Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/vodafone-telekom-soll-infrastruktur-fuer-glasfaserausbau-oeffnen-1707-129000.html    Veröffentlicht: 19.07.2017 09:04    Kurz-URL: https://glm.io/129000

Vodafone

Telekom soll Infrastruktur für Glasfaserausbau öffnen

Vodafone will in die Infrastruktur der Deutschen Telekom "schnell und billig" Glasfaser einziehen. Dafür soll der Konzern sich öffnen.

Der Chef von Vodafone Deutschland, Hannes Ametsreiter, verlangt eine weitgehende Öffnung der Infrastruktur der Deutschen Telekom, damit der landesweite Ausbau von Glasfaser besser möglich ist. Ametsreiter sagte im Gespräch mit der Rheinischen Post: "Der Ex-Monopolist sollte seine gesamte - teilweise sogar ungenutzte - Infrastruktur zur Nutzung freigeben. Dann können dort - gegen eine marktübliche Gebühr - schnell und billig Glasfaserstränge durchgezogen werden. Das wäre smart und könnte viel Fördergeld ersparen. Und davon würden letztlich alle profitieren."

Ametsreiter hält nichts davon, dass die Politik erwägt, die Telekom von der Regulierung freizustellen, falls der größte Festnetzbetreiber ein bundesweites Glasfasernetz baut: "Das wäre die Rückkehr zum Monopol."

Deutschland liege beim Glasfaserausbau weit zurück, kritisierte Ametsreiter. "Bisher ist Deutschland beim Glasfaserausbau jedenfalls weit abgeschlagen in Europa. Nur 1,6 Prozent der Anschlüsse haben diese überlegene Glasfaser-Technologie, in Schweden und Lettland sind es 40 Prozent."

Deutschland: Glasfaserentwicklungsland

Für einen flächendeckenden FTTH/B-Ausbau in Deutschland muss wegen der Vectoring-Politik der Telekom noch viel nachgeholt werden. Deutschland erreicht nach Angaben des FTTH Council 647.600 Glasfaserkunden und 2.358.100 Homes passed. Gemessen an der Versorgung in Europa liegt Deutschland weit zurück. Im Ranking der EU-39 rangiert es auf dem vorletzten Platz bei den FTTH/B-Kunden.

Die Gesamtzahl der FTTB/H-Anschlüsse in Deutschland lag laut VATM (Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten) zum Jahresende 2016 bei knapp 2,7 Millionen. Tatsächlich gebucht waren 791.000, davon 707.000 bei den Wettbewerbern, 84.000 bei der Telekom.

Telekom-Sprecher Philipp Blank sagte Golem.de auf Anfrage: "Für den weiteren FTTH-Ausbau sollte es möglichst keine Regulierung geben, um private Investitionen und Kooperationen der Netzbetreiber untereinander zu erleichtern."

Nach Schätzungen des TÜV für das Wirtschaftsministerium würde ein flächendeckender FTTH-Ausbau circa 80 Milliarden Euro kosten. Das könne kein Unternehmen alleine stemmen. "Zumal die jährlichen Zahlen der Bundesnetzagentur zeigen, dass die tatsächliche Nachfrage nach FTTH-Anschlüssen ziemlich bescheiden ist", erklärte Blank.  (asa)


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