Das bedeutet, dass Programmierer Google mitteilen müssen, welche Aktionen ihre App beherrscht; die Programme werden dann dem Anwendungsfall entsprechend ausgewählt. Dieses System hat einen Vor- und einen Nachteil: Der Vorteil ist, dass Nutzer theoretisch nicht extra eine Action installieren müssen, um sie zu nutzen.

Auswahl an Actions scheint noch nicht gegeben zu sein

Der Nachteil ist allerdings, dass es ziemlich unübersichtlich ist, was der Assistant und damit auch der Home alles kann. Ist der Google Assistant, und damit auch Google Home, auf Englisch eingestellt, finden wir in den Einstellungen eine Auflistung möglicher Apps, die auf Befehle reagieren. So erfahren wir beispielsweise, dass wir Blackjack spielen können, wenn wir "Let me talk to 21 Blackjack" sagen.

Eine derartige Auflistung gibt es in der deutschen Version des Assistenten und dementsprechend auch auf dem deutschsprachigen Home nicht. Ein Grund dafür könnte sein, dass es schlicht noch nicht genügend deutschsprachige Actions gibt. Eine Nachfrage nach den uns bekannten englischsprachigen Actions führte zu nichts.

Verfügbarkeit und Fazit

Der Google Home wird in Deutschland in Googles Onlineshop 150 Euro kosten. Das Gerät soll am 8. August 2017 erscheinen.

Fazit

Der Google Home ist eine gute Lösung, den Google-Assistenten im eigenen Zuhause zu nutzen. Wir können einfach drauflossprechen und dem Lautsprecher Fragen stellen, unser Smart Home steuern oder Musik abspielen lassen.

Hier gibt es allerdings zugegebenermaßen nur wenige Unterschiede zu Amazons Echo-Lautsprecher. Die Qualität der Antworten ist in der deutschsprachigen Version des Assistenten noch nicht auf dem Level der englischen Version, weshalb wir meistens die gleichen Antworten erhalten wie beim Echo - beziehungsweise eben keine. Lediglich an einigen Stellen blitzt das Potenzial des Home auf, beispielsweise bei ausführlicheren Antworten, der Netflix-Steuerung oder dem Cast-Streaming.

Andere Dinge macht hingegen der Echo dank des Vorsprungs, den das Gerät in Deutschland hat, besser. So kann uns der Google Assistant im Home-Lautsprecher nicht sagen, wie wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln in Berlin vorankommen - "Tut mir leid, ich verstehe das nicht" ist bei derartigen Nachfragen die Antwort. Alexa im Echo hingegen sagt uns genau, wie wir mit welchen Verkehrsmitteln fahren müssen. Zudem finden wir die Stimme realistischer.

Nehmen wir allerdings die Fähigkeiten des Google Asistent auf Englisch als Maßstab, ist zu erkennen, wie viel Potenzial im Home steckt. Sobald der Google Assistant auf dem gleichen Level wie sein englisches Pendant ist, kann Google Home auch auf Deutsch mehr als der Echo-Lautsprecher. Das gilt nicht nur für die Beantwortung von Fragen, sondern auch für die beherrschten Actions - aktuell ist Amazons Echo hier mit seiner Vielzahl an Skills noch nützlicher.

Wer sich jetzt den Google Home kauft, muss schlicht noch etwas warten, bis das Gerät auf Deutsch genauso viel kann wie auf Englisch. Amazons Echo-Lautsprecher ist entsprechend für manchen momentan noch die bessere Wahl, die große Version mit Lautsprecher ist allerdings mit 180 Euro etwas teurer. Der kleinere Echo Dot hingegen kostet nur 60 Euro - das ideale Gerät zur Steuerung eines Smart Homes und - in Verbindung mit einem guten Bluetooth-Lautsprecher - auch zum Hören von Musik.

Möglicherweise lohnt es sich auch schlicht, noch ein wenig mit dem Kauf eines Google Home zu warten: In einigen Monaten sollte die deutsche Sprachwiedergabe besser sein, zudem könnte der Preis dann niedriger sein. Potenzial hat Googles Lautsprecherassistent auf Deutsch, aktuell wird es aber noch nicht vollständig genutzt.  (tk)


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