Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/maschinensehen-us-wissenschaftler-narren-autonom-fahrende-autos-1708-129349.html    Veröffentlicht: 07.08.2017 16:51    Kurz-URL: https://glm.io/129349

Maschinensehen

US-Wissenschaftler narren autonom fahrende Autos

Autonom fahrende Autos haben Kameras, um Verkehrsschilder zu erfassen und zu erkennen. Ein paar Buchstaben oder Vierecke, die Forscher auf Schilder geklebt haben, reichen aus, dass Autos die Verkehrszeichen komplett falsch interpretieren.

Geschwindigkeitsbegrenzung? Nein, anhalten! Die Systeme zum Maschinensehen von autonom fahrenden Autos sollen Straßenschilder erkennen und sich an die Gebote und Verbote halten. Doch Wissenschaftler haben eine Möglichkeit gefunden, die Autos zu überlisten.

Die Forscher um Yoshi Kohno von der Universität von Washington in Seattle manipulierten zwei Verkehrsschilder: ein Stopp-Schild und einen Rechtsabbiegehinweis, der in den USA gelb ist. Auf ein Stoppschild klebten die Forscher zunächst einige rechteckige und quadratische weiße und schwarze Aufkleber, auf ein anderes die Worte "Love" und "Hate", so dass sich die Botschaft "Love Stop Hate" ergab - eine nicht untypische Art, Straßenschilder mit Graffiti zu versehen. Vierecke und Schrift hatten sie mit einem herkömmlichen Drucker hergestellt.

Der Pfeil hatte Grauverläufe

Subtiler gingen sie beim Abbiege-Schild vor: Sie druckten einen Pfeil in der gleichen Größen wie den originalen. Der nachgemachte war aber nicht einheitlich schwarz, sondern hatte relativ große Pixel in verschiedenen Graustufen. Für das menschliche Auge waren diese Unterschiede kaum zu erkennen.

Die Maschinensehsysteme waren damit jedoch heillos überfordert: Die Forscher ließen die Systeme die Schilder aus verschiedenen Winkeln und Entfernungen - von kurz davor bis etwa zwölf Meter Distanz - betrachten. Das manipulierte Stopp-Schild sei mit einer Trefferquote von 100 Prozent für eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 45 Meilen pro Stunde gehalten worden, schreiben die Forscher in einem Aufsatz, der als Preprint auf dem Dokumentenserver Arxiv abrufbar ist. Der Hinweis auf den Rechtsabbieger wurde zu zwei Dritteln als Stopp-Schild und zu einem Drittel als Hinweis auf eine weitere Fahrspur fehlinterpretiert.

Der Pfeil hatte Grauverläufe

Die Systeme für Maschinensehen bestehen aus zwei Elementen: Eines erfasst Objekte, also Fußgänger, andere Autos oder Verkehrsschilder. Das andere, der Classifier, erkennt, worum es sich handelt und, im Falle eines Schildes, was es aussagt.

Die Forscher gingen davon aus, dass Angreifer keinen Zugang zu den Algorithmen eines solchen Classifiers haben. Aber sie konnten über die Rückmeldungen, die ein solches System zu einem Satz von Straßenschildern lieferte, ein Modell erstellen, wie es arbeitet. Darauf basierend konnten sie für ein bestimmtes Schild einen Aufkleber entwickeln, der den Classifier verwirrt.

Für die Entwickler autonom fahrender Autos bedeutet das, dass die Sicherheit mit nur einem Sensorsystem kaum gewährleistet werden kann. Es bedarf weiterer Sicherheitsmaßnahmen, um solche Irrtümer zu minimieren, etwa genaues Kartenmaterial, auf dem die Straßenschilder und deren Koordinaten verzeichnet sind, sowie eine Lokalisierung per GPS oder ein System, das nicht nur Schilder selbst, sondern auch den Kontext auswertet und Widersprüche erkennt.  (wp)


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