Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/matias-ergo-pro-keyboard-im-test-die-exzentrische-unter-den-tastaturen-1708-129272.html    Veröffentlicht: 16.08.2017 12:01    Kurz-URL: https://glm.io/129272

Matias Ergo Pro Keyboard im Test

Die Exzentrische unter den Tastaturen

Matias' Ergo Pro treibt das Konzept einer ergonomischen Tastatur auf die Spitze: Das Keyboard lässt sich in zwei Teile teilen und individuell einstellen. Das Konzept hilft gerade denjenigen, die das Zehnfingertippen erst noch lernen wollen. Die verwendeten mechanischen Switches sind zudem ein Traum.

Ergonomische Tastaturen haben meist eine Art Wellenform, wie beispielsweise die Modelle von Microsoft, inklusive der neuen ergonomischen Surface-Tastatur. Durch die Trennung des Buchstabenblocks und die schräge Anordnung der so entstehenden zwei Teile können Nutzer in einer für die Hände natürlicheren Haltung tippen.

Wer viel tippt, wird schnell merken, dass das eine Menge bringt: Die neue Handhaltung verhindert Schmerzen in den Handgelenken und führt insgesamt zu einer besseren Oberkörperhaltung. Dieses Ziel verfolgt auch Matias mit seinem Ergo Pro Keyboard - allerdings erweitert der kanadische Tastatur- und Switch-Hersteller das klassische Konzept einer ergonomischen Tastatur: Die Ergo Pro besteht aus zwei Einzelteilen, für jede Hand eins. Im Test haben wir uns angeschaut, was das bringt. Unser Testgerät hat uns der Onlinehändler Getdigital zur Verfügung gestellt.

Die Trennlinie liegt bei der Ergo Pro wie bei den meisten ergonomischen Tastaturen zwischen der 5 und der 6, dem T und dem Z, dem G und dem H sowie dem B und dem N. Liegen die beiden Tastaturteile direkt nebeneinander, entspricht die Ergo Pro am ehesten einer normalen Tastatur - obwohl auch dann bereits eine recht breite Lücke mitten im Hauptblock der Tastatur klafft.

Tastaturteile bis zu 55 cm voneinander entfernt aufstellbar

Die beiden Tastaturteile lassen sich darüber hinaus aber auch weiter voneinander entfernen und schräg platzieren; dadurch kann man die Ergo Pro optimal an die gewünschte Handposition anpassen. Die beiden Teile der Tastatur werden durch ein einsteckbares und in der Länge verstellbares Kabel miteinander verbunden, mit dem sich die Tastaturen bis maximal 55 cm voneinander getrennt aufstellen lassen - das ist allerdings schon eine ziemliche Entfernung, wir können uns kaum vorstellen, dass dies für irgendjemanden angenehm ist.

Die Teile des Keyboards können nicht nur flach aufgestellt werden: Beide Module haben jeweils drei sehr stabile gummierte Standfüße, mit der sich die Einzelteile in den verschiedensten Schräglagen aufstellen lassen. Ergonomisch vorteilhaft finden wir es, wenn wir bei beiden Modulen den hinteren Fuß ausklappen, sowie beim linken Teil den vorderen rechten und beim rechten Teil den vorderen linken Fuß. Auf diese Weise stehen beide Teile zu den Außenkanten abfallend, zusammen mit einer leichten Schrägstellung und den weichen Handgelenkpolstern kommt das unserer Handhaltung sehr entgegen.

Stativgewinde für Montage auf Stativen

Die Polsterungen sind mit jeweils drei großen Schrauben an der Rückseite jedes Tastaturteils befestigt. Die Gewinde entsprechen Stativgewinden von Kameras, die Keyboard-Module können entsprechend auch auf Stative oder an spezielle Halterungen für Bürostühle geschraubt werden. Dann lassen sich die Teile direkt in der Armlehne integrieren, was von der Ergonomie optimal sein dürfte - aber sicherlich auch gewöhnungsbedürftig.

Hochwertige und stabile Verarbeitung

Von der Verarbeitung her ist die Ergo Pro sehr hochwertig: Das Kunststoffgehäuse ist stabil und sauber verarbeitet. Dank zahlreicher Gummifüße rutschen die beiden Tastaturteile nicht. Matias liefert zwei Micro-USB-Anschlusskabel mit der Tastatur mit, ein kurzes und ein langes. Im rechten Modul sind insgesamt drei USB-Anschlüsse verbaut, über die wir USB-Sticks und andere Geräte anschließen können.

Wer nur normale Tastaturen gewohnt ist, muss sich bereits bei einem Setup mit nur leicht voneinander getrennten Tastaturteilen erst einmal an diese Position gewöhnen. Nutzern, die kein echtes Zehnfingertippen beherrschen, verlangt die Ergo Pro noch mehr ab: Besonders "unerlaubtes" Übergreifen, also das Drücken einer Taste auf der linken Seite mit einem Finger der rechten Seite und umgekehrt, macht das Tippen mit der Tastatur regelrecht zur Qual.

Ergo-Anfänger profitieren von räumlicher Trennung

Gleichzeitig hilft die strenge räumliche Trennung zwischen der linken und der rechten Hand aber auch, die Disziplin beim Erlernen eines sauberen Tippsystems zu erhalten. Mal eben mit dem rechten Zeigefinger das B oder das T zu tippen ist ohne bewusste Verrenkungen schlicht nicht möglich. Auf einer ergonomischen Tastatur zu tippen, müssen Nutzer auch bei der Ergo Pro wirklich wollen - für alle anderen User ist die Tastatur wie alle anderen Ergo-Keyboards eine Qual.

Die Ergo Pro ist kompakter als etwa Microsofts ergonomische Surface-Tastatur, was nicht nur bedeutet, dass die Tastatur keinen separaten Ziffernblock hat: Auch die Pfeiltasten und der Block mit den Bildlauftasten befinden sich sehr nahe an den Tasten des Hauptblocks. Das führt selbst bei Nutzern, die bereits mit ergonomischen Volltastaturen schreiben, stellenweise zu Verwirrungen und Fehlgriffen.

Tolle Switches, gewöhnungsbedürftiges Layout

So müssen wir auch nach mehreren Tagen immer noch die Bildlauftasten suchen, die zwischen Alt-Gr-Taste und den Pfeiltasten eingebaut sind. Druck, Rollen und Pause sind als per Fn-Taste aufrufbare Drittbelegungen auf anderen Tasten abgelegt. Die linke Steuerungstaste ist wie die Leertaste, die Windowstaste und die Alt-Taste schön groß, eine rechte Steuerungstaste gibt es an der gewohnten Stelle allerdings nicht.

Stattdessen hat Matias diese neben dem N auf dem rechten Teil der Tastatur verbaut, also dort, wo gewohnheitsmäßig bei einer normalen Tastatur das B sitzen würde. Bei uns als Ergo-Tastatur-Einsteiger führt dies sehr häufig dazu, dass wir statt eines B die rechte Steuerungstaste drücken. Wir würden uns sogar wünschen, der Hersteller hätte komplett auf die Taste verzichtet; zwischenzeitlich dachten wir daran, den kompletten Switch zu entfernen. Das wäre leicht möglich, Nutzer müssen dazu nur zwei Lötstellen beseitigen.

Der Fairness halber: Die Anordnung der restlichen Funktionstasten ist nicht unbedingt verwirrender, als auf normalen kompakten Tastaturen. So mussten wir uns auch bei der Poker 3 erst einmal an das neue, stellenweise doppelt und dreifach belegte Layout gewöhnen. Bei einer ergonomischen Tastatur wie der Ergo Pro, die in letzter Konsequenz fürs Blindtippen gedacht sein soll, finden wir es aber schwieriger, sich an die Aufteilung zu gewöhnen. Mit ein wenig Eingewöhnungszeit sollte das aber möglich sein.

Gedämpfte, taktile Switches mit tollem Tippgefühl

Erwähnenswert bei einer Tastatur von Matias sind natürlich auch die verwendeten Switches - schließlich stellt das Unternehmen seine eigenen mechanischen Schalter her. Diese sind Alps-Switches nachempfunden: Matias hat nach der Einstellung der Alps-Switches im Jahr 2012 angefangen, eigene Klone herzustellen und in seinen Tastaturen zu verwenden. Das ist insofern erwähnenswert, da Alps-Switches zu den besten mechanischen Tastaturschaltern gehörten.

In der Ergo Pro kommen Quiet Click Switches zum Einsatz, taktile Schalter, die den schwarzen Alps-SKBM-Switches nachempfunden, aber zusätzlich gedämpft sind. Das führt zu einem äußerst angenehmen Tippgefühl, das gleichzeitig nicht zu laut ist und entsprechend auch in einem Büro die Kollegen nicht stören sollte. Die Kollegen des Autors jedenfalls konnten mit den unauffälligen Tippgeräuschen leben.

Die Switches reagieren ab einem Druck von 60 Gramm, der Druckpunkt liegt im ersten Drittel des Hubweges. Vom Tippgefühl her empfinden wir die Quiet Click Switches als bessere Version von Cherry-MX-Brown-Schaltern: Der Druckpunkt ist bei den Matias-Switches besser definiert, außerdem haben die Schalter einen geschmeidigeren Hubweg. Tippen macht auf der Ergo Pro Spaß, zusammen mit der ergonomischen Handhaltung ist es zudem sehr ermüdungsfrei.

Verfügbarkeit und Fazit

Matias' Ergo Pro ist in Deutschland bei Getdigital im Qwertz-Layout für 250 Euro erhältlich.

Fazit

Die Ergo Pro ist eine spezielle, aber höchst interessante Tastatur. Das Keyboard bietet dank der Zweiteilung eine Vielzahl an Möglichkeiten, die beiden Module ideal an die eigene Handhaltung anzupassen.

Dabei helfen die variabel einsetzbaren Standfüße ebenso wie die große Handballenauflage. Wir konnten schon nach kurzer Zeit bemerken, wie viel angenehmer es ist, mit der Tastatur zu tippen.

Wer bisher noch keine ergonomische Tastatur verwendet hat, wird einerseits zu Beginn eine Weile brauchen, sich an das Konzept zu gewöhnen - das ist allerdings bei jedem Neuling bei derartigen Keyboards so. Andererseits hilft die strenge Aufteilung der Ergo Pro, die Disziplin beizubehalten, wenn Nutzer die Teile etwas voneinander weg positionieren. Dann ist kein schludriges Übergreifen mehr möglich.

Ein Pluspunkt bei der Ergo Pro, verglichen mit anderen komplett trennbaren Tastaturen, sind zum einen die gute Verarbeitungsqualität, zum anderen die verwendeten Schalter. Die Quiet Click Switches klicken zwar nicht, haben aber einen sehr angenehmen taktilen Druckpunkt und sind flüsterleise. Das macht das Tippen mit der Tastatur zum Vergnügen, wenn man sich erst einmal an die räumliche Trennung der Hände gewöhnt hat.

Mit 250 Euro ist die Ergo Pro aber auch nicht gerade günstig. Andere trennbare Tastaturen sind im Onlinehandel schon für 100 Euro weniger zu haben. Käufer zahlen bei der Tastatur von Matias unter anderem aufgrund der Switches mehr sowie für die Verarbeitung und die variablen Befestigungsmöglichkeiten.

Geeignet halten wir die Tastatur für Nutzer, die bereits ergonomische Tastaturen verwenden und noch einen Schritt weiter auf der Ergonomie-Skala gehen wollen. Für Ergo-Einsteiger ist das Keyboard dank der erforderlichen Disziplin ebenso hilfreich - angesichts des Preises sollten Nutzer sich aber sicher sein, wirklich mit einer ergonomischen Tastatur tippen zu wollen.  (tk)


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